Das verlorene Symbol

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Bergisch Gladbach: Lübbe, 2009, Seiten: 768
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2011, Seiten: 752, Bemerkung: Illustrierte Ausgabe

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Lars Schafft
Heiß gekocht, lauwarm gegessen

Buch-Rezension von Lars Schafft Jul 2009

Sechs Jahre hat Dan Brown benötigt, um Robert Langdon, den Symbolologen und Experten in Sachen Schnitzeljagd, bekannt aus Illuminati und Sakrileg / The Da Vinci Code, mal wieder die Welt retten zu lassen. Dass es in Langdon Nr.3 um die Freimaurer geht, dass der Teil in Washington, D.C., statt in "good, old Europe" spielen sollte, wurde schon lange vor der Veröffentlichung im Netz kolportiert. "Mein Buch schmeckt süß wie Dessert - ist aber für das Hirn so gesund wie Gemüse!", verriert der öffentlichkeitsscheue Autor vorab der Bild. Na denn: guten Appetit. Aber: Das Hirn isst eben doch mit.

Langdon soll für einen alten Akademiker-Kollegen einen kleinen Vortrag halten. Darüber, worin sich die Symbole der Freimaurer im heutigen Washington niederschlagen. Wie passend: Sind doch nur Mitglieder der "Loge" anwesend. Dan Brown wäre wohl nicht Dan Brown, finge an besagtem Abend nicht wieder eine Jagd nach einem mysteriösen Unbekannten an, tauchte nicht die abgetrennte Hand seines Freund im Capitol auf, gälte es nicht Rätsel um Rätsel zu lösen und allerhand in, über und unter der amerikanischen Hauptstadt an möglichen Fingerzeigen zu entdecken. Sein Freund ist entführt worden und dieser arg hinterlistige Bösewicht erpresst Langdon damit. Er solle eine Pyramide (von denen es in Washington wohl geradezu nur wimmelt) finden, eine Karte die zur Aufdeckung des bedeutendsten Geheimnisses der Weltgeschichte führe. Was Langdon zum Schwitzen bringt: Die Nacht ist kurz und mehr Zeit hat er nicht.

Was sollen wir nun von diesem Werk halten, an dem der der Autor mehr als ein halbes Jahrzehnt geschrieben hat? Über den schon gemunkelt wurde, er habe eine Schreibblokade gehabt? Fangen wir mit dem Guten an: Dan Brown bleibt sich treu. Natürlich ist Das verlorene Symbol ein Page-Turner, ein sehr ordentlich spannender Thriller, auch wenn bis dahin das erste, recht mühsame, Viertel überstanden sein will. Amerikas Hauptstadt Washington als Schauplatz zu wählen, erweist sich dazu als Bonus. Der Plot wirkt glaubhafter, wenn er sich vor des Autoren Haustür abspielt, anstatt im für ihn so fernen Vatikan, wo er seinen Protagonisten mit Überschallgeschwindigkeit hinlotste. Hier reicht ein Privatjet, um innerhalb einer Stunde von Boston an die Ostküste zu kommen.

Das verlorene Symbol wirft nach den ganzen Vorwürfen der katholischen Kirche gegenüber dem Da Vinci Code nun allerdings wieder die Frage auf: Will uns der Autor vielleicht wirklich etwas sagen? Haben seine Bücher eine Aussage? Man kommt nicht umhin: Ja, wahrscheinlich in der Tat. Oder Dan Brown hat ähnlich gute PR-Berate wie Präsident Obama. Jedenfalls lässt Brown am christlichen Glauben auch hier im Verlorenen Symbol wenig gute Haare, wenn er wie schon zu Beginn Langdon seine Studenten in eine Falle treten lässt:

 

"Sie sind Mitglied in einem Kult?"
Langdon nickte und senkte seine Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern.
"Erzählen Sie es keinem, aber zum heidnischen Tag des Sonnengottes Ra knie ich vor einem alten Folterinstrument nieder und verzehre rituelle Symbole aus Blut und Fleisch."
Die Studenten schauten erschreckt.
Langdon zuckte mit den Schultern. "Und falls es mir irgendjemand von Ihnen gleichtun möchte, kommen Sie am Sonntag zur Harvard-Kapelle, knien Sie vor dem Kruzifix nieder und nehmen Sie die heilige Kommunion entgegen."

 

Den Freimaurern hingegen reißt Brown kein Haar aus, lässt brav alle Zacken in der Krone. Deren Ideologie, deren Philosophie beschreibt er, wenngleich sicherlich gewissenhaft recherchiert, völlig unreflektiert. Nein, so richtig böse sind sie nicht, die Freimaurer. Können Sie nach Brown auch kaum sein, wenn die größten der Gründerväter der USA (George Washington, Benjamin Franklin etc.) Mitglieder einer deren Logen waren. Böse ohne böses Vorhaben? Das funktioniert größtenteils schwerlich. Dazu nicht sonderlich originell. Arthur Conan Doyles Freimaurer-Episode in Holmes´ Das Tal der Angst ist bereits fast hundert Jahre her und dazu sogar fesselnder. Dass die Freimaurer aber eine Anziehungskraft aufweisen wie beispielsweise die Templer, soll unbestritten sein. Thema also nicht verfehlt.

Um Das verlorene Symbol aber als guten Roman rechtzufertigen, fehlt eine ganze Menge. Hätte Tom Hanks in den Verfilmungen nicht Robert Langdon gemimt wir hätten kaum einen Schimmer von diesem geniehaften Abenteurer. Die Dialoge sind nach wie vor hölzern, dass jeder Gedankengang, sei er noch so platt, in kursiv gedruckt ist, hält den Leser für dumm und nervt ungemein. Brown´s Antagonisten bleiben ähnlich blass wie Langdon selbst.

Wenn Dan Brown derzeit darüber sinniert, worum es sich im nächsten Rätselknacken Langdons handeln mag, ist dies keine Drohung. Sein Thriller-Handwerk beherrscht er schließlich. "Gemüse fürs Hirn" schreibt er zwar beileibe nicht, aber für den ein oder anderen Adrenalin-Kick ist Brown immer gut, seien seine Thesen auch noch so anfechtbar. Für Furore wie der Da Vinci Code wird Das verlorene Symbol aber nicht sorgen. Dafür ist der Roman zu brav, zu fade auf Temperatur gebracht. Wird halt doch nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

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