Mefisto

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • London: Heinemann, 2006, Originalsprache
  • Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2007, Seiten: 6, Übersetzt: Matthias Koeberlin, Bemerkung: Regie: Kerstin Kaiser

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Jörg Kijanski
Ein Psychopath dreht die Mordszenen berühmter Filmklassiker nach

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2007

Detective Kevin Byrne erholt sich noch von einer schweren Verletzung und ist daher nur sehr eingeschränkt dienstfähig. An zwei Tagen pro Woche darf er seinen Arbeitsplatz aufsuchen und ist dabei auf einen Stock als Gehhilfe angewiesen. Ausgerechnet in dieser Phase erfährt Byrne von Staatsanwalt Paul DiCarlo, dass der Mörder und Vergewaltiger Julian Matisse überraschend aus der Haft entlassen wurde. Doch es kommt noch schlimmer für Byrne, denn angeblich wurde bei dessen damaliger Verhaftung das Beweismaterial manipuliert und dies ausgerechnet von seinem alten Partner Jimmy Purify. Byrne nimmt die Suche nach Matisse auf, nicht zuletzt, um das Andenken seines verstorbenen Partners rein zu waschen.

Viel Zeit bleibt Byrne allerdings nicht, denn die Mordkommission Philadelphias bekommt es mit einem mysteriösen Fall zu tun. Ein Mann bringt der Polizei eine Kassette des Hitchcock-Klassikers Psycho vorbei, welche er zuvor in seiner Stammvideothek ausgeliehen hatte. Die weltberühmte Duschszene wurde allerdings "überarbeitet", denn statt der Originalszene wurde eine andere Szene hineinkopiert. Ein als Frau verkleideter Mann bringt dabei eine junge Frau mit einem Messer um, genau wie seinerzeit Norman Bates. Doch liegt wirklich ein Verbrechen vor oder handelt es sich nur um ein blutrünstiges Fake?

Byrne und seine Partnerin Jessica Balzano nehmen die Ermittlungen auf und finden nach längerem Suchen eine erste Spur, die sie zum Rivercrest Motel, einem herunter gekommenen Stundenhotel führt. In einem der Zimmer entdecken sie tatsächlich Spuren, die auf das gefilmte Verbrechen hinweisen. Der Tatort ist gefunden, aber wo ist die Leiche und wer war das Opfer? Die Zeit drängt, denn nur wenig später erhalten die Ermittler eine weitere Videokassette...

Ein etwas zu lang geratener Plot

Nun, was soll man über den zweiten Teil aus der Byrne-und Balzano-Reihe groß schreiben, was nicht auch schon in der Rezension zu Cruzifix enthalten ist? Großartig geändert hat sich jedenfalls nichts. Der Schreibstil ist, um es einmal etwas anders zu umschreiben, "bodenständig" und daher uneingeschränkt massentauglich. Mefisto bietet allen genreüblichen Schnickschnack und damit der etwas dünn geratene Plot nicht schon nach 300 Seiten zu Ende ist, wird das Ganze mit einigen Side-Stories garniert, die mitunter im weiteren Verlauf in den Hauptplot einbezogen werden.

Ein Beispiel für das "in die Länge ziehen" des Romans sei erlaubt. Jessica Balzano schaut sich Psycho an und sieht wie sich Norman Bates im Film der Leiche entledigt. Er versenkt ein Auto, in dessen Kofferraum sich die Leiche befindet, in einem Fluss nahe dem Motel. Wie der Name Rivercrest Motel bereits erahnen lässt, liegt dieses in der Nähe eines Flusses, genauer gesagt dem Schuylkill River. Und siehe da, in dem Fluss wird ein Auto gefunden und darin die Leiche eines Serienmörders, der seine Morde an Szenen bekannter Filmklassiker nachstellt. Der Fund der ersten Leiche erfolgt übrigens auf Seite 206!

Kurzweiliger, unterhaltsamer Mainstream. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Doch bleiben wir fair, schließlich will man ja wissen, wie es in den eher verkorksten Privatleben der beiden Ermittler weitergeht. Jessica lebt weiterhin von ihrem Ehemann getrennt und kümmert sich alleine um ihre dreijährige Tochter. Ansonsten findet, wie bei Byrne, kein Privatleben statt, sieht man bei Byrne mal von dessen Jagd auf Matisse ab.

 

Er war ein Mann im Schatten, der Mefisto mit tausend Gesichtern, begabt in der Kunst, Dialekte nachzuahmen und sich auf der Bühne zu bewegen. Er konnte jede Rolle spielen, die der Tag von ihm verlangte.

 

Mefisto ist lupenreiner Mainstream und lässt sich trotz seiner rund 600 Seiten problemlos an zwei Tagen bewältigen. Zahlreiche Verdächtige werden aufgebaut, um beim grandiosen Finale der letzten 150 Seiten nacheinander aus dem Verkehr gezogen zu werden bis nur noch einer übrig bleibt. Auch hier möchte man ausrufen, bitte nicht schon wieder einen solchen Täter. Dennoch: Thriller-Fans, die sich für Hollywood-Filme interessieren, sollten zugreifen.

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