Die Maske des Bösen

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • London: HarperCollins, 2006, Titel: 'The Hidden Assassins', Originalsprache
  • München: Page & Turner, 2007, Seiten: 640, Übersetzt: Kristian Lutze
  • München: Goldmann, 2009, Seiten: 640, Übersetzt: Kristian Lutze

Couch-Wertung:

61°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91°-100°
1 x 81°-90°
0 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:81
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":1,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Lars Schafft
Ein Serien-Opfer

Buch-Rezension von Lars Schafft Mai 2007

Hätte sich Robert Wilson ein schwierigeres, ein bedrückenderes, ein aktuelleres Thema als islamistischen Terror in Europa für seinen dritten Roman um Inspector Javier Falcón aussuchen können? Wohl kaum. Die Maske des Bösen ist äußerst nah an der Realität, greift die Anschläge von Madrid, London, aber auch von Beslan auf. Der Terror kommt zurück nach Spanien. Mit aller Brachialität, mit aller Grausamkeit. Und die Frage muss gestellt werden: Sind wir schon so weit, darüber einen Krimi lesen zu wollen?

Sevilla brütet mal wieder unter ermürbender Hitze, als eine enorme Explosion die Stadt erschüttert. Ein Wohnblock sowie ein angrenzender Kindergarten stürzen in sich zusammen, verschütten vor allem Frauen und Kinder. Anhand von Einzelschicksalen beschreibt Wilson eine infernalische, Menschenleben verachtende Szenerie. Es erinnert an Krieg, wie Wilson verzweifelte Rettungsaktionen, aus dem Leben gerissene Väter auf der Suche nach einem Lebenszeichen ihrer Familie zwischen heißem Schutt und glühender Asche zu plastischen, beängistenden Bildern erweckt.

Javier Falcón und seiner Truppe wird die Ermittlung in diesem Terroranschlag aufgetragen. Auch wenn erste Bekennerschreiben (Andalusien muss wieder arabisch werden!) sowie ein in einem direkt an der Explosionsstelle abgestellten Lieferwagen gefundener Koran die Marschrichtung vorgeben - Robert Wilson würde sich untreu, stellte er nicht einige völlig andere Alternativen zur Auswahl. Denn im Keller des Wohnhauses befand sich eine Moschee - die entgegen erster Annahmen nicht menschenleer war.

Abgesehen davon, dass dem Briten für seinen Mut, in Zeiten wie diesen überhaupt anderen Erklärungen als Terror durch Islamisten Platz einzuräumen, Respekt gezollt werden muss, bleibt bei der Maske des Bösen ein fader Beigeschmack. Ganz klar: Feinsinniger Psycho-Thriller ist Wilsons dritter Falcón-Roman nicht mehr, neben der CIA stößt nun auch noch der spanische Geheimdienst dazu und degradiert Falcón & Co. nicht nur ein Mal zu Statisten. Die Tendenz geht stark Richtung Spy-Novel. Dazu ist der Plot arg verzwickt, nicht immer ohne weiteres nachvollziehbar und ob die Auflösung, die uns Wilson nach über 600 Seiten präsentiert, einleuchtet - nun ja.

Was aber wirklich ärgert ist Wilsons Versuch, seine Serie doch recht bemüht fortzusetzen. Zwar hatte der Autor angedeutet, dass er in jeder Folge einen anderen Charakter ins Rampenlicht stellen werde: Falcón selbst in Der Blinde von Sevilla, Consuelo Jimenez in Die Toten von Santa Clara, nun Staatsanwalt Juan Calderón. Letzter mimt nun wirklich die tragische Figur, Falcóns Ex-Geliebte Consuelo kämpft mit nicht minderen, wenn auch deutlich abstrakteren, seelischen Problemen und Falcón scheint sich mit seiner Situation abgefunden zu haben. Zwar haben die Episoden um den zum Deckhengst mutierten Staatsanwalt und die psychisch leck geschlagene Consuelo durchaus ihren Reiz - teilweise sogar viel mehr als das Verwirrspiel der Geheimdienste.

Nur: Warum hat das alles überhaupt nichts mit der Rahmenhandlung zu tun? Das war Wilsons große Stärke, einen Roman mit mehreren intensiven Perspektiven auch als Wälzer zu einem schlüssigen Ganzen zu komponieren. Die Maske des Bösen kann da mit den Vorgängern nicht mithalten. Robert Wilson hätte gut daran getan, sich von selbstauferlegten Serien-Zwängen zu befreien und den Roman entweder zu straffen, oder lose Enden nicht hilflos in der Gegend herumbaumeln zu lassen.

Jede Episode des Romans für sich ist exzellent, beklemmend, hintergründig. Als Ganzes ist Die Maske des Bösen in seinem Heischen nach Sensation und Festklammern an der Reihen-Dramaturgie aber eine Enttäuschung.

Die Maske des Bösen

Die Maske des Bösen

Deine Meinung zu »Die Maske des Bösen«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
29.03.2015 16:27:45
Oldman

Dieses bereits einige Jahre alte Buch fiel mir in die Hände, und ich habe es gelesen, weil Freunde mir den Autor und die Falcon-Reihe empfohlen haben. Und das Thema " islamischer Terrorismus " ist ja bedauerlicherweise heute aktueller denn je. Leider wurde hier zu viel gewollt. Einige Nebenstories sind überflüssig und gehen zu Lasten der Stringenz der Handlung. Diese schleppt sich dahin. Zu viele Personen, Titel und Details, leider keine Spannung, kein Handlungsaufbau bis zu einem echten Showdown. Die Auflösung ist nicht gut geschrieben, alles in allem machte sich auf jeder der 600 Seiten immer mehr Langeweile breit. Max. 40 %.

30.05.2011 19:12:09
fresno89

Was einige Rezensenten hier in diesem 3. Band der Falcon Reihe sehen, bzw. reininterpretieren ist mir wirklich schleierhaft. Da will jemand in den ersten 60 Seiten "Sex in allen Variationen" gelesen haben! Nun gut, wenn ihm davon schon "schwindelig wird, soll er sich von seiner "Omma" Grimms Märchen vorlesen lassen! Gruselig, aber garantiert ohne Sex!!
Ich persönlich kann mich nur einigen Rezensenten anschliessen, dieser Band war ein Versuch die Falcon-Reihe mit einem interessanten Thema fortzusetzen, aber leider ist dieses in meinen Augen mißlungen.
Fazit: Kann man lesen, muß man aber nicht.

18.05.2011 19:49:59
Torsten

Nach den zwei herausragenden ersten Bänden bin auch ich leider vom dritten enttäuscht.
Ein Opfer der Serie, oder doch eher ein Opfer des Zeitgeistes? Es hat beinahe den Eindruck als ob Wilson unter dem Eindruck der Madrider Anschläge unbedingt dieses Thema in die Reihe einfliessen lassen wollte. Und so ist ein Buch entstanden, was auf mehr als 600 Seiten in der Wilson-typischen Detailliertheit einen Terroranschlag behandelt, inkl. aller Verschwörungs- und Gegenverschwörungstheorien und in dem äusserst ausführlich die Gefühle und Aspekte nicht nur der spanischen Bedenken und Ängste vor dem islamischen Terror abgehandelt wird. In einer ungeheuren Detailflut wird die Ermittlung beschrieben die diesmal stark von den beteiligten Geheimdiensten beeinflusst wird.
Leider leidet darunter der eigentliche Kriminalfall - so ist kein Krimi entstanden, sondern eben ein Buch über einen Terroranschlag und die damit verbundenen Ängste, Vorurteile und möglichen Folgen.
Die eingeschobenen, sehr ausführlichen Kapitel um Consuelo sind auch eher verwirrend und überflüssig als erhellend und für die weitere Handlung notwendig - selbst für eine im nächsten Band möglicherweise wiederaufgenommene Beziehung zwischen Falcon und Consuelo hätte das nicht so ausgebreitet werden müssen.
Deie Episode um Staatsanwalt Calderon wird sicher im nächsten Band weiterentwickelt.
Auch das Hopplahopp-Action-Ende, mit dem so etwas wie ein vorläufiger Abschluss erzielt werden soll, fand ich in Anbetracht der epischen Breite mit der der Rest erzählt wurde, arg oberflächlich.
Trotz des wie immer sehr intensiven Erzählstils von Wilson also insgesamt eine Enttäuschung: 60 Grad.

15.02.2011 21:52:50
mylo

Nun ich mag die Bücher von Robert Wilson und insbesondere die Reihe um Inspektor Falcon, der einem schon ans Herz gewachsen ist. Insgesamt fand ich auch diese Folge als sehr Unterhaltsam und auch recht spannend geschrieben. Vielleicht für meinen Geschmack war ein Handlungsstrang zu viel. Auf die psychischen Probleme der Consuelo hätte man verzichten können, sind aber wohl eher Vorbereitung zum nächsten Band??
Überaus super wie anfänglich zusammenhanglose Handlungen zusammen kommen.
Also den "Verriss" in der Krimi-Rezension von Lars Schaff kann ich nicht so teilen. Das Buch bekommt als gute und auch spannende Lektüre von mir 80 Punkte.

28.01.2011 09:29:07
Detective Scotty

Mir hat auch der 3. Band sehr gut gefallen! Sehr gut vor allen Dingen deshalb, weil Wilson keinen Neuaufguss des 1. oder 2. Bandes serviert sondern jedes Werk seinen ganz eigenen Charakter hat.
In der Tat ist die 1. Hälfte etwas anstrengender zu lesen als gewohnt. Nichtsdestotrotz werden hier wichtige Puzzlestücke abgehandelt. Und politische und philosophische Diskussionen sind gerade die Dinge, die ich an den WIlson Romanen so liebe.
Außerdem hat mir sehr gut gefallen, dass es wieder mal keine Schwarz-Weiß-Malerei gibt. Keine Seite ist richtig Gut. Keine ist nur Böse.
Mir ist unverständlich, dass man einem intellektuell anspruchsvollen, in herrlicher Sprache geschriebenen Werk, welches man in dieser Qualität in der Masse an Einheitsware suchen muss, ernsthaft eine 61 geben kann. Von mir gibt es ein 90!

30.08.2010 00:01:03
Marv

Robert Wilsons ‚Die Maske des Bösen‘ ist der Dritte Band der Sevilla-Tetralogie um Inspektor Javier Falcon. Auch diesmal steht die Herausarbeitung, Beschreibung und Weiterentwicklung der Hauptcharaktere Falcon, Jimenez und Calderon im Vordergrund. Eingebettet wird das Ganze durch eine Geschichte um internationalen, religiös motiviertem Terrorismus. Wilson schreibt, wie immer, spannend, komplex und auf hohem intellektuellem Niveau. Seine Figuren wirken glaubhaft, und gerade die Beschreibung der Beziehungen zwischen Falcon und seinen Freund Yacoub Diouri oder die Schilderungen über Calderon und Jimenez gehören zu den Stärken des Bandes. Auch der Teil des Buches, der sich mit der Agenten-/Terrorgeschichte beschäftigt, ist spannend und interessant geschrieben. Hier scheint sich Wilson jedoch etwas zu verzetteln und auch die Auflösung des Hintergrunds des Anschlags lässt einen etwas unbefriedigt zurück. Die Ankündigung Falcons zum Ende lassen jedoch zumindest vermuten, das es auch hierzu im 4. Teil noch weitergehen wird. In Summe ein guter Band einer sehr guten Serie.

17.07.2009 00:45:57
Nomadenseele

Normalerweise garantieren die Bücher von Page & Turner ein anspruchsloses Lesevergnügen, aber keine Regel ohne Ausnahme: Die ersten 60 Seiten bekommt man Sex in allen Variationen präsentiert, dass einem schwindelig wird. Dann explodiert ein Wohnhaus, in dessen Keller sich eine Moschee (ahja) befindet und gegen Mitte fand ich mich in seitenlangen Traktaten über die marokkanisch-arabische Sicht des Irak-Krieges und des Ost-West-Verhältnisses überhaupt wieder. Das war für mich dann der Schlußpunkt, weil ich das ständig in den Nachrichten serviert bekomme – der ach so dekadente Westen und der tiefsinnige Osten; nein danke.

Fazit:

Schlicht und einfach langweilig, langatmig und zuviele Akteure.

30.03.2008 19:05:07
tastenloewe

In den Osterferien habe ich alle drei Bücher hintereinander gelesen. Während in "Der Blinde von Sevilla" die psychischen Probleme von Inspektor Falcon mir persönlich zu sehr im Mittelpunkt standen, hatte er sich im 2. Fall " Die Toten von Santa Clara" zu einer markanten und einmaligen Persönlichkeit entwickelt, die den Fall geradlinig einer Lösung zuführte. Nun war ich "infiziert" und musste auch noch den dritten Fall "Die Maske des Bösen" lesen.
Hier behandelt Wilson ein brandaktuelles Thema, das zwar mit einigen verwickelten Seitenhandlungen umwoben ist, aber dennoch zentral im Mittelpunkt steht. Das Buch ist sehr spannend. Nur die psychischen Probleme von Consuelo Jiménez empfinde ich als etwas "störend" und "an den Haaren herbeigezogen".
Für alle zukünftigen Leser ein wichtiger Tipp: Weiterlesen!!! Denn ganz am Ende erst kommt eine Verbindung zu den ersten Seiten des Buches zustande...
Von den drei Fällen habe ich daher diesem dritten Band die höchste Gradzahl gegeben.

21.11.2007 16:10:14
rike

Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut, da ich ein Fan von Robert Wilson bin, habe aber nach nicht einmal 100 Seiten (teilweise diagonal gelesen, da umständlich und weitschweifig und zu viele unwichtige Handlungsstränge) völlig gelangweilt und entnervt aufgegeben.

02.10.2007 08:40:53
polina

Ich kann mich dem vorher geschriebenen nicht anschliessen! Mir hat es sehr gut gefallen, obwohl ich auch alle anderen Bücher gelesen habe. Die Thematik ist topaktuell, und das Niveau der Vorgänger "Tod in Lissabon" und "Der Blinde von Sevilla" ist natürlich schwer zu halten und nicht erreicht. Trotzdem: ein sehr sehr gutes Buch!

24.09.2007 12:08:52
Krilla

Hatte mich schon sehr auf den "neuen Wilson" gefreut da mir seine vorherigen Bücher ausnehmend gut gefallen haben.

Diese Vorkenntnisse der handelnden Haupt- und Neben-Figuren ließen mich auch dabei bleiben, immer in der Hoffnung, dass mehr von ihnen in die Haupt-Handlung enfließt. Ich wurde enttäuscht. Das Buch weist einige Längen auf, die getrost diagonal überlesen werden können ohne dass einem dadurch Einsichten oder logische Schlüsse fehlen.

Hoffe, dass R.W. sich wieder auf frühere Pfade begibt.

06.09.2007 21:46:27
Falcon

Robert Wilson „Die Maske des Bösen“

Auf einer Müllhalde wird eine entstellte Leiche gefunden. Doch bevor Inspektor Jefe Javier Falćon und sein Team die Ermittlungen aufnehmen können, kommt es zu einem Bombenanschlag in Sevilla.
Falćon der gerade im Gerichtsmedizinischen Institut in der Nähe des Anschlagortes weilt, nimmt unverzüglich die Ermittlungen zum Attentat auf. Ihm zur Seite gestellt wird einerseits das Centro Nacional de Inteligencia (span. Auslandsnachrichtendienst) CNI und die Antiterroreinheit Comisaría General de Información CGI. Ebenso die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Esteban Calderón.

Doch nicht nur die Polizei ist alarmiert wegen des Attentats. Auch Falćon’s Schwester Manuela zerbricht sich den Kopf darüber. Sie als Immobilienhändlerin sieht die Preise ihrer Objekte am zusammenbrechen. Für Ihren Freund den ehemaligen PR-Berater und Reporter Angel Zarrías hingegen, ist es die Story des Jahres.

Consuelo Jiménez beschäftigen zur Zeit des Attentats mit ganz andere Probleme. Falćon Ex-Freundin steckt in einer tiefen Sinnkrise und sucht Rat bei der blinden Psychologin Alicia Aguado.

Indes Falćon sich mit den verschiedenen Ermittlungsteam herumschlagen muss, vergnügt sich der weltgewandte und erfolgreiche Staatsanwalt Esteban Calderón mit seiner neuen Freundin der kubanischen Künstlerin Marisa Moreno. Was ihn noch teuer zu stehen kommt. Seine Frau Ines (Falćon Ex- Frau) kommt ihm nämlich auf die Schliche und stellt ihn zur Rede. Als Antwort erhält sie Schläge. Jedoch verzichtet sie, in falscher Liebe, auf eine Anzeige. Doch dies sollte noch Folgen haben.

Zwischenzeitlich berichtet Falćon geflissentlich Mark Flowers vom US-Konsulat, mit welchem er eine unheilige Allianz eingegangen ist. Die Ergebnisse der Ermittlungen deuten auf einen Anschlag islamitischen Organisationen hin.
Immer mehr gerät er so in den Strudel von Bedürfnissen und Zwängen der verschiedenen Ermittlungs-Organisationen. So wird er genötigt seinen Freund Yacoub Diouri (einst verschleppter Sohn von Consuelo Jiménez) in Marokko zu konsultieren um ihm Informationen von dortigen islamitischen Organisationen zu entlocken.
Yacoub lässt sich widerwillig auf das Spiel ein und gerät selbst in Gefahr.

Kaum ist Falćon von einem Besuch Yacoub zurück, überstürzen sich die Ereignisse in Sevilla. Alle Handlungsstränge finden zusammen und Falćon Leben wird einmal mehr kräftig durchgeschüttelt.
Vor dem Hintergrund des Grauen eines Attentates lanciert Wilson eine ausschweifende Debatte über politische Ränkespiele und Verwicklungen verschiedenster Interessengruppen im Globalen Umfeld.
Man merkt unweigerlich wie sehr Robert Wilson die Anschläge vom 11. März in Madrid beschäftigt haben. Dabei wird das eigentliche Ereignis in den Hintergrund gedrängt, und die Geschehnisse relativ emotionslos berichtet. Selbst die Figur des direkt betroffenen Fernando wirkt hier relativ flach.

Ansonsten ist die Story ist breiter angelegt und die weiblichen Figuren kommen mehr zum tragen (und leiden). Das Schwergewicht liegt für einmal nicht bei Falćon’s Lebensgeschichte.
Die gute Figureneinführung und die geschickt inszenierten Rückblenden sind nicht nur für Neuleser der Falćon Reihe hilfreich.

Die Geschichte driftet aber zunehmend ins Spionage Genre ab, und wirkt träge. Der belehrend wirkende Höhepunkt dieses Abschnittes, findet man bei Falćon’s Besuch in Marokko bei Yacoub Diouri.
Diouri meint dann während dem Gespräch selbst: „.Europäer winden sich zu diesem Zeitpunkt sonst längst gelangweilt auf ihren Stühlen, weil sie über den Irak, die Palästinafrage und all das andere unlösbare Grauen reden müssen. Sie haben keine Lust mehr auf Polemik“
Da kann man nur zustimmen.

Aber Wilson, wäre nicht Wilson hätte dies alles nicht ein Ziel und er straft uns Lügen, denn nach der Hälfte steigert er das Tempo innerhalb von zehn Seiten von 0 auf 100. Gnadenlos drückt er auf’s Gaspedal und ab nun legt man das Buch nicht mehr zur Seite.

Zum Ende des Buches meint Falćon selbst, dass ihm die Geheimdienstarbeit zu abstrakt wird, und er lieber in seiner Welt mit Leiche, Pathologie, Spurensicherung und Beweisen leben möchte.
Was wir zu hoffen wagen...

Fazit; Ein typischer Wilson Roman mit hohem spanischem Ambiente, Komplixität und Figurendichte, langsamer Einführung und fulminantem Schlussspurt. Ein Inspector Falćon Roman der sich nicht nur für Fans eignet, sondern auch für Einsteiger in die Serie.

26.05.2007 10:26:24
Cantona

Ich freue mich schon sehr auf den dritten Band der Falcon-Reihe, schließlich waren die ersten 2 Folgen sensationell gut. Schade nur, dass es so lange dauert, bis die deutsche Übersetzung endlich vorliegt.