Sayonara für eine Leiche

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • München: Knaur, 2007, Seiten: 329, Originalsprache

Couch-Wertung:

72°
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Peter Kümmel
Der Reiz des Neuen ist verflogen

Buch-Rezension von Peter Kümmel Sep 2006

Sayonara für eine Leiche knüpft dort nahtlos an, wo Für eine Hand voll Yen aufgehört hat. Die Sängerkarriere unseres Helden Hamada Ken ist beendet, nun befindet er sich auf Selbstfindungstrip in einem Kloster. Doch schnell erkennt er, dass dies nicht der richtige Weg für ihn ist. Als ihn beim Putzen das Schicksal in Form eines Hexenschusses ereilt, ist seine Zeit im Kloster beendet.

Nach der ersten Schmerzlinderung durch einen sensei und vor seiner Abreise aus dem Kloster will er sich noch von seinem Freund Sabu, der die Strapazen des Zenklosters gemeinsam mit ihm aufgenommen hat, verabschieden, doch der wurde bereits von einem großen amerikanischen Wagen mit abgedunkelten Scheiben abgeholt. Für Hamada ist sofort klar, dass Sabu der yakuza - quasi die Mafia Japans - in die Hände gefallen ist.

Mit dem nun herrenlosen Ferrari Sabus macht sich unser Detektiv auf, der Spur seines Freund zu folgen und beginnt mit der Suche nach Hinweisen in dessen Wohnung. Dabei lernt er dessen Nachbarin Uedo Yoshiko - Bestsellerautorin und Sexbombe - kennen. Dieser scheint Hamada nicht unsympathisch zu sein, doch aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit kann sich Hamada keine körperlichen Hochleistungen erlauben. Von Yoshiko erfährt Hamada, daß bereits Sabus Bruder - von dessen Existenz ihm bislang nichts bekannt war - in der Wohnung gewesen ist.

Aus den Nachrichten dringt dann schon bald die Meldung, daß Sabu tot aufgefunden wurde. Doch von dessen angeblichem Selbstmord will Hamada nichts wissen. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, den Mord an seinem Freund selber aufzuklären. Seine Ermittlungen führen ihn zu Sabus reicher Familie, von der außer Sabus Bruder Hitoshi noch die beiden Witwen seines Vaters, die beiden Mütter dessen Söhne übrig sind: Misako und Masako. Hamada verdingt sich nun als Fahrer und Mädchen für alles bei den beiden Witwen, um Sabus Mörder zu finden, doch ahnt er nicht, was er sich damit aufgebürdet hat.

Das Geheimnis der Penisse - noch immer ungeklärt

Gert Anhalt nimmt wieder in Gestalt seines Privatdetektivs Hamada, der als Erzähler der Stories fungiert, Japan und seine Bevölkerung aufs Korn. Leider ist die Episode im Zen-Kloster etwas knapp ausgefallen. Das hätte noch ein wenig Potential gehabt. Wie auch in den beiden Vorgänger-Bänden steht der Plot im Hintergrund, doch dieses Mal ist die Story schon etwas dürftig ausgefallen.

Hamada selbst überzeugt wie immer. Sein Rückenleiden hält ihn zwar von sexuellen Kontakten mit schönen Frauen ab, nicht aber von seiner Arbeit, die diesmal zur Privatsache wird. Und natürlich löst er den Fall mit gewohnter Ahnungslosigkeit und beeindruckt sogar seinen Lehrling immer wieder.

Das Geheimnis der Penisse - der Running-Gag der Hamada-Romane stand kurz vor seiner Auflösung, doch im letzten Moment kam wieder etwas dazwischen. Dafür aber werden wir mit der Beschreibung einer anderen japanischen Köstlichkeit entschädigt:

 

"Natto sind gegorene Sojabohnen, die kurz davorstehen, lebendig zu werden, lange, klebrige Fäden ziehen und wie Schweißfüße schmecken, die zu lange in einer Salzlauge gesteckt haben. Mit etwas scharfem Senf und Sojasoße schmecken sie lecker, wie salzige Schweißfüße mit etwas Senf und Sojasoße. Wir Japaner lieben natto, weil es - anders als etwa sushi - das einzige Gericht ist, das wir ganz für uns alleine haben und das kein Ausländer uns jemals streitig machen wird, weil jedem Ausländer davon schlecht wird."

 

Insgesamt gesehen bietet Gert Anhalt mit dem dritten Roman seiner Hamada-Reihe wieder viel Spaß und Unterhaltung. Der Reiz des Neuen allerdings ist mittlerweile verflogen. Deshalb sollte sich der Autor für die weiteren Folgen lieber etwas mehr auf die Story konzentrieren.

Sayonara für eine Leiche

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