Die Meute

  • Droemer Knaur
  • Erschienen: Januar 2010
  • New York: William Morrow, 2005, Titel: 'Troubleshooter', Seiten: 311, Originalsprache
  • München: Droemer Knaur, 2010, Seiten: 464, Übersetzt: Wibke Kuhn
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Jürgen Priester
65°

Krimi-Couch Rezension vonJun 2010

Running With The Pack!

Von Männern und Meuten. Oder von Schlampen und Schnitten. Gregg Hurwitz' dritter Tim Rackley-Roman spielt in der Biker-Szene. Ein Milieu mit vielen Riten, Symbolen und einer eigenen Sprache. Wer sich auf diesen Roman einlassen will, sollte wissen, dass er/sie sich auf ein frauenfeindliches Terrain begibt. Das gilt nicht nur für die Figurensprache, was ja noch zu akzeptieren wäre, sondern auch in der allgemeinen Erzählung werden Frauen durchweg als Schlampen oder Schnitten bezeichnet, was den Leser immer wieder sauer aufstoßen lässt. Es ist zwar nicht davon auszugehen, dass sich darin die Einstellung des Autors widerspiegelt, aber es ist eine unverzeihliche Nachlässigkeit. Interessant wäre es, zu erfahren, wie sich Übersetzerin Wibke Kuhn dabei gefühlt hat, zumal sie sicherlich schon durch das Motorcycle-Fachchinesisch bis an ihre Grenzen gefordert war. Auf den ersten fünfzig Seiten wird man dermaßen mit Slangausdrücken, Rangbezeichnungen und originären oder eingedeutschten Spitznamen überflutet, dass man sich sehnlichst ein Glossar wünscht.

Wie sich im wirklichen Leben gewaltbereite Rockerbanden wie die Hells Angels und die Bandidos bekämpfen, so sind es in Hurwitz' Geschichte die fiktiven "Laughing Sinners" und die "Cholos". Wer von beiden am Ende die A.-Karte ziehen wird, wird klar, wenn man sich die verschiedenen Bedeutungen des Wortes "Cholo" anschaut. Die Auseinandersetzungen dieser rivalisierenden Gruppen nehmen zu Anfang einen großen Raum der Geschichte ein. Der "Body Count" ist hoch und die Ordnungskräfte wären geneigt, selbstzufrieden grinsend zuzuschauen, wenn nicht bei einer Häftlingsbefreiung einer der ihren getötet worden wäre.

Tim Rackley, Hurwitz' Serienheld, der sich in Der Scharfrichter durch seinen Alleingang kompromittiert hatte, sich dann in Die Sekte teilweise rehabilitieren konnte, wird vom Marshall und vom Bürgermeister als Leiter einer Sondereinheit eingesetzt, die den Überfall auf den Gefangentransport und dessen Hintergründe aufklären. Da der Überfall am helllichten Tag, auf offener Straße und vor vielen Zeugen geschah, ist die Stoßrichtung klar. Die Rockerbande der "Laughing Sinners" rückt in den Fokus der Ermittlungen. Konfrontationen kleine Scharmützel zunächst häufen sich. Die Gewalt eskaliert auch seitens der Marshalls, als Tim Rackleys höchst schwangere Frau Dray (haben die in den USA keinen Mutterschutz?), die als Deputy allein auf Streife ist, von einem der Rocker lebensbedrohlich angeschossen wird. Zum zweiten Mal nach der Ermordung seiner Tochter in Band 1 (Der Scharfrichter) droht Rackley der Verlust seiner Liebsten. Das macht ihn wütend und er setzt alle Hebel in Bewegung um die Hintermänner zur Strecke zu bringen. Doch die Bande hält vehement dagegen, gilt es, den größten Rauschgiftdeal aller Zeiten zu sichern. Ein hochkonzentriertes, flüssiges Superheroin, "Allahs Tränen" genannt, von den Bikern verteilt, soll es die Kriegskassen afghanischer Warlords füllen. Um der Sicherheit des wertvollen Stoffes willen wurde ein kompliziertes Procedere ausgetüftelt das Heroin in die USA einzuschleusen. Hier ist nun der Ansatzpunkt für die Fahnder, doch sie haben nicht mit der Inkompetenz der FBI-Kollegen gerechnet. Zum Glück gibt es ja Tim Rackley, den Troubleshooter (so der amerikanische Titel), der alle Probleme im Griff hat.

Die Meute ist ein Krimi für die Fans von flotter Action. Hier wird nicht lange gefackelt; eine "Wumme" ist schnell in der Hand. Alles harte Jungs, ganz gleich auf welcher Seite des Gesetzes sie stehen. Und wenn der deutsche Titel einen Sinn haben sollte, dann muss man schon fragen, welche Meute gemeint ist, die der Jäger oder die der Gejagten. Marshall Tim Rackley und sein Kollege Bear sind Paradebeispiele für die harten Cops, wie es sie ja auch in der Realität geben soll. Gregg Hurwitz vermittelt ziemlich authentische Polizeiarbeit, die er bis ins kleinste Detail beschreibt, ohne dass dabei Langeweile aufkommt.

In dieser benzin-, bier-, blei- und adrenalingeschwängerten Atmosphäre ist nur wenig Platz für Gefühle. Hurwitz' Versuch, seinen Helden einen inneren Konflikt zwischen seinen Rachegedanken und seiner Rechtschaffenheit austragen zu lassen, ist nicht sonderlich überzeugend. Die Meute ist, was es ist, ein Männerroman und er wird aufgrund seines Machismo vielen fremd bleiben. Der Interessentenkreis für diesen Thriller wird stark beschränkt sein, besonders auch wegen der oben genannten frauenfeindlichen Tendenzen. Wer dazu neigt beim Lesen beide Augen zu zu machen, kann ihm eine Chance geben.

Die Meute

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