Letzte Ernte

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • München: audio media, 2013, Seiten: 6, Übersetzt: Gregor Weber

Couch-Wertung:

78°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

6 x 91°-100°
0 x 81°-90°
2 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:93.25
V:7
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":1,"76":1,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":1,"98":1,"99":0,"100":4}
Matthias Kühn
Der kochende Ermittler, dritte Runde

Buch-Rezension von Matthias Kühn Dez 2012

Judd mat Gaardebounen, Letzebuerger Huesenziwwi, Wäinzoossiss mat Moschtezooss, Quetscheflued mat Vanilleglace, dazu seltene Rivaner- und Rieslinglagen – willkommen in der sonderbaren und verrückten Welt von Xavier Kieffer. Zum dritten Mal innerhalb von rund drei Jahren bringt Tom Hillenbrand seinen verhinderten Meisterkoch dazu, als nicht gerade professioneller Privatdetektiv Luxemburg auf den Kopf zu stellen.

Nach synthetischen Geschmacksverstärken und Rotem Thun hat der dritte Band der beachtenswerten Reihe um den verschrobenen Koch aus Luxemburg die Finanz- und IT-Branche zum Thema. Aber auch hier geht es um Essbares – um die künstliche Verknappung von Lebensmitteln am Weltmarkt.

Es beginnt, nach einer Art Prolog, der hier angenehm einfach das erste Kapitel darstellt, relativ harmlos: Kieffer will auf der Schueberfouer, einem lokalen Volksfest, am eigenen Stand Gromperekichelcher zubereiten – also Kartoffelpuffer. Alles ist vorbereitet, da kommt, neben einer schnell gegenwärtigen Bedrohung, der clever gelegte Hinweis auf den eigentlichen Plot: Die Kartoffelsorte, für die Kieffer sich entschieden hat, ist komischerweise fast über Nacht teurer geworden – sein deutscher Lieferant gibt sich machtlos und faselt etwas von Order und Limit. Na ja, so ist das halt, wenn etwas plötzlich gefragt ist. Dann wird alles teurer.

Besoffener Antialkoholiker auf der Schueberfouer

Die Story kommt in Fahrt, als es an Kieffers Stand plötzlich laut wird: Ein seltsamer Kerl taucht pöbelnd auf, ganz offensichtlich betrunken und von merkwürdigen Gestalten verfolgt. Er drückt Kieffers Freundin Valérie Gabin ein(en) Schlüsselbund in die Hand und eine ominöse Keycard. Am nächsten Tag ist der Pöbler tot: Selbstmord, ganz offensichtlich. Kieffer bezweifelt das – und hat neben Keycard und Schlüsselbund wieder einen Fall am Hals.

Es stellt sich heraus, dass der Tote ein Zahlengenie war, ein Herrscher über Algorithmen und Hedgefonds, fast autistisch und überzeugter Antialkoholiker. Also kann er gar nicht betrunken gewesen sein. Dieser Aron Kats hatte das Geheimnis der Finanzwelt nahezu entschlüsselt und eine Software entwickelt, mit der er den Weltmarkt im Alleingang beeinflussen kann.

Weltmarkt – das ist natürlich starker Tobak. Kieffer kommt Kats nach und nach auf die Schliche; zunächst wird er gemeinsam mit Valérie wegen derer Dickköpfigkeit in Paris überfallen – und dann lauern, wegen seiner Eigensinnigkeit, überall Gefahren. Für beide.

Krimi oder Infotainment?

Wie in den ersten beiden Büchern Kieffer überfährt Hillenbrand uns schier mit einer Vielzahl an Rechercheergebnissen. In Teufelsfrucht, dem ersten Band der Reihe, hielt er die Balance nahezu perfekt. In Rotes Gold gab es Momente, in denen die Ausführungen über die Bedrohung des Thunfischs durch internationale Machenschaften manchmal schon ermüdeten. Das passiert in Letzte Ernte auch gelegentlich – aber seltener. Was allerdings hier geschieht, und das geht eigentlich gar nicht: Hillenbrand will seine Leser bilden. Er liefert nicht einfach Hintergrundinformationen, damit beispielsweise ich als Wirtschaftslaie die Story kapiere. Nein, er zwingt mich phasenweise, einen Text mit der erotischen Kraft des FAZ-Wirtschaftsteils zu lesen. Und das ist für Leute, deren Zeitung in aller Regel aus Politik, Feuilleton und Sportteil besteht, eine wahre Zumutung. Natürlich schadet es nicht, mal etwas über Hochfrequenzhandel zu erfahren. Wer nun aber Infotainment mag, soll das kriegen – aber dann, bitte, soll das auch auf dem Cover stehen.

Nein, das ist ein bisschen zu hart. Schließlich verpackt Hillenbrand den Wust an Informationen in ganz gut gebauten Dialogen, sodass es selten oberlehrerhaft rüberkommt – aber halt nicht immer. Und dass Kieffer genauso unbeleckt ist wie ich und bestimmt viele andere Leser, kann man auch als faulen Trick brandmarken. Dafür ist die Entwicklung der Geschichte besser gelungen als in den beiden Vorgängern, und sprachlich bleibt der Autor meistens auf dem Teppich.

Vertraute Gestalten, vertraute Umgebung

Das ist das Schöne an solchen Reihen: Dass man Figuren wiedertrifft, die man ein bisschen kennt. So richtig funktioniert die Beziehung zwischen Kieffer und Valérie Gabin zwar immer noch nicht, aber ich empfand es jetzt nicht mehr als störend wie noch bei Rotes Gold. Dann ist da natürlich wieder Pekka Vatanen, der finnische EU-Beamte, der seinem Leibkoch immer wieder unter die Arme greift. Immerhin taucht eine neue Kommissarin auf.

TV-Koch-Dissing inklusive

Als etwas nervig empfand ich ein Nebengleis des Hauptstrangs: Kieffers alter Kollege Esteban, der Pampaprinz, bereitet eine Samstagabend-Show im ZDF vor – und setzt auf die Unterstützung sowohl von Kieffer als auch von Valérie. Im Verlauf dieses Strangs tauchen deutsche Spitzen- und Fernsehköche auf, wobei Hillenbrand gerade in den Dialogen und Dialektimitationen viel zu sehr auf den Putz haut. Da wäre etwas weniger wirklich mehr gewesen. Denn hier wird schnell klar, dass es sich um eine persönliche Geschichte des Autors handelt: Denen will er eins auswischen. Muss nicht sein.

Dass weniger mehr gewesen wäre, gilt auch für das überbordende luxemburgische Lokalkolorit und das permanente Aufzählen traditioneller Gerichte der Region: Natürlich will Hillenbrand dort und in der Eifel gut verkaufen, aber ganz so auffällig hätte er es nicht machen müssen.

Klingt schon wieder zu hart. Denn Letzte Ernte macht in erster Linie viel Spaß – und Lust auf einfache, aber raffinierte Küche.

Letzte Ernte

Letzte Ernte

Deine Meinung zu »Letzte Ernte«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
05.07.2020 10:46:11
Stefan Roth

Der dritte Band um den Luxenburger Koch Xavier Kieffer. Auch hier löst er wieder ein Verbrechen, in das er ganz zufällig hineingerät.
Nach meiner Meinung fällt Band Nummer 3 gegenüber seinen Vorgängern doch etwas ab, unterhält seine Leser aber immer noch recht gut, der Autor will hier allerdings etwas zu viel. Der Ausflug in die Hochfinanz und seinen Computerhandel gerät ab und an etwas schulmeisterlich, als müsste der Autor seinen Lesern doch immer mal wieder die Grundlagen der Börse erklären, damit sie dem Thema folgen können. All das macht er allerdings in einem schönen, flüssigen Schreibstil, sodass nie Langeweile aufkommt.
Am ehesten punktet das Buch für mich in der Nebenhandlung um Kieffers Argentinischen Kollegen Esteban, hier gibt es immer etwas zu Schmunzeln, vielleicht sollte es Tom Hillenbrand mal nicht mit einem Krimi versuchen, sondern mit einer Story rund um Kieffer und Esteban.

Zum Schluss allerdings noch ein Thema das mir sehr negativ aufgefallen ist. Gerade in einem Kulinarikkrimi sollte es doch um Genuss und Gaumenfreuden gehen. Warum hier alle Protagonisten am Glimmstängel hängen und ihrer Nikotinsucht frönen, ist mehr als abstrus, gerade weil man heute weiß das dies auf Dauer zur Zerstörung der Geschmacks- und Geruchsnerven führt, vielleicht nicht ganz unwichtig für einen Koch.
Leider wird das Rauchen, Anstecken einer Zigarette, im Buch mindestens 30 mal erwähnt, nicht nur als Handlung an sich, sondern oftmals auch im Zusammenhang mit der Zigarettenmarke, sodass man annehmen muss das Tom Hillenbrand sich von den Herstellern auch noch gut dafür bezahlen lies, den Vorgang nennt man wohl Schleichwerbung.
Das hat mich an dem Buch kolossal gestört, sodass es bei mir zur Abwertung führte und "Letzte Ernte" bei mir "nur"

76 von 100 °

erreicht hat.

05.02.2019 22:45:45
brandy 43

"Letzte Ernte", mein drittes Buch aus der Reihe von Hillenbrands kulinarischen Krimis um den luxemburgischen Koch Xavier Kieffer, ist wieder eingebettet in Kulinarisches aus dem Restaurant "Deux Eglises" und der Topographie der Stadt Luxemburg ( mir persönlich durch Besuche gut bekannt ) und erzählt spannend wirtschaftskriminelle Machenschaften im Welt-Nahrungshandel. Im Gegensatz zur Darstellung in anderen Kommentaren waren für mich die Erklärungen über wirtschaftspolitische Zusammenhänge zum tieferen Verständnis sehr hilfreich. Daneben wird eine unterhaltsame Story über das Wirken von Sterneköchen im Fernsehen eingeflechtet, die das Grundthema Mathematik-gesteuerte Computerkriminalität angenehmt auflockert. . Ich habe das spannende Buch in zwei Nächten "durchgehabt" und gebe ihm auf der Skala von 0 - 5 eine uneingeschränkt empfehlenswerte "5".

15.03.2018 21:34:15
trafik

Für mich ist es das zweite Buch von Tom Hillenbrand das ich gelesen habe. Auch dieses hat mich sehr überzeugt.
Eher ein Wirtschaftskrimi mit kulinarischen elimenten. Die Handlung war aber trotzdem sehr verständlich geschrieben. Ist nicht immer so bei Wirtschaftskrimis.
Die Personen kommen total sympatisch rüber. Eine große Stärke von Tom Hillenbrand. Freue mich schon auf den nächsten Krimi dieser Reihe.

12.11.2013 10:37:26
Silsmaria2004

Gott sei Dank habe ich die Bücher in der richtigen Reihenfolge gelesen, wenn ich Letzte Ernte zuerst in der Hand gehabt hätte, würde ich mich gefragt haben, warum der Untertitel nicht Wirtschaftskrimi oder Computertechnikkrimi anstatt Kulinarischer Krimi lautet. Da ich aber mit dem Luxemburger Koch als Ermittler schon vertraut bin und gewohnt bin, dass ich über aktuelle Themen wie Geschmacksverstärker/künstliche Lebensmittel (Bd.1) oder Überfischung der Weltmeere/Thunfischarten (Bd.2) informiert werde, -auf unterhaltsame Art und Weise!-, bin ich am Ball geblieben.
Alles in allem war ich froh, dass Xavier Kieffer auch keine Ahnung von Computern, Primzahlen und komplizierten Zahlenreihen hat und so wurde mir nach und nach aufgeblättert, wie man von seinem Bürostuhl aus Lebensmittel künstlich verknappen kann, unser Koch spürt es am eigenen Leib, weil er für seine bevorzugten Reibekuchenkartoffeln plötzlich das Doppelte zahlen muss. Natürlich will keiner, dass das herauskommt, und prompt findet er sich in einem Thriller wieder, in dem ihm im wahrsten Sinne des Wortes die Luft ausgeht
Die Kochsendung im Fernsehstudio fand ich lustig, kam mir aber seltsam angehängt vor, da hätte man in einem anderen Zusammenhang vielleicht mehr draus machen können ...

27.08.2013 05:16:52
Kunstdirektor

Nachdem ich von den ersten beiden Krimis um Xavier Kieffer sehr angetan war, erspare ich mir hier eine opulente Zusammenfassung. Diesmal bin ich gelangweilt bis enttäuscht. Lediglich das Rauchverhalten des Kochs entlockt mir ein leichtes Schmunzeln und ich kann die Kritik, obwohl Nichtraucher, daran nicht nachvollziehen. Fällt in die allgemeine Antiraucherhysterie. Lächerlich.

30.07.2013 22:30:53
SteffiFeffi

Xavier Kieffer, ein bekannter Koch aus Luxemburg und seine Freundin Valérie, eine Gastrokritikerin werden auf der Sommerkirmes in Luxemburg in eine Verschwörung mit hinein gezogen. Valérie kommt in den Besitz einer Magnetkarte und am Folgetag ist der Überbringer der Karte tot. Die Jagt beginnt und Valérie und auch Kieffer schweben in Gefahr.

Bei diesem Buch handelt es sich um den dritten Teil der kulinarischen Krimireihe um Xavier Kieffer.
Das Cover des Buches drückt es gleich gut aus, es geht bei dem Buch nicht nur um Mord sondern in erster Linie eigentlich ums Essen und Kochen.

Das Buch lässt sich schnell lesen und zu einigen Fremdwörtern, speziell den erwähnten Gerichten und Begrifflichkeiten im Roman befindet sich am Ende des Buches ein Glossar mit der Definition, was ich gut gelungen finde, jedoch nicht als ausreichend genug betrachte.

Auch bei der Beschreibung der verschiedenen Charaktere habe ich eine detailliertere Darstellung vermisst, viele Figuren verblassen im Hintergrund bzw. man merkt sich diese nicht. Hier gibt es meiner Meinung nach mehr Potenzial und nebenbei könnte das Buch dadurch auch noch ein bisschen länger werden.
Was ich auch als etwas störend empfunden habe war das ständige Rauchen im Buch.

Dass zu den benannten Gerichten im Buch keine Rezepte vorzufinden sind finde ich gut, da diese mir zu schwer zum Nachkochen wären, da es eher Gourmetessen sind, welche ich eh nie kochen würde.

Neben dem Essen geht es in dem Roman auch um die Wirtschaft verbunden mit Informatik und Mathematik. Ich bin der Meinung, dass das Essen noch mehr hätte mit dem Thema verbunden werden können, der einzige Zusammenhalt des Ganzen ist Kieffers, ansonsten berühren sich die Welten nicht weiter großartig, was ich etwas schade finde.
Auch sind die wirtschaftlichen Aspekte in dem Buch meiner Meinung nach nicht für Laien erklärt. Hier sollte man grobe Fachkenntnisse besitzen um mehr Freude an dem ganzen zu haben.

Trotzdem war es schön das Buch zu lesen, da es an Witz und Spaß nicht gemangelt hat. Die Auflösung des Falles ist mit einigen Überraschungen verbunden mit denen man nicht rechnen konnte.

Ich gebe dem Buch 4 (schwache) Sterne, da ich mich trotz allem gut unterhalten gefühlt habe und Spaß beim Lesen hatte.

30.07.2013 04:36:15
AusliebezumBuch

Ein luxemburger Koch gerät einem Rohstoffhändlers in die Quere und bezahlt dies fast mit seinem Leben.

Ich weiß gar nicht, wie ich meine Meinung in Worte fassen soll, da ich doch etwas enttäuscht von dem Buch bin.
Angefangen von den Charakteren bis hin zu der sich dahinschleppenden Geschichte. Am meisten hat mich jedoch das ganze Fachchinesich gestört. Ein bisschen weniger bzw. verständlicher für uns "Normalos" hätte es auch getan.
Bis kurz vor Schluss war ich mir nicht sicher, ob ich das Buch wirkich beenden soll oder nicht. Da ich aber kein Buchabbrecher bin, habe ich es dann doch beendet und so hab ich dann auch noch ein paar spannende Szenen erlebt.
Nur vom Ende bin ich etwas enttäuscht. Es wirkt wie abgeschnitten. Bums Ende. Dabei hätte es meiner Meinung nach schon noch ein wenig weiter gehen können.
Schade finde ich auch, dass zwar von der luxemburger Küche viel gesprochen wurder, aber leider kein einziges Rezept zu finden gewesen ist. Es gibt sicherlich den ein oder anderen Leser, der das ein oder andere Rezept gerne nachkochen bzw. -backen würde.
Alles in allem muss ich sagen, dass mich das Buch, trotz einiger spannender Szenen, nicht überzeugen konnte und ich eher entäuscht bin. Da hat sich der Autor leider keinen neuen Leser für seine anderen Werke herangeschrieben.

29.07.2013 22:01:05
Solifera

Kieffer kann es einfach nicht lassen, das "Kriminalisieren". Hat er bereits den Fall des toten Restaurant-Kritikers und Sushi-Kochs gelöst, so steht er in "Letzte Ernte" nun vor seinem dritten "Fall".

Es laufen im schönen Luxemburg gerade die Vorbereitungen für die Schueberfouer, was eine Art luxemburgische Variante des Oktoberfestes ist. Und Xavier Kieffer hat es diesmal endlich geschafft, einen der begehrten Standplätze zu ergattern. An seinem Stand "De Roude Léiw" (Der rote Löwe), will er seine Köstlichkeiten präsentieren, Gromperekichelcher in rauen Mengen. Just da kommt es zu einem Zwischenfall: Ein unbekannter, offenbar betrunkener Mann randaliert, verliert einen Schlüsselbund mit Keycard und drei farbigen Schlüsseln, die Valerie, Kieffers Freundin und ihres Zeichens Cheffin des Gabin-Imperiums, in die Hände fallen. Was hat das alles zu bedeuten und warum ist eben dieser Mann, bekannt als Aron Kats, wenig später tot, angeblich Selbstmord, gestürzt von der Roten Brücke?

Ehe sich Kieffer versieht ist er mittendrin in einem Sumpf aus Betrug, Datenklau, Manipulation und Geschäften, von denen er keine Ahnung hat. Wie hart es in der Wirtschaftswelt zugeht und wie gefährlich der Besitz von Schlüsseln und Keycard sowohl für Kieffer als auch für Valerie ist, das lest selbst in Tom Hillenbrands neuem Werk.

Auch im nun schon dritten Band ist Kieffer auf seine eigene Weise ein sympathischer Charakter mit Ecken und Kanten. Der Stil ist gewohnt gut, klar gibt es viele nicht-deutsche Begriffe, v.a. französisch, luxemburgisch oder spanisch kommt vor, aber man muss auch nicht jeden Begriff 1A verstehen, um an dem Buch Spaß zu haben. Die Aspekte der Synästhesie und das Anschneiden des Themas Autismus haben mir gut gefallen. Lediglich im Mittelteil haben IT- und Wirtschaftsbegriffe die Überhand gehabt, das ist einfach nicht meine Welt ;)

Summa Summarum: Ich bleibe Kieffer auch weiterhin treu, selbst wenn "Letzte Ernte" mit "Teufelsfrucht" und "Rotes Gold" nicht ganz mithalten kann. Daher vergebe ich gern wohlverdiente 4 Sterne.

29.07.2013 07:51:06
Hikari

Letzte Ernte ist der 3. Fall des luxemburgischen Kochs Xavier Kieffer - für mich war es der erste mit dem sympathischen Mann. Aber definitiv nicht der letzte.Der Schreibstil von Tom Hillenbrand ist sehr angenehm und verbindet spannende Situationen, leckeres Essen und angenehmen Humor mit skurrilen Charakteren. Xavier Kieffer ist dabei ein sehr sympathischer, etwas grummeliger Koch, dessen Freundin Valérie Gabin sehr reizend und charmant. Die anderen Charaktere haben alle ihre Eigenheiten und sind wunderbar - die anderen Köche super überzeichnet und toll dargestellt.Der Kriminalfall dreht sich hier um die Wirtschaft und um ein extrem kluges Todesopfer, dass einige kryptische Hinweise hinterlassen hat - ausgerechnet in Xavier Kieffers Stand auf der Luxemburger Sommerkirmes. Und kurz darauf ist der Mann tot. Und Xavier kann nicht wiedestehen und muss einfach herausfinden, was passiert ist.Die Erklärungen zur Wirtschaftskriminalität und dem ganzen Gedöns waren für mich gut und ausreichend. Man versteht es so, dass man mitkommt, auch wenn man kein Experte ist ;)
Der Fall wird zusehens spannender und Valérie und Xavier geraten einige Male in große Gefahr, bis das Geschehen mit einigen Überraschungen aufgeklärt wird.Die eingeflochteten Gerichte und die Kochshow würzen das Ganze und machen eine Runde Sache aus dem Buch. Band 1 und 2 werde ich definitiv auch noch lesen, mir gefällt die Reihe sehr gut.

25.07.2013 16:25:54
tweedledee

Xavier Kieffer, Chef des "Deux Eglises" hat es in diesem Jahr geschafft, einen Platz auf der jährlich stattfindenden Luxemburger Schueberfouer zu ergattern, einem Fest ähnlich dem Münchner Oktoberfest. Er betreibt seinen Stand, den "De Roude Léiw", bereitet seine berühmten Gromperekichelcher zu, um die sich die Leute reißen. Plötzlich kommt es zu einem Tumult, ein augenscheinlich angetrunkener Mann drängt durch die Menge, hinter sich zwei Verfolger. Er rempelt auf seinem Weg durch das Zelt Xaviers Freundin, Gastrokritikerin Valerie Gabin an, Xavier greift beherzt ein. Als sich die Menge wieder zerstreut hat, findet Valerie einen Schlüsselbund mit einer Keycard, den der Flüchtige verloren hat. Am nächsten Tag ist der Randalierer tot, und Xavier befindet sich mitten in einem neuen brisanten Fall.

"Letzte Ernte" ist der dritte Fall für den sympathischen Luxemburger Koch Xavier Kieffer und ich bin wieder einmal begeistert. Ohne großes Vorgeplänkel ist man als Leser sofort in der Geschichte drin. Diesmal geht es um Termingeschäfte, Lebensmittelspekulationen und deren Manipulation, ein Thema das hochinteressant ist und das vielleicht gar nicht so weit von der Realität entfernt ist.

Der Autor hat die Stimmung in Luxemburg wieder sehr schön eingefangen und man trifft bekannte Personen aus den ersten beiden Fällen wieder. Ich habe mich in der Geschichte von Anfang an wohl gefühlt, als Leser erfährt man gerade so viel Details, dass man neugierig wird und unbedingt wissen muss, wie es weiter geht. Die Spannung ist zwar nicht durchweg vorhanden, was mich aber nicht gestört hat, denn der Autor gleicht es durch witzige Einlagen auf dem Poloplatz und in einer Kochshow sowie die Beschreibung der köstlichen Gerichte gekonnt aus.

Mir hat der dritte Xavier Kieffer wieder sehr gut gefallen, ich mag die Mischung aus Krimi und kulinarischen Schmankerln und freue mich schon auf den nächsten Teil der Reihe.

23.07.2013 13:56:52
Gelinde

Die letzte Ernte von Tom Hillenbrand
Ein kulinarischer Krimi (na ja so viel Kulinarisches habe ich nicht darin gefunden)

Dies ist der 3. Band um den Luxemburger Restaurantbesitzer und Koch Xavier Kieffer, der sich gerne auch mal als „Ermittler“ betätigt.

Es geht um einen Toten, bei dem von einem Selbstmord ausgegangen wird.
Xavier und seine Freundin, Valerie Gabin, haben diesen bei einer „Schlägerei“ so ziemlich als Letzte noch lebend gesehen und sind dabei in den Besitz seines Schlüsselbundes und einer ominösen Keycard gekommen.
So nach und nach wird klar, dass es hier um millionenschere Wirtschaftsimperien geht, um die Börse und um höchst komplizierte wirtschaftliche Vorgänge.
Xavier und seine Freundin sind in höchster Gefahr, da die Polizei das Ganze nicht so wichtig zu nehmen scheint, aber skrupellose Personen hinter dieser Keycard her sind und auch vor Gewalt nicht zurückschrecken.
Kieffer wird immer tiefer in die Geschichte hineingezogen.

Ich kenne die Vorgängerbände nicht, bin aber sehr schnell in die Geschichte hineingekommen.
Die ganzen Beschreibungen über die örtlichen Gegebenheiten waren mir vielleicht ein bisschen zu ausführlich.
Dann waren auch die ganzen Ausführungen über die wirtschaftlichen Zusammenhänge, Börse, Finanzmarkt, PC und Hackerfachjargon zu viel, ich habe davon immer nur Bahnhof verstanden.
Mir haben die „Nebenschauplätze“ viel besser gefallen. Vor allem die Geschichte mit Xaviers „Freund“ Esteban und seiner Kochshow, bei der wohl so ein bisschen die ganzen „Samstag-Abend-Shows“ vorgeführt werden sollten.
Diese kleinen Nebengeschichten, haben das Buch für mich abgerundet.

19.07.2013 20:31:13
Ivika

Xavier Kieffer ermittelt wieder

Ich liebe das Herzogtum und vor allem die Stadt Luxemburg und ich liebe Xavier Kieffer, den luxemburgischen Koch! In diesem spannenden Krimi hat man beides zusammen - was will man mehr?!

Nun geht es schon zum dritten Mal weiter mit Xavier - unkonventionell, sympathisch und ein Feinschmecker in jeder Hinsicht hat sich der Protagonist aus der "Teufelsfrucht" und "Rotes Gold" kein bisschen verändert: das freut die geneigten Leser, die bereits ungeduldig auf die Fortsetzung dieser stimmungsvollen Reihe gewartet haben.

Wie so oft hofft Xavier auf ein romantisches Wochenende an der Seite seiner Valerie, der berühmten Gastrokritikerin, die sicher nicht nur von mir glühend um ihren kochenden und charismatischen Freund beneidet wird. Diesmal ist allerdings er selbst während ihres Besuchs gut beschäftigt, hat er doch einen Stand mit seinen Delikatessen auf dem Stadtfest. Dort kommt es zu einem Zwischenfall mit einem merkwürdigen Gesellen, in den auch seine Valerie verwickelt ist - wenig später ist dieser eine Leiche - er ist über die höchste Brücke der Stadt gesprungen - oder gestoßen worden? Xavier gerät flugs in die Ermittlungen, wie immer eskortiert von seiner Valerie und Freund Pekka, dem finnischen EU-Beamten. Valerie hat nämlich etwas, das dem Toten gehört - und auf das ziemlich viele scharf sind. Es wird ganz schön gefährlich, wobei leider immer wieder eher unspannende Episoden dazwischen liegen, die vor allem von Xaviers ehemaligen Mitschüler auf der Kochschule und gewissermaßen auch Konkurrenten Esteban, dem Argentinier, einer eigentlich sehr unterhaltsamen Figur handeln. Nur ist dieser jetzt Fernsehkoch und diese Handlung, die mit dem Kriminalfall rein gar nichts zu tun hat, langweilt den Leser dann doch.

Trotzdem ist dieser deutschsprachige, vor allem in Luxemburg, doch wie immer auch in den Nachbarländern Deutschland und Frankreich, diesmal zusätzlich in der Schweiz spielende Roman durchaus zu empfehlen, lernt man doch einiges über gute Küchen - sowohl bodenständige als auch besternte und erfährt dies und das über das Großherzogtum Luxemburg und nicht zuletzt auch über seine Mitmenschen. Auch die Figuren, allen voran Xavier Kieffer mit seiner Valerie und dem Kumpel Pekka, sind liebevoll und mit viel Humor gezeichnet und lassen auf den Ausbau dieses amüsanten Krimis zu einer Serie hoffen! Herrlich, wie der Autor die Atmosphäre im beschaulichen Luxemburg, doch auch bei der von mir gar nicht so goutierten Kochshow einfängt!

Aber ob das Rauchen am laufenden Band - fast keine Seite, auf der sich Xavier nicht mindestens einen Glimmstengel gönnt - unbedingt sein muss? Hier wird es als typisch französische und auch luxemburgische Eigenart verkauft: nun, ich kenne jede Menge überzeugte bis militante Nichtraucher sowohl aus Frankreich als auch aus den Benelux-Ländern, für die genussvolles Essen und Zigarettenqualm am besten auf zwei unterschiedliche Planeten verteilt sein sollten... mir scheint, der Autor will hier auf charmante Art ein ganz persönliches Laster legitimieren. Das stört mich ein ganz kleines bisschen, tut dem Lesevergnügen in ganz großem Stil jedoch keinen Abbruch.

Ein Buch für "Freunde" der Wirtschaftskriminalität - natürlich nur in literarischer Form, aber vor allem für Gourmets und für Xavier-Kieffer-Fans wie mich!

Film & Kino
Knives Out

Bestsellerautor Harlan Thrombey feiert mit seiner Großfamilie, der Haushälterin und seiner jungen, hochgeschätzten Pflegerin Marta Cabrera, seinen fünfundachtzigsten Geburtstag im eigenen luxuriösen Herrschaftshaus. Jeder der anwesenden Verwandten bekommt an diesem Abend eine gut gemeinte, aber existentiell bedrohliche Abfuhr mit auf den Weg. Der Beginn einer unruhigen Nacht, an deren Ende der Hausherr tot aufgefunden wird. Titel-Motiv: © MRC II Distribution Company L.P.

zur Film-Kritik