Bangkok Tattoo

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • London: Bantam, 2005, Originalsprache
  • München: Piper, 2006, Seiten: 413, Übersetzt: Sonja Hauser
  • München: Piper, 2007, Seiten: 413, Bemerkung: Ungekürzte Taschenbuchausgabe

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Sabine Reiß
Exotisch, skurril und überraschend

Buch-Rezension von Sabine Reiß Mär 2006

Wenn die Inhaltsangabe bzw. der Klappentext eines Krimis wiedergibt, dass ein CIA-Agent getötet wird, liegt die Vermutung nahe, dass es sich dabei um einen waschechten Thriller handelt, bei dem sich Drogenbarone oder womöglich terroristische Gruppen mit den Geheimdiensten dieser Welt einen Kampf bis aufs Messer liefern. Der amerikanische Autor John Burdett überrascht mich daher mit seinem Roman Bangkok Tattoo, wo zwar zunächst der besagte CIA-Agent namens Mitch Turner den Tod findet, allerdings scheinbar durch die Hände einer Prostituierten. Sonchai Jitpleecheep, Polizist bei der Royal Thai Police und Aushilfs-Papasan in einem Bordell, das von seiner Mutter geführt wird und zu großen Teilen seinem Vorgesetzten Colonel Vikorn gehört, hat alle Hände voll zu tun, Chanya, das beste Pferd im Stall des Old Man's Club und mutmaßliche Mörderin, aus der Schusslinie zu bringen. Der Colonel diktiert Sonchai Chanyas Aussage, während sie noch unter dem Einfluss von Opium ausgeknipst auf ihrem Bett liegt.

Lasset Eure Phantasie walten

Es sei ein Unfall gewesen, der Fremde sei brutal geworden und hätte sie bedroht, da hätte sie ihm aus Versehen sein bestes Stück abgeschnitten und bei der folgenden kurzen Rangelei hätte er sich selbst das Messer in den Bauch gerammt. Sie versuchte noch, sein Leben zu retten, aber die Sache war aussichtslos. Aber was ist, wenn die CIA ihnen diese Story nicht abnimmt? Dann könnte man den Mord immer noch einer radikalen islamistischen Gruppe in die Schuhe schieben. Die Moslems im Süden Thailands, an der Grenze zu Malaysia, wo Mitch Turner stationiert war, befürchten genau dies und setzen sie sich mit Sonchai in Verbindung, der kurz darauf bei einem Besuch in der Wohnung des Ermordeten darauf stößt, dass Turner gar kein unbekannter Kunde für Chanya war. Zumindest liegt diese Vermutung sehr nahe, da sich ein Foto von ihr in seinem Besitz befindet. Aber nicht nur der Polizist aus Bangkok will herausfinden, was passiert ist, auch die CIA steht wie erwartet auf der Matte.

 


"Tote Kunden sind einfach nicht gut fürs Geschäft."

 

In einem lockeren Plauderton erzählt Sonchai dem Leser die Geschichte und schmückt sie mit allerhand Details über das Leben im Rotlichtviertel aus: katoys (Transvestiten), mit Viagra vollgepumpte farangs (Weiße) und leichte Mädchen geben sich die Klinke in die Hand. Fasziniert verfolgt man, wie der korrupte Colonel Vikorn seine Strippen zieht, um seinen Erzfeind General Zinna zu Fall zu bringen. Aus Sonchais Zusammenfassungen aus Chanyas Tagebuch, das sie ihm zur Verfügung stellte, erfährt man, wie diese als illegale Einwanderin in den USA in Massagesalons ihren Lebensunterhalt bestritt und zudem ihre Familie daheim unterstützte, um ihrer Schwester eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Dabei nimmt sie den Taschenrechner zur Hand, um ihr negatives Karma durch ihre Tätigkeit als Prostituierte mit ihrem positiven Karma, nämlich dass ihre Schwester als Ärztin viele Leben retten kann, zu verrechnen.

Ausflug in eine andere Welt

Sonchai Jitpleecheep wächst einem mit der direkten Ansprache ("Du, farang...") und dem einnehmenden Wesen ganz schnell ans Herz. Nie macht er Andeutungen, dass er schon mehr weiß, als er im Augeblick gerade preisgibt, und so meint man, man wäre live dabei. Wie das aber mit Erzählungen so ist: Sie sind nie wirklich geradlinig. Dieses Hin und Her ist jedoch hier sehr angenehm und ist ein weiterer Garant für die kurzweilige Unterhaltung, die dieses Buch bietet. Die Ironie, mit der Burdett in Bangkok Tattoo ans Werk geht, ist sehr erfrischend. Den amerikanischen Agenten unterstellt er dabei, dass sie nach 9/11 sofort auf jeden Zug aufspringen, wenn irgendetwas nur den Anschein erweckt, eine islamistische Gruppe sei darin verwickelt.

Faszinierend, exotisch, kurzweilig, all das kann ich Bangkok Tattoo ohne Einschränkungen attestieren. Wer einmal angefangen hat, der will gar nicht mehr aufhören bis Sonchai die Erzählung mit den folgenden Worten schließt:

 

"Sei großzügig und dankbar (und ehrlich, wenn du es nicht bist). Die Menschlichkeit lebt an der geschäftigsten Kreuzung der siebentausend Universen; der Deine in dhama, Sonchai Jitpleecheep (es gibt kein Ende und damit keinen Punkt)"

 

Bangkok Tattoo

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