Kaltes Gift

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • New York: Pantheon Books, 2007, Titel: 'Still waters ', Seiten: 275, Originalsprache
  • München: Droemer, 2009, Seiten: 378, Übersetzt: Ilse Bezzenberger

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Jörg Kijanski
Langsam, aber mit britischem Humor entwickelt sich die Geschichte

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Aug 2009

Nigel McCrery ist bislang eher als Drehbuchautor in Erscheinung getreten und schrieb bzw. erfand für die BBC die überaus erfolgreiche TV-Serie "Gerichtsmedizinerin Dr. Samantha Ryan" ("Silent Green"). Nun überrascht und der Brite mit einem höchst originellem Plot, der zumindest die Fans englischer Krimis interessieren dürfte (sollte).

Violet Chambers kümmert sich seit einiger Zeit um die allein stehende Daisy Wilson. Sie erledigt für sie alle anfallenden Einkäufe, führt den Haushalt und findet so ganz nebenbei heraus, welche Wertgegenstände die alte Dame besitzt. Ein schönes Häuschen, eine ansehnliche Rente, zum Teil kostbares Mobiliar und einige Wertpapiere. So reicht sie Daisy eines Tages eine Tasse Tee, dezent angereichert mit Bestandteilen einer giftigen Pflanze. Kurz darauf stirbt Daisy und Violet schickt sich an, ihre Identität zu übernehmen.

Detective Chief Inspector Mark Lapslie ist seit mittlerweile sechs Monaten krank geschrieben, da er an einer sehr ungewöhnlichen Form von Synästhesie leidet, die dazu führt, dass er Geräusche als Geschmack in seinem Mund wahrnimmt. Je mehr Menschen auf einem Platz zusammen kommen, beispielsweise in einem Besprechungsraum oder einem Großraumbüro, desto turbulenter wird die Eskalation in seinem Mund. So musste er sich bereits von seiner Frau und seinen Kindern trennen, deren Lärm ihm ständig Übelkeit verursachte.

Doch nun wird Lapslie zu einem neuen Fall gerufen. Eigentlich ganz harmlos, denn augenscheinlich kam nur der Fahrer eines Sportwagens in einer unübersichtlichen Kurve von der Straße ab. Wagen Schrott, Fahrer tot, Fall geklärt. Jedoch nur fast, denn an der Unfallstelle findet die Polizei eine zweite Leiche oder besser gesagt deren Überreste. Anhand der erhaltenen Zahnprothese steht bald fest, dass es sich um die 79-jährige Violet Chambers handelt. Bei der Obduktion werden Giftrückstände und eine Gewalteinwirkung am Hinterkopf festgestellt.

Lapslie und seine Partnerin Emma Bradbury nehmen die Ermittlungen auf und machen eine erstaunliche Entdeckung. Violet Chambers bucht weiterhin Geld von ihrem Konto ab und schickt ihren Nachbarn gelegentlich Postkarten. Währenddessen macht sich Daisy Wilson daran, eine allein stehende ältere Frau kennen zu lernen...

Auf der Suche nach dem nächstem Opfer

Ein kleines bisschen erinnert Kaltes Gift an den Film "Arsen und Spitzenhäubchen", in dem zwei ältere Damen eine Pension betreiben und ihre betagten männlichen Gäste um die Ecke bringen. Minutiös verfolgen wir Violet alias Daisy wie sie sich bemüht, das Vertrauen einer einsamen Frau zu gewinnen, um letztlich deren Hinterlassenschaft und Rolle zu übernehmen. Das führt bisweilen dazu, dass mehrere lokale Zeitungen ausgewertet werden wollen. Trifft man das nächste Opfer in der Oper, wo die vermeintlich reichen Frauen verkehren oder eher in der Kirche oder doch lieber im Witwenverein?

Nigel McCrery teilt die Geschichte in zwei Erzählstränge. Das akribische Vorgehen der Frau, die schon bald als perfide Serienmörderin erkennbar wird und die mühsamen Ermittlungen von Lapslie und Emma. Dabei haben es die beiden Polizisten gleich doppelt schwer.

"Das Einzige, was wir haben, ist diese Frau, die angeblich in Violet Chambers' Haus ein und ausgegangen ist, bevor sie starb, und das könnte vollkommen harmlos sein. Wenn wir nicht aufpassen, verbringen wir die nächsten paar Monate damit, eine Fußpflegerin zu suchen."

Zudem werden ihre Nachforschungen alles andere als unterstützt, im Gegenteil, ihr Chef blockiert wo er nur kann. Aber warum?

Very british, very good

Kaltes Gift ist beste englische Krimikost. Es passiert nahezu gar nichts, quälend langsam schleicht die Geschichte dahin, Tee gibt's - mit und ohne Gift - ohne Unterlass und dennoch gelingt dem Autor eine großartige Geschichte, eben weil sie so erfrischend anders ist als die 08/15-Serienkillerromane, die derzeit den Buchmarkt fluten. Herrlich auch der immer wiederkehrende britisch-schwarze Humor.

"Ich möchte mal wissen, was dem Fahrer als Letztes durch den Kopf gegangen ist."
"Die Windschutzscheibe."

Wer sich an dem sehr gemächlichem Aufbau (es muss vorsorglich nochmals erwähnt werden) nicht stört, findet hier einen klugen und subtilen "Thriller", der sich insbesondere in der verregneten Jahreszeit anbietet, wo man ja draußen eh' nicht viel verpasst. Dazu ein Tässchen Tee. Ein Höhepunkt zwischendurch und eine nachdenkliche stimmende Erklärung für die Störmanöver von Lapslies Chef gehören zu den wenigen Ausreißern des ansonsten "ereignisarmen" Plots.

Kaltes Gift

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Letzte Kommentare:
14.09.2009 22:38:51
tassieteufel

Bei einem Verkehrsunfall wird die schon länger im Wald verscharrte Leiche einer älteren Frau zufällig freigelegt. Der eigentlich wegen Krankheit beurlaubte DCI Mark Lapslie bekommt den Fall zugeteilt und steht schon bald vor einem Rätsel. Die Tote, Violet Chambers, scheint gar nicht tot zu sein, denn sie zahlt weiterhin Steuern, bezieht Mieteinkünfte und verschickt Postkarten an ihre ehemaligen Nachbarn.
Das Buch beginnt mit einer kurzen Sequenz 1944, der darin recht gruselig beschriebene Einsatz einer Gartenschere scheint irgendwie der Schlüssel zu der ganzen Geschichte zu sein, doch zunächst kann der Leser in zwei unterschiedlichen Erzählsträngen mitverfolgen, wie sich der Krimifall entwickelt, zum einen aus der Sicht der Polizei, die zunächst nicht wirklich voran kommt und aus der Sicht der Mörderin, die weiterhin ihre Ziele verfolgt, deren Beweggründe und Motiv aber noch im Dunkeln liegen. Passieren tut nicht wirklich viel und wer rasante Spannung sucht, ist mit diesem Buch sicher falsch bedient, vielmehr baut sich nach und nach
eine unterschwellig gruselige Atmosphäre auf, die hauptsächlich auf der gleichgültigen Zielstrebigkeit der Mörderin beruht, die so völlig emotionslos auf ihr nächstes Opfer losgeht.
Das der ermittelnde Polizist mit einer so seltenen Kranhkeit wie Synästhesie geschlagen ist, ist mal eine Abwechslung zum ewig psychisch belasteten oder alkoholkranken Ermittler und hat auch nicht so viel Raum eingenommen, das es den Plot zu sehr belastet hätte.
Die Ermittlung im Krimifall kommt zunächst nicht so recht voran und das dem DCI Lapslie von oben noch Steine in den Weg gelegt werden, erweckt den Eindruck, daß man auch gar nicht wirklich daran interessiert ist, den Fall offiziell zu lösen. Aus diesem Tatbestand ergibt sich dann zum Ende hin noch eine recht unerwartete Wendung,die richtig verblüfft und der langsam dahinplätschernde Handlung etwas Pepp verleiht.
Alles in allem kein Überflieger an Spannung, aber es baut sich stetig eine gewisse Atmosphäre auf und als Leser belibt man unweigerlich bei der Stange weil man wissen will, wie es weiter geht.

Fazit: nach diesem Buch sind einem kleine ältere teetrinkende englische Damen erst mal sehr suspekt, das Buch ist very british mit viel hintergründigem schwarzem Humor, dazu paßt, natürlich ganz ohne Gift (grins) ein Tässchen Tee!

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