Fresko in Schwarz

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Aufbau, 2005, Seiten: 277
  • Berlin: Aufbau, 2004, Seiten: 277, Übersetzt: Esther Hansen

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Wolfgang Reuter
Der gewisse Schuss Humor und Ironie, leicht und angenehm zu lesen

Buch-Rezension von Wolfgang Reuter Apr 2004

Ein Aufenthalt in Florenz da war für mich die Frage nach dem Lesestoff rasch beantwortet: Nino Filasto und einen seiner Krimis mit dem Florentiner Anwalt Avvocato Scalzi.

"Fresko in Schwarz" ist gerade aktuell, und wurde daher für die Rückreise reserviert. Und tatsächlich: Innerlich noch befangen von der Atmosphäre der Stadt haben mich bereits die ersten Seiten mit einem Schlag nach Florenz zurückversetzt. Die engen Gassen mit den kleinen Läden und Trattorien, dem Gestank und den unbarmherzig aus allen Richtungen vorbeidonnernden Motorrädern. Anarchie ist wahrscheinlich das italienische Wort für Straßenverkehrsordnung. Endlos ist die Weite der Klostergänge und die Omnipräsenz der katholischen Kirche.

In einem Laden für orientalische Antiquitäten nahe der Franziskanerkirche Santa Croce trifft sich regelmäßig die Herrenrunde vom Borgo Santa Croce zum Austausch der neuesten Indiskretionen. Neben dem Inhaber Giuliano und Signore Palazzari finden wir auch Avvocato Scalzi, schlecht gelaunt durch das Regenwetter.

Das Thema der Stunde ist der Mord an dem Archivar Jacopo Brancas, den man in der Nationalbibliothek stranguliert aufgefunden hatte. Vor seinem Tod war er mit Forschungen in alten Manuskripten beschäftigt und offenbar auf etwas Entscheidendes gestoßen. Ein Zeuge hörte ihn etwas von einem Millionenfund murmeln, andererseits hatte Brancas zuletzt sichtlich panische Angst.

Ein Verdächtiger in diesem Fall, Signor Chelli, engagiert Scalzi als Verteidiger, und so beginnt dieser gemeinsam mit seiner Sekretärin und Lebensgefährtin Olimpia seine Recherchen, die ihn weit in die Vergangenheit von Florenz führen, wo Geheimbünde, Verschwörungen und ein verschollenes Fresco Masaccios eine wesentliche Rolle spielen...

Das klingt ein bisschen wie Sakrileg, ist aber nur eine "light"-Version. Doch durchaus interessant und schlüssig geschrieben. Freunde historischer Begebenheiten, Geheimgesellschaften, Intrigen etc. kommen durch lebendig geschriebene Einblicke in die Florentiner Gesellschaft zur Zeit der Medici, dem damaligen turbulenten politischen und künstlerischen Leben auf ihre Rechnung.

Daneben muss sich Scalzi wieder mit der arroganten und kurzsichtigen Polizeibürokratie herumschlagen, gerät tief ins Milieu der Unterstandslosen, Junkies und Kleinkriminellen und tanzt auf Zigeunerfesten. Nino Filasto schreibt immer mit dem gewissen Schuss Humor und Ironie, leicht und angenehm zu lesen, mittelgradig spannend, jedoch abwechslungsreich und historisch durchaus überzeugend.

Mit einem Wort: Ein perfekter Urlaubskrimi!

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Letzte Kommentare:
26.08.2008 22:38:54
mira23

Sei es bei Brunetti in Venedig, Montalbano in Agrigento und Porto Empedocle oder Laurenti in Triest, alle lassen mich die jeweilige Stadt fühlen und geben mir etwas Neues von ihr mit. Dies gelingt Avvocato Scalzi in Florenz nicht. Die Handlung könnte irgendwo geschehen. Und trotzdem hat mich 'Fresko in Schwarz' fasziniert. Das Buch ist spannend und irgenwie exotisch.