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Andreas Kurth
Rache ist eine gefährliche Triebfeder

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jul 2019

Judith Kepler hat gerade einige Baustellen, vielleicht zu viele für die junge Frau. Dombrowski, ihr väterlicher Arbeitgeber und Mentor, erleidet einen Herzinfarkt. Judith soll die Geschäftsführung der Gebäudereinigungsfirma übernehmen - in ihren Augen eine Mammutaufgabe. Dabei will sie sich aktuell lieber um Tabea kümmern, die Tochter ihres Freundes Frederick. Der ist V-Mann des Verfassungsschutzes in der Neonazi-Szene, und wird auf eine schwierige Mission nach Odessa geschickt. Geführt wird er von Isa Kellermann, Tochter eines BND-Mitarbeiters und einer Stasi-Spionin, und nun selbst zunächst beim BND, denn beim Verfassungsschutz.

Es ist in der Folge alles noch viel verworrener und komplizierter. Wer die ersten zwei Bände der Trilogie gelesen hat, ist deutlich im Vorteil, aber da zwischen dem Erscheinen des ersten und zweiten Bandes durch den Verlagswechsel von Elisabeth Hermann sieben Jahre vergangen sind, ist die Erinnerung ohnehin verblasst, und man musste sich schon im zweiten Buch neu auf die Geschichte einlassen. Das ist auch problemlos möglich, wenn man mit “Schatten der Toten” einsteigt, denn es gibt etliche Hinweise auf die zurückliegenden Ereignisse.

Judiths Vater war einst Doppelagent für Stasi und BND, bei einer Operation in Sassnitz auf Rügen, die aus dem Ruder lief - oder verraten wurde - kam Judiths Mutter zu Tode, sie landete in einem DDR-Kinderheim. Ihr Vater überlebte, ist mittlerweile unter dem Namen Bastide Larcan als Waffenschieber im internationalen Spionage-Geschäft unterwegs. Ihn will Isa Kellermann zur Strecke bringen, weil er einst ihre Mutter als Romeo verführte und zum Geheimnisverrat brachte. Ihre Mutter ist mittlerweile tot, ihr Vater ein verbitterter Ex-Geheimdienstler.

Neonazis, Verfassungsschützer und allerlei zwielichtige Gestalten

Ausgehend von dieser Gemengelage spinnt Elisabeth Hermann in ihrem lesenswerten und spannenden Thriller die Geschichte von Judith Kepler weiter. Und dabei fährt sie ein Personal-Tableau auf, das es in sich hat. Vater, Mutter und Tochter Kellermann, andere alte und aktuelle Geheimdienstler, Quirin Kaiserley, ebenfalls Ex-BND. Oleg Nikoforov, ein russischer Gangsterboss, mit seinen diversen Handlangern und Killern. Frederick Meißner und seine Tochter. Neonazis, Verfassungsschützer und allerlei zwielichtige Nebenfiguren. Dieses Buch liest man nicht mal so nebenbei, auf den 666 Seiten ist schon die volle Aufmerksamkeit des Lesers gefordert.

Glaubwürdig schildert Hermann dabei das Kompetenzgerangel um die Operation Odessa. V-Mann Meißner soll mit anderen Neo-Nazis einen Waffentransport dorthin bringen, der für ein obskures ukrainisches Freischärler-Regiment bestimmt ist. Die Waffen stammen aus amerikanischen Beständen in Deutschland, deshalb helfen die Russen dem BND bei der Aktion. Politisch höchst brisant und für den deutschen V-Mann lebensgefährlich.

Isa Kellermann will unbedingt mit nach Odessa, um ihr eigenes Süppchen zu kochen und sich Larcan zu schnappen. Nach langen Debatten - als Verfassungsschützerin darf sie nicht im Ausland operieren - wird ihr schließlich eine Beobachter-Rolle zugestanden. Und auch Judith macht sich auf den Weg ans Schwarze Meer, weil sie herausgefunden hat, dass Frederick dort ist - und sie will ihm sagen, dass seine Tochter schwer krank ist und ihren Vater braucht. Wie nicht anders zu erwarten, läuft die Operation in Odessa völlig aus dem Ruder, weil sich weitere Akteure einmischen, und vor allem, weil nicht alle mit offenen Karten spielen.

Viele Geschichten sind noch nicht auserzählt

Ihr dritter Roman um Judith Kepler war für Elisabeth Hermann nach eigener Aussage eine schweres Stück Arbeit, da sie sich nach insgesamt zehn Jahren von einer Figur verabschieden musste, mit der zusammen sie fiktiv vieles erlebt und durchlitten hat. Mit Genuss lesen kann man die Trilogie im Grunde nur als komplettes Werk. Wer also “Schatten der Toten” lesen will, dem seien die Vorgänger-Bände ans Herz gelegt.

Die von Elisabeth Hermann gewohnt mitreißend erzählte Geschichte um die Tatortreinigerin Judith Kepler ist nicht nur spannend und authentisch geschrieben, sondern rückt auch einige Themen ins Blickfeld, die noch nicht ausgestanden sind. Hermann sagt dazu, dass aus ihrer Sicht noch längst nicht alle Geschichten um Stasi, BND und die DDR auserzählt sind. Und sie sieht es als Aufgabe der Geschichtenerzähler, immer noch neue Aspekte zu finden und aufzuschreiben.

Autorinnen haben die Freiheit, sich ihre Geschichten zurecht zu legen

Es wird auch bei diesem Buch wieder die Kritik geben, vieles sei unrealistisch. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es so etwas wie die geschilderte Operation in Odessa tatsächlich geben könnte. Deutsche Neo-Nazis liefern Waffen an eine ukrainische Freischärler-Truppe, und sollen von BND und Bundeswehr-Spezialkräften hochgenommen werden, wobei sie von den Russen unterstützt werden? Weitere Player inklusive? Das kann ich mir nicht realistisch vorstellen - aber es ist ein genial ausgedachter Plot. Und Autorinnen haben nun mal die Freiheit, sich ihre Geschichten so zurecht zu legen, wie sie dann gut passen. Dem Wunschdenken mancher Akteure dürfte die ganze Aktion schon entsprechen. Elisabeth Hermann hat die gesamte Handlung perfekt in ihren roten Faden aus den ersten zwei Bänden eingewoben, und gewohnt spannend und mitreißend erzählt.

Fazit:

Die Trilogie um die Tatortreinigerin Judith Kepler ist ein überaus fesselndes Stück Kriminalliteratur. Speziell im Abschlussband “Schatten der Toten” zeigt Elisabeth Hermann einmal mehr, dass sie eine richtig gute Geschichtenerzählerin ist. Stasi-Veteranen, DDR-Kinderheime, alte Seilschaften und die Folgen für die aktuelle Weltpolitik - hier wird der Leser nicht nur hervorragend unterhalten, sondern bekommt auch noch viel Stoff zum Nachdenken. Ein brillantes Buch, wirklich empfehlenswert.

Schatten der Toten

Schatten der Toten

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Letzte Kommentare:
26.08.2019 13:34:51
Eckhard Weber

Ein spannender Abschluß (???) der Trilogie um Judith Keppler.
Doch wer ist der Herr Körber ab Ende des Romans?
Es sollte unbedingt einen 4. Teil geben.