Der zweite Tod

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • München: Goldmann, 2007, Seiten: 353, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2008, Seiten: 346, Originalsprache

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Peter Kümmel
Ein fast zu harmonisches Team

Buch-Rezension von Peter Kümmel Jan 2007

Der Leser wird im ersten Kapitel Zeuge, wie der Altertumsforscher Carl Petersson von seiner jungen Geliebten Mari mit einem Brieföffner erstochen wird. So hat es zumindest den Anschein.

Dann jedoch wird der Leser in die Perspektive der Ermittler versetzt. Der Mord an Petersson wird entdeckt, nachdem die Polizei von einem Hausbewohner alarmiert wurde. Und nun ist nichts mehr so, wie dem dem Leser suggeriert wurde. Mari schloß die Wohnungstür hinter sich ab, nun steht sie offen. Den im Rücken des Opfers steckenden Brieföffner wischte Mari mit einem Lappen ab, die Polizei findet das Mordwerkzeug in der laufenden Spülmaschine. Der Schreibtisch war leer und sauber geputzt, Computer und Monitor standen auf dem Boden, nun läuft der Computer und wartet auf die Eingabe eines Passworts.

Diese Tatsachen hinterlassen den Leser also bereits wesentlich verwirrter als die Ermittler selber. Doch auch diese steht bereits vor Rätseln. Wer hat die Polizei informiert? Der Eigentümer der Wohnung, aus der angerufen wurde, ist seit Tagen verreist und unauffindbar. Und wie kann man das geheime Passwort, zu dem man einen Zettel mit Hieroglyphen findet, knacken? Hat der Mord etwas mit den Forschumgen Peterssons zu tun? Hat Petersson vielleicht sogar die Inschrift auf dem 3000 Jahre alten Diskos von Phaistos entschlüsselt?

Neue und alte Verbindungen im Mordhaus

Da der Verlag auf der Rückseite mit "Der erste Fall für Kommissar Kjell Cederström" wirbt, kann man davon ausgehen, hier den ersten Band einer neuen Krimireihe vor sich zu haben. Da ist es mehr als recht, daß der Autor zunächst einmal sein Team vorstellt. Dies macht er so, daß man sich gleich in die Gruppe integriert fühlt. Neben Kommissar Kjell Cederström, Witwer und Vater einer fast erwachsenen Tochter, besteht das Team der Reichsmordkommission im wesentlichen aus der jungen Sofi Johansson, dem fast fünfzigjährigen geschiedenen Henning Larsen sowie Barbro Setterlind, Mutter einer kleinen Tochter.

 

"Henning brauchte jeden Morgen eine ganze Tasse Kaffee lang, um aus seinem Anorak zu kommen. Es war einer von den beigegrauen Blousonjacken, wie sie geschiedenen Männern jenseits der vierzig anscheinend vom Arzt verschrieben wurden. Barbro hatte es wie jeden Morgen eilig gehabt. Sie frühstückte und schminkte sich grundsätzlich in der U-Bahn. Man sah ihr morgens also an, ob sie einen Sitzplatz bekommen hatte."

 

Zur Gruppe der Protagonisten gesellt sich auch noch Cederströms Tochter Linda, eine begabte Malerin, die in engem Kontakt zum Ermittlerteam steht. Henning und Barbro erteilen ihr private Fahrstunden, dafür passt Linda gelegentlich auf Barbros Tochter auf.

Während man nach Peterssons Geliebter fahndet, von der man nicht viel mehr als den Vornamen kennt, knüpfen sich nach und nach weitere Verbindungen. In der obersten Etage des Tathauses lebt der amerikanische Maler John Osborne, zu dem Linda schon bald engere Kontakte knüpft als es Cederström lieb ist. Der dagegen trifft selber im Erdgeschoß auf eine alte Liebschaft. Mit Ida Floren hatte er bereits ein Verhältnis, als er noch verheiratet war. Dies lässt er nun nach zehn Jahren wieder aufleben.

Trockener Humor, leider zu spärlich

Soweit sieht alles nach einem kompakten und bodenständigen Kriminalfall mit der üblichen Handvoll Verdächtigen und entsprechenden Verwicklungen aus. Die Ermittler kommen schrittweise vorwärts und können sich nach und nach ein Bild des Ermordeten sowie seiner jungen Geliebten machen. Während an verschiedenen Fronten gerätselt wird, baut der Autor allmählich Spannung auf.

Dann jedoch führen Spuren plötzlich nach Kairo und Madrid. Neue Personen und Gruppierungen kommen ins Spiel und machen aus dem übersichtlichen Mordfall plötzlich ein Verbrechen mit internationalen Verstrickungen, hinter dem mehr zu stecken scheint als ein Einfersuchtsdrama oder ähnliches. Leider hat sich der junge Autor bei seinem Debüt hier ein wenig zuviel vorgenommen. Nach gutem Beginn stiftet er mehr Verwirrung, als daß er für Spannung sorgen kann und der Leser tut sich schwer, seinen Gedankengängen zu folgen.

Dabei bietet die flüssige Schreibweise von Daniel Scholten doch beste Voraussetzungen, den Leser bei der Stange zu halten und durch logische Schlüsse mitdenken zu lassen. Seinen trockenen Humor wie in obigem Beispiel und der folgenden Befragung der älteren Zeugin setzt der Autor leider noch ein wenig zu selten ein.

 

"Die Details auf dem Bild waren genauso vage, wie Annies Ja entschieden war. Barbro beschrieb Fohlin aus dem Gedächtnis. Auch den kannte Annie. Sie beschrieb Annie noch Tom Cruise und François Mitterand. Die waren leider auch da gewesen."

 

Die sympathischen Charaktere bieten sicher noch genügend Stoff für weitere Romane, in denen sich Daniel Scholten auf seine Stärken beschränken sollte: die gut dargestellten Charaktere weiter vertiefen und auch ein wenig mehr zwischenmenschliche Spannungen hineinbringen - ein solch harmonisches Team gibt es in kaum einem Krimi. Dazu ein übersichtlicher Plot, der sich langsam entwickelt und sich logisch erschließt.

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