Kleine Morde in Paris

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Bergisch-Gladbach: Bastei Lübbe, 2009, Seiten: 396, Übersetzt: Stefan Retterbush

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Ines Dietzsch
Gut angefangen, stark nachgelassen

Buch-Rezension von Ines Dietzsch Jul 2009

Kleine Morde in Paris ist der zweite Kriminalroman des auf der Isle of Man lebenden britischen Autors Chris Ewan. Der von ihm erdachte Protagonist und Erzähler heißt Charlie Howard und nach Amsterdam. Ein Meisterdieb jagt seinen Schatten führt ihn nun ein neues Abenteuer in die Stadt der Liebe. Übersetzt wurde der Roman wieder von Stefanie Retterbush.

Charlie Howard ist ein erfolgreicher Krimiautor, Charlie Howard ist aber auch ein Meisterdieb. Berauscht vom französischen Roten lässt sich unser Charlie nach einer Autorenlesung von einem Besucher überreden, in dessen Apartment einzubrechen. Geschmeichelt und in Weinseligkeit führt Charlie dem Fremden seine Künste vor. Am nächsten Morgen wird die Katerstimmung groß. Von seinem Hehler erhält Charlie einen neuen Auftrag. Für zehntausend Euro soll er ein Gemälde aus dem Apartment einer gewissen Catherine Ames stehlen. Zu dumm, dass er bereits am Vorabend in die besagte Wohnung eingedrungen ist. Und es soll noch schlimmer kommen. Nachdem er mit dem Gemälde von erfolgreicher Diebestour in seine Wohnung zurückkehrt, wartet dort eine böse Überraschung auf ihn: die Leiche der ermordeten Catherine Ames. Charlie flüchtet und versucht mit Unterstützung seiner Agentin Victoria den Mörder aufzuspüren.

Mit einem spritzig heiteren Beginn schickt sich Charlies Mörderjagd durch die Seine-Metropole an, eine charmante Krimihumoreske zu werden. In seinem lockeren Tonfall plaudert Charlie ähnlich den Helden, die aus der Feder eines Dick Francis stammen. Jedoch scheitert Chris Ewan daran, wirkliche Sympathie für seinen Protagonisten zu wecken. Charlie Howard ist nicht der Gentleman-Dieb, der zum Vergnügen jene bestiehlt, die reichlich haben. Auch ist er kein moderner Robin Hood, der zum Wohl der Armen raubt. Der Autor gibt dem Leser einfach zu wenig an die Hand, das es erleichtert, sich mit dem räuberischen Helden zu identifizieren.

Zudem entwickelt sich nach der guten Hälfte des Romans die Story zunehmend konfus und die Figurenkonstellationen verwirren. Da gilt es nicht einen raffiniert verschlungenen Handlungsknoten zu lösen. Ewan bemüht sich auf den letzten hundert Seiten wortreich die Fäden zu entwirren, um uns seine Lösung einigermaßen plausibel zu verkaufen. Doch da ist man schon nicht mehr richtig bei der Sache und möchte nur noch den Buchdeckel zuklappen.

Im Nachspann füttert uns der Autor noch mit wertvollen Informationen zum Knacken eines Zylinderschlosses und bietet Übersetzungshilfen, wenn sich der geneigte Frankreich-Tourist nach dem Telefonanschluss des örtlichen Hehlers erkundigen möchte oder Einmal-Handschuhe aus Latex zu erwerben wünscht. Lustig.

Charlie Howards Gaunereien werden fortgesetzt. Im dritten Roman von Chris Ewan reist Charlie über den großen Teich. Vendetta in Las Vegas soll im März 2011 bei Bastei Lübbe erscheinen.

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