Wilde Flucht

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • New York: G. P. Putnam’s Sons, 2002, Titel: 'Savage run', Seiten: 272, Originalsprache
  • München: Heyne, 2010, Seiten: 320, Übersetzt: Andreas Heckmann

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Jochen König
Die explodierende Kuh und die simplen Geister

Buch-Rezension von Jochen König Aug 2010

Wilde Flucht ist der zweite Roman der Reihe um den Jagdaufseher Joe Pickett (und seine Familie). Aber der dritte, der auf Deutsch erscheint. Band Nummer Sieben Free Fire (Todeszone) hat letztes Jahr den Vorzug erhalten. Warum auch immer.

Zusammen mit seiner frisch angetrauten Annabel und einem arglosen Rind fliegt der weltbekannte Umweltschützer Stewie Woods in den Bighorn Mountains in die Luft. Da dieses Areal zum Arbeitsbereich des Wald- und Wildhüters Joe Pickett gehört, wird er zum Ort der Explosion bestellt und darf den Rancher Jim Finotta vom Tod seiner Kühe unterrichten. Was den unsympathischen Anwalt und Großgrundbesitzer nicht sonderlich überrascht.

Nicht nur aufgrund dieser seltsamen Reaktion ist Joe Pickett misstrauisch, ob es sich bei der Detonation tatsächlich um eine missglückte Protestaktion des Umweltschützers handelt. Zu Recht. Denn bald stellt sich heraus, dass Stewie nicht nur die erste große Liebe von Joes Frau Marybeth war, sondern möglicherweise mit dem Leben davongekommen ist.

Joe begibt sich auf die Pirsch und gerät so ins Visier des skrupellosen "Viehdetektivs" Charlie Tibbs. Die wilde Flucht kann beginnen.

Savage Run heißt der Roman im Original, und damit ist nicht nur besagte stürmische Hatz durch den Wald gemeint, sondern eine Schlucht gleichen Namens, die verfolgten Cheyennes einst als Rettungsweg mythischen Ausmaßes diente. Womit wir gleich beim Positiven wären: die Einbindung von Legenden sowie Landschaften mit Leben zu füllen, beherrscht Box ausnehmend gut. Da folgt man ihm gerne. Ebenso, wenn das Buch ein (gemächliches) Tempo aufnimmt und der tapfere Joe sich samt Anhang durch die unwirtlichen Wälder Wyomings schlägt, um Tibbs Kugeln zu entkommen.

Dieser Joe Pickett ist schon so einer. Ein freundlicher Kerl, nicht wahnsinnig geschwind im Geiste und ein schlechter Schütze. Aber hartnäckig. Vor allem, wenn es um die Verfolgung ekliger Typen wie den Anwalt Jim Finotta geht, der ein Wapiti ganz frech außerhalb der Jagdsaison killt, sein Fleisch verrotten lässt, nur um den mächtigen Schädel an die Wand hängen zu können.

Pickett und seine perfekte Familie (die ganz tolle, ganz gutaussehende Gattin Marybeth und drei überaus reizende Töchter) sind in ihrem Gutmenschentum etwas nervtötend. Wenn Pickett durch’s Unterholz streift, fehlt nur noch der treue Collie Lassie um perfektes 50er-Jahre Feeling zu erzeugen.

In Box´ Roman sind die Guten noch richtig gut und die Bösen vom Scheitel bis zur Sohle böse. Okay, ein paar ambivalente Charaktere haben es ins Geschehen geschafft. Aber davon wirkt John Coble, der erst willfährige, dann bockige Kollege von Charlie Tibbs, eher wie eine dramaturgische Notlösung, um die Handlung voran zu treiben, denn als glaubwürdige Figur.

Besser gelungen ist die kritische Haltung, die auch Stewie Woods irgendwann äußert, sowohl gegenüber mediengeilen und profitorientierten Umweltschützern, wie jenen Hobby-Ranchern, die Sinn und Zweck ihres Daseins aus den Augen verloren haben.

Als Lösungsmöglichkeit bietet Box eine zutiefst romantische Liebe zu Natur und Mitmenschen an, die Fehler verzeiht und von gegenseitigem Respekt geprägt ist. Das ist zwar naiv, aber nicht die schlechteste aller simpel gestrickten Utopien. Vor allem passt sie Zu Joe Pickett, dem wackeren Streiter für Gerechtigkeit, liebenden Ehemann und Vater.

Leider hat Box nicht die mindeste Begabung aus der absurden Komik, die eine explodierende Kuh mit sich bringt, den geringsten Effekt zu ziehen. Er behandelt die Begebenheiten mit einer Ernsthaftigkeit, die die Handlung fast schon wieder auf unfreiwillige Weise der Lächerlichkeit preisgibt. Hier hegen böse Deppen finstere Pläne, und die guten Deppen kommen ihnen eher zufällig in die Quere, treffen auch mal das Türschloss, wenn nur das Scheunentor gefordert ist.

Wilde Flucht ist ein bisschen wie seine Hauptfigur: nett, sympathisch,ein bisschen aufgekratzt und von schlichter, aber gutmütiger Gesinnung.

Wilde Flucht

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Letzte Kommentare:
02.09.2012 18:43:38
Stefan83

Nein, hochliterarisch ist auch der zweite Band um den etwas schusseligen und naiven Wildhüter Joe Pickett nicht. Und an das Niveau des für den Edgar Award nominierten Standalones "Stumme Zeugen" kann "Wilde Flucht" auch nicht anknüpfen. Macht aber nix. Die Sprache ist typisch amerikanisch, kahl und schlicht, passt aber irgendwie zu der rauen Landschaft in die Box den Leser eintauchen lässt. So liest sich das Buch ein bisschen wie ein moderner Western. Und natürlich wird auch hier ordentlich zum Colt gegriffen und durch die Wildnis gejagt. Ich fühlte mich, wie bisher eigentlich immer bei diesem Autor, gut unterhalten und konnte über den ein oder anderen Makel hinwegsehen. Insgesamt ein kurzweiliger Neo-Western, dessen Öko-Moralkeule am Ende ein wenig zu grob und "explosiv" daherkommt. Dennoch ein erfrischender Farbtupfer am grauen Mainstream-Himmel.

22.03.2012 20:37:38
kianan

"Wilde Flucht" ist der zweite Teil um den Wildhüter Joe Pickett. Das erste Buch "Jagdopfer" habe ich als sehr, sehr spannend empfunden und super gerne gelesen. Das zweite Buch ist gelungen, aber leider jedoch sehr vorhersehbar und ähnelt dem Ersten ein wenig zu sehr. Daher kann ich es nicht ganz top bewerten. Ich bin auf den 3. Teil gespannt, da wird sich entscheiden, ob ich diese Serie weiterlese.

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