Weiß wie der Tod

  • Rowohlt
  • Erschienen: Januar 2007
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2007, Seiten: 288, Originalsprache
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Jörg Kijanski
75°

Krimi-Couch Rezension vonJun 2007

Ein in jeder Hinsicht beeindruckender Ermittler

Der Katastrophenschutz steht in höchster Alarmbereitschaft, da schwere Unwetter an vielen Orten zwischen Hamburg und der Küste für verheerende Überschwemmungen gesorgt haben. Doch auch das Ermittlerteam um Kriminalhauptkommissarin Hortensia Michaelis steht unter großem Druck, nachdem im Nikolaifleet die Leiche eines ermordeten Mannes aus dem Morast gezogen wird. Es ist bereits das zweite Mordopfer innerhalb kurzer Zeit, welches die gleichen Verletzungsspuren aufweist, allem voran rund 100 auf dem gesamten Körper verteilte Schläge, die vermutlich mit einem Stock verübt wurden. Zudem ermitteln die Beamten noch in einem anderen Fall. Von einer zerstückelten Frauenleiche sind bislang nur eine Hand sowie das Becken aufgetaucht.

Michaelis greift in ihrer Not auf den Profiler Balthasar Levy zurück, mit dem sie bereits in der Vergangenheit zusammen gearbeitet hat. Allerdings sehen nicht alle ihre Teammitglieder eine Rückkehr Levys an dessen alte Wirkungsstätte als unproblematisch an. Ganz im Gegenteil, denn zurzeit läuft das Gerichtsverfahren gegen Levys Bruder Frank de Meer, der unter anderem für den Mord an den gemeinsamen Eltern zur Verantwortung gezogen werden soll. Levy ist der Situation kaum gewachsen und greift immer wieder zur Flasche.

Als bei dem Polizeikommissariat 11 zahlreiche Faxe eingehen, in denen die Polizei aufgerufen wird, bei der Suche nach vermissten Personen endlich ihre Arbeit zu tun, stoßen die Beamten auf eine interessante Spur. Der Absender ist nämlich eine Selbsthilfeorganisation, die sich "Die weiße Lilie" nennt. Ähnlich wie in Amerika gibt sie auf ihren Internetseiten Hinweise auf entlassene Straftäter und deren Aufenthaltsorte. Doch um zu wissen, ob es zwischen der Faxaktion und den aktuellen Mordfällen womöglich einen Zusammenhang gibt, müsste zunächst die Identität der entstellten Opfer feststehen...

Kurze Kapitel und mehrere "Themen" überzeugen bis zum Ende.

Roman Rausch liefert mit seinem dritten Balthasar-Levy-Roman ein kurzweiliges und unterhaltsames Feuerwerk. In recht kurzen Kapiteln wechseln sich die Szenarien häufig ab und geben der Story somit ordentlich Tempo, ohne dass dabei die polizeiliche Ermittlungsarbeit auf der Strecke bleibt. So verfolgen die Leser die Arbeit von Levy, Michaelis und deren Team, gleichzeitig aber auch die Arbeit einer engagierten Lehrerin sowie einem Mann, der eine junge Frau in seine Gewalt bringt. Wer zu diesem frühen Zeitpunkt erste Rückschlüsse ziehen will, wie da wohl die Zusammenhänge sein mögen, wird zumindest in dem einen oder anderen Punkt am Ende falsch liegen.

Die ausgewählte Themenpalette reicht von diversen Kampfsporttechniken hin zu Fesselspielen in der BDSM-Szene, von Chaträumen im Internet in denen "Kontakte" gesucht werden bis hin zu der schon angesprochenen Selbsthilfegruppe. "Die weiße Lilie" könnte ein Direktexport aus den USA sein, wobei das Besondere an der hier gewählten Einrichtung ist, dass sie sich aus misshandelten Opfern und deren Angehörigen zusammensetzt. Recht beeindruckend ist, was Roman Rausch hier im Vorfeld recherchiert haben muss, allerdings wirkt die Themenvielfalt auf einem Plot von unter 300 Seiten auch ein klein wenig überfrachtet.

Polizeiarbeit solide dargestellt

Es überrascht, dass bei all den ständig wechselnden Szenarien noch ausreichend Platz bleibt, um die polizeiliche Ermittlungsarbeit mitunter detailverliebt darzustellen. Eine gelungene Mixtur, in der der gewöhnungsbedürftige Protagonist Levy für zusätzliche Leser/innen sorgen dürfte. Intensiv wird beschrieben, wie Levy dem Alkoholrausch verfällt, bis er es kaum noch aushalten kann und sein Glück in der Droge Crystal zu finden versucht. Ein verheerender Plan, aber wenigstens ist er somit bei den Ermittlungen hochkonzentriert bei der Sache. Wäre da nur nicht im Hintergrund immer noch sein Bruder Frank.

Weiß wie der Tod

, Rowohlt

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