Agent 6

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • München: Der Hörverlag, 2011, Seiten: 8, Übersetzt: Dietmar Bär

Couch-Wertung:

78°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

2 x 91°-100°
3 x 81°-90°
0 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:92.4
V:4
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":1,"86":0,"87":1,"88":0,"89":0,"90":1,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":2}
Jürgen Priester
Die Leo-Demidow-Trilogie findet ihren Abschluss

Buch-Rezension von Jürgen Priester Mai 2011

In drei Romanen schildert der Brite Tom Rob Smith das Leben des Geheimdienstmannes Leo Demidow. Eine Kindheit zu Hungerzeiten im ländlichen Russland der 1929/30er Jahre, der Große Vaterländische Krieg, der Terror des Stalin-Regimes, Okkupation und Krieg in Afghanistan sind Stationen von Leos Leidens- und Lebensweg. Kind 44, Kolyma und Agent 6 – so sind die deutschen Ausgaben betitelt. Um deren Bezug zum Inhalt zu verstehen, muss man bei Kolyma auf den englischen Originaltitel "The Secret Speech" zurückgreifen, denn diese drei titelgebenden Schlagworte markieren die Wendepunkte in Leos Leben. Das 44. Opfer eines Kindermörders ist der Anfang vom Ende seiner Geheimdiensttätigkeit; Chruschtschows "Geheimrede" auf dem Parteitag der KPdSU 1956 und deren Folgen konfrontieren Leo mit seiner längst abgeschlossen geglaubten Vergangenheit; die Missetaten von Agent 6 treiben ihn endgültig in den Untergang.

Agent 6 beginnt mit einem Rückblick in das Jahr 1950. Der schwarze Musiker Jesse Austin – aus heutiger Sicht würde man ihn als Singer/Songwriter bezeichnen – erfreut sich allgemeiner und bei der schwarzen Bevölkerung der USA besonders großer Beliebtheit. Weniger gut gelitten, eher sogar kritisch beäugt wird er von Amerikas Konservativen, denn Austin engagiert sich als Bürgerrechtler und nimmt in seinen Reden kein Blatt vor dem Mund. So wird er schnell in die kommunistische Ecke gedrängt, zumal er kein Hehl aus seiner Sympathie für das Sowjetsystem macht. Austins Besuch in Moskau wird von den dortigen Kommunisten als große Propaganda-Veranstaltung geplant. Doch Austin lässt sich nicht so schnell vereinnahmen und geht im wahrsten Sinne des Wortes seine eigenen Wege. Dabei lernt er den jungen Geheimdienst-Offizier Leo Demidow und dessen spätere Frau Raisa kennen.

Fünfzehn Jahre später. Die Zermürbungstaktik der amerikanischen Behörden, insbesondere des FBI hat Wirkung gezeigt. Jesse Austin lebt mit seiner Frau völlig verarmt in einer Sozialwohnung in Harlem. Er ist ein verbitterter alter Mann geworden.

Die Demidows im fernen Moskau haben in der Zwischenzeit geheiratet und zwei Mädchen adoptiert. Kind 44 und Kolyma beschäftigen sich mit dem ereignis- und folgenreichen Leben der Demidows in den 1950er Jahren. Aus dem obrigkeitshörigen Leo ist nach seinem Ausstieg aus dem KGB und einer Stippvisite bei der Mordkommission ein einfacher Lagerverwalter geworden. Raisa, die etwas schüchterne Lehrerin von einst hat sich zu einer engagierten Schulleiterin gemausert. Als ein Zeichen der Völkerverständigung hat sie ein Gemeinschaftskonzert amerikanischer und sowjetischer Schüler, unter ihnen auch ihre beiden Töchter, am UN-Hauptsitz in New York konzipiert. Von interessierter Seite wird der fast schon vergessene Jesse Austin dazu animiert, zu diesem Event eine Rede auf dem UN-Außengelände zu halten. Während seiner Rede kommt es zu einem Debakel mit mehreren Toten, das gravierende Spätfolgen auf das Leben der Demidows in Moskau haben wird.

Leo, den wir ja als ruhelosen Ermittler kennen, kann sich nicht mit der offiziell verlautbarten Version der Ereignisse abfinden, zieht sie doch das Ansehen seiner Frau in den Schmutz. Schon fast zwanghaft sucht er nach einer Möglichkeit, selbst vor Ort in New York ermitteln zu können. Bei dem Versuch eines illegalen Grenzübertritts wird er gestellt und nach Afghanistan strafversetzt. Jahre der Hoffnungslosigkeit beginnen.

Wirkte Kind 44 trotz einiger Rückblenden wie aus einem Guss, so gelingt es Tom Rob Smith diesmal nicht, die einzelnen Episoden in Agent 6 atmosphärisch zu verknüpfen. Zu unterschiedlich und zu eigenständig sind die Schauplätze im New York der 1960er und eines Afghanistan in 1980er Jahren. Der Versuch zweimal - nein, dreimal, denn zu den New Yorker Ereignissen gibt es am Ende noch eine Reprise – einen Spannungsbogen aufzubauen, misslingt dem Autor, weil die Afghanistan-Episode den gesamten Plot dominiert. Leo ist dort als Berater und Ausbilder afghanischer Geheimdienst- und Sicherheitsleute tätig, um die schwächelnde kommunistische Regierung Afghanistans zu stabilisieren. Ziemlich schnell erkennt er die Sinnlosigkeit seines Tuns, versieht seinen Job äußerst halbherzig. Die meiste Zeit dröhnt er sich mit dem dort leicht zugänglichen Opium zu. Die Flucht in die Droge hilft ihm, seine persönlichen Schicksalsschläge zu ertragen, verhindert aber, dass er die dramatischen Umwälzungen in Afghanistan Ende der 1970er überhaupt wahrnimmt. Erst als die Sowjets Anfang der 1980er Jahre mit Kampftruppen in Afghanistan einmarschieren und Leo an eine der vielen Fronten geschickt wird - er also unmittelbar mit dem Leid der Bevölkerung konfrontiert wird – kommt wieder Leben in seinen abgestumpften Geist. Die Herausforderung, das Leben einer jungen Frau und eines kleinen Mädchens retten zu können, haben ihn erstarken lassen, weil er auch durch die Befreiung der beiden seinem großen Ziel, nach New York zu kommen, näherkommt.

Betrachtet man die Demidow-Trilogie als Ganzes, so lässt sich feststellen, dass Band II und III nicht die Intensität des Debüts erreichen. Die bedrohliche Atmosphäre des Stalin-Terrors in Kind 44 wirkte wie zum Greifen nah, obwohl weder diese Zeit noch die Schauplätze zu dieser Zeit zur Erfahrungswelt des Autors zählen können. Das war schon eine grandiose Leistung von Tom Rob Smith, die ihm die Anerkennung eines breiten Publikums bescherte. Wie der Autor in Interviews gesteht, hat ihn der Erfolg von Kind 44 unerwartet getroffen. An eine Fortsetzung hatte er gar nicht gedacht. Wie es dann so ist, darf nach einem weltweiten Bestseller nicht allzu viel Zeit vergehen. Nachfolgebände müssen her, was den Autor möglicherweise unter Zeitdruck setzt und was auf Kosten der Qualität gehen kann.

Wie schon Kolyma wirkt auch Agent 6 ein wenig disharmonisch. Starke Momente, in denen Smith´ Empathie für seine Figuren deutlich hervorbricht, wechseln mit Passagen, in denen er sich dann aber in unwichtigen Details verliert. Nichtsdestotrotz ist Agent 6 gewohnt gut erzählt, nur mangelt es an einem durchgängigen Spannungsbogen. Die Dreiteilung des Plots verlangt dem Leser viel Geduld ab, sodass der Showdown in New York leicht als lästiges Anhängsel empfunden werden kann. Leos Reise durch die Zeit hätte durchaus glücklich enden können, aber seine Verbissenheit macht ihn wieder angreifbar, deshalb ist nur ein offenes Ende sinnvoll.

Zum Schluss der obligatorische Hinweis, dass eine Lektüre von Agent 6 als der letzte Teil einer Trilogie die Kenntnis der Vorgängerromane voraussetzt.

Agent 6

Agent 6

Deine Meinung zu »Agent 6«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
12.10.2016 10:03:49
Rolf Graudejus

Upps. Die ersten 2 'Demidow'-Romane kenne ich nicht, vermisse sie aber auch nicht. Bei 'Agent 6' bin ich grade mal auf Seite 300. Bislang waren für mich in puncto Agenten-Romane die Bücher von Greene, leCarre und die Romane um Dr.D.Audley so ziemlich maßgebend. Dieses Buch setzt bis jetzt andere Maßstäbe. Ohne jede weltanschauliche Wertung: ich mag es, auch mal die andere Seite zu sehen. Auch wenn ich ohnehin schon vorher davon überzeugt war, daß es auf allen Seiten Schweine gab und gibt. Bin mal auf das Ende gespannt. Happy oder Real?

04.04.2016 14:28:20
tassieteufel

Moskau 1950: Geheimdienst Agent Leo Demidow ist damit betraut Verräter am Staat aufzuspüren, jedes noch so kleine Detail kann wichtig sein und eine hingekritzelte Notiz eine Kritik am Staat. Als ein Besuch des afroamerikanischen Sängers Jesse Austin bevor steht, wird Leo als dessen Begleitung abkommandiert. Natürlich soll der Gast, der glühender Verehrer des Kommunismus ist, ein geschöntes Bild der Sowjetunion bekommen. Fünfzehn Jahre später ist Leo desillusioniert und hat seine Geheimdienstarbeit an den Nagel gehängt, er lebt mit Frau Raisa und den beiden Töchtern aber relativ zufrieden. Im Zuge einer Annäherung der beiden Großmächte USA und UdSSR soll eine Gruppe russischer Schüler für ein gemeinsames Konzert in die USA reisen. Leiterin dieser Gruppe ist Raisa Demidowa, deren Töchter sie begleiten. Als Raisas Tochter Elana in New York auf Jesse Austin trifft, dessen Karriere auf Grund seiner kommunistischen Aktivitäten vom FBI beendet wurde und der nun in Armut und Bedeutungslosigkeit lebt, nimmt eine Tragödie seinen Lauf, die für Leo erst viele Jahre später ihren Abschluß finden wird.

Insgesamt hat der dritte Teil der Leo Demidow Reihe bei mir die recht hohen Erwartungen nicht erfüllt! Bis zur Buch Mitte ist die Story durchaus spannend, der stete Wechsel zwischen verschiedenen Perspektiven aus Sicht von Leo, Raisa, deren Tochter Elena, Jesse Austin und dem FBI Agenten machen die Geschichte spannend und abwechslungsreich, man spürt förmlich, dass sich etwas schreckliches anbahnt, weiß aber nicht, wer hier und warum manipuliert wird und wieso. Nach den tragischen Ereignissen in New York gibt es dann einen abrupten Bruch in der Geschichte und sie wird erst 15 Jahre später weiter geführt. Das geht eindeutig zu Lasten der Spannung und über viele Kapitel hinweg fragt man sich, was die Story nun plötzlich in Afghanistan zu suchen hat und hier plätschert das Geschehen auch mehr vor sich hin. Gegen Ende überschlagen sie die Ereignisse dann förmlich und das Ende fand ich recht abrupt. Hier fehlte mir die richtige Ausgewogenheit und stellenweise auch der rote Faden.
Aber ich will nicht nur meckern, sehr gut gelungen ist dem Autor wieder der historische Hintergrund, die eher düstere Atmosphäre in der Sowjetunion, aber auch die Veränderungen die sich hier im Lauf der Jahre nach Stalins Tod ergaben, die große Propagandashow die für ausländische Besucher auf geradezu irrwitzige Weise das perfekte kommunistische leben widerspiegeln sollte, aber auch die Situation in den USA, wo der kalte Krieg und die Überwachung von Kommunisten geradezu groteske Formen annimmt, werden vom Autor sehr stimmig und plastisch wieder gegeben. Leo Demidows Entwicklung vom Staatskonformen KGB Offizier zu einem Mann, der die Untaten aus seiner Vergangenheit wieder gut machen will und die Staatsmacht hinterfragt, ist recht gut gelungen und glaubhaft. Schon in den anderen Bänden zeichnete sich das ab und wird hier nocheinmal durch verschiedene Zeitsprünge deutlich. Nach dem tragischen Schicksalsschlag den er durch die Ereignisse in New York erleidet, wird er wieder ein ganz anderer Mann, der von Rache getrieben ist und dem Wunsch beseelt ist, zu wissen was wirklich passiert ist, doch durch seine Lebensumstände an der Aufklärung gehindert wird. Von daher ist der lange Afghanistan Teil recht enttäuschend, weil er irgendwie wie Füllstoff wirkt und man ständig darauf wartet, das es mit der eigentlichen Geschichte weiter geht.

FaziT: insgesamt als Abschluß für die Leo Demidow Triologie schlüssig aufgebaut aber gerade der zweite Buchteil ist recht langatmig und der rote Faden fehlt, auch das durchaus logische Ende hat mich nicht so ganz zufrieden gestellt und kam mir zu abrupt.

01.02.2016 17:18:10
uknig

Irgendwie erinnert mich der Name des Autors an einen Eishockeyspieler. Jedenfalls liest sich sein Buch über den Agenten Leo Demidov wunderbar flüssig und das ist bei über 500 Seiten schon eine reife Leistung. Der Plot ist ein wenig abenteuerlich, besonders die Zeit in Afghanistan wirkt etwas konstruiert. Aber offenbar gut recherchiert und spannend ist dieser Kalte Krieg-Thriller allemal. Definitiv werde ich weitere Bücher von Smith lesen, insbesondere Kolyma und Kind 44, die anderen beiden Bänder aus der Leo Demidov-Serie.

18.02.2015 16:28:16
frieda

@SnjM: Raisa und Leo haben die Kinder gemeinsam adoptiert, nachzulesen in "Kind 44". Die beiden sind bei der Adoption bereits ein paar Jahre alt.Generell: Die Bücher um Leo Demidov und Raisa Demidova beeindrucken vor allem durch Smith' Fähigkeit die Atmosphäre der Be- und Unterdrückung in der stalinistischen UdSSR und in den 60er Jahren zu vermitteln. Eine Atmosphäre, die jeden, der überleben will, paranoid werden lässt. Und jeden, der sich dem entziehen will, entweder ins offene Messer staatlicher Intrigen und Verfolgungen laufen lässt. In "Agent 6" bleibt Leo nur die Wahl zwischen seinem Elend oder dem seiner (nicht paranoid handelnden) Töchter. Sehr gut ist meines Erachtens auch Beschreibung des Machtkampfes UdSSR-USA gelungen, der von beiden Seiten mit ähnlichen Mitteln geführt wird (und keinen der beiden Staaten bzw. deren Geheimdienste mit weisser Weste zurücklässt). Überhaupt ist es die Stärke Smith' nicht in Schwarz-Weiss-Malerei zu verfallen. Da zeigt sich besonders gut in dem Teil des Buches/der Handlung, die im von den Russen besetzten Afghanistan spielt: Weder Besatzer noch Einheimische sind "echte Sympathieträger" und auch die Vertreter der USA, die schliesslich ins Spiel kommen, möchte man nicht wirklich zu Freunden haben.

13.01.2015 00:39:17
SnjM

Ich muss meinen gestrigen Eintrag wohl zurücknehmen, bitte vielmals um Verzeihung für mein voreiliges Urteil, das kommt wohl davon wenn man abends müde ist und trotzdem liest! Offenbar wurden die Mädchen von Raisa adoptiert, bevor sie Leo kennenlernte.. nächstes Mal lese ich ein Buch zu Ende bevor ich derart peinliche Kommentare loslasse :/

11.01.2015 23:09:44
SnjM

Ich muss gestehen dass ich bereits innerhalb der ersten 100 Seiten reichlich verwirrt bin. Anfangs spielt das Geschehen im Jahre 1950, Demidow lernt Raisa kennen, und 15 Jahre später ist die jüngere ihrer beiden gemeinsamen Töchter bereits 17? Besitze ich eventuell eine fehlerhafte Ausgabe, stimmt hier etwas nicht oder stehe ich auf der Leitung?

01.09.2014 19:09:06
gerd reimann

Es ist dem Autor gelungen, die Spannung bis zum Schluß aufrecht zu erhalten. Zum Inhalt der Handlung ist zu sagen, dass diese absolut schwachsinnig ist. Der Autor hat keine Ahnung über die Verhältnisse in der Sowjetunion. Natürlich haben die Russen einen Plan einen alten Sänger in den USA zu ermorden, damit dann dort die Weltrevolution ausbricht. Es ist schon erstaunlich, dass so ein Quatsch dann auch noch brillanter Thriller hochgelobt wird. Es ist lange her, dass ich einen solchen Unsinn gelesen habe!!

23.05.2014 14:33:16
Kurt W. John

"KIND 44" war ein Roman, bei dem ALLES stimmte. "KOLYA" war gut, konnte aber bei Weitem nicht das Niveau von KIND 44 erreichen. Unter diesen Voraussetzungen habe ich "AGENT 6" gelesen.

T.R.S. Schreibstil ist gewohnt gut. Was ihm jedoch total misslingt, ist Spannung aufzubauen. Er verliert sich in historischen (?) Schilderungen und verzettelt sich in der Beschreibung der physich/psychischen Verassung seines Protagonisten.

Langeweile kommt auf und begleitet den Leser während des ganzen Romans.

Aber: immerhin gelingt es T.R.S die Hoffnung des Lesers auf ein (wenigstens) versöhnliches Ende aufrecht zu erhalten.

Darüber zu urteilen sei jedem selbs überlassen.

04.12.2013 14:33:10
Hanzo

Bin kein leidenschaftlicher Leser, aber die o. a. Bücher von Smith (ist das wirklich sein wahrer Name?) sind eine Klasse für sich. Obwohl ich kaum Zeit finde, habe ich diese Bücher in kürzester Zeit verschlungen. Die Geschichte der Sowjetunion, die ja vergessen zu sein scheint (abgesehen von der Stalin-Zeit) hat wieder mein Intereese geweckt.

29.06.2013 14:46:37
lesenchris

Hatte bereits Kind 44 gelesen und bekam jetzt zufällig den letzten Band in die Hand und freute mich auf´s lesen. Begann der Krimi? Ungeheuer spannend, flachte er meiner Meinung nach zum Ende hin ab. Die Umstände, unter denen Leo nach dem spektakulären Mord an seiner Frau, den er unbedingt aufzuklären sich bemühte, jedoch wegen des kalten Krieges keine Chance bekam, zeigten sich mysteriös und nicht nachvollziehbar. Es erforderte meinerseits schon große Anstrengung, um den Verlauf der Geschichte, die zunehmend zusätzliche Protagonisten bekam, zu verfolgen. teilweise fühlte ich mich gefesselt, dann jedoch waren mir die Charaktere nicht umfassend genug, bzw. oberflächlich. Auch in diesem Fall denke ich, weniger ist manchmal mehr. Ich halte Leo Demidow für einen außergewöhnlichen Agenten, dem die Geschichte nicht ausreichend gerecht wurde. Versucht es selbst.

05.07.2012 13:39:49
Miou

Jedem, der dem neuen Leo Demidov-Roman entgegenfiebert, sei an dieser Stelle geraten, seine Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben:Nach einem hervorragenden Auftakt, in dem Smith meisterhaft die Antagonisten des Kalten Krieges - hier die totalitären-sozialistischen UdSSR, dort die demokratisch-kapitalistischen USA - aufeinander treffen lässt, den sowjetischen Staat mal wieder gekonnt demontiert und eine hervorragende Palette an Charakteren, Motiven und Ansätzen für einen spannenden Thriller auffährt, zerrinnt ihm seine Handlung zwischen den Fingern. Der Leser wartet vergeblich auf eine spannende zweite Buchhälfte und es drängt sich zunehmend der Eindruck auf, daß der Autor seine eigene Geschichte nicht zuende gedacht oder - noch schlimmer - die Lust an seinem Hauptcharakter Leo Demidov verloren hat. Die Handlung dümpelt dahin, entwickelt sich bis ins Unglaubwürdige. Auch die Hauptmotive der Demidov-Romane (Liebe, Vertrauen, gegenseitiger Respekt) bleiben gänzlich unverändert und werden dem Leser noch einmal mit aller Wucht um die Ohren gehauen - als hätte man diese Lektionen nicht spätestens am Ende des letzten Bandes schon verstanden. Vor allem dieser moralische Vorschlaghammer nervt und lässt einen die Lust verlieren.Zusammenfassen: Die sehr guten ersten 261 Seiten (engl. Ausgabe) liefern viele Inspirationen für gutes Kopfkino (was alles hätte sein können) ... leider verlange ich von einem Roman bzw. Thriller mehr als das (und habe von T.R. Smith auch schon mehr bekommen)!

23.03.2012 21:55:51
nicole

"Kind 44" war ein Roman, der mich berührte, mich betroffen gemacht hat und bei dem ich richtig mitlenkte. "Kolyma" hingegen hat mich zwar immernoch stark gepackt, aber nicht so intensiv. Aber bei "Agent 6" hatte ich nur das Gefühl, ein ganz normales Buch zu lesen, eine belanglose Geschichte wird erzählt, bei der ein großer Teil im Nahen Osten spielt. Und später fragt man sich, warum? Auch der Titel ist nur eine leere Hülle.
das Buch kann man lesen, muss es aber nicht. einen bleibenden Eindruck hinterlässt es auf keinen Fall

20.11.2011 18:49:37
migjeni

ich konnte es kaum abwarten bis Agent 6 im Handel war und hab es sofort gekauft um festzustellen das es ein riessige enttäuchung ist.es war so traurig zu sehen wie die geschichte am ende ausklingt.Ich habe echt zu kmpfen gehabt das buch zu ende zu lessen.Tom R. Smith hat so ziemlich alles falsch gemacht.schade schade schade.

24.10.2011 18:35:52
phios

Dieses Buch ist kein Thriller. Es ist, im Grunde, nicht einmal ein Krimi.

Ich habe mit großem Genuss „Kind 44“ gelesen und fand selbst „Kolyma“ trotz leicht schwächerer Handlung noch ein überdurchschnittlich gutes Buch. „Agent 6“ aber kann der – zugegebenermaßen hohen – Erwartungshaltung leider in keiner Weise gerecht werden.

Die Handlung des Buches selbst erschöpft sich auf wenige Dutzend Seiten, die weder sonderlich spannend, noch übermäßig überraschend sind. Dazwischen ist jede Menge Nicht-Handlung untergebracht, die erfahrenen Tom-Rob-Smith-Lesern sicherlich interessante Einblicke in die Persönlichkeit des Protagonisten Leo Demidow geben, aber kaum in irgendeiner inhaltlichen Verknüpfung stehen.

Letztlich liest sich das Buch zwar recht zügig und angenehm, die Milieustudien sind durchaus zutreffend und interessant, doch eine auf nahezu 30 Jahre angelegte Rahmenhandlung mit sehr viel locker, flockig geschriebenem Nichts dazwischen hat es nie geschafft, mich in irgendeiner Art und Weise zu fesseln. Kurz gesagt ist der Inhalt dieses Romans das, was in einer Verfilmung von „Kind 44“ noch kurz nach dem Abspann über die Leinwand flackern könnte: Hintergrundinformationen, die schön, aber nicht notwendig sind.

30.06.2011 23:31:34
diegeburtstagsfee

Durch einen kleinen Fehler bei Amazon bin ich schon 2 Wochen vor dem Erscheinungsdatum stolze Besitzerin der UK-Ausgabe von Agent 6. Nach Kind 44 war ich der Meinung, das sei nicht mehr zu toppen. Kolyma (the secret speech), das ich zwar sehr gut fand, aber das nicht 100% an Kind 44 heranreicht, hat mich in dieser Annahme noch bestätigt. Doch Agent 6 hat mich bereits von der ersten Seite gefangen genommen. Es ist auch diesmal wieder die Athmosphäre des Buches, dargestellt aus den verschiedensten Blickwinkel unterschiedlicher Akteure des Kalten Krieges, die mich mitgerissen hat. Der Hauptplot wird von einem schockierenden Ereignis ausgelöst, das hier natürlich nicht verraten werden soll. Ab der Sekunde konnte ich das Buch nicht mehr weglegen, ohne ständig daran denken zum müssen und in jeder noch so kleinen Pause wenigstens ein paar Seiten weiterzulesen. Die Handlung spannt sich über 3 Jahrzehnte bis in die 80-er, und da ich in den 70-ern geboren wurde, hat mich die Athmosphäre der letzten Jahre des kalten Krieges, die ich ja noch persönlich erlebt habe, hierhin zurückversetzt. Ein absolut würdiges Ende für diese fantastische Geschichte, eine emotionale Achterbahnfahrt die seinesgleichen vergeblich sucht - wenn auch das Ende unbeschrieben, aber nicht unausgesprochen bleibt...

Von diesem Autor möchte ich unbedingt mehr lesen!!!