Staub im Wasser

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Dortmund: Grafit, 2007, Seiten: 222, Originalsprache

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Thomas Kürten
Unterschätze niemals einen Schweizer

Buch-Rezension von Thomas Kürten Apr 2007

Wer hat´s erfunden? Die Schweizer... So muss wohl nicht nur die Antwort auf die Frage nach dem Erfinder eines Kräuterbonbons lauten. Nein, auch die Frage nach dem Erfinder des deutschsprachigen Kriminalromans ist so richtig beantwortet. Krimis aus der Schweiz haben also Tradition: Friedrich Glauser und Friedrich Dürrenmatt sind wohl nach wie vor Messlatte für deutschsprachige Kriminalliteratur. Nun also kommt ein Ernst, kein Friedrich, und belegt mit seinem zweiten Roman, dass man einen Schweizer niemals unterschätzen sollte.

Während wir bei dem Debütroman Staub im Feuer schon die sehr guten Ansätze loben konnten, überzeugt Staub im Wasser nun auch mit einer rundum guten Handlung. Und nicht nur das, auch die Stärken, die Ernst Soler im ersten Teil seiner Staub-Reihe bereits zeigte, konnte der Autor weiter ausbauen. Aber der Reihe nach.

Die Köpfe der drei alten Herren

Staubs Team wird mit den Ermittlungen im Fall einer kopf- und zunächst auch namenlosen Leiche beauftragt, die aus einem Bach bei Zürich gefischt wurde. Erst als die Tochter eines Treuhänders ihren Vater vermisst meldet, kann die Leiche identifiziert werden. Seine Wohnung scheint sonderbar aufgeräumt und in der Umgebung fällt den Ermittlern ein orangefarbiges Graffiti auf: das Wort "Freiheit" mit einem "geköpften" F. Hat das Graffiti mit dem Mord zu tun? Aber zunächst bieten sich andere Spuren an, denn der Ermordete litt an einem Hirntumor und hatte ohnehin nur noch wenig Zeit zu leben. Er führte viele Telefonate mit einem ehrenamtlichen Seelsorger, der zufälliger Weise ein Sammler von Samurai-Schwertern ist. Wirklich ein Zufall? Oder hat der Tote seine Ermordung selbst in Auftrag gegeben?

Erst als der Partner aus der Kanzlei des ersten Toten genau eine Woche später ebenfalls geköpft in einen Fluss nahe des Dörfchens Alten geworfen wird, drängt sich bei den Polizisten der Verdacht auf, auf der falschen Spur zu sein. Zumal auf dem Ortsschild von alten ein weiteres Graffiti auftaucht. Staub konzentriert sich nunmehr auf die zwielichtigen Geschäfte, die die sauberen Herren Anlageberater mit ihren Klienten getrieben haben. Firmenbeteiligungen in Panama, das stinkt schon dem kühnsten Laien. Gab es Opfer eines Anlagebetrugs, die Grund zur Rache hätten? Und gibt es weitere Partner, deren Leben gefährdet sein könnten?

Die Banker und ihr Henker

Die besondere Stärke des Autors, die bei diesem zweiten Roman besonders ins Auge fällt: Jede Figur im Team von Hauptmann Staub erhält ihre eigenen Charakterzüge und damit ein Stück eigene Persönlichkeit. Da gibt es die Forsche mit dem Bauchgefühl, den alten Hasen, der sich alle Freiheiten erlaubt, oder aber den augenscheinlich überforderten und deshalb von Staub nur mit der Drecksarbeit betrauten Assistenten. Staub selbst ist als der Protagonist der Reihe ein angenehm zurückhaltender Held ohne Allüren und mit einem relativ normalen Privatleben. Die Hochs und Tiefs des Familiengeschehens fließen dabei so selbstverständlich in die mitunter wankende Stimmung des Hauptmanns ein, dass es dem Leser kaum auffällt.

Wirklich anschaulich und interessant geraten auch die Konflikte bei der Zusammenarbeit der verschiedenen Dienstebenen der Schweizer Kantonspolizeien Ein Zuger Kantonspolizist lässt sich eben nicht gerne von einem Fuzzi aus der großen Stadt sagen, wo der Hammer hängt. Ganz anders hingegen ein junger Dorfpolizist, der sich durch seine weitsichtige Kooperation für Einsätze bei der Kriminalpolizei empfiehlt.

In diesem Passagen beweist Soler: Er schreibt vielschichtig und sehr anschaulich mit einem großen Gespür für menschliches Zusammenspiel und die tiefgründige Schilderung von unterschiedlichen Stimmungslagen. Mit seinem Hauptmann Staub hat eine Figur mit großem weiterem Entwicklungspotenzial innerhalb der Reihe. Eine klare positive Entwicklung kann man auch der Dramaturgie des Romans gegenüber dem Debüt bescheinigen. Die Suche nach dem Serientäter ist deutlich unterhaltsamer aufgebaut als die Jagd nach dem Erpresser aus dem Vorgängerroman. "Staub im Wasser" kann überzeugen, Band 3 der Reihe darf kommen. Ob er wohl "Staub in der Luft" oder "Staub in der Erde" heissen wird...?

Staub im Wasser

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Letzte Kommentare:
19.08.2007 19:40:11
Dr. Joachim Manz

Diese gelungene Verbindung von sich steigernder Spannung und vielen kleinen aber interessant entwickelten Nebengeschichten der verschiedenen Personen haben mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Staub bleibt stets ein sympathischer Zeitgenosse mit Stärken und Schwächen. Bin schon gespannt auf den nächsten Titel - vielleicht nach Feuer und Wasser jetzt "Staub in der Luft" ?

13.05.2007 21:29:34
Brigitte Pollmaecher

Spannend, witzig, originell; als in Zürich lebende Deutsche gefällt mir natürlich auch der Lokalkolorit sehr, Staub ist wirklich ein echter Schweizer, einer der angenehmen und ironischen Sorte. Ich freue mich auf den nächsten Staub!

04.05.2007 17:10:49
K.-G. Beck-Ewe

Tschuldigung, habe einen Fehler gemacht. Der obige Eintrag bezog sich auf das andere Buch. Falls möglich bitte löschen.

Hier nun das Passende:

Die eigentliche Krimihandlung plätschert angenehm beruhigend vor sich hin und bleibt selbst in den eher hektischeren Phasen doch auffallend unaufgeregt. Dies gilt auch für die auftreten-den Probleme in Staubs Privatleben, die sich aber im Großen und Ganzen nicht wirklich als schwerwiegende Probleme betrachten lassen und deren Lösung auch deutlich zu glatt daher kommt. Ein Krimi, so beschaulich, wie man sich die Schweiz manchmal vorstellt.

Zweite Romane einer Reihe dienen oft eher dazu, die wichtigen Figuren verstärkt vorzustel-len, anstatt eine wirklich mitreißende Handlung zu erzählen. Es bleibt zu hoffen, dass sich das Gleichgewicht zwischen Charakterezeichnung und Falldarstellung im nächsten Band wieder deutlich verschiebt.

04.05.2007 17:08:17
K.-G. Beck-Ewe

Kompetenzgerangel, Verletzungen, familiäre Querelen, neue Mitarbeiter und ständiger Zeit-druck treiben Staub immer weiter voran, ohne das er Zeit finden einen klaren Gedanken zu fassen. All diese Qualen dürfen die Leserinnen und Leser dieses ersten Romans einer hoffent-lich lange dauernden Reihe aus der Perspektive des Helden selbst erleben. Immer wieder wer-den aber auch andere Figurenperspektiven eingeschoben, die uns den Fall aus einer ganz an-deren Richtung betrachten lassen. Und dies gibt dem Roman eine Tiefe, die mit der Hauptper-spektive so nicht hätte erreicht werden können.

Ein überzeugender erster Roman des ehemaligen Redakteurs und Fernsehproduzenten Solérs, der hiermit nach einigen Veröffentlichungen von Kurzgeschichten, Hörspielen, Reportagen und Ratgebern seinen ersten Kriminalroman vorlegt. Und uns mit Fred Staub einen Polizisten, über den man sicherlich noch mehr hören möchte. (Sicherlich eine Figur, die sich auch für eine Fernsehserie eignen würde.) Außerdem macht dieser Roman einen auch neugierig auf Zürich. Und für Nichtschweizer gibt es am Ende des Buchs auch ein kleines Glossar.

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