DNA

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Reykjavik: Veröld, 2014, Titel: 'DNA', Originalsprache
  • München: Der Hörverlag, 2016, Seiten: 1, Übersetzt: Mark Waschke, Bemerkung: gekürzte Ausgabe

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Jörg Kijanski
Spannender Serienstart der isländischen Topautorin

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Sep 2016

Die Polizei von Reykjavik erlebt gerade nicht ihre beste Zeit. Umstrittene Methoden haben ihren Ruf arg beschädigt und so darf der noch unerfahrene Kommissar Huldar erstmals die Ermittlungen in einem Mordfall leiten. Dieser hat es in sich, denn eine dreifache Familienmutter ist das Opfer; die Tatwaffe ein Staubsauger. Unter dem Bett der Toten finden die Ermittler deren siebenjährige Tochter Margret, die jedoch stark traumatisiert nur bedingt als Zeugin taugt. Die Befragung im Kinderhaus leitet die Psychologin Freya, die sich noch mit einem anderen Problem herumschlagen muss. Kürzlich lernte sie während einer Kneipentour einen Tischler namens Jonas kennen, es kam zu einer wilden Nacht und am nächsten Morgen zu einem bösen Erwachen, da sie allein in ihrem Bett aufwachte. So staunt Freya nicht schlecht als sich Kommissar Huldar als Leiter der polizeilichen Ermittlungen im Kinderhaus vorstellt, da sie diesen erst kürzlich als Jonas kennenlernte.

 

"Das ist einer der fürchterlichsten Morde, mit denen ich je zu tun hatte. Ich hätte niemals einen der jüngeren Kollegen in unserer Abteilung gebeten, diese Leichen zu obduzieren. Kann es sein, dass man Sie nicht wegen Ihrer Fähigkeiten ausgewählt hat? Meines Wissens nach gibt es bei Ihnen eine Menge Leute, die mehr Erfahrung haben."

 

Doch es bleibt keine Zeit die privaten Befindlichkeiten zu erörtern, es gilt einen Mörder zu finden, der schon wenig später erneut zuschlägt. Dieses Mal ist das Opfer eine pensionierte Lehrerin, Mitte sechzig, verwitwet. Zwischen den Opfern gibt es keinerlei Verbindungen und auch sonst treten die Ermittlungen auf der Stelle. Helfen könnte ein junger Mann namens Karl, der mit seinen beiden einzigen Kumpeln als Hobbyfunker ab und an einem Kurzwellensender lauscht; einem isländischen Zahlensender. Dieser sendet Zahlenfolgen, die Karl zunächst nicht versteht, doch dann gelingt es ihm, diese zu entschlüsseln. Sie enthalten seine sowie die ID-Nummern der ersten beiden Mordopfer. Versucht der Mörder mit ihm Kontakt aufzunehmen?

Kommissar Huldar ist gewöhnungsbedürftig, aber die Serie könnte Spaß machen

Yrsa Sigurðardóttir ist auch außerhalb ihrer isländischen Heimat längst keine Unbekannte mehr. Vor allem mit ihrer Serie rund um die Anwältin Dóra hat sie sich gerade hierzulande eine große Fangemeinde erschlossen. Dazu kommen einige Stand-Alone-Thriller von allerdings unterschiedlicher Qualität. Nun also startet die Erfolgsautorin mit einem Duo. Kommissar Huldar, lockeres bis ungepflegtes Äußeres, permanent einen Nikotinkaugummi in Bearbeitung, hat bislang Probleme in seinem Privatleben, denn wenn immer er glaubt, eine passende Frau gefunden zu haben, endet die Bekanntschaft schnell, wenn er sich als Polizist outet. Um dies bei Freya zu vermeiden kam er auf die Idee, sich als Tischler vorzustellen. Da Freya nun unvermittelt seine wahre Identität erfährt, ging auch dieser Versuch nach hinten los. Dabei hätte auch Freya nichts gegen eine feste Beziehung einzuwenden, denn seit der Trennung von ihrem Mann ergab sich bislang nur die eine Nacht mit Jonas alias Huldar. Die Beziehung der Beiden hat noch nicht begonnen, da liegt sie schon in Trümmern, doch es dürfte eine große Überraschung sein, wenn sich dies in den folgenden Romanen der Serie nicht noch ändern würde.

Der Fall selbst ist spannend, die Ermittlungsarbeit - oftmals ebenso monoton wie ergebnislos - wird ordentlich dargestellt, allein die Anzahl verdächtiger Personen bleibt überschaubar. Eigentlich drängt sich niemand auf und so ist es am Ende einmal mehr eine Lösung, die man schon "recht häufig" gelesen hat. Allerdings ist das Motiv des Täters originell. Yrsa Sigurðardóttir zeigt sich einmal mehr als große Erzählerin, die ihre Handlung atmosphärisch auszuschmücken versteht. Dies geht naturgemäß zu Lasten des Erzähltempos und führt zu der einen oder anderen Wiederholung bereits erwähnter Umstände; kurz, man hätte den Plot gerne etwas straffen können. Alles in allem ist DNA ein gelungener Serienstart, der Freude auf mehr macht. Nicht nur die "Beziehung" zwischen Huldar und Freya dürfte für weitere Spannung sorgen.

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Letzte Kommentare:
21.01.2019 21:29:47
Lothar K.

Leider sehr brutal, aber auch ausgesprochen spannend. Die Personen sind nicht wirklich differenbziert gezeichnet, die Krimigeschichte aber schlüssig. Also ein durchwachsen gutes Buch. Ich habe es jedenfalls nur schwer weglegen können. Mit gemischten Gefühlen mache ich mich nun an den Nachfolgeband "Sog".

31.12.2017 16:06:26
claudi-1963

Elisa ist mit ihren drei Kindern alleine zu Hause als sie Nachts von einem Mann überwältigt wird. Der Täter fesselt sie mit Isolierband und tötet sie auf brutalster Weise. Die beiden Söhne hat er eingeschlossen, jedoch können sie später aus dem Fenster klettern und der Nachbar entdeckt diese. Bei der Besichtigung des Tatorts, entdecken sie dann die kleine Tochter Margrét, die sich unter dem Bett versteckt hatte und traumatisiert ist. Leider haben die Ermittler unter Kommissar Huldar wenig Anhaltspunkte, da Margrét nur sehr spärlich von der Nacht berichtet. Zu tief sitzt das Erlebte, was sie hören und teilweise auch sehen musste. Darum entschließt man sich mit Psychologin Freyja zusammenzuarbeiten, die sich dem Kind annimmt. Freyja und Huldar kennen sich, er hat sich damals als Tischler ausgegeben und mit ihr eine Nacht verbrachte, somit ist die Zusammenarbeit nicht gerade die Beste. Dann geschieht der nächste Mord, auf dieselbe Weise und ebenfalls so brutal wie beim ersten Opfer. Der einzige Anhaltspunkt sind die kryptischen Botschaften die der Täter hinterlässt. Karl ein Amateurfunker wird ebenfalls auf einen Sender mit diesen Botschaften aufmerksam und beginnt zu recherchieren.

Meine Meinung:
Die Leseprobe hat mich damals auf dieses Buch aufmerksam gemacht und ich wurde dadurch neugierig. Am Anfang hat mir das Buch auch sehr gut gefallen, die Autorin hat einen guten, fesselnden Schreibstil. Doch leider wurde das Buch dann durch nicht relevante Erzählungen, vor allem ab dem 1/3 des Buches ermüdend und langweilig. Ich war dabei schon am überlegen aufzugeben, kämpfte mich dann aber weiter durch das Buch. Auch mit den Ermittlern wurde ich nie richtig warm, zu selbstverliebt und kompliziert sind ihre Lebensformen, so dass ich mich nicht mit ihnen identifizieren konnte. Vielleicht lag es auch an den isländischen Namen, das ich mich so schwer tat. Das Cover ist nicht spektakulär, passt aber durch das Isolierband ganz gut zum Roman. Leider fehlte mir der anhaltende Spannungsbogen der in diesem Buch immer wieder Hochs und Tiefs hatte. Und wieder ein nordisch kühler Thriller der meinen Ansprüchen nicht gerecht wurde, von daher von mir nur 3 von 5 Sterne.

09.12.2017 07:59:52
uwe

bei seite 148 war schluss, keine spannung, ,es passiert nichts !, langweilige dialoge. eine teenie liebesgeschichte zwischen freya und huldar, könnte so auch in der bravo stehen. dann immer wieder gähnende langeweile nach dem motto : irgendwie soll das ja ein dickes buch werden. schade habe schon richtig gute bücher von ihr gelesen

29.10.2017 09:43:21
Andrea

Eigentlich schätze ich Yrsa Sigurdadottir als Krimiautorin, aber diesmal war ich etwas enttäuscht. Der Plot insgesamt und auch die Hauptfiguren sind durchaus interessant, aber während des Lesens war ich oft von dem unprofessionellen und - z.B. im Hinblick auf die Sicherheit der kleinen Zeugin - fahrlässigen und stümperhaften Verhalten der Polizei genervt. Die kindischen Rivalitäten der Polizisten, das wenig souveräne Führungsverhalten von Kommissar Huldar, es war mir einfach zuviel Inkompetenz auf einmal, um glaubwürdig zu sein. Hinzu kommen die zufälligen Beziehungs- und Abstammungsverflechtungen, die Island wie ein kleines Dorf erscheinen lassen. Schade!

26.08.2017 16:18:35
Kasia

Da ich das Buch als Gebundenes Exemplar gelesen habe, war es reiner Zufall, dass ich es las (Aus Kostengründen lese ich eher Taschenbücher).
Das Buch ist aus meiner Sicht super! Von der ersten bis zur letzten Seite fühlte ich mich gut unterhalten.
Die Figuren werden in den folgenden Bänden sicherlich mehr ausgeschmückt, in diesem Roman lernt der Leser sie erstmal kennen.
Der Schreibstil der Autorin spricht mich an, denn sie schreibt leicht verständlich und bedient sich der einfachen Alltagssprache.
Ich war wie gefesselt von der Geschichte und nutzte jede freie Minute, um zu lesen.
Ich kann "DNA" jedem empfehlen, der die Autorin noch nicht kennt (ich kannte sie zuvor nicht) und ein gutes Buch sucht.

11.02.2017 23:56:37
Marco R. Graf

Ein durchaus Spannender Krimi mit einzelnen Längen.
Der Protagonist (Huldar) ist in diesem Roman schon fast etwas unscheinbar, bis auf seine Konsum von Nikotinkaugummis gibts nicht viel Auffälliges an ihm und er wäre im Prinzip fast austauschbar. Das muss aber nicht zwingend schlecht sein, so kann er für die künftigen Fälle noch etwas 'geformt' werden.
Die Übrigen Charaktere wurden hinreichend beschrieben, teilweise fast etwas zu sehr was gewisse Längen erklärt (es gab ein paar Abschnitte, die hätte man mMn getrost weglassen können).

Der Fall selber ist interessant und die Zusammenhänge erfährt man erst gegen Ende, sie sind aber grundsätzlich in sich schlüssig.

Dass es allerdings solche Mühe machte, die Zahlen zu decodieren erscheint etwas unglaubwürdig, ich denke da hätte die Polizei relativ schnell dahinter kommen müssen, so kompliziert war das nun auch wieder nicht. Und dass das dann alles damit auch noch so funktioniert hat... etwas unrealistisch.

Nichtsdestotrotz, die Lektüre hat mich gut unterhalten und wenn die Serie fortgesetzt wird, werde ich mir den nächsten Band sicher zulegen.

(Bewertung: 75/100)