Zeugin der Toten

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: HörbuchHamburg, 2011, Seiten: 6, Übersetzt: Nina Petri

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Andreas Kurth
Big Brother was watching you.

Buch-Rezension von Andreas Kurth Feb 2011

Ein Wohnung "entwesen" ist ein harter Job egal ob ein Mensch eines natürlichen Todes gestorben ist, oder ermordet wurde. Die 33-jährige Judith Kepler arbeitet bei einer Reinigungsfirma, und dort ist sie auch ein "Cleaner". Sie reinigt Wohnungen, nachdem sie von der Polizei freigegeben wurden. Als Judith eines Tages an einen Tatort gerufen wird, findet sie dort völlig überraschend ihre Heimakte. Zehn Jahre ihres Lebens hat Judith im Kinderheim Juri Gagarin in Sassnitz auf Rügen verbracht. Doch diese Zeit liegt im Dunkeln, und jetzt beginnt sie Nachforschungen anzustellen. Schnell gerät die Cleanerin in das Visier von Polizei und Geheimdiensten. Es geht um alte Stasi-Unterlagen und ein Verbrechen an Judiths echter Familie, die sie längst vergessen hatte.

Mit der Figur der Judith Kepler hat Elisabeth Hermann eine recht ungewöhnliche Protagonistin geschaffen. Sie weiß nicht, warum sie als Fünfjährige unter mysteriösen Umständen in das Kinderheim gebracht wurde. Aber es brechen immer wieder kleine Erinnerungsfetzen durch, die von der Autorin geschickt als Stilmittel eingesetzt werden. Judith hat eine ziemlich untypische Biographie und verrichtet ihre schwierige Arbeit mit hohem persönlichem Anspruch. Sie will nicht nur den Ort des Sterbens von unschönen Spuren reinigen, sondern auch die Seelen der nicht immer friedlich Entschlafenen von den Qualen, Ängsten und Schrecken ihrer letzten Augenblicke befreien.

Das Buch ist eine überaus gelungene Mischung aus Politthriller und Kriminalroman. Dabei ist der Rückgriff auf die dunklen Seiten der deutsch-deutschen Geschichte entweder hervorragend recherchiert, oder perfekt ausgedacht. Die "Gesellschaft für solidarische und humanitäre Unterstützung" erinnert enorm an die "Stille Hilfe", die einst Menschen mit brauner Vergangenheit in ihren letzten Lebensjahren in der Bundesrepublik oder wo auch immer auf der Welt half. Aber die Autorin zeichnet kein einfaches Schwarz-Weiß-Muster, wo stets klar ist, wer die Guten und wer die Bösen sind. Es geht vielmehr um Zwischentöne, Selbstzweifel, Kameradschaft, Kumpanei, Ideale, Naivität, Verrat und Freiheitsliebe. Und dann immer wieder diese anrührenden Passagen, wenn Judith kurz vor irgendeinem Abgrund steht und doch wieder gerettet wird.

Als Leser fiebert man bei diesem Roman von Beginn an mit, fühlt Sympathie für die wirklich ungewöhnliche Heldin, ärgert sich über das schreiende Unrecht, das ihr angetan wurde. Und ist am Ende entsetzt über den Abgrund an seelischer Kälte, der sich bei mehr als einem der Täter zeigt. Der Spannungsbogen wird auf geradezu klassische Weise hochgehalten und sogar noch gesteigert. Mehrfach scheint die Lösung auf der Hand zu liegen, und der Leser glaubt den Fortgang der Handlung zu kennen, nur um von der Autorin wieder um eine neue Ecke geschickt zu werden.

Elisabeth Hermann hat einen angenehmen, zügig zu lesenden Stil. Sie verzichtet auf zu viel Drumherum, bleibt stets eng an der eigentlichen Geschichte und gibt Nebensächlichkeiten nicht allzu viel Raum. Die zeitlichen Rückblenden sind geschickt gesetzt, allerdings sind die Übergänge bei den ständigen Wechseln der Perspektive in der Gegenwart nicht immer glücklich geraten. Aber das sind kleine und durchaus verzeihliche Schwächen. Wer diesen brillanten Roman zügig durchliest, wird kaum über derartige Kleinigkeiten stolpert. Vielmehr ist man als Leser schon fast enttäuscht, dass die Geschichte irgendwann zu Ende ist und man sich auf die nächste aus der gleichen Feder freuen kann.

Zeugin der Toten

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Letzte Kommentare:
05.03.2018 21:21:56
Kramer Gerlinde

Tolles Buch,sehr interessant und spannend.Ein Blick in eine andere Zeit,welche sich hoffentlich nie wiederholt.
Inzwischen habe ich alle Bücher von Frau Herrmann gelesen,bis auf "Die Stimme der Toten",da warte ich auf die Taschenbuchausgabe.
Bei meinem letzten Berlinbesuch war ich in der Letzten Instanz essen und habe Kohlroulafen vespeist,wie seinerzeit Herr Vernau😊

02.05.2017 17:51:52
Henriette H.

Ich habe alle anderen Bücher von Elisabeth Herrmann sehr gern gelesen, aber dieses war mir zu verworren. Am Ende waren mir die Zusammenhänge nur halbwegs klar, und ich hatte keine Lust, alles noch einmal zu lesen.
War zum Beispiel die Erzieherin Martha Jonas auch eine Agentin? Am Anfang des Buches könnte man das annehmen, es wird aber später nicht geklärt. Viele Fragen bleiben unbeantwortet, und das ärgert sicher nicht nur mich.

16.03.2016 20:29:25
Maren78

Die Hauptperson dieses Buches Judith Keppler ist Cleanerin. Als Cleanerin sorgt sie dafür das die Wohnungen in denen Verbrechen verübt worden sind, wieder bewohnbar werden. Dies ist kein einfacher Job. Für Judith allerdings die letzte Chance. Sie lebte jahrelang in einem Waisenhaus auf Rügen und hat ein schlimmes Schicksal hinter sich.

Eines Tages als sie gerade wieder ihrer Arbeit nachgeht und einen Mordschauplatz reinigt, fallen ihr Unterlagen ihrer Vergangenheit in die Hände. Zufällig findet sie einen Brief, in dem ihre Waisenhausakte steckt – eine Akte, die eigentlich in den Wirren der Wende als verschwunden galt. Weshalb wollte die Tote mit ihr Kontakt aufnehmen? Für Judith beginnt eine spannende und gefährliche Spurensuche.

Dabei trifft sie nicht nur auf den Ex-BND Mann Quirin Kaiserley, der aus ganz eigenen Gründen ebenfalls Interesse am rätselhaften Verschwinden von Judiths Eltern hat, sondern sie gerät auch zwischen die Fronten der verschiedenen Geheimdienste, die noch immer eifrig dabei sind, Vergangenes zu vertuschen.

Das Buch war ein spannendes und gut recherchiertes Buch über den "Kalten Krieg". Wenn man sich mit diesem Thema nicht ganz so gut auskennt, war der Roman stellenweise sehr schwierig zu lesen. Viele verschiedene Personen,Schauplätze sowie Einzelstränge in den Erzählungen machen das Buch zu keiner einfachen Lektüre.

27.09.2015 09:22:47
TochterAlice

Gleich vorweg: ich bin ein großer Fan von Elisabeth Herrmanns Krimis und habe sie alle verschlungen. Ihnen gemein sind die intelligenten Einblicke in und Verweise auf verschiedene Stationen historischer Art sowie auf die Gesellschaft und soziale Phänomene in unserem Land. Im Mittelpunkt sind stets Figuren mit Macken - Menschen, denen es - vor allem psychisch, gelegentlich auch finanziell - an etwas mangelt und die definitiv nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, die dies jedoch häufig nicht oder nur teilweise selbst verschuldet haben. Sie müssen im Alltag - oft gegen gesellschaftliche Einflüsse - ihren Mann - oder wie im Fall der Cleanerin Judith - ihre Frau stehen und geraten auch noch in den Strudel krimineller Machenschaften, deren Ursache bei Hermann oft in der Vergangenheit liegt. Wer wie ich dieser Art von Lektüre etwas abgewinnen kann, ist bei dieser Autorin gut bedient und wird das Buch nicht aus der Hand legen könne.

Der neue Herrmann startet wie soviele andere: mit einem Knaller aus der jüngsten deutschen Geschichte, der sich mithilfe vieler Schnörkeleien und Verwinklungen bis in die Gegenwart verdichtet. Hier wird der Faden in der DDR der 1980er Jahre aufgenommen: Christel kommt ins Heim in Sassnitz/ Rügen und heisst ab jetzt Judith. Die Betreuerin wird bestochen, um ab sofort dicht zu halten. Der Leser hingegen ist irritiert. Wer ist Christel und warum heisst sie ab jetzt Judith? Wer ist die erwachsene Judith, der wir im 21. Jh in ihrem Job als Cleanerin in Berlin begegnen? Das Buch entwickelt sich zur Suche Judiths nach ihrer Identität, diese wiederum gestaltet sich zu einer Verbrecherjagd unter Einbindung aktueller und ehemaliger Agenten.

Herrmanns gefälliger, durchaus anspruchsvoller Schreibstil unterstreicht noch die Entwicklungen, die den Leser neben dem Dreh- und Angelpunkt des Geschehens - oder sollte man sagen, des Bösen? - Sassnitz auf Rügen auch nach Berlin, München und ins schwedische Malmö führen und ihm einen Einblick in die Welt der Geheimdienste nicht ersparen.

Ein Geheimnis rankt sich um Elisabeth Herrmanns neuestes Romansujet. Eingebettet in eine ereignisreiche Epoche der deutschen Geschichte, ist es wie so oft bei dieser Autorin lehrreich und unglaublich unterhaltsam zugleich. Die Mosaiksteine aus Vergangenheit und Gegenwart fügen sich auf geschickte und unerwartete Weise zusammen, das Ende ist zwar absehbar, aber doch anders als erwartet.

Geht nicht?

Doch! Selber lesen - man wird sich wundern!

30.05.2015 17:15:02
Krimi-Mietze

Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten

Aus meiner Sicht ist der Autorin ein ganz tolles Buch gelungen.
Mit unglaublicher Gefühlskälte wurden menschliche Schicksale "höheren" Zielen untergeordnet. Wahrscheinlich ist das heute noch so.

Judith versucht mit aller Kraft, das Geheimnis um ihr Schicksal zu entwirren, nachdem sie endlich davon erfährt.
Dieses wird so spannend beschrieben, daß man der Geschichte atemlos folgt.

07.03.2015 18:19:08
Janine2610

Die Leseprobe dazu habe ich vor ein paar Jahren gelesen, und weil die mir damals so gut gefallen hat, habe ich mir das Buch dann auch kurz danach gekauft. Als ich "Zeugin der Toten" vor ein paar Tagen dann aber zu lesen begonnen habe, konnte ich gar nicht mehr nachvollziehen, was ich vor den paar Jährchen so spannend daran fand. Ich hatte das irgendwie gänzlich fesselnder in Erinnerung. Nun gut. Ich war erst noch optimistisch, dass es mit steigender Seitenzahl besser wird...

Tja: Nein! Es ist nicht besser geworden.
Die Geschichte Deutschlands, die in dem Krimi hier auch eine große Rolle gespielt hat, war für mich als Österreicherin jetzt eher nicht so der Renner. Von Themen und Wörtern/Abkürzungen wie DDR, BND, MfS, Stasi, Mauerfall und dergleichen bin ich regelrecht erschlagen worden.
Agenten und Spione: schön und gut und vor allem hört sich das nach mächtig Spannung an, aber wenn dann ständig von oben genannten Ausdrücken die Rede ist, wird es für mich schnell langweilig und ich drifte ab. - Gut, das ist alles wirklich sehr subjektiv, aber ich möchte es trotzdem erwähnen, für den Fall, dass es anderen Leuten ebenso geht, wenn sie solche Begrifflichkeiten lesen.

Die Story fand ich eigentlich sehr gut und klingt laut Klappentext auch recht vielversprechend. Nur durch dieses ofte Abschweifen ist es mir ziemlich schwer gefallen, an der Geschichte dranzubleiben. Oder sie war generell so geschrieben, dass es schwer war Zusammenhänge zu erkennen. Ich kann's gar nicht so genau sagen. Jedenfalls war ich manchmal reichlich verwirrt. Phasenweise sind dann auch sehr viele verschiedene Namen aufgetaucht und da war es dann zusätzlich schwer nicht durcheinander zu kommen, weil die ganzen Spione unter Umständen gleich mehrere Decknamen, sprich Identitäten hatten, die erwähnt wurden, sodass das Namen-Chaos perfekt war.

Leider konnte ich auch zu keinem einzigen Protagonisten 'durchdringen'. Nicht mal zu Judith selbst. Von ihr habe ich mir irgendwie mehr erwartet. Sie hat in ihrem Leben zwar schon sehr viel durchgemacht: Verlust der Eltern, ein schrecklicher Heimaufenthalt und eine wirklich schwierige Jugendzeit inkl. allen möglichen Süchten. - Dennoch, oder vielleicht auch gerade deswegen, habe ich kein Mitleid für Judith empfunden. Und Sympathie konnte ich auch keine aufbringen, dafür wirkte sie einfach zu distanziert und kühl.

Alles in allem leider kein Buch für mich. Dafür, dass mir die Spannung einfach zu wenig, bzw. erst gegen Ende ein wenig vorhanden war, mir die Thematik großteils nicht zugesagt hat und ich mit den Charakteren nicht warm geworden bin, kann ich das Buch aus meiner Sicht nur bedingt weiterempfehlen.

19.10.2014 19:42:27
darts

Ca. 20 Jahre ist der kalte Krieg beendet und spannende Spionageromane zwischen den beiden deutschen Staaten nicht mehr allzu oft zu finden.

Aber Elisabeth Herrmann ist mit Zeugin der Toten ein guter Spionageroman gelungen. Es wird zwar aus der Sicht 2010 auf das Jahr 1985 geblickt und die Vergangenheit aufgearbeitet, aber das tut der Spannung keinen Abbruch.

Bisher kannte ich noch nichts von dieser Autorin. Aber sie schreibt flüssig und spannend, sodass es bestimmt nicht der letzte Kriminalroman von ihr war, den ich gelesen habe.

Es beginnt in einen Kinderheim in Saßnitz (DDR) im Jahre 1985. Bei einer Nacht und Nebel Aktion wird ein Kind(Judith Keppler) aus dem Heim entführt und durch ein anderes(Christina Sonnenberg) 'ersetzt'. Christina quengelt und will nicht Judith genannt werden. Erst als die Erzieherin Martha, bei der man schon gleich Spionagetätigkeiten vermuten kann, ihr etwas ins Ohr flüstert gibt Judith Ruhe.

Über zwanzig Jahre später begegnen wir Judith wieder. Sie ist mitlerweilen Cleanerin. Das heißt, sie muß Wohnungen, in denen ein Todesfall war, besenrein säubern. Keine leichte Aufgabe. Denn wenn eine Leiche schon wochenlang dort gelegen hat, ist die Geruchsbelästigung stark und bei Gewaltverbrechen befinden sich neben alten Blutresten auch oft Hirnmasse und Knochensplitter in Teppichen, Möbeln und auf Wänden. Das alles muß entfernt werden , damit neue Mieter nichts davon mit bekommen.

Als sie eines Tages die Wohnung einer Frau säubern muß, die einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist, fällt ihr eine Akte über sich selbst in die Hände. Als sie dann noch jemanden überrascht, der Kameras aus der Wohnung abmontieren will, ist ihre Neugierde geweckt.

Sie beginnt zu recherieren. Was ist damals in Sassnitz alles geschehen. Wer sind ihre Eltern? Die die man ihr immer vorgegaukelt hat?

Immer öfter gerät sie selbst in die Schusslinie. Bekommt Heroin in die Halsvene gespritzt. Eine normalerweise tödliche Menge. Wird zusammen geschlagen und mit Pistolen bedroht.

Aber Judith ist durch ihre Vergangenheit (10 Jahre Kinderheim, Drogensucht)stark und angstfrei geworden. Sie gibt nicht auf.

Da Buch ist sehr spannend und zügig geschrieben. Nur leider manchmal etwas verwirrend durch die ganzen Personen, die irgendwelchen Geheim- oder Nachrichtendiensten angehören. Dort hätte ich mir eine bessere Erklärung der einzelnen Dienste bzw. Personen gewünscht. Vllt als Anhang.

Schön wäre es auch, wenn der List-Verlag bei gebundenen Büchern ein Lesebändchen beifügen würde

31.03.2014 21:54:12
Dieter Lange

Mir ist das Buch erst kürzlich untergekommen. Ich finde es einfach toll. In einer sehr subtilen Art und Weise wird aufgezeigt wie (ein Teil) des damaligen "Sicherheitapparates" der DDR funktioniert hat und wie auch andere "Sicherheits"dienste sich eingeschaltet haben.
Viel spannender aber finde ich, wie hintergründig dieses vermeintlich so überlegene System (das weder Ochs noch Esel in seinem Lauf aufhält...) dargestellt wird: verlogen, dreckig, ignorant, hochnäsig und unmenschlich. Das Buch hat mich sehr berührt und betroffen gemacht. Darüber hinaus ist es aber auch wieder in der Manier der Schriftstellerin unheimlich spannend aufgebaut.(PS: ich habe mit dem Schluss keine Schwierigkeiten gehabt. Wer im Buch aufmerksam mitbekommen hat, dass halt MUSIK die Art von Kaiserley war, Gefühle auszudrücken, konnte die Anspielung sofort verstehen)
Liebe Grüße an alle, die das Buch NICHT verwirrt hat

19.02.2014 17:26:03
Giggiulrike

Ich bin so froh, dass dieses Buch auch andere verwirrt hat und den Schluß habe ich auch nicht verstanden, dabei habe ich mich wirklich angestrengt. Meine amüsieren sich, wenn die Vielen Namen nicht versteht, ich scheine nicht die einzige zu sein.
Mir hätte es besser gefallen, die Schnitte wären etwas rasanter gesetzt und die Sprache dafür etwas fantasievoller.
Tolle Idee, merkwürdige Umsetzung aber unterhaltsam.

18.01.2014 22:00:18
claudia

Hallo, ich habe das Buch gelesen und fand es am ende etwas verwirrend! Woher hatte die schwedin bork die mikrofilme her? Am ende waren diese mikrofilme in dem alten monchichi von judith versteckt so wie ich das verstehe waren diese dann schon damals in dem monchichi drin als sie ins heim kam.?!dieses ihr im heim weg genommen wurde! Wie also kam die bork nun zu diesem? Hat die erzieherin martha dies noch besessen und hat es die bork von ihr bekommen als diese sie im Pflegeheim besucht hat? ? Vielleicht kann mich da jemand aufklären? ?

21.11.2013 10:57:21
Bonbosai

Ich hatte mir mehr von dem Buch versprochen, jedenfalls hatte die Beschreibung mehr erwarten lassen.
Große Probleme bereiteten mir die laufenden Zeitsprünge sowie die vielen Namen (Decknamen), das verwirrte sehr.
Ich mußte häufiger zurückblättern um etwas erneut zu lesen, weil es keinen Sinn für mich ergab.
War das Buch anfangs noch einigermaßen spannend, so verlor es die Spannung zum Ende immer mehr. Der Schluß war für mich eine Enttäuschung.

30.09.2013 16:30:57
Andreas aus Rostock

Die Kurzbeschreibung des Buches versprach mehr, als die Autorin daraus gemacht hat. Die Grundidee hat Potential zu einem spannenden Thriller. Leider verrennt sich die Autorin in eine Spionagegeschichte, die mit ständigen Orts- und Zeitsprüngen schwierig zu lesen ist. Erschwerend ist die Vielzahl von Personen, die auch noch verschiedene Klar- und Decknamen haben. Ich musste teilweise zu früheren Kapiteln zurückblättern und nochmals einige Stellen nachlesen.Die Umstände, die um das Leben von Judith Kepler konstruiert werden, werden immer verworrener. Mit dem Autounfall in Rumänien setzt Die Autorin noch einen drauf.Auf ein Finale wartet man vergeblich. Die Geschichte plätschert so langsam dem Ende entgegen.Trotz der Bemühung der Autorin, möglichst genau Orte und Abläufe zu beschreiben, möchte ich folgendes anmerken.
Die zuständige Stasi-Zentrale für Sassnitz befand sich in Rostock in der August-Bebel-Straße. Sassnitz gehörte damals zum Bezirk Rostock, in dem auch Rostock die Bezirks(haupt)stadt war. Schwerin wurde erst nach der Wende die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern.Im übrigen verwundert mich, wie das Spezialagentenauto von Quirin Kaiserley, in welchem er Judith Keppler eingesperrt, ... man staune: "... nur bis 40 km/h gepanzert war ..." ?? ... im Ernstfall also langsam fahren !! ;-)

24.05.2013 08:57:35
Torsten

Wer aufgrund des Titels ein Buch erwartet was sich mit Tatortreinigung oder Forensik im weiteren Sinn beschäftigt, wird enttäuscht sein.
Wenn überhaupt ist der Titel im übertragenen Sinn zu verstehen - zumindest ein Vorfall von wahrscheinlich sehr vielen im kalten Krieg wird aufgeklärt und den Toten ein Gesicht und eine Geschichte zurückgegeben.
Das Ganze ist also eine Mischung aus deutscher Geschichtsaufarbeitung und Spionagethriller, aufgehangen an einem persönlichen Schicksal.
Wenn man mal von dem kaum glaubhaften Zufall absieht mit dem das überhaupt erst ins Rollen gerät, ist das auch einigermaßen interessant und spannend zu lesen, wenn auch die hohe Komplexität der vielen darin verwickelten Dienste, Deck- und Klarnamen eine ziemlich hohe Aufmerksamkeit verlangt.
Ob das alles historisch so stimmen könnte, oder ob es da und dort nicht doch allzu zufällig und unglaubhaft wirkt, ist für diese Geschichte eigentlich auch gar nicht so wichtig.
Ein wenig gestört hat mich doch das Unentschiedene zwischen angeblich knallharter, nüchterner Geheimdienstwelt einerseits und schier zu kitschiger Romantik andererseits - teilweise war diese dann doch zu dick aufgetragen. Zum Schluss fehlte nur noch der Sonnenuntergang über der Berliner Stadtautobahn.
Und - vielleicht bin ich ja zu pingelig - gestört haben mich auch einige Flüchtigkeitsfehler die Autorin und auch Lektorin durchgerutscht sind: Z.B. wenn ein Stempel mal unten links, mal unten rechts auf dem Bild ist, oder es mal humanitäre und mal humanistische Hilfe heisst.

29.07.2012 12:34:31
birgit

Hallo,

wie alle bücher, die ich gelesen habe,auch dies ein gelungenes werk.
ins stolpern kam ich , als ich plötzlich meinen eigenen mädchennamen - wossilus - gelesen habe.
würde frau herrmann gerne fragen, ob sie noch kontakt zu gregor wossilus hat.
vielleicht haben wir gemeinsame wurzeln?!

mit ganz lieben grüßen,
birgit

05.07.2012 14:02:14
Silberfee28

Judith Kepler hat einen zugegebener maßen schwierigen „Job“. Sie ist Cleanerin. Nein keine Reinigungskraft im gewöhnlichen Sinne, sondern jene die Tatorte bzw. die Wohnungen der Toten nach dem Auffinden der Leiche säubert.
Durch Zufall findet sie eine Akte aus alten DDR Zeiten bei einer Tatortsäuberung, was ihr Leben in entscheidender Weise verändern soll.
Sie fängt sich an zu fragen was jemand mit ihrer Vergangenheit zu tun haben könnte bzw. wer ein Interesse an ihrer Vergangenheit haben kann.
Sie beginnt zu ermitteln und gerät ins Kreuzfeuer anderer Mächte die die Vergangenheit lieber ruhen lassen würden….

Die Autorin beschäftigt sich mit einem guten Stück Vergangenheit welches mir persönlich aufgrund meines Alters nur aus dem Geschichtsunterricht bekannt ist. In sofern war der Roman interessant zu lesen, da er die ein oder andere Sichtweise für mich parat hatte.
Gleichzeitig schildert die Autorin eine Persönlichkeit, die geprägt durch ihre Kindheit einen sehr eigenwilligen Charakter entwickelt hat. Es stellt sich die Frage wie Judith Keplers Entwicklung unter anderen Umständen ausgesehen hätte.
Unbestritten bleibt jedoch das ihre Erfahrungen sie fürs Leben vorbereitet haben. Mehr als einmal entkommt sie brisanten Situationen und zeigt allen auf das es manchmal sinnvoll ist skeptisch der Welt gegenüber zu treten.
Insgesamt fordert das Buch den Leser auf die ein oder andere Weise.
Man wird mit einem Stück der deutschen Geschichte konfrontiert, muss sich aber dennoch auf die Handlung konzentrieren und nebenbei schon verdauen das auch heute noch viele Jahre danach immer noch nicht alles ins rechte Licht gerückt werden konnte.
Das Buch einen Thriller zu nennen wäre sicherlich nicht richtig, ein gut durchdachter Kriminalroman trifft meiner Meinung schon eher die Sache
Die teilweise überraschenden Wendungen runden das schlüssige Gesamtbild für mich ab.

FAZIT: Ein interessanter Roman zur frühen deutschen Geschichte ohne den sonst so geliebten nostalgischen DDR-Flair. Kompliment an die Autorin für den Realismus.

27.06.2012 19:33:51
R.Saß

Ich habe mir am montag das buch gekauft und es ebend aus der hand gelegt ,weil es schon zu ende.Ich habe selten solch ein fesselndes Buch zu lesen bekommen.
Es mag sicher auch damit zu tun haben das ich selber in der DDR aufgewachsen bin . Damals habe ich vieles nicht gewußt ,vielleicht auch nicht wahr haben wollen.
Habe erst anders zu denken angefangen als ich fast 5 Jahre Jugendhaft in Hohenleuben und in Dessau und Strafvollzug markkleeberg hinter mir hatte .§249 .
Darum war es auch so magnetich für mich ,,Die Zeugin der Toten ;, immer wieder aufzuschlagen. Erinnerrungen die länst vergessen waren ,waren allgegenwärtig.
Jetzt weis ich für mich es gibt noch viel aufzuarbeiten .
Für mein wissen schon sehr Realitätsnahe.
Danke schön , Elisabeth Herrmann!

13.11.2011 11:23:26
Anja S.

Mir hat bereits der Erstling "Das Kindermädchen" von Frau Herrmann ausnehmend gut gefallen, daher lese ich alle ihre Bücher. Nachdem die beiden weiteren Bände um Joachim Vernau eher mäßig spannend waren, war ich nun sehr gespannt auf eine neue Protagonistin.
Judith Kepler ist sehr ungewöhnlich, für mich jedoch etwas zu sehr Superfrau. Der Krimi sonst ist sehr spannend zu lesen, allerdings kompliziert aufgebaut mit vielen Verästelungen, so dass manchmal zurückblättern angesagt war. Dennoch hat es mir gut gefallen, habe es an einem einzigen Tag durchgelesen, und ich hoffe auf mehr Bücher dieser Autorin.

13.10.2011 12:33:45
Jule

Judith Kepler ist eine Cleanerin. Sie räumt dem Tod hinterher. Ihr Privatleben verläuft so regelmäßig und ereignislos ab, wie man sicher sein kann das auf Ebbe Flut folgt. Bis zu diesem Tag, der ihr Leben verändert.Die Leseprobe und auch der Einband versprechen eine gute Story. Das kann ich nur bestätigen, doch auf eine andere Art und Weise. Man geht davon aus, das sich ihr außergewöhnlicher Beruf stärker in dem Buch widerspiegelt. Doch das ist nicht der Fall, was ich persönlich sehr schade finde. Der Hauptinhalt dreht sich um das Thema Stasi. Da ich nach der Wende geboren bin und von Erzählungen wenig über diese Zeit weiß (und ehrlich gesagt, ich finde das nicht unbedingt so interessant) war ich erst einmal nicht so erfreut über das Thema. Doch ich habe gefallen daran gefunden. Doch wie schon gesagt fand ich es schade, dass ihr Beruf keine größere Rolle gespielt hat, da er sehr ausbaufähig gewesen wäre.Gerade in den ersten Kapiteln ist es mir schwer gefallen der Geschichte zu folgen. Es wurden nicht nur sehr viele Informationen vermittelt, sondern es fand auch in den ersten drei Kapiteln ein kompletter Ort-, Zeit- und Personenwechsel statt. Dies war wirklich sehr verwirrend und als Leser fragte man sich wer jetzt was mit wem zu tun hat.In vielen der Dialoge (auch im späteren Handlungsgang) war es schwer heraus zu finden, wer gerade spricht. Oft musste ich einen Abschnitt mehrmals lesen um ihn zu verstehen. Es hat einfach hinter den Sätzen das „ , sagte Judith“ gefehlt (es soll ja nicht hinter jedem Satz stehen aber wenigsten ab und zu).In den Hauptcharakter Judith kann ich persönlich mich sehr gut hineinversetzen. Sie entspricht nicht dem eigentlichen Heldenbild, was ich sehr gut finde. Sie ist nicht die schöne, starke Frau sondern benötig Hilfe um an ihr Ziel zu gelangen.Abgesehen von manchen der Dialoge und der anfänglichen Verwirrung lässt sich das Buch sehr gut lesen. Wenn man einmal hineingefunden hat, dann kommt man auch nicht mehr los und möchte endlich wissen was als nächstes passiert.Die Autorin verwendet oft nur sehr kurze Sätze, die aber die Tatsachen auf den Punkt bringen und gerade bei Judiths Gedankengängen den Inhalt verstärken.Äußerlich ist das Buch sehr ansprechend. Das Titelbild passt gut zum Titel und ein Hardcover-Buch hat immer etwas besonderes, obgleich auch etwas unpraktisches für Menschen wie ich, die oft bei Reisen mit Bahn und Bus lesen.Was mir noch zu bedenken gibt, das Buch scheint mir nicht unbedingt geeignet für eine Übersetzung in andere Sprachen, bzw. nicht geeignet für „Nicht-Deutsche“ Leser. Viele Menschen aus Deutschland, gerade die jüngere Generation, kennst sich schon wenig mit dem Thema der Stasivergangenheit aus. Daher denke ich das es für „Nicht-Deutsche“ noch etwas schwerer wird, obwohl es auch Aufklären und Interesse wecken kann. (Kleine Anmerkung: „Nicht-Deutsche“ ist nicht rassistisch gemeint!)Zusammenfassen kann ich sagen, dass es eine sehr gute Story mit viel Spannung und Überraschung ist, die es sich auf jeden Fall lohnt zu lesen, vor allem wenn man Interesse an der Deutschen Geschichte hat.Ich persönlich hätte mir das Buch nicht gekauft, da ich wie schon erwähnt ein Pendler bin und oft in Bus und Bahn lese. Außerdem wäre mir der Preis zu hoch gewesen, allerdings finde ich ihn nicht unangemessen(ist schließlich ein dickes Buch mit stabilen, schönen Hardcover), sondern meine Büchereinkäufe liegen immer unter der 5-Euro-Grenze.Also: Lesen bildet, gerade in diesem Fall !

13.10.2011 12:33:37
Jule

Judith Kepler ist eine Cleanerin. Sie räumt dem Tod hinterher. Ihr Privatleben verläuft so regelmäßig und ereignislos ab, wie man sicher sein kann das auf Ebbe Flut folgt. Bis zu diesem Tag, der ihr Leben verändert.Die Leseprobe und auch der Einband versprechen eine gute Story. Das kann ich nur bestätigen, doch auf eine andere Art und Weise. Man geht davon aus, das sich ihr außergewöhnlicher Beruf stärker in dem Buch widerspiegelt. Doch das ist nicht der Fall, was ich persönlich sehr schade finde. Der Hauptinhalt dreht sich um das Thema Stasi. Da ich nach der Wende geboren bin und von Erzählungen wenig über diese Zeit weiß (und ehrlich gesagt, ich finde das nicht unbedingt so interessant) war ich erst einmal nicht so erfreut über das Thema. Doch ich habe gefallen daran gefunden. Doch wie schon gesagt fand ich es schade, dass ihr Beruf keine größere Rolle gespielt hat, da er sehr ausbaufähig gewesen wäre.Gerade in den ersten Kapiteln ist es mir schwer gefallen der Geschichte zu folgen. Es wurden nicht nur sehr viele Informationen vermittelt, sondern es fand auch in den ersten drei Kapiteln ein kompletter Ort-, Zeit- und Personenwechsel statt. Dies war wirklich sehr verwirrend und als Leser fragte man sich wer jetzt was mit wem zu tun hat.In vielen der Dialoge (auch im späteren Handlungsgang) war es schwer heraus zu finden, wer gerade spricht. Oft musste ich einen Abschnitt mehrmals lesen um ihn zu verstehen. Es hat einfach hinter den Sätzen das „ , sagte Judith“ gefehlt (es soll ja nicht hinter jedem Satz stehen aber wenigsten ab und zu).In den Hauptcharakter Judith kann ich persönlich mich sehr gut hineinversetzen. Sie entspricht nicht dem eigentlichen Heldenbild, was ich sehr gut finde. Sie ist nicht die schöne, starke Frau sondern benötig Hilfe um an ihr Ziel zu gelangen.Abgesehen von manchen der Dialoge und der anfänglichen Verwirrung lässt sich das Buch sehr gut lesen. Wenn man einmal hineingefunden hat, dann kommt man auch nicht mehr los und möchte endlich wissen was als nächstes passiert.Die Autorin verwendet oft nur sehr kurze Sätze, die aber die Tatsachen auf den Punkt bringen und gerade bei Judiths Gedankengängen den Inhalt verstärken.Äußerlich ist das Buch sehr ansprechend. Das Titelbild passt gut zum Titel und ein Hardcover-Buch hat immer etwas besonderes, obgleich auch etwas unpraktisches für Menschen wie ich, die oft bei Reisen mit Bahn und Bus lesen.Was mir noch zu bedenken gibt, das Buch scheint mir nicht unbedingt geeignet für eine Übersetzung in andere Sprachen, bzw. nicht geeignet für „Nicht-Deutsche“ Leser. Viele Menschen aus Deutschland, gerade die jüngere Generation, kennst sich schon wenig mit dem Thema der Stasivergangenheit aus. Daher denke ich das es für „Nicht-Deutsche“ noch etwas schwerer wird, obwohl es auch Aufklären und Interesse wecken kann. (Kleine Anmerkung: „Nicht-Deutsche“ ist nicht rassistisch gemeint!)Zusammenfassen kann ich sagen, dass es eine sehr gute Story mit viel Spannung und Überraschung ist, die es sich auf jeden Fall lohnt zu lesen, vor allem wenn man Interesse an der Deutschen Geschichte hat.Ich persönlich hätte mir das Buch nicht gekauft, da ich wie schon erwähnt ein Pendler bin und oft in Bus und Bahn lese. Außerdem wäre mir der Preis zu hoch gewesen, allerdings finde ich ihn nicht unangemessen(ist schließlich ein dickes Buch mit stabilen, schönen Hardcover), sondern meine Büchereinkäufe liegen immer unter der 5-Euro-Grenze.Also: Lesen bildet, gerade in diesem Fall !

12.10.2011 19:31:19
€nigma

Inhalt

Die "Cleanerin" Judith Kepler stößt in der Wohnung einer Ermordeten auf ihre eigene Akte aus dem DDR-Kinderheim "Juri Gagarin", in dem sie vom 5. bis zum 15.Lebensjahr untergebracht war. Sie ist erschüttert darüber, dass diese Dokumentation ihrer unschönen Kindheit nicht wie erwartet seit der Wiedervereinigung im Reißwolf gelandet ist und sie setzt alles daran, herauszufinden, wie die ermordetete Frau an ihre Akte gekommen ist. Außerdem will sie die verschütteten Erinnerungen an ihre ersten fünf Lebensjahre wachrütteln und etwas über ihre Eltern in Erfahrung bringen.
Im Laufe ihrer Ermittlungen zeigt sich, dass Judiths Familie in die gegenseitige Spionage zwischen DDR und BRD verwickelt war, ihre Untersuchungen bescheren ihr allerhand Aufregung und lebensgefährliche Situationen, da es immer noch Menschen gibt, die bestimmte Vorgänge aus der Zeit des Kalten Krieges nicht aufgedeckt sehen wollen.

Aufbau

Der Prolog ist in den Achtziger Jahren angesiedelt. Die fünfjährige Judith - damals hieß sie noch anders- kommt unter mysteriösen Umständen ins Kinderheim und bekommt eine neue Identität verpasst. Der Hauptteil des Romans spielt in der Gegenwart, Judith ist inzwischen Mitte Dreißig und arbeitet nach einer "abgeschlossenen" Drogenkarriere als Cleanerin. Kürzere Rückblicke in die Vergangenheit sind immer wieder in die laufende Romanhandlung eingeflochten.

Persönliche Beurteilung

Nach dem Klappentext und der Leseprobe erwartete ich einen Krimi/Thriller, der im forensischen Milieu spielt (weitergehende Ermittlungen, die sich aus dem Zustand der zu reinigenden Wohnungen von Toten ergeben). Dies ist überhaupt nicht zutreffend. Es handelt sich hier um einen sehr komplex aufgebauten Spionageroman, den man schon aufgrund der verwickelten Beziehungen der zahlreichen Romanfiguren mit großer Konzentration und angepasstem Tempo lesen muss. Ich tat mich etwas schwer, weil ich bei Spionage- und Gegenspionagethemen nicht immer vollkommen durchblicke.
Trotz gewisser Verständnislücken fand ich den Roman aber recht fesselnd, was nicht zuletzt an der Actionlastigkeit einiger Abschnitte und dem wirklich gelungenen, flüssigen Erzählstil der Autorin lag.

Fazit

Wer sich für Spionage im Allgemeinen und das Verhältnis von DDR und BRD zueinander in den Achtziger Jahren interessiert, hat hier einen sehr ansprechenden, lesenswerten Roman vor sich. In der Erwartung, mehr über den Beruf eines Cleaners zu erfahren und einen gewöhnlichen Krimi schnell weglesen zu können, sollte man jedoch eher nicht an dieses Buch herangehen.
Auch wenn "Zeugin der Toten" nicht ganz meinen Erwartungen entsprach, werde ich die Autorin im Auge behalten.

16.05.2011 17:46:13
anyways

Im Frühjahr 1985, viereinhalb Jahre vor der Wende, wird aus dem kleinen Mädchen Christel Sonnenberg unter mysteriösen Umständen Judith Kepler- Neuzugang im Kinderheim „Juri-Gagarin“ in Saßnitz. Das Heimleben, die Strafen und die Gewalt der Erzieherinnen gegenüber ihren Schutzbefohlenen zeichnen Judith für ihr späteres leben. Sie kommt auf die schiefe Bahn, nimmt Alkohol und Drogen in gesundheitsschädigender Weise zu sich. Eine Resozialisierung der skurrilen Art durchläuft sie, als sie für „ Dombrowski-Facility-Managment“ anfängt zu arbeiten. Dieses Unternehmen hat sich auf die Säuberung der Wohnung Verstorbener spezialisiert. Eine Arbeit die Judith Halt gibt und die es ihr ermöglicht den Tag durchzustehen. Besonders für „Kaltsteller“ scheint sie geeignet zu sein, bieten diese doch eine besondere Herausforderung. Es sind Wohnungen von Mordopfern und Judith erscheint wenn die Spusi fertig ist um Blut und Fingerabdruckpulver weg zu wischen.

Zwei Jahr arbeitet sie schon für dieses Unternehmen, als ihr Chef sie unweit ihrer eigenen Wohnung zu einem „Kaltsteller“ schickt. Dort hat ein äußerts brutaler Mord an einer jungen Frau stattgefunden. Durch Zufall fällt Judith ein an die Tote adressierter Brief in die Hände. Schon der Absender paralysiert sie, ist es doch das Kinderheim in Saßnitz, als sie aber beim Öffnen ihre eigene Akte in den Händen hält ist sie hellwach und versucht Licht ins Dunkel zu bringen, und sich endlich ihrer Vergangenheit zu stellen, nichts ahnend das sie es von nun an mit dem BND, der CIA und der MfS zu tun bekommt.



Ein hochbrisanter Thriller über die Schachzüge der Geheimdienste zu Zeiten des „Kalten Krieges“, über Republikflucht und Doppelspionage, und das erschreckende daran ist, das die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, das sich so eine Geschichte durchaus zugetragen haben könnte. Die Recherchen über die Fährhafenstadt Saßnitz (ich konnte sogar einigen Straßenzügen folgen und deren Existenz somit bestätigen)sind außerordentlich gut, allerdings war/ ist „mein“ Saßnitz heller, sonniger und voller unbeschwerter Kindheitserinnerungen. Den legendären Malmö-Express gab es wirklich. Ein Zug der von Malmö über Saßnitz, Berlin und Dresden bis nach Prag fuhr. Wobei man die erste und letzte Station als DDR-Bürger entweder gar nicht oder nur unter besonderen Umständen erreichte. Dafür schnupperte man ein wenig freie, weite Welt. Schon die Vorstellung dass dieser Zug in den „Westen“ fuhr beflügelte die Fantasie.

Lenins Waggon hingegen ist kurz nach seiner Ankunft in Saßnitz verschollen, viele Jahre stand eine (ungleich schlechte) Nachbildung desselben auf einem Abstellgleis im Saßnitzer Bahnhof.

Ein Thriller der atemlos in den Strudel dunkelster Geheimdienstaktivitäten zieht und mich sehr lange beschäftigt hat, wenngleich ich ihn innerhalb von wenigen Stunden verschlungen habe.

15.03.2011 18:15:28
nutellabrot86

Zunächst muss ich sagen, dass das Buch ganz anders ist, als ich gedacht habe. Ob dieses nun positiv oder negativ ist, kann ich auch nach Ende des Buches nicht sagen. Es ist sicher Geschmackssache.Ich habe einen Krimi/Thriller erwartet, in dem Morde aufgedeckt werden, indem ermittelt wird, in dem es viell auch etwas blutig zugeht.In diesem Buch jedoch geht es um die Lebensgeschichte der Hauptprotagonistin Judith Kepler. Das Buch spielt hauptsächlich in der Vergangenheit. Fängt an, als sie ein kleines Mädchen war, als sie in ein Heim gekommen ist. Nach und nach klären sich in dieser Geschichte die Hintergründe auf, das wieso, warum.Es wird viel über die DDR- Zeit geschrieben, über das nicht immer einfache Leben damals und über die politischen Hintergründe. Ich habe sehr viel erfahren können und habe Informationen erhalten, die ich so noch nicht kannte.Von der Spannung her, war das Buch für mich wie eine Berg und Talfahrt. Es hab Seiten die habe ich in kürzester Zeit verschlungen, dann aber auch wieder Szenen, die nur noch vor sich hingetröpfelt sind. Ich habe insgesamt für das Buch sehr lange gebraucht, weil ich es immer wieder aus der Hand legen musste. Schnell verliert man dadurch bei dieser Geschichte auch den Faden. Vom Inhalt her steckt nämlich sehr viel in der Geschichte, mit vielen sehr interessanten Hintegründen und Fakten der damaligen Zeit.Teilweise kam es mir so vor, als passen die einzelnen Kapitel gar nicht zusammen. Es waren Ort- und auch Zeitsprünge vorhanden, die mich beim lesen irritiert haben und ich manchmal einige Seiten zurückblättern musste, um mich wieder zurecht zu finden.Die Geschichte um die Hauptprotagonistin Kepler wird auch zeitweise etwas langatmig dargestellt. Seitenweise immer wieder dieselben Handlungen, Geschichten und Personen. Nur langsam baut sich die Gesamtgeschichte aus. Mir fehlte der Pepp in den Handlungen, welche die Schriftstellerin sicher mehr herausholen hätte können, wenn sie an meinen Stellen gespart hätte und andere weiter ausgenaut hätte.Insgesamt war das Buch von der Thematik her interessant. Es ist jedoch nur Lesern zu empfehlen, die diese Materie mögen. Es ist kein normaler Krimi/Thriller, wie man es sich vielleicht auf den ersten Blick vorstellt.

24.02.2011 16:07:35
subechto

Clean Team
Die Grundidee zu Zeugin der Toten ist mir nicht neu, seit ich Das Clean Team von Charlie Huston gelesen habe. Auch Judith, alias Christel, übt zusammen mit ihrem jungen Kollegen Kai diesen makabren "Job" aus. Allerdings bildet es nur die Klammer zu der eigentlichen Geschichte.
Denn Frau Herrmann wäre nicht Frau Herrmann, wenn es nicht - wie schon beim Kindermädchen oder der letzten Instanz - ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit zu lösen gälte. Und so beginnt die Geschichte Mitte der achtziger Jahre in der damaligen DDR, in einem Kinderheim auf Rügen. Inhaltlich geht es um die Machenschaften der Geheimdienste vor und hinter dem Eisernen Vorhang.
Elisabeth Herrmanns Romane zeichnen sich, meiner Meinung nach, durch eine wunderbare Mischung aus wahren, gut recherchierten Begebenheiten (Lenins Salonwagen, Wahl Gorbatschows zum Parteichef der Sowjetunion, Agentenaustausch auf der Glienicker Brücke...) und einer spannenden, fiktiven Krimihandlung aus. "Zeugin der Toten" ist jedoch kein Krimi aus der Joachim-Vernau-Reihe, sondern ein eigenständiger Roman.
Die Autorin ist in Hessen geboren, genau wie ich, bringt aber das Leben der ehemaligen DDR-Bürger gut rüber, wenn sie u.a. von Florena-Creme und Bückware schreibt... Überhaupt ist Frau Herrmann eine großartige Erzählerin, ähnlich wie Cora Stephan alias Anne Chaplet, mit einer bildgewaltigen und intensiven Sprache, finde ich.
Trotzdem kann ich für die Protagonistin keine große Sympathie empfinden, auch fehlt mir etwas die Glaubwürdigkeit. Judiths plötzliche Wut und Aggression gegen alles und jeden kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Klar, 10 Jahre im Heim waren bestimmt kein Zuckerschlecken, aber das ist inzwischen 15 Jahre her und steht im krassen Widerspruch zu ihrer Arbeit als "Putzfrau", die sie seit Jahren angepasst und emotionslos verrichtet.
Doch auch wenn "Zeugin der Toten" ein paar Schwächen hat, er könnte für meinen Geschmack etwas spannender sein, ist der neue Roman von Elisabeth Herrmann ein Muss für alle, die sich für Spionage und Geheimdienste, aber auch für jüngere deutsche Geschichte, die Stasi und die ewig Gestrigen interessieren.
Ein anspruchsvolles, informatives Lese-Erlebnis, deshalb 4* und meine uneingeschränkte Empfehlung!

20.02.2011 16:22:35
Marius

Die Verbrechen der Toten

In „Zeugin der Toten“ stellt uns Elisabeth eine ungewöhnliche Heldin vor: die Tatortsäuberungskraft Judith Kepler, im Fachjargon Cleaner genannt. Die Tatorte der Verbrechen sind die Orte, an denen sie ihr Tagewerk verrichtet, nämlich die Wiederherstellung der Bewohnbarkeit der Wohnungen, in denen Verbrechen verübt wurde. Doch bei einem Einsatz ist alles anders: Zufällig fällt ihr bei der Reinigung einer Wohnung ein Briefumschlag aus der ehemaligen DDR in die Hände und beim Öffnen stellt Judith fest, dass der Inhalt des Briefes ihre eigene Heimakte aus einem Erziehungsheim in Sassnitz ist. Für Judith bricht eine Welt zusammen und sie muss erkennen, dass alte Mächte verhindern möchten, dass die Wahrheit über bestimmte Geschehnisse in der DDR ans Tageslicht kommen.
Derweil versucht der Ex-BND-Agent Quirin Kaiserley, die von einer Informantin versprochen Mikroverfilmungen der Rosenholz-Dateien aufzufinden, die die Wahrheit über die ehemaligen DDR-Agenten in der Bundesrepublik Deutschland enthüllen. Auch Kaiserley muss erkennen, dass die Verbrechen der Vergangenheit auch heute noch nachwirken und einige Personen in hohen Positionen am liebsten die Geschichte der DDR-Geheimdienste vergessen machen wollen.
Schon bald kreuzen sich die Wege des Ex-Agenten und der Cleanerin und Judith Kepler muss entdecken, dass sie persönlich wohl viel tiefer in die ehemaligen Geschehnisse eingebunden ist, als ihr lieb ist …
Ich hatte bis dato noch kein Werk der jungen Krimiautorin Elisabeth Herrmann gelesen, was insofern nicht schlimm ist, da es zu „Zeugin der Toten“ kein Vorgängerbuch gibt und man sich einfach ohne Vorwissen auf die Geschichte einlassen kann. Herrmann hat eines der wohl undurchsichtigsten Kapitel deutsch-deutscher Vergangenheit in die Mitte ihres Romans gerückt und zeigt mit ihrem Werk eindrucksvoll, dass auch heute, da wir erst groß 20 Jahre Mauerfall gefeiert haben, noch einiges im Dunklen liegt und dass die Spionagegeheimnisse von BRD und DDR bis heute nachwirken. Mit Judith Kepler hat Herrmann einen außergewöhnlichen Charakter kreiert, der mich auf jeden Fall fasziniert hat. Auch kann die Geschichte nicht nur durch Charaktere sondern auch durch den Inhalt glänzen und hat mich durch die durchgängige Spannung dazu gebracht, dass Buch innerhalb von zwei Tagen auszulesen!
Fazit: Mit „Zeugin der Toten“ hat Elisabeth Herrmann für mich den Beweis erbracht, dass man in Deutschland auch packende Krimis erzählen kann, die sich nicht zwangsweise in die Regio- und Serienkillersparte einordnen brauchen. Für mich ist das Buch bereits jetzt eines meiner Highlights des Jahres 2011!