Die Schatten von Edinburgh

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • London: Michael Joseph, 2015, Titel: 'The strings of murder', Originalsprache
  • München: Goldmann, 2017, Seiten: 475, Übersetzt: Peter Beyer

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Jörg Kijanski
Violinen, Teufelswerk und Jack the Ripper

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2018

Am 9. November 1888 wird Mary Jane Kelly ermordet. Jack the Ripper hat einmal mehr zugeschlagen, nicht nur die Londoner Unterschicht gerät in Panik. Inspector Ian Frey wird gemeinsam mit seinem Vorgesetzten entlassen, der neue Commissioner will eigene Gefolgsleute fördern. Doch es kommt noch Ärger für Frey, denn nach einem misslungenen Abendessen mit der teils verachteten Familie eröffnet ihm Eugenia, dass sie ihre Verlobung auflösen wird.

Schlimmer kann es kaum kommen, doch dann sind noch vermeintliche Einbrecher in seiner Wohnung. Darunter befinden sich allerdings sein ehemaliger Chef und der Premierminister Lord Salisbury. Letzter schickt Frey nach Edinburgh, wo ein grässliches Verbrechen stattgefunden hat. Sollte es in Schottland einen Nachahmer von Jack the Ripper geben?

"Der Mörder will nicht Jack the Ripper nachahmen, sondern Guiseppe Tartini; jemand will die gleiche Geige benutzen, die der Teufel spielte - diejenige, die Paganini benutzte, um die Seelen seiner Liebhaberinnen einzusperren - und um das Instrument mit menschlichen Darmsaiten zu bespielen. Dieser Mistkerl ist clever; er benutzt nicht irgendwelche Därme, sondern die von Virtuosen, und er hat das Symbol verwendet - die fünf Augen -, um Old Nick, dem Teufel, zu signalisieren, was er vorhat, nämlich ihn dazu einzuladen, zu erscheinen und seine Violine zu spielen, wenn die Saiten vollständig sind."

Frey willigt wiederwillig ein, denn nur so kann er hoffen, erneut zu Scotland Yard in London zurückzukehren. Im verhassten Schottland trifft der vornehme Ermittler auf den grobschlächtigen und abergläubischen Adolphus "Nine-Nails" McGray, der fortan sein Vorgesetzter sein soll. Gemeinsam ermitteln beide in der neu geschaffenen Abteilung "zur Aufklärung ungelöster Fälle mit mutmaßlichem Bezug zu Sonderbarem und Geisterhaften"...

Altbekanntes Schema - gekonnt umgesetzt

Oscar de Muriel liefert mit seinem Debütroman "Die Schatten von Edinburgh" einen mehr als gelungenen Auftakt zu der neuen Frey&McGray-Serie, die sicherlich viele Fans gewinnen wird. Bestimmt wird die Geschichte durch die beiden widersprüchlichen Protagonisten, die wie Feuer und Wasser zueinander passen. Hier der versnobte Dandy aus dem vornehmen London, dem es ein Graus ist, womöglich gegen die Etikette verstoßen zu können.

Dort der bärbeißige Dickkopf, der immer frei heraus spricht und dabei nicht immer gute Manieren an den Tag legt. Schnell muss Frey erfahren, dass es in Edinburgh noch schlechteres Wetter gibt als in London. Schon bald sind seine guten Anzüge aufgebraucht, von Essen wie "Haggis" (Schafsinnereien) gar nicht erst zu reden. Die beiden Ermittler schenken sich nichts an derben Sprüchen und finden dennoch zunehmend zueinander.

"Was denn? Werden Sie meine Gesellschaft vermissen?"
"So sicher, wie ich einen Dorn im Genitalbereich vermissen würde. Ich denke einfach, Sie sollten Ihre persönlichen Zerwürfnisse mit dieser Familie nicht mit ihren beruflichen..."
"Oh, halten Sie die Klappe, Mädel! Ich schicke Sie allein dorthin, weil ich glaube, dass Ihre schwülstige Art wesentlich besser dafür geeignet sein wird, ihnen Informationen zu entlocken."

Das eingangs erwähnte Thema "Jack the Ripper" verschwindet leider sehr schnell, dennoch halten weitere Todesfälle die Ermittler in Atem. Allein schon der erste Fall des toten Musikers hat es in sich. Eine Leiche, in einem von innen abgeschlossenen Raum (bestens bekannt als "locked-room mystery"), gibt naturgemäß Rätsel auf. Gleiches gilt für den Text auf dem Buchrücken: "& in einem von innen verschlossenen, fensterlosen Raum&" ist dort zu lesen. Wie kam die Polizei in den Raum? In dem sie die Fensterscheibe einschlug. Was ist da los beim Goldmann-Verlag??

Neben den ständigen Frotzeleien der beiden Protagonisten gibt es auch in den Nebenrollen gut gezeichnete Figuren. Die Handlung bietet einen gekonnten Ausflug ins Okkulte, denn offenbar sterben plötzlich Menschen, die im Besitz einer wertvollen Geige waren.

Lastet auf dieser ein Fluch, hat womöglich der Teufel seine Hand im Spiel? Nicht zuletzt spielt Edingburgh eine heimliche Hauptrolle, denn die Stadt wird ausführlich vorgestellt. Ebenso interessant wie imposant, aber mindestens genauso dreckig wie die Viertel in East London. Krimileser mit einer Vorliebe von britischer Unterhaltung kommen hier voll auf ihre Kosten.

Die Schatten von Edinburgh

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