Der buddhistische Mönch

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • London: Bantam, 2007, Originalsprache
  • München: Piper, 2008, Seiten: 384, Übersetzt: Sonja Hauser
  • München; Zürich: Piper, 2010, Seiten: 398

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Thorsten Sauer
Von korrupten Bullen und kopulierenden Geistern

Rezension von Thorsten Sauer Jan 2008

Manchmal trügt der Schein sogar bei Büchern. Da spendiert der geschätzte Piper-Verlag dem neuen Roman von John Burdett nicht nur ein Hardcover, sondern sogar ein Lesebändchen - ein untrügliches Qualitätsmerkmal hochstehender Literatur - und dann entpuppt sich Der buddhistische Mönch als der größte Unsinn, der es in den letzter Zeit zwischen zwei Buchdeckel geschafft hat.

Snuff-Movies und Polizistenpornos

Sonchai Jitpleecheep hat schon so ziemlich alles gesehen und glaubt daher durch nichts mehr zu erschüttern zu sein. Doch da irrt er sich gewaltig. In einem verdunkelten Raum im Polizeirevier des berüchtigten 8th District, wird er Zeuge eines abscheulichen Mordes. Ein Snuff-Video, bei dem eine Prostituierte während des Geschlechtsverkehr brutal erwürgt wird, lässt sogar die erfahrene FBI-Agentin Kimberly Jones, die mit in die Ermittlungen einbezogen ist, in Tränen ausbrechen. Doch der Gefühlsstrudel in den Sonchai beim Anblick des Videos gerissen wird ist stärker, er kennt die Tote: Damrong. Sie war nicht nur einfach seine Geliebte, er war von ihr besessen und noch immer verfolgt sie ihn in seinen Träumen.

Ihr qualvoller Tod und die nächtlichen Heimsuchungen treiben ihn, den Mörder schnellstmöglich zu finden. Doch er stößt auf Widerstand bei seinem Vorgesetzten. Nicht etwa, weil der etwas zu verbergen hat, sondern weil alle Bullen des 8th District korrupt sind, besonders Sonchais Vorgesetzter Vikorn. Und der hat es sich nun einmal in den Kopf gesetzt, in das Porno-Geschäft einzusteigen. Dazu braucht er den angeschlagenen Polizisten, der einschlägige Erfahrungen hat, weil er mit seiner Mutter ein mehr schlecht als recht gehendes Bordell betreibt und den aufmüpfigen Regisseur bei der Stange halten soll.

Sonchai lässt sich jedoch nicht von seinem Ziel abbringen und unheilvolle Dinge nehmen seinen Lauf.

Die (un)denkbar unsinnigste Auflösung eines Krimis

Grundsätzlich ist die Ausgangssituation von Der buddhistische Mönch sogar vielversprechend, doch die haarsträubend unsinnige Entwicklung gepaart mit den - höflich ausgedrückt - etwas konstruiert wirkenden Figuren, lässt den Roman schon nach wenigen Seiten ins Lächerliche abgleiten.

 

"Du, der Sohn einer Nutte, Bordellbetreiber, Beamter in einem der korruptesten Polizeiapparate Asiens, du hast dir deine Unschuld bewahrt." (S. 144)

 

Weshalb hat sich Sonchai seine Unschuld bewahrt? Wohl deshalb, weil sein Chef Vikorn ein noch ärgeres Kaliber ist, der Millionen mit Bestechungen macht und jetzt obendrein in der Pornoindustrie mitmischen will. Was bei Der Jadereiter innovativ und bei Bangkok Tattoo immerhin noch einigermaßen unterhaltsam war, verkommt ob der weiteren Steigerung nun ins Lächerliche. Sonchai führt in Der buddhistische Mönch nicht mehr nur gemeinsam mit seiner Mutter ein Bordell, lebt mit einer Ex-Prostituierten zusammen und hat einen Transsexuellen Partner; nein, jetzt darf er auch noch ins Pornogeschäft einsteigen. Zu allem Überfluss verliebt sich die FBI-Agentin Kimberley obendrein noch in den transsexuellen Partner von Sonchai.

Wenigstens kann man Burdett zugute halten, dass sich seine Figuren damit nahtlos in die ebenso unsinnige Geschichte einfügen. Da verwundert es nicht mehr, dass Sonchai selbstverständlich ein Verhältnis mit der Toten hatte und von ihr besessen ist (und das nicht nur im übertragenen Sinne). Folgerichtig gibt sich Burdett auch nicht mit einem "normalen" Mörder zufrieden, ein leibhaftiger Geist muss es da schon sein. Leider ist ihm auch ein "normaler" Geist noch zu wenig und so erfahren wir denn auch Burdetts ganz persönliche Fantasie der sprichwörtlichen Heimsuchung. Schließlich befinden wir uns in Bangkok und dort geht es ausschließlich um Sex (zumindest in Burdetts Vorstellung) also wird den gesamten Roman hindurch munter kopuliert und das - wie angedeutet - nicht nur im Diesseits, sondern auch im Jenseits.

Was lässt sich Gutes sagen über diesen Roman? Abgesehen vom eingangs erwähnten Lesebändchen nur sehr wenig. Einzig vielleicht Burdetts Erzählstil, den er bereits bei seinen vorangegangenen Büchern praktizierte. Sonchai erzählt die Geschichte und er spricht dabei mit dem Leser, nennt ihn Farang, was so viel bedeutet wie "weißer Ausländer". In der asiatischen Vorstellung können Ausländer aufgrund der kulturellen Unterschiede nur schwer die inneren Zusammenhänge des asiatischen Lebens begreifen.

Vielleicht bin ich genau so ein Farang und Burdett hat es auf eine höhere Bewustseinsebene gebracht, mir droht nun - ob meiner Verständnislosigkeit für diesen Roman - ein derart schlechtes Karma, dass mir mindestens zehntausend Jahre in einem Granitstein blühen, bevor ich als Ameise wieder geboren werde. Vielleicht ist die Sache aber auch so einfach wie sie scheint und Burdett hat schlicht ein schlechtes Buch geschrieben.

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