Tokio Killer - Der Verrat

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • New York: Putnam, 2004, Titel: 'Rain Storm', Originalsprache
  • London: Penguin Books, 2006, Titel: 'Choke Point', Originalsprache
  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2007, Seiten: 351
  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2008, Seiten: 364
  • : AmazonCrossing, 2014, Titel: 'Alles für den Sieger', Seiten: 384, Übersetzt: Peter Friedrich, Bemerkung: neu lektoriert

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Jörg Kijanski
Kampfsport, Hightech, hübsche Frauen und die üblichen Verdächtigen

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2006

Kriegsveteran und Auftragskiller John Rain ist in Rio unter neuer Identität in den selbst gewählten Ruhestand getreten, doch die CIA kann ihn nach über einem Jahr aufspüren und sein Kontaktmann Kanezaki hat auch gleich einen neuen Auftrag parat:

 

"Die CIA hatte mich beauftragt, Belghazi ´in den Ruhestand zu versetzen´, nicht, ihn zu beschützen. Und wenn das nicht klappte, wäre der nächste Kandidat für eine Ruhestandsregelung wahrscheinlich ich selbst."

 

Rain soll also den Waffenhändler Achille Belghazi umbringen und dies so, dass es nach einem "natürlichen Todesfall" aussieht, denn Belghazi hat weit reichende Kontakte. Zu viel Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit könnte da also leicht zu politischen und anderen Verstimmungen führen.

Rain bezieht in Macau im gleichen Hotel wie Belghazi Quartier und bemerkt alsbald, dass es offensichtlich noch einen weiteren Profi gibt, der es auf die Zielperson abgesehen hat. Da Rain üblicherweise alleine arbeitet erscheint es ihm zweifelhaft, dass die CIA einen zweiten Mann mit dem gleichen Auftrag geschickt hat. Um sich abzusichern und Klarheit zu erhalten beschattet er den Mann, gerät jedoch in dessen Falle und muss sich des Unbekannten notgedrungen entledigen. Dies bleibt jedoch nicht ohne Folgen und so wird Rain schnell selber zur Zielscheibe und sieht sich nun seinerseits mehreren Profikillern gegenüber.

Die eigentliche Aufgabe muss somit aufgeschoben, die neuen Gegner eleminiert werden. Unerwartet eilt ihm Belghazis bezaubernde Begleiterin Delilah zur Hilfe. Doch welche Rolle spielt sie eigentlich in der ganzen Geschichte? Eines scheint sicher: Delilah ist hinter geheimen Informationen aus Belghazis Computer her und hat keine Einwende, dass Belghazi nach Ausüben ihres Jobs zu Tode kommt. Oder will sie Rain nur hinhalten? Und noch ein weiterer Partner scheint Rain helfen zu wollen, sein alter Kriegskamerad Dox, der heute ebenfalls für die CIA arbeitet...

Wer sich für James Bond begeistert, wird den "Spezialisten für natürliche Tode" lieben.

Barry Eisler hat mit seiner nicht alltäglichen Serienfigur John Rain ganz zweifellos eine Figur erschaffen, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Hier treffen all jene Dinge aufeinander, mit denen man vor allem beim männlichen Leser Punkte sammelt: High-Tech in jeder denkbaren Form (Waffen, Computer), Kampfsport, zahlreiche Actionsequenzen, hübsche Frauen und dazu die üblichen Verdächtigen: CIA, Yakuza, Mossad und so weiter. Angesichts der Ereignisse des 11. September dürfen natürlich auch Bösewichter aus Saudi-Arabien nicht fehlen und wenn dann an einer Stelle zu lesen ist, dass die Yakuza ihre Waffen über den KGB in Wladiwostock bezieht, weis man, woran man ist.

Damit nicht genug Verwirrung bzw. Spannung, denn nicht jeder Akteur bei den vermeintlich Guten muss zwangsläufig auch selbst ein Guter sein, wofür gibt es schließlich Doppelagenten und "inoffizielle Undercover-Agenten". Es ist wie in der Politik: Man unterstützt grundsätzlich beide Seiten, um nach einer Wahl den Sieger auf seiner Seite zu wissen.

In ebenso einfacher wie schnörkelloser Sprache ähnlich eines Lee Child legt Barry Eisler seinen dritten Tokio-Killer-Roman vor, der wie seine Vorgänger aufgebaut ist. Charakterdarstellungen weitgehend Fehlanzeige, dafür Tempo und Action. Lediglich Rains übervorsichtiges, gerade zu paranoides Absichern seiner Wege und Treffpunkte sowie sein philosophieren über sein Leben bzw. Job lassen zumindest Leben in der Figur des Helden entstehen, der sich ja eigentlich schon in den Ruhestand verabschiedet hatte. Zum Glück für die Leser, ist John Rain aber wieder aktiv im Geschäft, auch wenn am Ende des Romans sein Körper aussieht, als sei er "von einem amoklaufenden Rasenmäher attackiert worden". Die Story wird mit einer ansprechenden Prise Humor gewürzt und damit zum massentauglichen Pageturner:

 

Das Telefon klingelte zweimal. "Ich hoffe, ich hab Sie nicht geweckt", sagte ich. "Keine Sorge", sagte er, als er meine Stimme erkannte. "Ich musste sowieso aufstehen, um ans Telefon zu gehen."

 

Wer sich über die Figur des John Rain weiter informieren möchte, dem sei an dieser Stelle - zur Vermeidung von Wiederholungen - die Rezension zu Tokio Killer empfohlen. "Alles beim Alten" lautet in diesem Fall das Fazit, was durchaus als Kompliment gemeint ist.

Tokio Killer - Der Verrat

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