Über den Wäldern ruht der Tod

  • Ehrenwirth
  • Erschienen: Januar 2008
  • Bergisch Gladbach: Ehrenwirth, 2008, Seiten: 415, Übersetzt: Eliane Hagedorn & Barbara Reitz
  • Paris: R. Laffont, 2007, Titel: 'Mort sur la fôret', Seiten: 388, Originalsprache
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2009, Seiten: 415
Über den Wäldern ruht der Tod
Über den Wäldern ruht der Tod
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Thomas Kürten
40°

Krimi-Couch Rezension von Thomas Kürten Dez 2008

Flaute überm Amazonas

Immer wieder gibt es auf dem deutschen Buchmarkt Romane von ausländischen Autoren, deren Namen einem komplett unbekannt sind, die in ihrer Heimat aber offenbar schon große Erfolge verbuchen konnten. Der Franzose Patric Nottret ist so einer. Nie habe ich zuvor von ihm, geschweige denn von einem Roman von ihm gehört. Doch dann, eines Tages, liegt sein Roman Über den Wäldern ruht der Tod vor mir, der partout gelesen und sodann besprochen werden will. Also frisch ans Werk.

Bei einer kurzen Recherche stelle ich fest, dass dies bereits der zweite auf Deutsch erschienene Roman des Franzosen ist. Sein Erstling Grünes Gift, mit dem er "in Frankreich Furore machte", konnte in Deutschland jedenfalls nicht die Leserscharen in den Buchhandlungen der Republik zu Jubelstürmen animieren, die seinerzeit (2005) in der Redaktion der Krimi-Couch zu hören gewesen wären. Da verwundert es umso mehr, dass auch Über den Wäldern ruht der Tod wieder zunächst das Privileg eines Hardcovers genießen darf.

Künstliche Hektik

Auch ohne Hintergründe über den Autor zu wissen, ist sehr schnell zu merken, dass Nottret Erfahrungen mit dem Schreiben von Drehbüchern haben muss. Kurze, knappe Kapitelchen, weite Sprünge in der Handlung. Tatsächlich hat Nottret zuvor erfolgreich kriminalistische Hörspiele für das französische Radio geschrieben. Doch was im Rundfunk klappt, funktioniert noch lange nicht zwischen zwei Buchdeckeln. Leider gewinnt dieser Eindruck sehr schnell an Stärke, denn allzu schlaglichtartig präsentiert der Autor seine Figuren und die Handlung. Was eventuell gedacht war, Tempo und Spannung zu erzeugen, überträgt eine Hektik auf den Leser, die der eher gemächlichen Handlung nicht gerecht wird.

Und worum geht's? Pierre Senechal, Inspektor bei der französischen Umweltpolizei FREDE, wird in den Amazonasdschungel geschickt, um zwei verschwundene Insektenforscher zu suchen. Das Luftschiff, mit dem die beiden Franzosen über die Baumkronen fuhren, kehrte von der letzten Expedition nicht zurück. Senechal entdeckt in dem Haus der Forscher bislang unbekannte, goldene Käfer und Sojabohnen. Züchteten sie ein Insekt, das dem genmanipulierten Soja schädlich war? Hat ihr Verschwinden etwas mit den Morden an zwei Plantagenbesitzern zu tun? Senechal bricht zusammen mit Kommissarin Saint-Louis von der brasilianischen Umweltpolizei IBAMA zu einer verlassenen Kautschukplantage mitten im Urwald auf, weil auf Satellitenfotos merkwürdige Spuren zu sehen waren.

Unterwegs verloren gegangen

Der Autor versucht in die rasanten Szenenwechsel eine Ordnung zu bringen, indem er auch sein Erzähltempus immer wieder ändert. Werden die Ereignisse um Senechal geschildert, erzählt er in der Vergangenheit, wechselt er aber zu den "Verbrechern" so erzählt Nottret im Präsens. So findet der Leser zwar schnell in den jeweiligen Erzählstrang, der zeitliche Bezug beider Handlungsebenen geht jedoch vollkommen verloren. Ein gewagter Stilbruch und gleichzeitig der Beleg dafür, dass ein Wechsel des Erzähltempus der Geschichte selbst nicht dienlich ist.

Was dem Roman ebenso fehlt ist ein charismatischer Held. Senechal ist zu keinem Zeitpunkt mehr als eine x-beliebige Figur, die auf ebendiesen Namen hört. Ihm fehlt es an Persönlichkeit bzw. an Raum, eine Persönlichkeit überhaupt erst entwickeln zu können. Und genauso verhält es sich mit allen anderen auftretenden Charakteren. Dem Effekt aus den vielen kurzen Kapiteln und Szenenwechseln wird in diesem Roman leider so weit untergeordnet, dass eine Handlung, die spannend hätte sein können, viele wichtige Aspekte jedoch schon auf den ersten hundert Seiten außer acht lässt, auch durch eine durchaus abenteuerliche Erforschung eines verlassenen Dorfes im Urwald und ein futuristisches Finale nicht mehr die Qualität erreicht, die Leser fesseln könnte. Über den Wäldern ruht der Tod - dort soll er auch weiter ruhen.

Über den Wäldern ruht der Tod

Patric Nottret, Ehrenwirth

Über den Wäldern ruht der Tod

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