Einer blieb zurück

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • London: Michael Joseph, 2007, Titel: 'The skeleton man', Seiten: 343, Originalsprache
  • München: Blanvalet, 2008, Seiten: 411, Übersetzt: Carsten Mayer

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Jörg Kijanski
Jim Kelly ragt erneut aus der Masse englischer Krimiautoren hinaus

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Sep 2008

1990 wird das abgelegene Dorf Jude's Ferry vom Militär geräumt, da es in den angrenzenden Truppenübungsplatz Whittlesea Mere integriert werden soll. Durch die zunehmenden Kriegseinsätze wie beispielsweise im Irak, wird ein Übungsgebiet für den Einsatz bei Häuserkämpfen gebraucht. Widerwillig verlassen die wenigen verbliebenen Einwohner ihr Dorf.

2007 trifft bei einer Truppenübung eine verirrte Granate ein Nebengebäude der früheren Dorfkneipe. Dabei wird ein bis dahin unbekannter Kellerraum entdeckt, in dem die Soldaten auf das Skelett eines erhängten Menschen treffen. Sollte es sich um die Überreste einer im Dorf unbeliebten Zigeunerin handeln, die 1990 als vermisst gemeldet wurde? Wenig später steht fest, es handelt sich um die Leiche eines jungen Mannes, der zwischen 20 und 35 Jahre alt war. In Frage kommen acht der damaligen Dorfbewohner.

Philip Dryden, Chefreporter der Wochenzeitung Crow und Redakteur des Ely Express, der bei der Truppenübung zugegen war, versucht dem rätselhaften Mordfall nachzugehen. Nur zwei Tage später wird ein Mann am Flussufer von Ely aus dem Wasser gezogen. Offenbar stürzte er von einer Brücke (oder wurde er gestürzt?) und hat seitdem kein Erinnerungsvermögen mehr. Stattdessen hat er panische Angst, dass ihm erneut etwas passieren könnte. Und als wären diese beiden Fälle noch nicht verwirrend genug, hat es Dryden noch mit einer Grabschändung in der alten Kirche von Jude's Ferry zu tun. Militante Tierschützer, so scheint es, wollen mit dem Knochendiebstahl die Schließung einer Farm erreichen, die Meerschweinchen und Ratten züchtet, um sie an Versuchslaboratorien zu verkaufen. Aber wie hängen diese drei Geschichten miteinander zusammen?

Detailgetreue Landschaftsbeschreibungen sind Kellys Markenzeichen

Wenn über den Weiten des Fenns dichter Nebel liegt und das kleine englische Städtchen Ely im Regen versinkt, dann wissen wir, dass der Chefreporter des Crow, Phylip Dryden, einem neuen Verbrechen auf der Spur ist. Einmal mehr geschah ein Mord vor langer Zeit und wird rein zufällig entdeckt. Dryden, der schon mehrere in der Vergangenheit begangene Verbrechen aufgeklärt hat, wittert natürlich gleich eine große Story und in der Tat offenbart der vorliegende Fall eine entsetzliche Tragödie.

Doch Autor Jim Kelly wäre nicht er selbst, würde der Lokalreporter gleich die Zeugen befragen können. Erst einmal wird seitenlang die Szenerie in den Fokus gerückt, bevorzugt die Landschaft. Eindringlich und detailgetreu liefert Jim Kelly einen perfekten Film für den Kopf ab, denn wie die Landschaft, die Gebäude oder selbst die zahlreichen Figuren aussehen, kann man sich leicht ausmalen. Kelly, der 2006 den Dagger Award gewann und verdientermaßen seit einigen Jahren zu den besten englischen Autoren gezählt werden darf, ist penibel genau.

Hohes Tempo liegt dem Autor fern

Natürlich bedeutet dies auch, dass hohes Erzähltempo nicht sein Ding ist. Für den Strandurlaub als kurzweiliges Actionspektakel eignen sich seine Romane rein gar nicht, wohl aber für lange Winterabende. Wenn es draußen schneit oder noch besser regnet, dann sind die konventionell gehaltenen, typisch "englischen Krimis" erste Wahl. Dass sich dabei das Handlungsmuster meist wiederholt wissen Stammleser/innen zu schätzen. Ein Verbrechen, welches schon Jahrzehnte zurückliegt wird zufällig entdeckt und nach langen, mühevollen Recherchen gelingt Dryden die Auflösung. Die Probleme Drydens liegen auf der Hand. Nicht selten sind die meisten Zeugen längst verstorben und das in einem kleinem englischen Ort, wie hier in dem fiktiven Dörfchen Jude's Ferry, viele Einwohner lieber schweigen und sich der Gemeinschaft unterordnen, sozusagen ihre Angelegenheiten selber regeln, ist verständlich.

 

"Bitte verzeihen Sie, aber es steht Ihnen wirklich nicht zu, diese Frage zu stellen."
"Tatsächlich? Als ich heute Morgen aufstand, war es noch ein freies Land - sollte mir der Staatsstreich entgangen sein? Sie werden sich schon damit abfinden müssen, dass ich jede Frage stellen kann, die ich stellen will - dafür haben Sie das Recht, nicht darauf zu antworten. Ein kleiner Unterschied, der für den militärischen Verstand allerdings nicht immer ersichtlich ist, sofern es sich hier nicht um ein Oxymoron handelt."

 

In Einer blieb zurück werden viele Personen und deren Familienverhältnisse vorgestellt. Wer mit zahlreichen Figuren Schwierigkeiten hat, wird stellenweise nicht mehr mitkommen, zumal auch die Auflösung zunächst recht undurchsichtig ist. Die, die überlebt haben, versuchen sich ins rechte Bild zu rücken und so gibt es zahlreiche Varianten, was sich damals zugetragen hat. In der Nacht bevor das Dorf geräumt werden musste tat sich offenbar recht viel, aber nur wenig von dem, was die Zeugen erzählen, passt so richtig in ein stimmiges Gesamtbild. Da gilt es vor allem auf den letzten hundert Seiten besonders aufzupassen.

Ehefrau Laura und Taxifahrer Humph sind Drydens ständige Wegbegleiter

Fast immer an Drydens Seite ist der Taxifahrer Humph und dessen Windhund Boudicca, wobei Humph ein recht seltsamer Charakter ist. Er lebt mehr oder weniger in seinem Auto, einem nicht ganz neuen Capri und ernährt sich bevorzugt von Fastfood. Nur allzu oft bestimmt der Geruch von Fritten und Ähnlichem das Wageninnere. Dryden selbst lebt mit seiner Frau Laura auf einem Hausboot. Laura erlitt vor sieben Jahren bei einem schweren Verkehrsunfall schlimmste Verletzungen und lag jahrelang im Koma. War in früheren Romanen Laura noch eine völlig hilflose Person, so ist sie in Kellys aktuellem Roman schon wieder überraschend lebendig. Selbst eine kleine Filmrolle wird ihr angeboten. Hier überspannt der Autor leider den Bogen, macht in diesem Punkt zu sehr auf "heile Welt".

Erneut gilt indes, dass Einer blieb zurück das gewohnt hohe Niveau von Kellys Romanen mühelos halten kann, wenngleich das Ende (zunächst) ein bisschen verwirrend ist. Dies bedeutet für Fans des Autors erneut zuzugreifen. Wer den Autor hingegen nicht kennt, sich aber für englische Krimis begeistern kann, dem sei - einmal mehr - Jim Kelly empfohlen

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Letzte Kommentare:
30.10.2008 00:00:18
Coco1970

Wieder hat Jim Kelly ein Buch ganz nach meinem Geschmack geschrieben: Spannend mit irreführenden Fährten, vielen möglichen Verdächtigen und einigen Überraschungen. Und wie immer ist Philip Dryden "damals" ganz dicht dabei gewesen und versucht seinen Reporterkollegen immer einen Schritt voraus zu sein. Am Ende ist wieder nichts so, wie es zu sein scheint. Klasse!