Die Springflut

Erschienen: August 2013

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Norstedt, 2012, Titel: 'Springfloden', Originalsprache
  • München: btb, 2013, Seiten: 592, Übersetzt: Paul Berf
  • München: btb, 2015, Seiten: 592, Übersetzt: Paul Berf

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Jörg Kijanski
Vielschichtiger und temporeicher Serienstart

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Aug 2019

1987. Nordkoster, eine Insel vor der schwedischen Westküste. In einer Sommernacht wird eine junge, hochschwangere Frau von drei Personen am Strand bis auf den Kopf eingegraben. Ein besonders perfider und sadistischer Tod steht ihr bevor, denn in Kürze wird eine Springflut den Strand erreichen.

Tom Stilton leitet daraufhin die Ermittlungen. Doch niemand scheint die Frau zu vermissen. Es fehlen Verdächtige sowie ein Motiv, zudem können die Polizisten nicht einmal den Namen des Opfers herausfinden.

2011. Olivia Rönning ist im dritten Semester der Polizeischule. In sechs Monaten will sie sich bei der Stockholmer Polizei bewerben. Doch zunächst stehen Sommerferien bevor, und ihr Dozent bietet ihr einen Ordner mit Cold Cases an; Fällen, die ungelöst zu den Akten gelegt worden sind.

Wer möchte, kann sich eines Falles annehmen und in einer Seminararbeit herausstellen, was unter Einsatz der heutigen Ermittlungsmethoden eventuell möglich gewesen wäre. Rönning stürzt sich in den Fall auf Nordkoster, denn ihr vor einigen Jahren verstorbener Vater war damals an den Ermittlungen beteiligt. Helfen könnte ihr auf jeden Fall Tom Stilton, doch dieser hat vor Jahren bei der Polizei gekündigt - und niemand scheint zu wissen, wo er sich aufhält.

Der komplexe Plot erfordert Aufmerksamkeit, entfaltet schnell eine hohe Sogkraft

„Die Springflut“ ist das Debüt des Autorenpaares Cilla und Rolf Börjlind, welches 2015 erschien, verfilmt wurde und bereits mehrere Fortsetzungen der Rönning-Stilton-Reihe erfuhr. Gleichwohl ist dieses Buch auch heute noch ein großartiges Erlebnis, denn der Plot ist nicht nur temporeich und kurzweilig, er ist auch vielschichtig und wartet mit etlichen, überraschenden Wendungen auf.

Wie das Autorenduo mit dem Kopfkino seiner Leserschaft spielt ist großes Kino, um im Bild zu bleiben, denn die Börjlinds gelten als Schwedens bekannteste Krimi-Drehbuchautoren. Immer wieder denkt man in eine bestimmte Richtung und ist mehr als einmal überrascht, wie sich der Plot entwickelt. Dabei ist Konzentration gefragt, denn die beiden eingangs geschilderten Passagen sind nur der Kern der Haupthandlung.

Schon vor 1987 gab es einen bis heute ungelösten Mord an einem Journalisten, im damaligen Zaire. Im Mittelpunkt stand die Firma Magnuson World Mining, die soeben (2011) vom König als Unternehmen des Jahres gekürt wurde. Allerdings begleitet von scharfen Protesten, denn Vorwürfe über die Ausbeutung im Kongo gab es schon früh; von Kinderarbeit war und ist die Rede.

So überrascht es kaum, dass Bertil Magnuson, der Chef von MWM, erpresst wird. Überraschender und schockierender sind hingegen die sich häufenden Berichte über Überfälle auf Obdachlose. Jugendliche schlagen die meist wehrlosen Menschen zusammen und veröffentlichen dann Videos darüber im Internet. Als die obdachlose Vera ihren schweren Verletzungen erliegt, kommt auf einmal Bewegung in die Ermittlungen, die die Polizei bis dahin eher beiläufig betrieb. Und auch der vermisste Tom Stilton erscheint plötzlich wieder auf der Bildfläche.

Was es mit dem Mord an der jungen Frau auf Nordkoster auf sich hat und wie Tom Stilton ins Spiel gebracht wird, ist ebenso überraschend wie großartig. Wie erwähnt, wird man mehrfach an der Nase herumgeführt, so dass die Auflösung des Mordes auf Nordkoster nahezu unvorhersehbar ist. Dabei wartet der größte Coup am Ende des Romans, nachdem die Verbrechen längst aufgeklärt sind. Bis dahin staunt der Leser nicht schlecht, wie alles zusammenhängt - oder eben auch nicht.

Fazit:

„Die Springflut“ ist der bemerkenswert fulminante Start der Rönning-Stilton-Reihe, dessen bereits fünfter Teil „Wundbrand“ Anfang dieses Jahres erschienen ist. Die Handlung ist komplex, dennoch tempo- und actionreich. Ein packender Pageturner mit überraschend wenigen Längen, trotz seiner rund 570 Seiten. Die beiden Hauptfiguren dürften zudem eines der ungewöhnlichsten Ermittlerpaare aller Zeiten sein.

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