Daniel Faßbender

Autor Daniel Faßbender umrundete einst als Seemann die Welt, absolvierte ein Zeitungsvolontariat, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft, Politik und Geschichte und wäre gerne Profisurfer geworden – ein Hobby, dem er bis heute mit großer Leidenschaft nachgeht. Faßbender arbeitet als Chef vom Dienst für Nachrichten bei einer großen Mediengruppe. Sein Krimidebüt „Heaven’s Gate“, erscheint aktuell beim Züricher Diogenes Verlag. Krimi-Couch-Redakteur Thomas Gisbertz sprach mit dem Autor über das Surfen, seine Arbeit am Roman und das Besondere seiner Hauptfigur.

Während ich im Wasser bin, verstummt die Welt, alles andere verliert an Wichtigkeit.

Krimi-Couch:
Herr Faßbender, das Leitmotiv Ihres neuen Romans „Heaven’s Gate“ ist das Surfen. Sie selber bezeichnen sich als „Surfclown“. Was macht für Sie die Faszination des Wellenreitens aus?

Daniel Faßbender:
Surfen frisst einen auf, im besten Sinne. Während ich im Wasser bin, verstummt die Welt, alles andere verliert an Wichtigkeit. Wenig anderes hat eine derart kathartische Wirkung auf mich. Und auch außerhalb des Wassers greift diese Leidenschaft tief ins Leben ein. Surfen ist mein Abenteuermotor, lässt mich um die Welt reisen, Neues entdecken, und mich immer wieder aus meiner Komfortzone heraustreten.

Krimi-Couch:
Wenn Sie sich entscheiden müssten: Wären Sie lieber als Surfer oder als Schriftsteller erfolgreich?

Daniel Faßbender:
Wenn ich auch nur einen kleinen Funken Realismus einfließen lasse, ist es der Erfolg als Schriftsteller. Auf diese Möglichkeit habe ich mein ganzes Erwachsenenleben hingearbeitet. Dass ich gerade mein Schreiben mit dem Surfen verbinden kann, fühlt sich wie ein Jackpot an.

Krimi-Couch:
Nehmen Sie uns einmal kurz mit auf die Reise: Wann und wo kam Ihnen die Idee zum Roman und wie wurde dann aus dieser Idee tatsächlich ein Krimi?

Daniel Faßbender:
Ich war 2019 zum Surfen auf den Philippinen, lag dort mittags in der Hängematte, habe Jörg Fausers "Das Schlangenmaul" gelesen und plötzlich BOOOM – da war sie die Grundidee vom abgehalfterten Inseldetektiv im vermeintlichen Surfparadies. Irgendwo kam auch der Name Caruso her – wie ein Flaschengeist aus der Red Horse-Flasche. Weil ich bis dahin so gut wie keine Krimis gelesen habe, musste ich mich dann erstmal in das Genre reinfuchsen, die Figuren entwickeln, einen Kriminalfall finden und hatte dann das große Glück, für ein Schreib-Mentoring mit Krimigroßmeister Horst Eckert ausgewählt zu werden. Von seinen Erfahrungen zu Lernen war ein Riesen-Geschenk.

Krimi-Couch:
Ihr Verlag spricht von einem Surf Noir als Gattungstyp. Ihr Roman ist aber sicherlich auch ein klassischer Hardboiled-Krimi. Ein Genre, an das sich recht selten deutschsprachige Autoren wagen. Was hat Sie daran gereizt?

Daniel Faßbender:
„Normale“ Krimis gibt es im Überfluss, da hätte es nicht auch noch meinen gebraucht. Im Noir- oder Hardboiled-Bereich, die Grenzen sind da fließend, sieht das anders aus, da ist seit Arjouni wenig nachgekommen. Und wenn mich ein Krimi begeistern kann, dann ist er in der Regel in diesem Genre angesiedelt. Die Grauzonen zwischen Gut und Böse, Held und Antiheld, das fehlende Gerechtigkeitsversprechen, die Tiefe und Zerrissenheit der Figuren – das ist alles so wundervoll anders als die vertraute, sonntägliche Tatort Krimi-Welt. 

Krimi-Couch:
Wie muss man sich bei einem Surfer den Schreibprozess am Roman vorstellen: am Strand bei Sonnenuntergang mit einem Notizbuch voller Sand, das Surfbrett immer griffbereit und in der Hand eine Flasche Bier? Oder ist das jetzt alles Klischee?

Daniel Faßbender:
Surfbrett und Bier fallen eher in die Recherchephasen. Die Schreibarbeit findet die meiste Zeit am Kölner Schreibtisch statt. Wenn die Sehnsucht zu groß wird, rieche ich zwischendurch am Surfwachs.

Krimi-Couch:
Ihr Protagonist, der Privatermittler Caruso, ist ein klassischer Antiheld, der sich in einem Geflecht aus Surfen, Alkohol, schönen Frauen und Gefahren verfängt. Warum haben Sie sich für diesen Figurentyp entschieden?

Daniel Faßbender:
Ich habe mich sehr bewusst für das Noir-/Hardboiled-Genre entschieden und damit stand für mich fest, dass meine Hauptfigur gewissen Traditionen dieses Genres verpflichtet ist. Der Profisurfer, die Tropeninsel, auch ein Infragestellen des Männlichkeitsbildes der klassischen Hardboiled-Antihelden waren dann meine Ansätze, um dem Genre etwas Neues hinzuzufügen und es in die Gegenwart zu holen.

Krimi-Couch:
Für Caruso spielen seine Moralvorstellungen eine wichtige Rolle. Er scheint eher ein romantischer Verfechter der Gerechtigkeit zu sein und besitzt darüber hinaus seinen ganz eigenen Humor. Trifft dies auch auf Sie zu?

Daniel Faßbender:
In diesem an der Menschheit verzweifelnden Humor sind Caruso und ich uns vielleicht am ähnlichsten. In die Gerechtigkeit setzt er, glaube ich, größere Hoffnungen als ich.

Krimi-Couch:
Caruso musste in seiner Vergangenheit einige Rückschläge einstecken. Die einzige Konstante scheint das Surfen zu sein. Sein Leben ist wie ein ewiger Ritt auf einer Welle, immer an der Grenze, die Gefahr einkalkulierend, den Rausch genießend und der Freiheit alles opfernd. Würden Sie dem zustimmen?

Daniel Faßbender:
Im Wasser setzt er sich einer gewissen Gefahr aus, weil er seine Fähigkeiten genau einschätzen kann. Das ist ein sehr kalkulierbares Risiko. An Land sieht das anders aus. Dort hat er deutlich größere Probleme Situationen einzuordnen und gerät deshalb unfreiwillig in Gefahr.

Krimi-Couch:
Wie geht es weiter mit Caruso? Können Sie schon verraten, wohin es den Privatermittler im nächsten Roman verschlagen wird?

Daniel Faßbender:
Es geht weiter mit Caruso, soviel kann ich verraten. Band zwei ist fast fertig geschrieben und wird 2027 erscheinen. Ich sage mal so: Ihn verschlägt es in das surfbare Herz der Finsternis.

Das Interview führte Thomas Gisbertz im Februar 2026.
Foto: © Alexander Conrads / © Diogenes

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