Riskante Rückkehr

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • New York: G. P. Putnam’s Sons, 2006, Titel: 'The last assassin', Seiten: 338, Originalsprache
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2009, Seiten: 358, Übersetzt: Ulrike Wasel & Klaus Timmermann, Originalsprache

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Wolfgang Franßen
It's a Hard Men's World

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Dez 2008

Viele Autoren bemühen sich ihren Helden ein unverwechselbares Charisma zu verleihen, doch die wenigstens schaffen es, Charaktere so zu entwickeln, die sie abseits eines Police officers und seines desolaten Familienlebens samt Alkoholproblem eine Gestalt annehmen, die für sich steht, die länger als ein, zwei Romane hält, zu dessen dritten Aufguss der Leser nur greift, weil er sich einen raffinierten Fall erhofft.

Um Barry Eislers John Rain steht es nie gut. Am Ende tut sich zwar immer ein Silberstreifen am Horizont für ihn auf, aber erreicht er ihn auch? Als Tokio Killer gestartet, der sich auf die sanfte Art zu töten verstand, sich mit einer Vorliebe für Whiskey und Jazz als markanter Vertreter seiner Zunft auszeichnete, ist in dem fünften auf Deutsch erschienen Thriller Riskante Rückkehr ein Getriebener geworden. Seine Kunst, sich unsichtbar zu machen, Morde als natürliche Tode zu hinterlassen, hat gelitten. Er muss sich zunehmend auf das moderne Waffenarsenal verlassen.

"...und wir küssten uns wie zwei Ertrinkende, die wieder auftauchen und gierig nach Luft schnappen."

Von der Art ist John Rains Leben. Zwischendurch taucht er auf und versinkt wieder im Chaos. Eigentlich ist John Rain zum Sterben verurteilt. Er wäre sicherlich längst tot, wenn er lange genug stehen bleiben würde, um ein Ziel zu bieten.

Halb Amerikaner, halb Japaner hat er sich dafür entschieden, sich zu verleugnen, sein Äußeres dem Osten anzupassen, wobei der Kopf stets westlich bleibt, trotz allem fernöstlichem Trainings im berühmten Kodokan International Judo Center in Tokio.

Schrödingers Katze - weder tot noch lebendig

Man muss mehrere Thriller von Barry Eisler gelesen haben, um zu wissen, dass John Rain zwar ein Einzelgänger ist, dass sein Leben aber immer wieder eine kleine Gruppe Menschen streift, die ihm verbunden sind. Nicht zuletzt Midori, seiner großen japanischen Liebe, zudem Jazzpianistin und mit dem Makel behaftet, dass Rain als Tokio Killer ausgerechnet ihren Vater ermorden musste. Was sie ihm verständlicherweise nicht ganz verziehen hat.

In Riskante Rückkehr erfährt John Rain nun, dass er mit Midori einen Sohn hat und dass die beiden ins Fadenkreuz von Yamaotos Rachsucht gerückt sind. Ausgerechnet dieser japanische Politiker - korrupt, mit der Yakuza verbandet, der sogar illegale Geschäfte mit den chinesischen Triaden treibt - geht davon aus, dass sich Rain an ihm rächen wird, weil Yamaoto dessen Freund Harry im zweiten Thriller hat ermorden lassen.

Barry Eisler, der ehemalige Mitarbeiter der CIA, hat lange in Japan gelebt, versteht es vortrefflich, seinen Helden zwischen den Welten zu demontieren. Das mit Spannung aufgeladene Chaos ist sein Metier. Am Anfang nehmen sich John Rains Pläne zumeist einfach aus. Im Verlauf der Geschichte entwickeln sich die Ereignisse dann leider nicht so, wie Rain es geplant hat. Am Ende geht es nur noch darum, den eigenen Hals aus der Schlinge zu ziehen.

Die Welt ist nun mal so, wie sie ist

Dabei geschieht es leider immer wieder, dass Menschen, die ihm nahestehen, in Gefahr geraten. Diesmal: die ihm entrückte Midori und die eifersüchtige Mossad-Agentin Delilah, die Rain gerne für sich in Anspruch nehmen würde. Eine schöner Wendung des Autors, dass sich ausgerechnet Delilah von Rain einspannen lässt, um der Mutter seines Sohnes durch ein waghalsiges Manöver zu helfen.
Das Leben könnte so schön sein. So einfach.

Barry Eisler hat eine gelungene Mischung aus politischem Sumpf, fernöstlicher Kultur, sanften, wie brutalen Tötungstechniken und freundschaftlichen Bindungen erfunden. Am Ende wird Rain gar einem Menschen aus dem Leben helfen, für den er eigentlich sein eigenes Leben opfern würde.

Ein sechster John-Rain-Thriller ist bereits abgeschlossen. Hoffen wir für den Tokio Killer, dass er seinen Streifen am Horizont zu fassen bekommt.

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