Herr Groll im Schatten der Karawanken

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Salzburg: Otto Müller, 2012, Seiten: 280, Originalsprache

Couch-Wertung:

40°
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Wolfgang Weninger
Braune Schatten

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Jan 2012

Die obige Kurzversion ist bereits so ausführlich, dass man als Rezensent kaum mehr hinzufügen kann, um nicht zu viel aus dem Kriminalroman zu verraten, den der Otto Müller Verlag aus Salzburg auf den Buchmarkt bringt und der über 300 Seiten lang dem Leser ein Eintauchen in die aktuelle Situation der Kärntner Wirtschafts- und Politikszene ermöglicht und dabei beschreibt, wie sich dies seit dem braunem Intermezzo im vorigen Jahrhundert entwickelt hat.

Dass Erwin Riess dabei schon mal 150 Seiten braucht, bis der Kriminalfall recht gemächlich ins Laufen kommt, ist die eine Seite des Romans, der nur bedingt auf die Krimi-Couch passt. Die andere Seite spiegelt ein sehr persönliches Bild des Autors wieder, der seine sehr linkslastige Sichtweise der Geschehnisse von damals und heute zwar in durchaus humorgeprägtem Schreibstil zu vermitteln weiß, im Endeffekt dabei aber den Eindruck erweckt, hier ein (teilweise verständliches) geschichtliches Feindbild zu entwickeln, das seine Berechtigung eher auf der Histo-oder Bellestristik-Couch findet, so sehr stellt er den Kriminalfall dabei in den Hintergrund.

Während Erwin Riess in seinem letzen Roman Herr Groll und der rote Strom vor allem durch seine Fähigkeit aufgefallen ist, gekonnt die Bilder des Lebens an der Donau und seiner Bewohner zu zeichnen, fehlt ihm in Herr Groll im Schatten der Karawanken diese Bildsprache völlig. Der Autor haut (berechtigt oder unberechtigt mag ein anderer beurteilen) auf jeden hin, der in den letzten siebzig Jahren seine Nase in das Leben der Reichen und Schönen rund um Wörthersee und den Karawanken hinein gesteckt hat. Dass dabei der Geruch kommunistischer Propagandaphrasen aufkommt, schadet insgesamt dem durchaus lohnenswerten Ansinnen des Autors, durch eine nebensächliche Krimihandlung aufzuzeigen, dass braunes Gedankengut noch immer viele Bereiche des südlichsten österreichischen Bundeslandes durchzieht, immerhin ein Land, in dem ein Jörg Haider als Landeshauptmann bis zu seinem Tod präsent war.

Wenn man außer der fast völlig fehlenden Spannung noch beurteilt, wie die Hauptakteure Groll, sein Rollstuhl und der Dozent im Schatten der Karawanken agieren, so beuteln den Leser die slapstickhaften, aber ernst gemeinten Szenen (z. B. auf der Suche nach einem rollstuhlgeeigneten WC) in ein Auf und Ab zwischen vielleicht ungewollter Komik und angestrengt vermittelter Ernsthaftigkeit.

Erwin Riess ist es grundsätzlich nicht gelungen, dieses Buch so zu gestalten, dass auch ein Leser außerhalb der österreichischen Grenzen Verständnis für die Thematik aufbringen kann. Dafür hätte er wohl nicht so stark ins (lokal)politische Detail eintauchen dürfen und mehr an der Handlung arbeiten müssen. Für den "normalen" Krimileser bleibt hier höchstens ein farbloser Regio-Krimi übrig, denn Interesse an diesem Buch kann man wohl nur zeitgeschichtlich interessierten Menschen mit Zugang zu Grundkenntnissen österreichischer Politik in voller Punktzahl zumuten.

Als Krimi kann ich Herr Groll im Schatten der Karawanken maximal eine 40° Wertung zusprechen, für die belletristische Aufarbeitung politscher Zeitgeschichte aus Österreich zu einem stets wichtigen Thema wäre mir auch eine 80° Wertung nicht zu hoch.

Herr Groll im Schatten der Karawanken

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