Der nützliche Freund

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Berlin: DAV, 2008, Seiten: 3, Übersetzt: Stephan Benson & Ulrike Johannson
  • München; Zürich: Piper, 2010, Seiten: 312, Originalsprache

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Thomas Kürten
Eine Hommage an Paris (geschmückt durch einen guten Krimi)

Buch-Rezension von Thomas Kürten Jun 2008

Zu Ulrich Wickert muss an dieser Stelle nichts gesagt werden. Er ist irgendwie der unendliche Mister Tagesthemen, obwohl er diesen Job nun schon einige Jährchen nicht mehr ausübt. Seitdem versucht er sich mit Begeisterung als Krimi-Autor, Lesung hier, Podiumsdiskussion dort und zwischendurch auch das ein oder andere Festival mitgenommen. Zum Protagonisten seiner Krimis, Richter Jacques Ricou, braucht eigentlich auch nichts mehr gesagt werden. In Der nützliche Freund begegnet uns der integere Streiter für die Gerechtigkeit, der Genussmensch mit dem Faible für attraktive Frauen, nun schon zum dritten mal und es schleicht sich das Gefühl ein, einen alten Bekannten wieder zu sehen. Also könnten wir es kurz machen und direkt in medias res gehen.

Ein sensationelles Enthüllungsbuch wird angekündigt. Der zu unrecht in der Leuna-Affäre verurteilte Lobbyist Marc Leroc kündigt medienwirksam an, die wahren Hintermänner der Geldschieberei mit Hilfe eines "nützlichen Freundes" enttarnen zu wollen. Doch dazu soll es nicht kommen: Leroc stürzt vom Balkon seines Appartements in der 22. Etage in den Tod. Auf seinem Balkon findet die Polizei die bewusstlose Journalistin Margaux - die immer-mal-wieder-Freundin von Ricou. Doch die wird sich an nichts Wesentliches erinnern können.

Der "nützliche Freund" heißt Mormann und läuft der Polizei am folgenden Tag in die Arme. Die Mörder sind unterdessen auf der Suche nach Dokumenten und Beweisen, die Licht in das Dunkel der Leuna-Affäre bringen können. An Mormann kommen sie vorerst nicht ran. Hat aber vielleicht Untersuchungsrichter Ricou inzwischen belastendes Material? Keine Frage, er muss irgendwie ausgeschaltet werden, doch ein Mordanschlag misslingt. Was könnte dann besser passen, als eine kleine Intrige zu inszenieren.

Keine Frage, bei manch amerikanischem Kollegen wäre dieser Stoff reißerisch aufgepeppt zu einem rasanten Agentenroman verwurstet worden. Einem von vielen. Rasant, atemberaubend oder gar fesselnd wird Wickerts Krimi jedoch eigentlich zu keiner Zeit. Es ist ein beschaulich und ruhig erzählter Roman, der jede Gelegenheit nutzt, um das Leben in Paris in seinen vielen Facetten zu beschreiben. Da werden die Geschichten von Stadtteilen und Straßenzügen erzählt, Privilegien der Ehrenlegion erwähnt, Vorurteile und natürlich unvermeidlich auch so manche Speisekarte zitiert. Hierin ist die große Stärke des Romans zu sehen, hier ist der Journalist, der gute Beobachter am Werk, der in prägnanten, lockerleichten Sätzen mal eben das Leben in seiner ganzen Fülle einfängt.

Der nützliche Freund ist aber mehr als das. Es ist ein eigentlich sehr klug konzipierter Krimi. Das Potenzial, das in der Geschichte liegt, reizt Wickert eben auf seine Weise aus, womit er unterhalten, aber sicherlich nicht jeden Leser begeistern können wird. Schwächen zeigt der Roman eigentlich nur in den unverständlicherweise komplett überzeichneten Einschüben um das Genfer Finanzinstitut und seine beiden Vorstände. Der Kampf für die Schweizer Cervela-Wurst sollte vielleicht für so was wie Erheiterung beim Leser sorgen, diese edle Absicht ist aber zu einem mehr als hilflos anmutenden Störfaktor verkümmert.

Dennoch, Der nützlich Freund ist der bislang beste der drei Ricou-Romane. Ob nun Leuna-Affäre im Hintergrund oder nicht, wichtig ist dass Ricou in "seiner" Heimat ermitteln kann, dass er seine Leidenschaft und Liebe für die französische Hauptstadt austoben kann. Trotz aller Brisanz ist Wickerts Roman ein Krimi der leisen Töne oder eigentlich eher eine Liebeserklärung, die nebenbei auch einen kleinen Agententhriller umfasst.

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Letzte Kommentare:
26.03.2013 21:09:22
Schnippi

Ich hatte nicht gewusst, dass "der Herr der Tagesthemen" Ulrich Wickert,auch als Krimi-Autor unterwegs ist und war deshalb auf eines seiner Werke gespannt.
Die Grundidee - einmal einen kleien Einblick in politische Machenschaffen zu bekommen - finde ich gar nicht schlecht, allerdings fehlten mir die Vorkenntnisse zur "Leuna-Affäre". So kann ich also nicht beurteilen, in wie weit die Anmerkung, am Ende des Buches, "Die in diesem Roman geschilderten Ereignisse beruhen auf gründlichen Recherchen", der Wahrheit entsprechen.
Eine gewisse Spannung lässt sich nicht verleugnen, auch wenn große Teile des Buches eher einer "Reisebeschreibung" nahe kommen, als einem Krimi. Zweifellos kennt Herr Wickert sich in Paris aus,aber die Aufzählung bestimmter Straßennamen und Örtlichkeiten nerven kolossal.
Die anfängliche Beschreibung der Journalistin Margaux, die der "Auslöser" des beschriebenen Falles ist, verläuft (abrupt) im Sande. Von der Figur hätte ich mir mehr versprochen.
Na ja... einen Versuch war's wert.
Für jemanden, der Spannung sucht, aber nicht das Richtige.
Wer sich in Paris auskennt und einen gedanklichen Stadtrundgang machen möchte, der in eine Geschichte verpackt ist... kommt bestimmt ein wenig auf seine Kosten.

12.02.2011 21:59:37
Moehrchen

Eine wahre Geschichte?

Die Journalistin Margaux wird während eines Interviews mit dem, wegen der Verwaltung der Schwarzen Kassen von France-Oil, verurteilen Marc Leroc niedergeschlagen. Ihr Interviewpartner ist von seinem in der 22. Etage gelegen Balkon gestürzt. Was ist passiert? Der Untersuchungsrichter Jacques Ricou, ein guter Freund von Margaux, übernimmt den Fall und gerät bald auch in Gefahr.

Ulrich Wickert schreibt am Ende seines Buches "Die in diesem Roman geschilderten Ereignisse beruhen auf gründlicher Recherche". Der geneigte Leser fragt sich, was denn nun hier recherchiert wurde. Unbestritten kennt sich Wickert gut in Paris aus, was er auch immer wieder durch allzu genaue Wegbeschreibungen und völlig unwichtige Anekdoten deutlich macht - wer so was lesen möchte kauft sich wohl eher einen Stadtführer von Paris. Zudem scheint es dem Autor auch wichtiger zu sein, welches Auto seine Protagonisten fahren als diese dem Leser einfach näher zu bringen. Die Charaktere bleiben sehr flach und treten nie in den Vordergrund. Als völlig überflüssig betrachte ich auch diese Cervelatwurst-Geschichte.

Der Autor hat wohl versucht, uns hier ein Stück deutsch-französische Geschichte in Form eines Romans näher zu bringen, was aber gründlich fehlgeschlagen ist. Ein Sachbuch über die Leuna-Affäre, in der es ja um angebliche Schmiergeldzahlungen an deutsche Politiker ging, wäre sicher besser gewesen und hätte auch eher dem Können des Autors entsprochen. Ich kann von diesem Buch nur abraten.

01.04.2009 14:23:06
stjerneskud

Für Paris-Liebhaber und Geschmäcker des gehobeneren Krimis.

Die Journalistin Margaux hofft auf die Geschichte ihres Lebens. Sie arbeitet zusammen mit Marc Leroc, der als Einzigster in der Leuna-Affäre verurteilt wurde, an einem Bericht in dem die Wahrheit ans Licht kommen soll. Wenige Stunden später wird er tot aufgefunden und Margaux liegt bewusstlos auf Lerocs Balkon. Margaux’ Freund, der Richter Jacques Ricou, ermittelt in dem Fall und gerät selber ins Visier der Verbrecher.

Vorher hatte ich noch nichts von Ulrich Wickert gelesen und ich war gespannt auf den Krimi. Von der Grundidee her gefällt es mir, dass die Leuna-Affäre auf diese Art und Weise aufgearbeitet wurde und man auf diesem Weg etwas erfährt, auch wenn man sich nicht übermäßig für politische Themen interessiert. Allerdings wäre ein Vor- oder Nachwort hilfreich gewesen, denn wenn man sich nicht selber näher mit dem Thema beschäftigt hat, wäre es hilfreich zu erfahren, was den Tatsachen entspricht und was Fiktion ist. Der Krimi ist gut geschrieben, obwohl er ein wenig sachlich ist, und bei einer Anzahl von 313 Seiten und mit großem Schriftgrad abgedruckt kann man nicht so tief eintauchen wie bei manch anderem Krimi. Große Spannung kam nicht auf und ich wurde von der Geschichte nicht mitgerissen, aber ich habe sie gerne gelesen.

Wer sich in Paris auskennt und das dortige Flair mag, sich für Wirtschaft, Finanzen und Politik interessiert, wird mit Sicherheit seine Freude an dem Krimi haben.

08.11.2008 18:27:06
sapkowski

Dieses Buch hat mir ein guter Freund geliehen mit den Worten,dass dies eines der besten Bücher ist,das er seit langem gelesen hat.Ich würde es nicht bereuen.

Leider hat er sich dabei geirrt.Selten habe ich ein Buch gelesen, das mich dermaßen gelangweilt hat. Ich mußte mich richtig zwingen, es zu Ende zu lesen. Mit einem guten Krimi hat dieser Roman nichts gemein. Wickert schafft es nicht, auch nur den Hauch von Spannung aufkommen zu lassen und erschlägt den Leser mit einer Fülle an wirtschaftlichen und politischen Informationen, die eher verwirren, als dass sie erklären.

Es ist eine Geschichte,die man in ein paar Seiten erzählt hat und nur durch Unglaubwürdigkeiten und sonstigem aufgebauscht wird.
Die zwei einzigen überraschenden Wendungen wollen so gar nicht zum bisher Erzählten passen und berührten mich unangenehm durch ihre Unglaubwürdigkeit.

Die Protagonisten sind allesamt so oberflächlich charakterisiert, dass sie farblos wirken und mir nicht wirklich im Gedächtnis blieben.Auch waren sie äußert unsympathisch,was eine schlechte Eigenschaft für Hauptpersonen,so genannten „Helden“ ist. Als sehr störend empfand ich zudem Wickerts ständige Zurschaustellung seiner Allgemeinbildung und seiner Kenntnisse in französischer Lebensart. Auch der doch etwas simple Schreibstil konnte mich nicht überzeugen und die ständige Einstreuung bekannter Namen nervte.Zum Glück habe ich mir dieses Buch nur geliehen,denn es ist sein Geld nicht wert. Schade, ich hatte mir mehr versprochen!

27.10.2008 22:17:24
LilStar

Anhand einer Leseprobe zu diesem Buch, die an der wirklich spannendsten Buchstelle aufhörte, habe ich tatsächlich eine folgende spannende Handlung erwartet. Leider wurde ich enttäuscht.

Die Leuna-Affäre, in der der Richter Jaques Ricou ermittelt, wurde vom Autor Ulrich Wickert zwar gut recherchiert in eine Geschichte gebettet, allerdings ließ die Spannung leider sehr zu wünschen übrig. Mir kam das Buch zwischendurch mehr wie ein Sachbuch vor, denn ein Kriminalroman, was es eigentlich sein sollte.
Die Schreibe war größtenteils flüssig, aber leider viel zu steril und nüchtern. Das färbte ebenso auf die Charaktere ab, die allesamt recht einseitig, farb- und lieblos wirkten.
Außerdem nahmen total unwichtige Nebenhandlungen, die überhaupt keinen Nutzen zu haben schienen, zu viel Raum ein.

Ein Lob muss ich allerdings noch aussprechen. Auch wenn die Handlung an sich nicht wirklich interessant und spannend ist, so wurde die wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge doch allesamt recht gut erklärt und auch für den Laien verständlich gemacht.

Für jemanden, der auf einen spannenden Krimi aus ist, für den ist dieses Buch mit Sicherheit nicht das richtige, aber Leute, die ein kurzweiliges Lesevergnügen suchen und zudem noch an Wirtschaft und Politik interessiert sind und vor allem auch Frankreich lieben, könnten es mit dem "nützlichen Freund" mal versuchen.

09.10.2008 17:34:57
Henriette

Das Hardcover-Buch umfasst 313 Seiten, die in einer sehr angenehmen Schriftgröße gedruckt sind.
Ulrich Wickert hat zwar keinen spannenden Thriller geschrieben, dafür aber einen gut recherchierten Krimi geschaffen. Jacques Ricou, Untersuchungsrichter, ermittelt in Frankreich in einem Mord, der in Zusammenhang mit der größten deutsch-französischen Bestechungsaffäre nach der deutschen Wiedervereinigung steht.
Dies ist nicht das erste Buch mit Jacques Ricou. Wie bei anderen Schriftstellern muss ich feststellen, dass man vom ersten Band beginnen muss, um die Protagonisten kennen zulernen. Ich habe zwar einiges über Jacques Ricou und den anderen Protagonisten erfahren, es hat mir aber nicht genügt.
Was mich etwas gestört hat, dass Ulrich Wickert zu viele Straßennamen und teilweise französische Wörter benutzt hat. Ich habe bemerkt, dass U. Wickert anscheinend sehr mit Frankreich verbunden ist, ist aber im Buch leider zuviel des Guten.

03.10.2008 20:58:35
Karin

Meine Meinung:
Ich habe das Buch direkt am Anschluss an "Der norwegische Gast" von Anne Holt gelesen. Und das sind wirklich zwei ganz verschiedene Welten. Von daher hatte es "Der nützliche Freund" schwer. Es dauerte einige Kapitel, bis ich in dem Buch "drin" war. Zu umständlich und ausschweifend erschien mir der Schreibstil von Wickert am Anfang.
Aber dann hat es "klick" gemacht und ich habe das Buch in einem Rutsch beendet. Ich fand die recht kurzen Kapitel mit ihren knappen aber prägnanten Überschriften gut.
Natürlich merkt man fast in jeder Zeile, dass Wickert sich in der Welt der Wirtschaft und Politik ausnehmend gut auskennt. Seine eingebauten Erläuterungen z.B. wie Geldwäsche funktioniert sind so einfach wie genial. Grosse Klasse auch die Aktualität einiger Themen: Ich sag nur Cervelatwurst.
Es handelt sich bei diesem Buch nicht um einen Thriller, den man nägelkauend liest, sondern um einen ruhigen Krimi, auf den man sich einlassen muss. Und last but not least kann man sehr viel über politische und wirtschaftliche Zusammenhänge lernen, auch über die jüngste Vergangenheit der Bundesrebuplik Deutschland. Denn wie steht es am Schluss des Buches geschrieben: "Die in diesem Roman geschilderten Ereignisse beruhen auf gründlicher Recherche. Das Bemerkenswerte an dem größten Korruptionsskandal der deutsch-französischen Geschichte ist die Unauffälligkeit, mit der er zu den Akten gelegt wurde."
Zudem spürt man, wie sehr Wickert Frankreich verbunden ist.

18.09.2008 17:39:13
Christa Peters

Liebe zu Frankreich
Man merkt auf jeder Seite, dass Ulrich Wickert ein Journalist und Nachrichtenmensch ist. Dieser Politkrimi ist sehr gut recherchiert - er kennt die Verstrickungen der Politik, der Wirtschaft und der Finanzen und den vielen Intrigen - und kann sie dem Leser näher bringen. Man merkt auf jeder Seite seine Liebe zu Frankreich, den Menschen und dem Leben dort und seine Bemühungen, die Deutschen und die Franzosen einander näher zu bringen. Sehr schön finde ich in dem ganzen politischen hin und her, dass man zwischendurch erzählt bekommt, wer den Fallschirm erfunden hat, dass von Intarsien in Möbelstücken geschwärmt wird und die Geschichte mit der "Cervelat-Wurst" mach Spaß. - Und man merkt auch, wie zeitnah Wickert schreibt, denn, was lese ich heute - 14.08.2008 - in der Tageszeitung "Cervelat-Wurst ist gerettet! Die Eidgenossen dürfen Därme aus Argentinien, Paraguay und Urugay importieren, damit sie weiterhin ca. 25.000 Tonnen dieser Wurst verspeisen können!"
Für einen Leser, der es nicht so blutrünstig braucht (obwohl natürlich auch hier gemordet wird), ein sachlicher Krimi mit vielen unterschiedlichen, kauzigen Charakteren.

12.09.2008 18:54:50
Jochen Hensel

Von den drei Wickert-Ricou-Krimis der schwächste, ein Sachbuch für dieses Thema wäre sicher besser gewesen. Ansonsten kann ich den kritischen Kommentaren der anderen Leser nur zustimmen, finde aber besonders peinlich die Figur der Leipziger Staatsanwältin Karen van Rintelen. Einen solchen Edelkitsch hätte ich Wickert nicht zugetraut.
Auch die Sprache ist nicht so gelungen wie sonst, sehr bieder.

Dr. Pingel

08.09.2008 13:42:56
adhara

So richtig in Fahrt kommt "Der nützliche Freund" in keinem Part des Buches. Die Geschichte dümpelt vor sich hin und verliert immer wieder an Tempo, wenn die Informationen über Hintergründe und Verwicklungen fliessen. Ein athmosphärisch guter Einstieg verspricht zuviel - schon nach wenigen Seiten offenbaren sich die trockene Sprache und der etwas langweilige Erzählmodus. Ist es, weil Ulrich Wickert Journalist ist oder ist es, weil er mit seinem grossen Hintergrundwissen glänzen möchte: Der Autor überfordert die Leserinnen und Leser mit einer Informationsflut, die nicht immer zur Klärung der Situation beiträgt, die aber durchgehend zu üppig ist, um in einem Roman als Würze und langsames Hinführen auf die wahre Tiefe des Buches zu wirken. Oft kommt der Eindruck auf, dass hier eine Recherche zu umfangreich ausgefallen ist, um als Artikel in einem Journal Platz zu finden. Und so wurde die Recherche mit Protagonisten angefüllt und als Buch umgesetzt. Dabei bleibt nicht nur Margaux ein farbloses Geschöpf, auch Richter Marc Leroc und Untersuchungsrichter Jacques Ricou scheinen alles andere als vielschichtige Zeitgenossen. Oft kam der Eindruck auf, als würde der Autor seinen Figuren nicht richtig trauen und distanziere sich etwas von ihnen. Ulrich Wickerts "Der nützliche Freund" ist ein Buch für Leute, die sich im Genre "Wirtschaftskriminalität" wohl fühlen und eine Fakten-Flut schätzen. "Normale" Krimifans werden sich bei diesem Buch kaum wohl fühlen oder auch unterhalten fühlen. Der Aufbau des Buches ist so gestaltet, dass nicht nur bei einer Passage der Wunsch wach wird, das Buch wegzulegen und es nicht zu Ende zu lesen. Also kann "Der nützliche Freund" tatsächlich nur eingefleischten Wirtschafts-Fans empfohlen werden.

03.09.2008 12:03:50
Bettina

Marc Leroc kündigt aufsehenerregende Enthüllungen über Geldwäsche an - was ihm schon kurz darauf zum Verhängnis wird: Leroc wird ermordet und das ausgerechnet, als Ricous Freundin gerade bei Leroc für ein Interview in der Wohnung ist. Ricou beginnt mit seinen Ermittlungen und merkt schnell, dass die Nachforschungen der Pariser Justiz bei irgend jemandem auf starken Widerstand stoßen. Die Gegner scheuen sich auch nicht, Ricou selbst unter Feuer zu nehmen.

Ricous Abenteuer sind ein wenig hausbacken geraten, wie ich finde. Der Hintergrund der Story und die Spuren, die die Bestechungsaffären rund um die Firmen- und Immobilienverkäufe nach der Wende bis heute hinterlassen, sind ein sehr guter Aufhänger. Was ich angetroffen habe, war für meinen Geschmack die biedere Umsetzung eines potenziell spannenden Wirtschaftskrimis.

Da ist zum einen die Sprache, die oftmals zu betont auf "französisch" getrimmt wird - was mitunter in demselben Satz eine deutsche Übersetzung notwendig macht. Dazu kommen viele Erläuterungen, wie in Paris bestimmte Dinge ablaufen, von Spitznamen über Bräuche und Besonderheiten. Die sind allerdings ebenso wie Einschübe zu Sehenswürdigkeiten oder historischen Begebenheiten sehr schulmeisterlich geraten. Statt einzelne Aspekte locker in den Erzählfluss einzubauen, erklärt Wickert zwischendurch Welt. Mich persönlich hat es sehr gestört, wie solche Details unter's Volk gebracht werden. Außerdem erinnert sich Ricou gerne daran, was er schon alles überstanden und erlebt hat. Hier ein Anschlag, da eine Entführung, da eine Attacke auf ihn und hier eine Freundin, die die Ermittlungen nicht überlebt hat.

Spannung war daher Fehlanzeige für mich. Da Ricou ja ohnehin alles heil übersteht, wie er immer wieder in seinen Gedankenmonologen versichert, musste ich um ihn nicht fürchten. Dafür habe ich ein Stück deutsche Geschichte neu betrachtet. Und vielleicht einen Serienhelden entdeckt, den man für die Lücke zwischen zwei Büchern oder für eine kurze Ablenkung ganz gut gebrauchen kann.

22.08.2008 18:34:17
schnegg72

Nicht vollends überzeugend
Richter Ricou erfährt von seiner Freundin Margaux - ihres Zeichens Journalistin - , daß sie an einer heißen Story dran ist. Als sie dabei überfallen wird und ihr Interviewpartner Marc Leroc einem getürkten Selbstmord zum Opfer fällt, wird diese "Story" auch zu Ricous. Ein weiterer dubioser "Selbstmord" eines Anwalts trägt auch nicht unbedingt zur Klärung des ganzen Sachverhaltes bei. Zudem schalten sich die deutschen Behörden ein, um den Verdächtigen im Mordfall Leroc ausgeliefert zu bekommen.
Für Ricou ist schnell klar, daß der ganze Fall äußerst komplex ist und er gerät selbst in Gefahr. Ich kannte Ulrich Wickert bisher nicht als Autor.
Als Krimi würde ich das Buch auch nicht bezeichnen wollen. Eher als Geschichte um die Leuna-Affäre, die einen zwar irgendwie gefangen, aber nicht vom Schlafen abhält

21.08.2008 18:00:26
Sibylle Meyer

Es handelt sich um einen sehr gut recherchierten deutsch-französischen Wirtschaftskrimi. Die wirtschaftlichen Zusammenhänge werden sehr gut herausgearbeitet, trotzdem bleibt die Spannung erhalten. Sprachlich ist der Krimi einfach zu lesen, Herrn Wickerts Liebe zu Frankreich ist in jedem Absatz zu spüren.

Mir hat er gut gefallen.

21.08.2008 10:07:05
dyabollo

Das Buch
*
Ich muss gestehen als ich das Buch in der Hand hielt war ich schon ein wenig enttäuscht. Der Schutzumschlag kommt in der Glanzoptik ziemlich schlecht weg. Das Bild, das wohl einen Blick aus einem Hotelzimmer gewährt geht unter. Gleichzeitig sieht man jeden Fingerabdruck und weil ich in solchen Dingen sehr pingelig bin, musste der Schutzumschlag zum Lesen weggenommen werden.
Der nützliche Freund hat 320 Seiten und kostet 19,90€ was wohl normal für eine gebundene Ausgabe ist.

Die Kapitel werden sehr kurz gehalten, die Schrift ist groß, so dass man wirklich schnell voran kommt.

Es ist meiner Meinung nach auch kein Kriminalroman, denn der allwissende Erzähler berichtet auch aus der Sicht der Täter.

Inhalt
*

Ricou, ein Richter aus Paris bekommt eines Abends einen Anruf: Seine Freundin sei bewusstlos aufgefunden worden doch nicht zu Hause sondern in der Wohnung von Marc Leroc, einem Lobbyisten der als Mittelsmann von France Oil Geld gewaschen und es an deutsche Politiker verteilt haben soll. Marc Leroc habe versucht die Journalistin sexuell zu missbrauchen und sei bei einem Kampf mit ihr aus dem Fenster gefallen - 22 Stockwerke tief. Ricou eilt an die Unglücksstelle, versorgt die Freundin und vernimmt sie einen Tag später. Doch das, was sie erzählt stimmt nicht mit der vermuteten Geschichte überein. Marc Leroc soll ermordet worden sein, denn er stand kurz vor der Veröffentlichung eines Buches, das alle Einzelheiten der Leuna- Affäre klären sollte.
Und plötzlich hat es auch der Richter nicht mehr leicht. Auch er wird beschuldigt eine Frau sexuell missbraucht zu haben. Wer steckt dahinter?

Kritik
*

Ich bin kein Krimifan doch dieses Buch habe ich gerne gelesen. Denn wenn es sich um wahre Geschichten handelt, die auch noch bilden sollen ;) und das auf so spannende Art und Weise, da kann ich wirklich nicht nein sagen. Ich muss gestehen, dass ich vor der Lektüre keine Ahnung von der Leuna - Affäre hatte und erst hinterher versucht habe ein paar Daten zu ergoogln was mir auch gelang und ich war erstaunt wie genau Wickert die Details beschreibt. Warum gibt es nicht mehr solcher Bücher??? Ich wette Schüler hätten es leichter wenn man ihnen die Geschichte als Kriminalroman präsentieren würde!

Gleichzeitig muss ich auch eingestehen, dass ich als absoluter Nichtswisser immer wieder den Faden verlor und auch die Spannung ging ein paar Mal flöten. Und auch das Ende wurde mir dann doch ein wenig zu kitschig.

Wickerts Schreibstil ist sehr sachlich und wenig ausschmückend, dadurch hat man schnell alle Fakten erfasst und die Geschichte gelesen, doch so ein richtiges Vergnügen kommt nicht wirklich auf. Vielleicht eher für jemanden der in Paris war. Er kann dann in seinen Erinnerungen schwelgen und sich durch die beschriebenen Straßen gleiten lassen. Man merkt Wickert die Liebe zu Paris deutlich an. Leipzig jedoch kommt leider viel zu kurz!!! Ich hätte gerne mehr davon gelesen, denn das was für Wickert Paris bedeutet, bedeutet für mich Leipzig

Alles in allem ist es ein wirklich gut recherchiertes Buch, das viele Fakten der Leuna - Affäre verrät und dabei trotzdem spannend bleibt! Ich kann es wirklich weiterempfehlen!

20.08.2008 23:21:37
Zabou1964

Ulrich Wickert ist Journalist. Das merkt man seinem Buch auch an. Er hat, was am Ende des Buches auch noch extra erwähnt wird, sehr gut recherchiert in der Leuna-Affäre. Mir sind durch die Lektüre einige Zusammenhänge klar geworden. Das ist ein interessantes Kapitel der deutsch-französischen Geschichte.

Vom Autor ist auch bekannt, dass er Frankreich liebt und sich dort sicher auch gut auskennt.
Trotzdem wurden mir die Beschreibungen der Pariser Straßen und die eingestreuten Anekdoten manchmal etwas zu viel. Eine Aneinanderreihung von Straßennamen, durch die die Protagonisten fahren, ist in meinen Augen auch keine Beschreibung einer Stadt.

Die Hauptfiguren und vor allem deren Charakter wurden dagegen etwas dürftig vorgestellt.. Einzig über Ricou erfährt der Leser etwas. Aber ich hatte das Gefühl, dass der Autor die Lektüre der ersten beiden Romane dieser Reihe voraussetzt. Da dies bei mir leider nicht der Fall ist, blieben mir der Charakter Ricous weitestgehend fremd.

Spannung, die ich wichtig finde in einem Kriminalroman, kam für mich leider nur sehr selten auf. Nur am Ende des Romans spitzt sich die Lage zu und ich habe mitgefiebert, ob Ricou den Fall noch zu einem befriedigenden Abschluss bringen kann.

Fazit: Ulrich Wichert hätte über die Leuna-Affäre besser ein gut recherchiertes Sachbuch geschrieben. Als Krimi ist der Roman leider untauglich.

16.08.2008 14:34:02
Danai

Der französische Ermittlungsrichter Jaques Ricou ermittelt im Falle des Todes des ehemaligen Agenten Marc Leroc. Dieser Fall betrifft den Richter auch sehr persönlich, da seine Freundin Margaux darin verwickelt ist. Unversehens findet sich der Richter in einem der größten Korruptionsfälle und in den Stricken der Politik wieder.
„Der nützliche Freund“ ist kein Buch, das man nebenher lesen kann. Man muss sich darauf einlassen können und gut Acht geben, dass man sich nicht in den Nebensächlichkeiten, die die eigentliche Handlung nicht wirklich berühren, verliert.
Obwohl der Roman meiner Meinung nach so einige Längen aufweist, habe ich ihn mit Vergnügen gelesen. Mir hat die Sprache gut gefallen, auch wenn der Schreibstil von Ulrich Wickert zunächst gewöhnungsbedürftig ist. Er versteht es aber, in seinem Buch eine Atmosphäre zu schaffen, die mich gefangen genommen hat. Der von ihm erdachte Ermittlungsrichter ist jemand, den ich gerne einmal kennenlernen würde. Er zeigt sich dem Leser sympathisch, aufgeschlossen und von gelassener Wesensart und ist trotz seines verantwortungsvollen Berufes bodenständig geblieben. Er ist der Sympathieträger dieser Geschichte. Neben ihm scheinen alle anderen Figuren zu verblassen und bleiben im Verlauf auch eher flach.
Obwohl immer wieder Andeutungen auf die früheren Fälle Ricous auftauchen, kann man dieses Buch auch lesen, ohne die Vorgänger zu kennen.
Die Story geht eigentlich erst ab Seite 75 so richtig los und schreitet gemächlich voran. Wer einen action- und spannungsgeladenen Krimi sucht, ist mit diesem Buch nicht wirklich gut bedient. Trotzdem halte ich den Roman für gute, gelungene und anspruchsvolle Unterhaltung.

15.08.2008 20:04:54
mo.moogle

Eher für wache als für Schmökerstunden
Dass Ulrich Wickert ein Kenner der politischen Szene ist, wird mit jeder Zeile, die er schreibt klar. Seine Details zeugen von Hintergrundwissen und Erfahrung, man hört aber auch die Überzeugung heraus, dass man "Gauner auch Gauner nennen muss" - was ihn einmal mehr ehrt und sehr sympathisch macht. Sein Schreibstil ist eher nüchtern und sachlich, so dass es dann doch mehr Wirtschaft und Politik als Krimi ist. Interessant und lehrreich, ein Vergnügen für Leser, denen es vor allem darum geht, auch noch etwas dazuzulernen als für diejenigen, die sich mit einem Buch vor allem ein paar schöne Stunden machen wollen.

15.08.2008 18:39:45
Buecherfan

Richter Ricou und der französische Lebensstil

Selten habe ich ein Buch gelesen, das mich dermaßen gelangweilt hat. Ich mußte mich richtig zwingen, es zu Ende zu lesen. Mit einem guten Krimi hat dieser Roman nichts gemein. Wickert schafft es nicht, auch nur den Hauch von Spannung aufkommen zu lassen und erschlägt den Leser mit einer Fülle an wirtschaftlichen und politischen Informationen, die eher verwirren, als dass sie erklären.

Mir kam das Ganze vor wie ein Zeitungsbericht, der auf die Länge eines Pseudo-Krimis aufgebläht worden ist. Nach den ersten sechzig Seiten weiss man alles Nötige und darf sich die restliche Zeit mit Wiederholungen und vorhersehbaren Handlungen herumplagen. Die zwei einzigen überraschenden Wendungen wollen so gar nicht zum bisher Erzählten passen und berührten mich unangenehm durch ihre Unglaubwürdigkeit.

Die Protagonisten sind allesamt so oberflächlich charakterisiert, dass sie farblos und holzschnittartig wirken und mir fremd blieben. Als sehr störend empfand ich zudem Wickerts ständige Zurschaustellung seiner Allgemeinbildung und seiner Kenntnisse in französischer Lebensart. Auch der doch etwas simple Schreibstil konnte mich nicht überzeugen und die ständige Einstreuung bekannter Namen nervte. Schade, ich hatte mir mehr versprochen!

Fazit:

Nur etwas für eingefleischte Wickert-Fans und diejenigen, die “Der Richter aus Paris“ und “Die Wüstenkönigin: Der Richter in Angola“ gern gelesen haben!

15.08.2008 14:39:20
Moehrchen

Eine wahre Geschichte?

Die Journalistin Margaux wird während eines Interviews mit dem, wegen der Verwaltung der Schwarzen Kassen von France-Oil, verurteilen Marc Leroc niedergeschlagen. Ihr Interviewpartner ist von seinem in der 22. Etage gelegen Balkon gestürzt. Was ist passiert? Der Untersuchungsrichter Jacques Ricou, ein guter Freund von Margaux, übernimmt den Fall und gerät bald auch in Gefahr.

Ulrich Wickert schreibt am Ende seines Buches "Die in diesem Roman geschilderten Ereignisse beruhen auf gründlicher Recherche". Der geneigte Leser fragt sich, was denn nun hier recherchiert wurde. Unbestritten kennt sich Wickert gut in Paris aus, was er auch immer wieder durch allzu genaue Wegbeschreibungen und völlig unwichtige Anekdoten deutlich macht - wer so was lesen möchte kauft sich wohl eher einen Stadtführer von Paris. Zudem scheint es dem Autor auch wichtiger zu sein, welches Auto seine Protagonisten fahren als diese dem Leser einfach näher zu bringen. Die Charaktere bleiben sehr flach und treten nie in den Vordergrund. Als völlig überflüssig betrachte ich auch diese Cervelatwurst-Geschichte.

Der Autor hat wohl versucht, uns hier ein Stück deutsch-französische Geschichte in Form eines Romans näher zu bringen, was aber gründlich fehlgeschlagen ist. Ein Sachbuch über die Leuna-Affäre, in der es ja um angebliche Schmiergeldzahlungen an deutsche Politiker ging, wäre sicher besser gewesen und hätte auch eher dem Können des Autors entsprochen. Ich kann von diesem Buch nur abraten.

14.08.2008 21:27:57
Stephi

Jacques Ricou ist Untersuchungsrichter in Paris und wird mit einem Fall betraut, der von Beginn an kein „normaler“ Mord ist, aber nach und nach ergeben sich immer mehr wirtschaftliche und politische Hintergründe und immer mehr Menschen fallen den Vertuschungsversuchen zum Opfer. Jacques immer-mal-wieder-Freundin Margaux ist als erfolgreiche Journalistin auch sehr an dem Fall interessiert – zumal sie mit dem Mordopfer schon länger in Kontakt stand, um einen Skandal aufzudecken...

Ich wusste gar nicht, dass Ulrich Wickert Krimis schreibt, bis ich dieses Buch gelesen habe. Im Nachhinein habe ich vermutlich auch nicht wirklich viel verpasst.

Das Buch ist nicht schlecht, aber es ragt auch nicht aus der breiten Masse heraus. Ich würde es als solide bezeichnen, nicht mehr und nicht weniger. Das reicht jedoch nicht, um einen bleibenden Eindruck bei mir zu hinterlassen.

Vor dem Lesen war ich skeptisch, weil ich nicht wusste, ob ich mit dem Thema zurecht komme. Das lief jedoch erstaunlich gut. Das Buch ließ sich sehr flüssig lesen, die politischen und wirtschaftlichen Aspekte waren auch wirklich sehr interessant und ich habe sie ohne umfangreiches Vorwissen verstanden. Das Problem ist einfach, dass mir eine ordentliche Portion Spannung gefehlt hat und das Ende auch nicht wirklich als Knaller bezeichnet werden kann. Ja, Ricou ist kurzzeitig mal in Gefahr, aber es war ab dem Moment, in dem er das Blackberry hinter dem Monitor abgelegt hat, ziemlich klar, was passieren würde.

Abgesehen davon hat mir die Stimmung außerhalb der Ermittlungsarbeit sehr gut gefallen. Das französische Bistro in dem Ricou jeden Morgen frühstücken geht, Gaston der auvergnatische Bistrowirt mit dem auvergnatischen Bart. Herrlich. Das hatte wirklich Flair – aber leider soll dieses Buch ein Kriminalroman sein, so dass das Drumherum nicht elementar für das Gelingen oder Misslingen verantwortlich ist.

Schon eher damit zu tun hat die Beziehung zwischen Ricou und der deutschen Staatsanwältin. Das ganze fand ich etwas unglaubwürdig, auch wenn ihre Geschichte ganz interessant war und ihr Verhalten gut erklärt. Aber dass sie dem guten Jacques nun nach ein paar Nächten gleich ihre innige Liebe gesteht, obwohl eingangs deutlich gesagt wird, dass sie es nicht so mit Bindungen hat, naja. Natürlich macht sie eine Wandlung durch, aber die Zeit scheint mir doch etwas knapp bemessen dafür. Geschmackssache.

Etwas irritierend fand ich den Schreibstil Wickerts. Manche Gesprächssequenzen wurden in wörtlicher Rede wiedergegeben, andere in indirekter Rede und wieder andere erschienen vom Wortlaut her wie eine wörtliche Rede, waren aber nicht als solche gekennzeichnet. Hier hätte ich mir doch mehr Einheitlichkeit gewünscht. Das heißt nicht, dass ich alles in einer Art wiedergeben würde, sondern vielmehr, dass mir ein System fehlt, nachdem die Auswahl getroffen wurde. Vielleicht gab es das ja sogar, aber ich habe es nicht erkennen können.

Alles in allem hat das Buch für mich wenig von einem Kriminalroman – vielleicht hätte Wickert lieber einen Politik- oder Wirtschaftsroman daraus machen sollen.

13.08.2008 11:03:19
Manuela2205

Recherche ist nicht alles!

Ein ehemaliger Agent will einen Bestechungsskandal, in den eine große Ölfirma, deutsche Politiker und Schweizer Banken verwickelt sind, aufdecken und sich so von Geldwäschevorwürfen entlasten und wird ermordet.
So lässt sich das Buch zusammenfassen, denn viel mehr passiert nicht. Die Personen sind flach, Spannung nicht vorhanden. Auch die Probleme der Cervelawurst konnten mich nicht faszinieren.
Es mag ja sein, dass die Handlung irgendwie auf wahren Vorkommnissen basiert, wie im Nachwort angedeutet wird, aber gründliche Recherche macht noch keinen guten Krimi. Das Buch muss man wirklich nicht gelesen haben und wird für mich das letzte von Ulrich Wickert bleiben.

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Bestsellerautor Harlan Thrombey feiert mit seiner Großfamilie, der Haushälterin und seiner jungen, hochgeschätzten Pflegerin Marta Cabrera, seinen fünfundachtzigsten Geburtstag im eigenen luxuriösen Herrschaftshaus. Jeder der anwesenden Verwandten bekommt an diesem Abend eine gut gemeinte, aber existentiell bedrohliche Abfuhr mit auf den Weg. Der Beginn einer unruhigen Nacht, an deren Ende der Hausherr tot aufgefunden wird. Titel-Motiv: © MRC II Distribution Company L.P.

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