Forza Maggiore

Erschienen: Januar 2001

Bibliographische Angaben

  • Florenz: Passigli, 2002, Titel: 'Forza Maggiore', Seiten: 309, Originalsprache
  • Berlin: Aufbau, 2001, Seiten: 351, Übersetzt: Esther Hansen
  • Berlin: Aufbau, 2003, Seiten: 351

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Wolfgang Reuter
Ordentlicher Schuss Gesellschaftskritik und eine Prise Humor

Buch-Rezension von Wolfgang Reuter Jul 2003

Toskana, im Jänner 1971. In einer Metzgerei in Marina explodiert eine Bombe. Ein Passant kommt dabei ums Leben. Die Nachforschungen führen die Polizei zu subversiven Kreisen rund um eine Trattoria in der Via della Madonnina, im Zentrum der Stadt. Der heruntergekommene Laden wird von Studenten und Arbeitern frequentiert, die einem anarchistisch - revolutionärem Gedankengut anhängen. Der schon etwas ältere Wirt, Giuliano Baluardi, ist ein unverbesserlicher Trinker mit Leberzirrhose. Er kann mit Sprengstoff umgehen, da er früher in einem Marmor-Steinbruch gearbeitet hat.

Fünf Monate später, im Mai desselben Jahres, findet ein Friedhofswärter auf dem Monte Merlato Giuliano Baluardis Leiche. Er wurde offensichtlich ermordet, aber wie, ist vorerst unklar, da der Körper sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium der Verwesung befindet und von Mäusen, Insekten und Krähen angenagt ist.

Nur ein paar Wochen vorher, in der Nacht zum 1. Mai, begegnet der Student Francesco Terziani auf Schmetterlingsjagd am besagten Monte Merlato einigen Männern, die sich sehr verdächtig benehmen. Hat er die Mörder bei ihrer Arbeit gestört?

Im Juli desselben Jahres gelingt es Dottor Tonietti, Unternehmer in Herrenmode, in einer Bar in Viareggio die sehr junge und alleinreisende Anwaltsgattin Adelina zu einem Schäferstündchen auf seiner Jacht zu überreden. Im stürmischen Seegang verliert sie jedoch ihre Handtasche im Meer, darin befinden sich höchst wertvolle Smaragd - Ohrringe. Ein eiligst herbeigerufener Taucher findet zwar keine Tasche, dafür jedoch eine riesige Menge an Rinderschädeln und anderem Schlächtereiabfall auf dem Meeresgrund.

In den Ermittlungen im Fall des Bombenanschlages auf die Metzgerei wird der Beamte Massimo Seminara verhaftet, in dessen Büro die Polizei den Sprengstoff TNT gefunden hat. Sein Anwalt ist Avvocato Barbarini. In Sachen Mord an Giuliano Baluardi, dem Gastwirt, werden seine Frau und seine Tochter festgenommen. Allgemein ist man der Ansicht, dass die beiden Frauen gemeinsam mit den zwei Kellnern der Trattoria den Wirt beseitigt haben.

2 Jahre später kommt Avvocato Scalzi ins Spiel. Sein Freund Barbarini, der Seminara verteidigt, bittet ihn, den Rechtsbeistand der beiden Frauen zu übernehmen. Scalzi und seine Freundin - Lebensgefährtin - Sekretärin Olimpia machen sich an die Arbeit. Doch zunehmend sehen sie sich einem übermächtigen Gegner gegenüber: FORZA MAGGIORE - der höheren Gewalt.

Diese ist die Summe unterschiedlicher Phänomene: Das träge Rechtssystem Italiens, die desinteressierten, voreingenommenen, unflexiblen Richter, das sensationsgeile Publikum, die Schlamperei der Exekutive, das Naheverhältnis Richter - Geschworene, eine geheimnisvolle Magierin, Intrigen, eine Gefängnisrevolte, sowie auch Avvocato Scalzis eigene Impulsivität, die ihn gelegentlich zu Fehlern verleitet. Doch Scalzi ist stur, er gibt nicht auf. Wird es ihm gelingen, die Wahrheit herauszufinden und die Geschworenen zu überzeugen?

Dieser Roman spielt in der Toskana. Nino Filastó arbeitet so wie seine Hauptfigur Avvocato Scalzi als Rechtsanwalt in Florenz. Daraus erklären sich die beiden auffälligsten Eigenschaften dieses Buches:
Zum Einen die florentinische Leichtigkeit der Sprache, mit feinem Humor und Liebe zum Detail, bilderreich, jedoch nie ausschweifend, immer mit direktem Zug im Handlungsablauf, immer auf hohem Niveau. Dazu kurze, überschaubare Kapitel, locker aneinandergereiht, oft stimmungsvoll und atmosphärisch dicht, manche wirken wie kurze Filmszenen.

Zum Anderen befindet sich Nino Filastó in der Nachfolge des Sizilianers Leonardo Sciascia, der in seinen Romanen stets auch politische Anliegen thematisierte. Bei Filastó ist es naturgemäß der juristische Bereich bis hin zum Strafvollzug: Kritik am Justizsystem, an voreingenommenen oder korrupten Richtern, an den unhaltbaren Zuständen in einigen italienischen Gefängnissen.

Der Leitfaden, der dieses Buch durchzieht, ist eine Aufschrift an einem Straßentunnel, die Scalzi beim Vorbeifahren immer nur wortweise entziffern kann, bis sich zum Schluss folgender Satz ergibt:

 

"Wenn aufgrund höherer Gewalt der Tunnel nicht beleuchtet ist, bitte Weiterfahrt nur mit größter Vorsicht, um Unfälle zu vermeiden!"

 

Selbstverständlich inspiriert so etwas ein kreatives Schriftstellergehirn, und Scalzi tut sich ebenfalls schwer, eine ausreichende Beleuchtung auf die wahren Zusammenhänge des Falles zu bekommen, nur mit größter Vorsicht muss er seine Verteidigung durch den Tunnel der Verhandlungen führen. Was ihm aber nicht immer gelingt, denn seine Impulsivität führt öfters zu kleinen Unfällen.

Das Duo Scalzi/Olimpia ist recht gut gelungen: Scalzi ist ein älterer, von seinem Beruf mit den Jahren frustrierter Anwalt, emotionell, handelt oft aus dem Bauch heraus, fühlt sich zu Höherem geboren, muss sich aber gelegentlich mit Niedrigem abgeben. Olimpia ist jünger als er, schön, unterhaltsam, intelligent, eifersüchtig, unabhängig und realistisch. Ihr Verhältnis zueinander ist nicht klar definiert: Sie ist Scalzis Sekretärin (obwohl sie hauptberuflich in einer Fabrik für Elektroteile arbeitet), seine Geliebte und Gefährtin.

Filastó zeichnet die unterschiedlichen Charaktere sehr genau, psychologisch einleuchtend und im Handlungsablauf plausibel. Seinen Humor zeigt er etwa in der spiritistischen Sitzung mit der Magierin oder in der Szene, wo plötzlich ein Leiter der Mordkommission mit dem Namen Dottor Amilcare Camilleri auftaucht. Sehr anschaulich wird man durch die Gattin des Avvocato Barbarini über die Geheimnisse der Florentinischen Küche in der Renaissance informiert.

Filastó ist wie Sciascia nicht in der Lage, sich selbst zu verleugnen und "billige" Lösungen in den Romanen anzubieten. So darf man über den eher realistischen Schluss nicht enttäuscht sein, man wird trotzdem ausreichend unterhalten.

"Forza Maggiore" ist ein unterhaltsamer, intelligenter, leicht zu lesender Krimi auf hohem Niveau mit einem ordentlichen Schuss Gesellschaftskritik und einer Prise Humor. Als Urlaubslektüre zu empfehlen.

Forza Maggiore

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Letzte Kommentare:
25.08.2007 21:07:37
Peter Hoffmann / hoffmann9471

Im Gegensatz zu anderen Filasto Krimis völlig daneben gegangen: Wirre und zusammenhanglose Geschichte. Weniger Humor als gewöhnlich bei Filasto; gerade vom Humor leben seine Geschichten. Schade. Alle anderen bekannten Romane um Scalzi sind empfehlenswert. Dieser nicht !