Rumble Tumble

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • New York: Mysterious Press, 1998, Titel: 'Rumböe Tumble', Originalsprache
  • Berlin: Shayol, 2007, Seiten: 224, Übersetzt: Richard Betzenbichler

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Thomas Kürten
Sinnlose Suche gnadenloser Güte

Buch-Rezension von Thomas Kürten Dez 2007

In Hollywood werden neben den Oscars jährlich auch die Goldenen Himbeeren für herausragend schlechte Leistungen verliehen. Gäbe es einen solchen Preis auch für das hässlichste Buchcover eines Jahres, dann hätte Rumble Tumble überwältigende Chancen auf eine Prämierung. Drei Geier auf einem Kreuz (?) vor einem flieder-pastellfarbenen, changierenden Hintergrund, dazu der Titel des Romans in Worträtselmanier auf dem schwarzen Gebälk. Dieses Motiv ist so hinreißend schlecht, dass es fast schon wieder gut ist. Aber hat es auch einen tieferen Sinn? Welchen Bezug hat es zum Roman?

Hap Collins und Leonard Pine sind alte Weggefährten und Freunde. Hap ein weißer Hetero, der (relativ) friedliebend und zügellos momentan als Rauswerfer in einem Etablissement arbeitet. Leonard ein farbiger Schwuler, Waffennarr und Kriegsveteran, dem eine aufgeräumte Wohnung wichtiger als die eigene Gesundheit ist. Ein Hurricane hat dafür gesorgt, dass Haps Haus zerstört wurde und er bei Leonard unterkommen muss. Der jedoch drängt darauf, dass Hap endlich seine Geliebte Brett fragen möge, ob er nicht zu ihr ziehen könne. Doch Brett macht sich Sorgen um ihre Tochter Tillie, eine drogensüchtige Prostituierte, von der sie schon lange nichts mehr gehört hat.

Ein Kreuzzug aus Leidenschaft

Als Brett einen Anruf von zwei Ganoven erhält, die ihr Tillies Aufenthaltsort verraten können, steht es für Hap außer Frage, Brett zu dem Treffen mit den schrägen Gestalten zu begleiten. Tatsächlich ist es eine gute Entscheidung, denn nach einer kleinen Schlägerei erfahren die beiden, dass Tillie aussteigen und zurück zu Mama will. Brett kennt kein Halten mehr und will zu ihrer Tochter. Hap ist blind vor Liebe und will Tillie als Liebesbeweis für Brett nach Hause holen. Und Leonard sieht, dass er die beiden in dieser Verfassung auf keinen Fall alleine ziehen lassen kann und deckt sie alle erst mal mit Waffen ein.

Es geht nach Oklahoma, in ein seelenloses Kaff namens Hootie Hoot, das außer einem Taxistand und einem Puff nichts zu bieten hat. Hier soll Tillie für Mafiaboss Big Jim anschaffen. Doch Haps Hoffnung, mal eben in den Laden hineinzuspazieren, sich Bretts Tochter zu schnappen und ohne Trinkgeld wieder heim zu fahren, stellt sich sehr schnell als schöngefärbte Illusion heraus. Nur mit einigem "Ramba Zamba" kommen die drei wieder zurück ins schöne Texas.

Moderner Western

Und so kommen wir wieder zurück zur Deutung des Covers. Die drei Geier stehen für das Trio Infernale, bestehend aus Hap, Leonard und Brett. Wo sie hinkommen, lauert bereits der Tod (symbolisiert durch das Kreuz). Und dass es kein stiller Tod ist, macht der Romantitel "Rumble Tumble" (soviel wie "Ramba Zamba") im Zentrum des Kreuzes deutlich. Whow! Ein Buchcover mit unmittelbarem Bezug zum Inhalt. Das ist selten und das ist gut. Skandinavienkrimis mit rot bedachten Holzhäusern auf dem Deckel sind wir überdrüssig, Mönche in roten Roben und Kruzifixe langweilen uns. Die drei Geier auf dem Kreuz haben etwas unverbrauchtes, sie haben Wiedererkennungseffekt. Schön wird das Motiv dadurch jedoch trotzdem nicht.

Lansdale schildert einen rücksichtslosen Kreuzzug durch den ehemals so wilden Westen der USA. Krimi und Western verschwimmen ineinander in Rumble Tumble. Was Lansdale dabei auszeichnet ist sein gnadenloser Humor und seine schnörkellose Sprache. Er versteht es stets, mit wenigen klaren, manchmal auch gerne vulgären Worten, die Dinge beim Namen zu nennen. Die Figuren der Rahmenhandlung bedienen dabei alle gängigen Klischees, die man von modernen Western erwartet. Hier finden sich hirnlose Schläger, unmoralische Waffenhändler, geläuterte Pistolenhelden und fromme Weicheier mit hartem Kern ebenso wie der skrupellose Mafiaboss wie drogensüchtige Indianer wieder. Lansdale beweist, dass er alle Register ziehen kann und tut dies auch kaltschnäuzig. Doch so gut er auch beweist, mit dem Handwerkszeug eines erstklassigen Autoren umgehen zu können, mit einer echten Sinnhaftigkeit kann er diesem Roman nicht stempeln. Es ist halt einfach eine in erster Linie unterhaltende, komische Erzählung, über die man nicht zu lange nachdenken sollte. Und genau so versteht auch der Autor sein Handwerk: die Leser zu unterhalten als oberste Prämisse.

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