Wiener Tod

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • München: btb, 2008, Seiten: 476, Übersetzt: Lotta Rüegger und Holger Wolandt

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Eine Militärschule in der Nähe von Wien: Ein Schüler wird tot aufgefunden, aber es kann keine Todesursache festgestellt werden. Der junge Psychoanalytiker Max Liebermann, den Inspektor Rheinhardt zu Hilfe ruft, stößt bei den Mitschülern auf eine Mauer des Schweigens. Aber mit seinem psychologischen Geschick spürt er ein Netzwerk von Abhängigkeiten und Gewalt auf. Und von amourösen Verwicklungen, die er in seinem dritten Fall nur allzu gut verstehen kann - ist er doch selbst von Eifersucht gegenüber der von ihm verehrten Engländerin Miss Lydgate getrieben, die sich mit einem geheimnisvollen Fremden trifft.

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Letzte Kommentare:
03.05.2019 11:10:33
tassieteufel

In einer Militärschule in der Nähe von Wien wird ein Schüler tot aufgefunden. Zunächst kann keine Todesursache festgestellt werden, doch Inspektor Rheinhardt vom Sicherheitsamt kann nicht glauben, dass ein 15jähriger einfach so tot umfällt. Er ruft seinen Freund Dr. Liebermann zu Hilfe und gemeinsam stoßen sie auf reichlich Ungereimtheiten, zudem scheint es in der Schule an der Tagesordnung zu sein, Schüler aus ärmeren Familien, die ein Stipendium erhalten haben, systematisch zu schikanieren.

Der dritte Teil um Inspektor Rheinhardt und Max Liebermann beginnt sehr atmosphärisch und leicht unheimlich mit der Fahrt zum Tatort durch den düsteren Wiener Wald und auch die weiteren Entwicklungen lassen die Ermittler zunächst im Dunklen tappen. In der Schule herrscht ein Geflecht aus Abhängigkeiten, Eifersüchteleien, Gewalt und Schikane. Und gerade mit Eifersucht hat es Max Liebermann auch noch in seinem Privatleben zu tun. Hat er doch beobachtet, wie sich die von ihm verehrte Miss Lydgate mit einem anderen Mann trifft, so stürzt er sich in eine Affäre mit einer schönen Musikerin, die jedoch auch ihre Geheimnisse hat und Liebermann in eine Spionagegeschichte verwickelt, die eigentlich geheim bleiben sollte.
Der Krimifall ist komplex und intelligent aufgebaut, durch reichlich Verwicklungen und unerwartete Wendungen bleiben Motiv und Mörder lange Zeit im Dunkeln und wer gern mit rätselt, der ist hier richtig. Die Auflösung am Ende ist stimmig, auch wenn ich ehrlich sagen muß, das ich da so nicht drauf gekommen wäre, aber alle losen Fäden werden hier zusammengeführt und die Sache an sich ist schlüssig.
Neben dem spannenden, undurchsichtigen Krimifall sind es aber auch wieder die liebenswerten Figuren und das sehr atmosphärische Wienflair, die dem Buch so viel Charme verleihen. Man musiziert und sitzt reichlich im Caféhaus, wo diverse Köstlichkeiten verzehrt werden und so hat man beim Lesen das Gefühl, in diese Wiener Caféhausatmosphäre eintauchen zu können, dabei sind es nicht nur die noblen Etablissements, sondern auch mal verräucherte Spelunken und etwas herunter gekommene Kneipen.
Ein weiterer Nebenhandlungsstrang ist der um Liebermann und seine Miss Lydgate. Obwohl es recht offensichtlich ist, dass beide Gefühle füreinander haben, scheinen sie einfach nicht zueinander zu finden. Die etwas unterkühlte junge Engländerin mit ihrem rationalen Verstand ist auf ihr Studium fixiert und Liebermann, der ihre medizinische Vorgeschichte kennt, weiß nicht so recht, ob und wie er sich ihr nähen soll, zudem plagt ihn die Eifersucht, da sie sich mit einem fremden Mann trifft. Hier werden die Charaktere auch weiterentwickelt und nebenbei erfährt man auch noch etwas über die Psychoanalyse.

FaziT: ein gewohnt intelligenter und atmosphärisch dichter Wien Krimi, der nicht nur mit viel Flair und einer spannenden, undurchschaubar konstruierten Geschichte aufwartet, sondern auch durch seine liebenswerten Figuren überzeugt.

01.06.2012 12:52:03
tedesca

Dr. Max Liebermann ist verwirrt, traurig und eifersüchtig. Seine angebetete Miss Lydgate trifft einen anderen Mann. Umso bereitwilliger stürzt er sich in das Tête-à-tête mit der hübschen Musikerin Trezska.

Währenddessen ermittelt Inspektor Reinhardt im mysteriösen Todesfall eines Schülers in einer Kadettenakademie, in der Schikane und Quälerei an der Tagesordnung stehen. "Der Zögling Törless" lässt grüssen!

Alles in allem ein spannender Krimi mit viel Flair. Wien um 1910, Kutschenfahrten durch den düsteren Wienerwald, beklemmende Begegnungen im dritten Bezirk, Intigren und Spionage - eine Vielfalt an Handlungsfäden findet sich letztendlich zu einem flotten Finale. Auch der dritte Teil dieser grandiosen Serie hält allen Erwartungen stand, Teil 4 gibt es zum Glück wieder als Hörbuch.

11.12.2010 00:17:38
O. Urban

Gesellschaftskritischer Roman, welcher die elitären Militärschulen in den Mittelpunkt der Handlungen stellen. Dieses Thema wurde schon von anderen bekannten Autoren - literarisch besser - behandelt. Für den Autor spricht allerdings, dass er im Nachwort alle diese literarischen Vorbilder nennt und dabei selber feststellt, dass er von deren Lektüre stark profitiert hat.
Interessant auch die Hinweise zu den Duellen - zumindest das "Amerikanische Duell" war mir neu.

29.12.2009 21:36:02
redefluss

Anders als koepper sehe ich den dritten Band der Trilogie in der gleichen hervorragenden Qualität wie die beiden vorangehenden.
Mit der Militärschule hat Tallis ein Sujet für diesen Liebermann-Fall gefunden, der es ihm ermöglicht, eine bekanntere Geschichte, nämlich die des Antisemitismus in Verbindung mit Militarismus aufzugreifen.

Ich kann es kaum erwarten bis es endlich Januar wird und der vierte Band endlich erscheint.

21.04.2008 12:23:15
koepper

Das dritte Buch von Tallis ist meiner Ansicht nach mit Abstand das Beste. Ich hab´s zufällig als erstes gelesen und finde Band 1 und 2 der Trilogie deutlich schwächer.
Tallis beschreibt sehr anschaulich die beklemmende Stimmung in der Militärschule, auch die Charaktere sind sehr plastisch dargestellt.
Die Gechichte ist spannend bis zur Auflösung.
Besonders interessant sind die Bezüge zu Freuds Theorien.
Weitere Krimis von Tallis in dieser Qualität würde ich gerne lesen.

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