Keine Schonzeit

Erschienen: Januar 2003

Bibliographische Angaben

  • New York: Putnam, 2001, Titel: 'Open Season', Seiten: 293, Originalsprache
  • München: Blanvalet, 2003, Seiten: 315, Übersetzt: Andreas Heckmann
  • München: Heyne, 2010, Titel: 'Jagdopfer', Seiten: 315

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Michael Drewniok
Eigennutz plus Mord gegen lästige Naturschützer

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jan 2008

Saddlestring im US-Staat Wyoming wirkt auf den ersten Blick wie eine amerikanische Bilderbuchstadt. Doch die Rezession beutelt das Twelve Sleep County. Keine Arbeit, keine Aussichten, aber Waffen & Alkohol satt und ein schwer überschaubares Terrain: Das ist der Alltag, mit dem Thomas Joseph "Joe" Pickett, Jagdaufseher im Dienst der Wild- und Fischbehörde von Wyoming, sich plagen muss. Wegen seines Feuereifers ist er unbeliebt in der eigenen Behörde, bei den Einheimischen, die gern außerhalb der Saison wildern, sowie bei den Jagdtouristen, die sich unter freiem Himmel mit Pulver und Blei austoben wollen. Mit Gattin Marybeth und zwei Kindern - das dritte ist unterwegs - lebt Pickett mehr schlecht als recht in einem baufälligen Haus und fragt sich oft, wie die Familie finanziell über die Runden kommen soll.

Dieses Problem hat sein ehemaliger Chef und Vorgänger gelöst. Vern Dunnegan arbeitet jetzt für den Energiekonzern InterWest Ressources, der eine Gaspipeline durch die Wälder bauen will. Viel Geld und Jobs für die Bürger Saddlestrings verspricht dieses Projekt. Hindernisse, die es womöglich zum Scheitern bringen, sind da gar nicht gern gesehen. Pickett hält sich heraus, bis ausgerechnet in seinem Hinterhof Jagdführer Ote Keeley sein Leben aushaucht. Von mehreren Kugeln durchbohrt, hatte er sich bis hierher geschleppt. Die Suche nach Keeleys Mörder führt Pickett und seinen Kollegen und Freund Wacey Hedeman tief in die Wälder und in das Jagdlager des Verblichenen. Dessen Kumpane liegen tot in ihren Zelten, ermordet offenbar vom verrückten Sonderling Clyde Lidgard, der sich ein Feuergefecht mit den Aufsehern liefert und schwer verletzt auf der Strecke bleibt.

Sheriff O. R. Barnum hält den Mordfall für geklärt, aber Pickett bleibt skeptisch. Zu viele Fragen bleiben für seinen Geschmack offen. Er macht sich im Alleingang an Ermittlungen - und stößt in ein Wespennest. Seltsames geht vor hinter den Kulissen von Saddlestring. Viel Geld ist im Spiel, gemischt mit der Angst vor der Naturschutzbehörde, die man offensichtlich um jeden Preis fernhalten möchte. Jeder, den Pickett bisher schätzte und achtete, scheint in das Komplott verwickelt zu sein. Schlimmer noch: Als er trotzdem nicht locker lässt, beginnt eine tödliche Hetzjagd, die bald auch seine Familie bedroht ...

Einer gegen alle, aber wenigstens mit Familie

Höchste Zeit also für Mr. Pickett, als mustergültiger US-amerikanischer Joe die Samthandschuhe auszuziehen und eigenhändig für Gerechtigkeit zu sorgen, was - wie wir ja wissen - im Land der Freien und Tapferen den großkalibrigen Overkill gegen die Schurken bedeutet, die das schließlich selbst herausgefordert und es folglich nicht besser verdient haben!

Bis es so weit ist, rollt vor des Lesers Augen kein unbedingt origineller, aber solider, gut recherchierter und effektvoll inszenierter Krimi ab, der einer scheinbar tot geschriebenen Kulisse - Redneck County, USA, bevölkert von Flanellhemden tragenden, rauschebärtigen, bis an die fauligen Zähne bewaffneten, gewalttätigen Waldschraten auf der einen und wortkargen, edelmütigen, aber mindestens ebenso armierten Ordnungshütern auf der anderen Seite - neues Leben einhauchen kann. "Keine Schonzeit" gefällt darüber hinaus durch seine gar nicht dezenten Seitenhiebe gegen eine nicht nur in Amerika aus den Fugen geratende Bürokratie, die den Bürger, dem sie angeblich dient, als seelenlose Maschine niederwalzt.

In diesem Punkt schreckt der Verfasser nicht davor zurück, einer heiligen Kuh ins Bein zu beißen. Ein ironischer Epilog schildert, wie die längst zur Großmacht mutierte Naturschutzbewegung über Twelve Sleep County kommt, im scheinbaren Namen von Mutter Erde dem Tourismus und damit dem Städtchen Saddlestring den Todesstoß versetzt und schließlich im Übereifer auch noch auslöscht, was sie eigentlich bewahren sollte. Solche Passagen stechen ab gegen die sonst doch recht simple Handlung; sie verraten viel Insiderwissen (und Zorn). In der Tat war Box einst selbst Jagdaufseher und hat seine Erfahrungen mit Befürwortern und Gegnern des Naturschutzes. Dass erstere nicht automatisch übers Wasser wandeln können, ist eine Wahrheit, die politisch weder korrekt ist noch von den Betroffenen gern gehört wird.

Galerie der üblichen Verdächtigen

C. J. Box ist ein zielstrebiger Mann, der seine Schriftstellerkarriere sorgfältig plant. Joe Pickett wurde von Anfang an als Hauptfigur einer Krimi-Reihe geplant. Dazu bedurfte es einiger Vorüberlegungen. Ein mehr oder weniger gebrochener, d. h. an der Flasche hängender, einsam in der Welt stehender oder gar von psychischen Nöten verfolgter Ordnungshüter sollte Joe Pickett nicht sein, sondern ein redlicher Zeitgenosse mit intakter Familie und unverdienten Geldsorgen, ein Vertreter altmodischer Pioniertugenden, die ihn in Konflikt mit einer eher ökonomisch als ökologisch denkenden Welt bringt. Dabei ist Joe Pickett nicht naiv, sondern ein Mann mit Prinzipien, dem es durchaus sauer aufstößt, dass auf dieser ungerechten Welt keine gute Tat unbestraft bleibt.

Box machte aus Pickett keinen typischen Kleinstadt-Polizisten, sondern einen Jagdaufseher - eine Mischung aus Sheriff, Förster und Überlebens-Spezialisten. Das eröffnet dem Verfasser die Möglichkeit, Pickett in der Wildnis und in der 'Zivilisation' einzusetzen. Davon macht er bereits in Keine Schonzeit Gebrauch, und es ist eine kluge Voraussetzung für eine möglicherweise lang laufende Serie.

Die übrigen Figuren können da leider nicht mithalten. Marybeth Pickett ist primär aufopferungsvolle Gefährtin und Muttertier: Das Weltbild des C. J. Box ist ein konservatives. Deshalb muss Joes Schwiegermutter, die ein bisschen Luxus im Leben zu schätzen weiß, auch die unsympathische Rolle übernehmen. Dass Vern Dunnegan und Wacey Hedeman Strolche sind, merkt auch der dümmste Leser (hoffentlich) schon nach wenigen Seiten. Sheriff Barnum bleibt zumindest in diesem ersten Band der Serie noch blass. Wenn Box einige Bürger von Saddlestring zu Wort kommen lässt, gelingen ihm Glanzlichter; auch Rednecks sind irgendwie Menschen, wenn auch keineswegs der pflegeleichten Art.

Ein wenig zu grob geschnitzt und kühl kalkuliert kommt dieser erste Teil der Pickett-Serie also daher. Dem Erfolg hat das nicht geschadet und möglicherweise geholfen, denn was leicht verdaulich ist, wird gern genossen. Hübsche Ansätze gelungener Ironie müssen sich mühsam neben allzu altbackenen Klischees behaupten. Das Potenzial ist freilich vorhanden und erkennbar. Es wäre schön, wenn sich endlich wieder ein deutscher Verlag der Pickett-Serie annähme.

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Letzte Kommentare:
21.07.2017 08:49:38
M. A. Titz

Ja, die Romane sind gekonnt und kalkuliert konstruiert, auf Lesevergnügen und Lokalkolorit hin hin. Da könnten sich manche zeitgenössischen Schriftsteller was von abschreiben.
Das Problem in D ist die mangelhafte Übersetzung, in der sowohl die fachliche Sauberkeit von Box als auch die atmosphärische Dichte verlorengehen. Gerade in den jüngsten Werken hat Box alle modernen Themen angesprochen, die Menschen dort bewegen, und so ein ungeschminktes Bild des amerikanischen Westens gezeichnet, das viel mehr Verbreitung verdient.

29.09.2012 00:04:53
PeterPanter

Ja, o.k., Joe Pickett kommt sehr, sehr amerikanisch daher: Gesund, naturverbunden, grundehrlich und ein absolutes "Familientier" - also so, wie die meisten Amerikaner wohl gerne wären.
Aber zum Glück ist Box` Held keineswegs ein ausschließlich unfehlbarer Gerechtigkeitsfanatiker, sondern auch ein emotionaler Charakter (längst nicht so naiv, wie man erst denkt), der bei mancher Vorhersehbarkeit doch wieder überraschen kann.
"Keine Schonzeit, bzw. Jagdopfer" (neuer Titel) erreicht zwar bei mir nicht die gleiche atemlose Spannung wie Box` Einzelroman "Stumme Zeugen", hat mich aber trotzdem neugierig auf weitere Pickett-Krimis gemacht.

08.03.2012 00:07:22
kianan

Ich wurde von diesem Krimi positiv überrascht. Wildhüter stößt in den Rocky Mountains auf einen Mordfall. Das klang für mich zunächst nach Langeweile. Doch weit gefehlt. C. J. Box verstand es neben einer spannenden Kriminalgeschichte mich tatsächlich in die Wildnis der Rocky Mountains zu versetzen, mit Joe Picket einen erfrischend neuen Krimiprotagonisten zu erschaffen und einen sehr guten Spannungsbogen aufzubauen. Ein tolles Debüt, mit einem gänzlich anderen Umfeld und anderem Hauptcharakter als in zahlreichen anderen Debüts. Ich werde das nächste Buch der Serie auf jeden Fall lesen.

08.08.2008 19:56:05
Stefan83

Schon längere Zeit ist es her, dass ich C.J. Box’ Debütroman „Keine Schonzeit“ gelesen habe. Über mehrere Jahre hörte man auf dem deutschen Buchmarkt nichts mehr von dem Autor, bis er im Jahre 2008 mit „Stumme Zeugen“ wieder auf sich aufmerksam machte. Grund genug für mich, mir sein Erstlingswerk noch einmal vorzunehmen. „Keine Schonzeit“ ist der erste Auftritt des Jagdaufsehers Joe Pickett, der es in den USA bereits zu einer erfolgreichen und langlebigen Reihe gebracht hat. Autor Box, der Picketts Job selbst lange Zeit in seiner Heimat, Cheyenne im Bundesstaat Wyoming, ausgeübt hat, scheint viele seiner eigenen Erfahrungen mit in den Plot eingebaut zu haben. Nur so ist es zu erklären, dass er den Schauplatz, das auf den ersten Blick wie eine Bilderbuchstadt wirkende Saddlestring und dessen waldreiche Umgebung, derart bildreich auf Papier gebracht hat. Schon nach wenigen Seiten ist man geistig mitten in den Rockies, scheint man den aufsteigenden Nebel auf der Haut fühlen, das Geraschel der Wapitis hören zu können. Und von Beginn an ist klar, dass die Harmonie sowohl in der Stadt als auch in der Natur nichts weiter als eine Fassade ist. Pickett, der erst vor kurzem den Job von seinem Vorgänger Vern Dunnegan, einem angesehenen Mitglied der Gemeinde, übernommen hat, muss sich nämlich nicht nur mit seinem anstrengenden Dienst der Wild- und Fischbehörde und seinen finanziellen Sorgen herumplagen, sondern wird gleichzeitig unfreiwillig in einen mysteriösen Mordfall verwickelt. Jagdführer Ote Keeley haucht direkt im Hinterhof von Pickett sein Leben aus, von Kugeln durchsiebt. Ohnehin schon unbeliebt aufgrund seiner pedantisch genauen Art und Korrektheit, macht er sich mit seinen Ermittlungen und Nachforschungen nur wenig Freunde. Als ihm von seinem Gönner Dunnegan schließlich ein gut bezahlter Job angeboten wird, ist er in einem Zwiespalt gefangen. Einerseits will er seiner Familie, bestehend aus seiner schwangeren Frau Marybeth und zwei Töchtern, ein besseres Leben ermöglichen, anderseits zwingt ihn die Pflichterfüllung gewissen Dingen auf den Grund zu gehen. Was unterhaltsam und fesselnd klingt, ist es über weite Strecken auch, zumal Box mit Pickett endlich mal eine glaubhafte Figur gelungen ist, die sich von den stereotypen Genrekollegen erfrischend abhebt. Er ist kein Held, sondern vielmehr ein sorgender Familienvater dem diese Rolle aufgezwungen wird. Idealistisch veranlagt und leicht naiv bleibt er ein Mann mit Prinzipien und Positionstreue, dem das Wohl von Menschen und Tieren gleichsam am Herzen liegt. Das es im Endeffekt bei allem um Letztere geht, ist spannungstechnisch leider schon sehr früh offensichtlich. Auch die Bösewichte sollte der regelmäßige Krimileser bereits nach einigen Seiten enttarnt haben. Hier zeigen sich schlicht die typischen Schwächen eines Erstlingswerks. Diese Vorhersehbarkeit, die sich quer durch das Buch zieht, schmälert den Lesespaß allerdings in keinster Weise. Im Gegenteil: Insgesamt ist „Keine Schonzeit“ ein gelungenes Debüt, das einiges Potenzial beim Autor erkennen lässt und besonders den Naturfreunden unter den Krimilesern gefallen dürfte. Solider Auftakt einer Serie, dessen Nachfolger hoffentlich auch bald auf Deutsch erscheinen werden.

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