Scheunenfest

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • München: Piper, 2014, Seiten: 320, Originalsprache

Couch-Wertung:

75°
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Andreas Kurth
Liebe, Habgier und Eifersucht – eine tödliche Mischung

Buch-Rezension von Andreas Kurth Nov 2013

Feueralarm in Unterammergau – eine Scheune brennt lichterloh. Die Feuerwehr verhindert mit großem Einsatz das Übergreifen der Flammen auf andere Gebäude, ein betagtes Ehepaar und wenige Tiere werden aus Wohnhaus und Stall gerettet. Aber in einem alten Getreidesilo in der Tenne finden die Brandschützer zwei Frauenleichen und eine tote Katze. Kathi Reindl ruft angesichts der verwirrenden Fakten sogar ihre Freundin und Kollegin Irmi Mangold an, die sich eine Auszeit genommen hatte und nach Norwegen geflogen war. Nach ihrer Rückkehr gehen die beiden Ermittlerinnen den Fall mit großer Energie an, und finden in der verzweigten Eigentümer-Familie allerlei Ungereimtheiten. Die osteuropäischen Altenpflegerinnen, die offenbar auf vielen Höfen in der Region im Einsatz waren, spielen ebenso eine Rolle, wie eine mysteriöse norwegische Studentin. Erst als Irmi erneut nach Norwegen fliegt, um einer vielversprechenden Spur nachzugehen, kommt mehr Bewegung in den Fall – der dann ein merkwürdiges Ende nimmt.

Ein inhaltsschweres Potpourri

Mit ihrem neuen Fall um die Ermittlerinnen Irmi Mangold und Kathi Reindl hat Autorin Nicola Förg einen Plot vorgelegt, der es wirklich in sich hat. Es geht da um private Probleme, die aber vom üblichen Muster in solchen Büchern abweichen. Und es geht um das Problem des demographischen Wandels, der manche Familien kalt und unvorbereitet erwischt. Pflegenotstand und die ungeklärte Vergangenheit einer Familie sind weitere Themen, die hier zu einem inhaltsschweren Potpourri vermischt wurden. Nicola Förg hat offensichtlich hervorragend recherchiert und präsentiert ihren Lesern neben einer spannenden Kriminalgeschichte einen ganzen Strauß interessanter Fakten und Hintergrundinformationen.

Gutes Beispiel für ein ernstes Thema

Am Beispiel der Familie Schmid arbeitet die Autorin gut heraus, wie problematisch es werden kann, wenn niemand aus der Kinder- oder Enkelgeneration die Pflege der Eltern übernehmen kann oder  will. Streitereien wegen des Erbes und der Pflege sind da schon fast vorprogrammiert. Aber dann wird es recht kompliziert, denn schnell geben sich Pflegerinnen aus Osteuropa die Klinke in die Hand, was Probleme der unterschiedlichen Art verursacht. Die Männer stellen den hübschen Frauen nach, diese werden des Diebstahls oder Betrugs verdächtigt. Dabei wollen sie sich mit der Arbeit im reichen Deutschland nur genug Geld für ihren Lebensunterhalt oder die anspruchsvolle Ausbildung verdienen. Das Thema ist im Grunde schon komplex genug, aber ohne sich zu übernehmen oder inhaltlich zu "verfransen" packt Nicola Förg noch ein weiteres drauf.

Vergessenes Kapitel der Geschichte

Die deutsche Besetzung der skandinavischen Länder ist ein fast vergessenes Kapitel des zweiten Weltkriegs. Dort wurde nicht so lange und nicht so spektakulär gekämpft wie in Mitteleuropa. Und dennoch war die Zeit der Besetzung nicht minder traumatisch für die Dänen und Norweger. Durch den dramaturgischen Kunstgriff der Auszeit von Irmi Mangold ausgerechnet in Norwegen kann die Autorin tiefer in dieses Thema einsteigen, als es nur durch die Implikationen der Kriminalgeschichte möglich gewesen wäre. Für meinen Geschmack sehr geschickt gelöst, der Roman gewinnt dadurch ungemein. Denn auch die Spuren und möglichen neuen Motive durch diese überraschende Wendung sorgen für weitere Spannung, die nach meiner Auffassung durch den Plot ohnehin schon reichlich erzeugt wird.

Durchgehend hoher Spannungsbogen

Der Roman punktet auch mit den gut austarierten Protagonisten, die fast alle als Muster für spezielle Typen von Menschenherhalten können. Dialoge und Personen sind wie von Nicola Förg gewohnt überaus authentisch. Das Buch hat einen durchgehend hohen Spannungsbogen, nachdem sich die Geschichte komplett entwickelt hat, mag man es kaum noch aus der Hand legen. Und mir gefällt ganz besonders, dass hier der berühmte "Kommissar Zufall" den Ermittlerinnen fast nie zu Hilfe kommen muss. Vielmehr erarbeiten sie sich ihre Erfolge durch Schlussfolgerungen und konsequente Polizeiarbeit der guten alten Art.

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