Maria Adolfsson

02.2019 Nach der Lektüre von „Doggerland“ hat Krimi-Couch Redakteurin Carola Krauße-Reim einige Fragen dazu an Maria Adolfsson gestellt.

Ein Roman ist sozusagen eine Übereinkunft zwischen Autor und Leser: 'Lass uns eine Weile so tun, als wäre das wirklich passiert.'

Krimi-Couch:
Sie haben jahrelang als Pressesprecherin gearbeitet. Wie kam es zu der Entscheidung, ein Buch zu schreiben, und warum gerade einen Krimi?

Maria Adolfsson:
Im Rahmen meiner beruflichen Laufbahn habe ich schon immer viel geschrieben. Ich glaube, ich muss einfach schreiben. Schon oft habe ich den Traum, einmal ein Buch zu schreiben, aufgegeben, wollte mich nur auf die Arbeit konzentrieren. Doch jedes Mal saß ich dann schon ein paar Wochen später wieder dran und habe geschrieben, mir Geschichten ausgedacht – diesmal sogar ein ganz neues Land! Ich kann mich selbst wohl einfach nicht bremsen.
(Tatsächlich habe ich schon vor zehn Jahren ein Buch verfasst. Doch kurz vor der Veröffentlichung haben leider alle Mitarbeiter des Verlags aufgrund einer Meinungsverschiedenheit mit dem Inhaber gekündigt.)

Krimi-Couch:
Wie ist die Figur Karen Eiken Hornby entstanden?

Maria Adolfsson:
Ich wusste von Anfang an, dass sie nicht zu jung sein sollte, sondern alt genug, eine gewisse Lebenserfahrung und die damit einhergehenden Narben mitzubringen.
Und sie sollte nicht durch und durch gut sein. Keine klassische Heldin, die immer nur das Richtige tut.
Ich wollte über einen echten Menschen schreiben, jemanden, der auch Fehler macht, im Beruf wie im Privatleben.

Krimi-Couch:
Karen hat mit einigen persönlichen Problemen zu kämpfen. Wird sie in ihrer weiteren Entwicklung einen Weg finden, diese zu überwinden, oder sitzen ihre Traumata zu tief?  

Maria Adolfsson:
Karen wird auf jeden Fall sowohl im Beruf als auch privat neue Erfahrungen machen und sich darüber weiterentwickeln. Bei Karen Eiken Hornby geht es viel um Ängste und Schuldgefühle, aber auch darum, sich selbst vergeben und für neues Lebensglück öffnen zu können.

Krimi-Couch:
Doggerland ist fiktiv. Warum haben Sie die Geschichte nicht beispielsweise in England oder einem der skandinavischen Länder angesiedelt?

Maria Adolfsson:
Es hat mich schon immer interessiert, was Menschen, die in unterschiedlichen Ländern leben, gemeinsam haben, und wo die Unterschiede liegen. Wenn ich über Doggerland schreibe, kann ich mit „Was wäre, wenn…?“-Szenarien spielen. Was wäre, wenn es mitten in der Nordsee einen kleinen Inselstaat gäbe? Wie wäre der beschaffen? Wie wären die Menschen, die dort leben? Wie würde eine Mischung der britischen und der skandinavischen Kultur aussehen?
Beim Erschaffen von Doggerland konnte ich mich kreativ richtig ausprobieren, nicht nur was die Landschaft und Hintergrundinformationen angeht, sondern auch in Bezug auf Charaktere und Handlung. Ich fühle mich dabei wie eine Entdeckerin, die unbekanntes Terrain betritt.
Und genau darum geht es letztendlich doch beim Schreiben: seiner Vorstellungskraft freien Lauf zu lassen. Das gilt dann auch für den Leser. Ein Roman ist sozusagen eine Übereinkunft zwischen Autor und Leser: „Lass uns eine Weile so tun, als wäre das wirklich passiert.“ Die Erzählung in einem fiktiven Land spielen zu lassen, treibt das Ganze bloß ein bisschen weiter. Es gibt dem Leser die Chance, Doggerland gemeinsam mit mir zu erkunden.

Krimi-Couch:
Sind die Doggerland-Thriller als Trilogie konzipiert, oder können wir auf mehr als drei Bücher hoffen?

Maria Adolfsson:
Ich habe mindestens noch eine weitere (vierte) Geschichte im Kopf, aber ich habe so ein Gefühl, dass damit noch nicht Schluss sein wird. Wie gesagt: wenn es ums Schreiben und Geschichtenausdenken geht, scheine ich mich nicht bremsen zu können.  

Das Interview führte Carola Krauße-Reim im Februar 2019.
Übersetzt aus dem Englischen von Yannic Niehr.
Foto: © Caroline Andersson