Mädchenjäger

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • London: Avon, 2013, Titel: 'Stalkers', Seiten: 452, Originalsprache
  • München: Piper, 2014, Seiten: 464, Übersetzt: Johannes Sabinski

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Lars Schafft
Nette Leute

Buch-Rezension von Lars Schafft Feb 2014

The Nice Guys, das war der ursprüngliche Titel zu Paul Finchs Krimidebüt, das hierzulande unter dem Titel Mädchenjäger veröffentlicht wurde. Diese "netten" Typen haben es sich zur Aufgabe gemacht, Auftragskidnapper zu sein und als solche für wohlbetuchte Londoner Finanzhaie mal einfach so die Objekte ihrer Begierde für die eine heißersehnte Nacht zu entführen. Klar, dass die Damen dies nicht überleben sollen.

An diesem Fall arbeitet Detective Sergeant Mark "Heck" Heckenburg schon ewig. Achtunddreißig Frauen werden mittlerweile vermisst, doch weil er nicht vorwärts kommt, ist dieser Fall schon bald ein Cold Case.

Doch dann spricht ihn Lauren Wraxford an und der ausgebrannte Cop leckt erneut Blut. Gemeinsam mit der Ex-Soldatin begibt er sich in die Armenviertel Manchesters, um ihre vermisste Schwester zu finden.

Nicht ganz verleugnen kann man die Ähnlichkeit zu Ian Rankin, denn auch "Heck" hat wie John Rebus eine mehr oder weniger freundschaftliche Beziehung zu einem Unterwelt-Boss, in der die beiden aufeinander angewiesen sind. "Heck" ist sich der Problematik bewusst und doch: Die Beziehungen zur Unterwelt Manchesters müssen sein, um den Tätern auf die Schliche zu kommen. Dass der gute Sergeant – letztendlich praktisch ohne Eier, drogenbetäubt und schwer misshandelt – weder damit klar kommt, den Club der Nice Guys aufzulösen, noch damit, der verschwundenen Tochter des Gangsterbosses und auch seiner eigenen auf die Spur zu kommen, ist ein trauriges Dilemma, aber passt zum Stil des Romans.

Für Paul Finchs Krimierstling brauchen wir die Schublade Police-Thriller. Mädchenjäger kombiniert das aus dem Amerikanischen übernommene actionreiche Thriller-Getue mit dem pedantischen alltäglichen Arbeitstrott der Polizei und den heruntergekommenen und zugleich moralisch aufrechten Figuren.

Mädchenjäger ist ein hoch-routiniert wie spannender Thriller, der auf der neuen britischen Schule beruht und zugleich die Horror-Wurzeln des Autors erkennen lässt. Es gibt weder schwarz noch weiß und unterm Strich bleibt einfach nur Tristesse. Der Ex-Cop Paul Finch weiß, wovon er zu erzählen hat, und selbst, wenn nur die Hälfte stimmt, was wir hier über Vergewaltigungsclubs und Menschenhandel lesen, bleibt ein beklemmendes Gefühl zurück.

Ein großartiges Debüt für Fans des englischen Krimis, Kollegen wie Mark Billingham, Stuart MacBride oder Peter James werden sich erstaunt umschauen, wer sie da rechts überholt hat (wir halten uns an die britischen Verkehrsregeln: links).

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