Die Maske des Bösen

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • London: HarperCollins, 2006, Titel: 'The Hidden Assassins', Originalsprache
  • München: Page & Turner, 2007, Seiten: 640, Übersetzt: Kristian Lutze
  • München: Goldmann, 2009, Seiten: 640, Übersetzt: Kristian Lutze

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Lars Schafft
Ein Serien-Opfer

Rezension von Lars Schafft Mai 2007

Hätte sich Robert Wilson ein schwierigeres, ein bedrückenderes, ein aktuelleres Thema als islamistischen Terror in Europa für seinen dritten Roman um Inspector Javier Falcón aussuchen können? Wohl kaum. Die Maske des Bösen ist äußerst nah an der Realität, greift die Anschläge von Madrid, London, aber auch von Beslan auf. Der Terror kommt zurück nach Spanien. Mit aller Brachialität, mit aller Grausamkeit. Und die Frage muss gestellt werden: Sind wir schon so weit, darüber einen Krimi lesen zu wollen?

Sevilla brütet mal wieder unter ermürbender Hitze, als eine enorme Explosion die Stadt erschüttert. Ein Wohnblock sowie ein angrenzender Kindergarten stürzen in sich zusammen, verschütten vor allem Frauen und Kinder. Anhand von Einzelschicksalen beschreibt Wilson eine infernalische, Menschenleben verachtende Szenerie. Es erinnert an Krieg, wie Wilson verzweifelte Rettungsaktionen, aus dem Leben gerissene Väter auf der Suche nach einem Lebenszeichen ihrer Familie zwischen heißem Schutt und glühender Asche zu plastischen, beängistenden Bildern erweckt.

Javier Falcón und seiner Truppe wird die Ermittlung in diesem Terroranschlag aufgetragen. Auch wenn erste Bekennerschreiben (Andalusien muss wieder arabisch werden!) sowie ein in einem direkt an der Explosionsstelle abgestellten Lieferwagen gefundener Koran die Marschrichtung vorgeben - Robert Wilson würde sich untreu, stellte er nicht einige völlig andere Alternativen zur Auswahl. Denn im Keller des Wohnhauses befand sich eine Moschee - die entgegen erster Annahmen nicht menschenleer war.

Abgesehen davon, dass dem Briten für seinen Mut, in Zeiten wie diesen überhaupt anderen Erklärungen als Terror durch Islamisten Platz einzuräumen, Respekt gezollt werden muss, bleibt bei der Maske des Bösen ein fader Beigeschmack. Ganz klar: Feinsinniger Psycho-Thriller ist Wilsons dritter Falcón-Roman nicht mehr, neben der CIA stößt nun auch noch der spanische Geheimdienst dazu und degradiert Falcón & Co. nicht nur ein Mal zu Statisten. Die Tendenz geht stark Richtung Spy-Novel. Dazu ist der Plot arg verzwickt, nicht immer ohne weiteres nachvollziehbar und ob die Auflösung, die uns Wilson nach über 600 Seiten präsentiert, einleuchtet - nun ja.

Was aber wirklich ärgert ist Wilsons Versuch, seine Serie doch recht bemüht fortzusetzen. Zwar hatte der Autor angedeutet, dass er in jeder Folge einen anderen Charakter ins Rampenlicht stellen werde: Falcón selbst in Der Blinde von Sevilla, Consuelo Jimenez in Die Toten von Santa Clara, nun Staatsanwalt Juan Calderón. Letzter mimt nun wirklich die tragische Figur, Falcóns Ex-Geliebte Consuelo kämpft mit nicht minderen, wenn auch deutlich abstrakteren, seelischen Problemen und Falcón scheint sich mit seiner Situation abgefunden zu haben. Zwar haben die Episoden um den zum Deckhengst mutierten Staatsanwalt und die psychisch leck geschlagene Consuelo durchaus ihren Reiz - teilweise sogar viel mehr als das Verwirrspiel der Geheimdienste.

Nur: Warum hat das alles überhaupt nichts mit der Rahmenhandlung zu tun? Das war Wilsons große Stärke, einen Roman mit mehreren intensiven Perspektiven auch als Wälzer zu einem schlüssigen Ganzen zu komponieren. Die Maske des Bösen kann da mit den Vorgängern nicht mithalten. Robert Wilson hätte gut daran getan, sich von selbstauferlegten Serien-Zwängen zu befreien und den Roman entweder zu straffen, oder lose Enden nicht hilflos in der Gegend herumbaumeln zu lassen.

Jede Episode des Romans für sich ist exzellent, beklemmend, hintergründig. Als Ganzes ist Die Maske des Bösen in seinem Heischen nach Sensation und Festklammern an der Reihen-Dramaturgie aber eine Enttäuschung.

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