Schlüssel 17

Erschienen: Februar 2018

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Ullstein, 2018, Seiten: 400, Originalsprache

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Andreas Kurth
Das neue Ermittler-Duo gibt gleich Vollgas

Buch-Rezension von Andreas Kurth Mai 2017

Der Berliner Polizei wird ein grausiger Leichenfund im Dom gemeldet. Pfarrerin Dr. Brigitte Riss wurde ermordet, und als Kreuz drapiert in die Kuppel gehängt - mit einem Schlüssel um den Hals. Kommissar Tom Babylon soll nach dem Willen seines Vorgesetzten nicht zum Tatort fahren, lässt sich jedoch nicht abhalten, und sieht die in den Schlüssel eingeritzte Zahl - eine 17. Babylon ist davon förmlich paralysiert - mit diesem Schlüssel verschwand vor vielen Jahren seine jüngere Schwester Viola.

Tom ist fest davon überzeugt, dass sie noch lebt, obwohl angeblich ihre Leiche gefunden wurde. Gegen alle Widerstände beginnt er in dem aktuellen Mordfall zu ermitteln. Hilfe bekommt er nur von der Psychologin Sita Johanns, die ihm eigentlich auf die Finger sehen soll. Babylons Motiv für sein Verhalten ist klar - er erhofft sich neue Erkenntnisse zum Schicksal von Viola. Der Fall führt Tom und Sita auch zurück in Toms Vergangenheit - und er gerät dabei in Lebensgefahr.

Nettes Duo: Angeknackster Bulle und ausgebuffte Psychologin

Für seine drei ersten Romane hat Marc Raabe von den Lesern der Krimi-Couch durchgängig hohe Bewertungen bekommen - und von mir als Rezensenten auch, wenn auch jeweils knapp darunter in der Skala. Dieses hohe Niveau vermag der Autor nach seiner dreijährigen Pause durchaus zu halten - "Schlüssel 17" ist mal wieder ein Thriller, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient.

Marc Raabe startet mit dem Buch erstmals eine Serie, nachdem er zuvor drei Einzel-Romane geschrieben hat. LKA-Ermittler Tom Babylon ist dabei eine mehr als eigenwillige Figur. Mit Anfang 30 für einen Polizisten recht jung, aber durchaus ehrgeizig. Und er hat - natürlich, möchte man fast sagen - den üblichen Knacks. Aber immerhin bekommt er mit der ausgebufften Sita Johanns gleich eine Psychologin an die Seite gestellt. Ein netter Kniff, um den traumatisierten und scheinbar unkontrollierbaren Bullen von einer netten Frau "einhegen" zu lassen, die sich von ihm auch nicht einschüchtern lässt.

Raabe legt die Basis für die weiteren Bände der Reihe

Zentrales Element der Geschichte ist neben Babylons Suche nach seiner Schwester ein Vorfall am Landwehrkanal vor 20 Jahren. Der Leser erfährt, dass Tom und seine Clique damals eine Leiche im Kanal gefunden haben. Die Jugendlichen sind erst einen Tag später zur Polizei gegangen - und dann war der Tote bereits verschwunden. Neben dem Leichnam hatte Tom allerdings "Schlüssel 17" gefunden, der in dem aktuellen Kriminalfall eine zentrale Rolle spielt.

Daneben ist der Schlüssel für den Kommissar das Symbol für die Suche nach seiner geliebten Schwester. Viola wurde zwar für tot erklärt, doch Tom hat das niemals akzeptiert, geht von einem Fehler in der DNA-Analyse der unkenntlichen Leiche aus.

Er führt immer wieder im Geiste Gespräche mit seiner Schwester, und Sita Johanns, ehemalige Mitarbeiterin der operativen Fallanalyse, merkt schnell, dass mit Tom etwas nicht stimmt. Dabei ist seine Macke relativ harmlos, und beeinträchtigt ihn keineswegs in seiner Arbeit.

Der Kommissar will allerdings die clevere Psychologin möglichst schnell loswerden, aber Sita ist hartnäckig. Sie hat kubanische Wurzeln - und ebenfalls einige Geheimnisse. Tom und Sita raufen sich zu einen guten Ermittler-Paar zusammen - und das hat mir als Leser außerordentlich gut gefallen. Die Dialoge der beiden sind mal professionell, mal flapsig, immer der Situation angemessen. Die beiden ergänzen sich ganz gut - und damit ist wohl die Basis für die weiteren Folgen der Reihe gelegt.

Grusel-Effekte in den ehemaligen Beelitzer Heilstätten

Es gibt regelmäßige Rückblicke in das Jahr 1998. Der merkwürdige Leichenfund, Violas Verschwinden, die Mitglieder von Toms Clique - der Leser bekommt intensive Einblicke in die damaligen Ereignisse. Allerdings werfen die Rückblicke zuweilen mehr neue Fragen auf, als dass sie Antworten liefern. Der Kommissar hat lange keinen Kontakt zu seinen Freunden mehr gehabt, doch nun tauchen einige plötzlich wieder auf.

Für einige ziemlich dramatische Momente hat sich Marc Raabe eine ziemlich spezielle Location ausgesucht. Die früheren Beelitzer Heilstätten haben seit dem entsprechenden Kinofilm am Anfang des Jahres einen wahren Geister-Tourismus ausgelöst. Und auch hier im Roman werden diese düsteren Gebäuden kräftig genutzt, um dem Leser kalte Schauer über den Rücken zu jagen.

Bemerkenswerte Charaktere neben den Haupt-Protagonisten

Marc Raabe kann seine Geschichten hervorragend erzählen, das hat er bereits in seinen drei Romanen gezeigt. Dramatische Abschnitte wechseln sich mit ruhigeren Passagen ab, der Leser bekommt immer neue Fakten zum Nachdenken - darunter aber auch falschen Fährten und Sackgassen. Der Autor baut so einige Wendungen ein, und wer irgendwann glaubt, der Lösung nahe zu sein, sieht sich getäuscht.
Am Ende werden längst nicht alle losen Fäden zusammengebunden.

Das wird dem einen oder anderen Leser nicht gefallen, aber hier wird der Keim für den nächsten Thriller gelegt. Hochspannung, witzige und authentische Dialoge, bemerkenswerte Charaktere jenseits der beiden Haupt-Protagonisten - "Schlüssel 17" bietet alles, was in meinen Augen einen Thriller mehr als lesenswert macht. Kopfkino der feinsten Art - gerne mehr davon.

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