1974

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • London: Serpent's Tail, 1999, Titel: 'Nineteen Seventy Four', Seiten: 288, Originalsprache
  • München: Liebeskind, 2005, Seiten: 383, Übersetzt: Peter Torberg
  • : Serpent's Tail, 0

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Lars Schafft
Wie ein harter Schlag in die Magengrube

Buch-Rezension von Lars Schafft Jun 2005

Schweiß und Blut, Sperma und Scotch. Das sind die Ingredentien, aus denen Autor David Peace mit seinem Red-Riding-Quartett ein Hardboiled-Süppchen par excellence kocht. 1974, so der Titel des Auftakts dazu, ist folglich auch alles andere als wohlschmeckend oder gar leicht verdaulich. Der Roman ist beinharte Kost, bei dem sich die Magenwände zusammenziehen. Und begeistert dennoch - vor allem durch die unwiderstehliche sprachliche Qualität und die atemlose Abfolge von Wut, Gewalt und Hass.

Wie nicht schwer zu erahnen ist, nimmt David Peace den Leser in den Norden Großbritanniens des Jahres 1974, genauer nach Yorkshire, wo Reginald Hill und Peter Robinson ihre Kommissare Andrew Dalziel bzw. Alan Banks Jahre später auf Verbrecherjagd schicken werden. Das war´s dann aber auch bereits mit den Gemeinsamkeiten mit den erfolgreichen Schriftsteller-Kollegen. Nach wenigen Seiten ist klar: Peace steht nicht auf "Cozyness", auf britischen Humor oder gar philosophierende Akademiker - hier geht´s zur Sache. Und wie.

Happy Christmas in Yorkshire

Jung-Journalist Edward Dunford, "Gerichtsreporter für Nordengland", wittert die große Story, als die Polizei mitteilt, dass schon wieder ein junges Mädchen vermisst wird. Schon wieder? 1969, 1972 und nun jetzt. Dunford hat Lunte gerochen und verbeisst sich in den Fall. Obwohl sowohl die Detectives als auch sein Chefredakteur ihn mit allen Mitteln zu bremsen versuchen. Dunford bekommt anonyme Hinweise, wird Zeuge nächtlicher, gewalttätiger Übergriffe der Exekutive auf unschuldige Zigeuner und schlittert in einen lokalen Zwist örtlicher Baulöwen, die zu neugierige Schmierfinken gerne in einem Unfall kaschiert über den Hades schicken. Ganz nebenbei schwängert er seine Freundin ("lass es wegmachen!"), stirbt sein Vater und Weihnachten steht vor Tür. Happy Christmas in Yorkshire. Die Leiche des vermissten Mädchens wird gefunden.

Dunford wähnt sich auf der richtigen Spur, ermittelt, was sein Körper hergibt, was seine Psyche durchhält und stößt auf eine Mauer des Schweigens, des Schmierens und des Vertuschens. Schon bald weiß der Journalist mehr, als ihm gut tut. Und begibt sich auf einen Aufdeckungs-Rachefeldzug, der nicht nur ihn das Leben kosten kann.

Haarscharf an der Brechreiz-Grenze

Dass man bei einer Handlung immer haarscharf an der Brechreiz-Grenze nicht auf Sympathie-tragende Figuren hoffen darf, sollte klar sein. Und diese sucht man in der Tat vergebens. Saufende, prügelnde, egoistische Typen quer durch die Bank. Nein, David Peace schreibt mit Sicherheit nicht über Gentlemen. Edward Dunford ist ein mehr schlechter denn rechter Möchtegern-Pulitzer, der sich in die dunkelsten Hinterzimmer heruntergekommener Hotelzimmer zur Recherche zurückzieht, unsensibel seiner Story und der Zeitungs-internen Journalisten-Konkurrenz hinterherrennt, Frauen vor allem als Informanten und Sex-Objekte betrachtet, aber - immerhin! - ein Fünkchen Gewissen aufweist. Der Rest, insbesondere die in der Öffentlichkeit so aufrichtig erscheinenden Bullen, sind schlicht korrupt und brutal.

Handlung und Charaktere - härtester Hardboiled pur. Oft genug wird sich der Leser während der Lektüre die Frage stellen: Muss ich mir das antun? Will ich so detailliert lesen, wie Polizisten über mehrere Seiten hinweg Verdächtige foltern? Wie ein Quickie in einer vergewaltigungs-ähnlichen Szene endet? Wie kleine Mädchen auf bestialischste Weise umgebracht werden? Und wenn es nicht eine Verschnaufspause, wenigstens einen Silberstreif am Horizont gibt, der vermuten lässt, dass Yorkshire in den Siebzigern vielleicht doch nicht so schrecklich und asozial gewesen sein könnte?

Ob Wollen oder Müssen -  1974 fesselt wegen Peaces sprachlicher Qualität. Jeder Satz, jeder Dialog ist die konzentrierte Wut des Autors in Reinform. Kein Schnörkel, keine Schönfärbung. Peace beschießt den Leser mit kurzen Salven, gibt keinen Raum für Deckung, erklärt nicht. Das oft zitierte "Kino im Kopf" -  "British Psycho". Eingestreute Songtitel und Zitate aus den Siebzigern bilden den Kontrast zur grauen, trostlosen Tristesse. Mungo Jerry, Desmond Dekker - und nebenan werden Rache-Pläne geschmiedet, wird gevögelt und getötet.

Augen auf und durch

David Peaces  1974 ist ein rabiates Gesellschaftsporträt, ein alptraumgleicher Thriller, der den britischen Autor von 0 auf 100 auf die Höhe eines James Ellroy treibt. Und aufzeigt, dass in europäischen Krimischreiber-Köpfen weitaus mehr vorhanden ist als allzu offensichtliche Globalisierungskritik und das stupide Aneinanderreihen touristischer Sehenswürdigkeiten. Dringend lesenswert, wenn man die Kraft dazu aufbringt.

1974

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Letzte Kommentare:
09.06.2014 16:37:11
Gabriele Haefs

Hat David Peace dieses Buch denn auf Deutsch geschrieben, oder hat es vielleicht jemand übersetzt, und wenn ja, wer? Ich weiß jetzt bloß nicht, wie ich mit dieser Frage auf dreihundert Zeichen kommen soll, aber jedenfalls fehlt u. U. die Übersetzerangabe. Bessert euch! Noch immer keine dreihundert ...

29.03.2012 16:59:44
Michael Wolf

Ein grandioses Buch, packend geschrieben, und so schlimm fand ich die angebliche Härte auch nicht - da gibt es im Thriller-, Horror- und Hardboiled-/Underground-Bereich schon deutlich härteres. Faszinierend ist aber die bedrückende Grundstimmung des ganzen Buches rund um das winterliche Weihnachtsfest im kalten Dezember 1974 - und der Charakter des Eddie Dunford ist wirklich mitreißend, auch wenn kaum positive Personen im tristen, verregneten Winter im Nordosten Englands auftauchen. Dagegen sind die meisten Schwedenkrimis ein wahres Quell an Sonnenstrahlen und Optimismus.
Auch die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe dieser Zeit, ebenso wie Mode, Musik, Architektur, Sport und Lifestyle dieser Ära, kommen gut zur Geltung und verstärken den nostalgischen Eindruck gekonnt. 1974 ist literarischer Seventies-Britpop at its best - und ein gelungenes Beispiel moderner europäischer Hardboiled-Literatur!

06.03.2012 10:59:07
Lesevogel

Noch nie hat das Lesen eines Buches bei mir so schlechte Laune verursacht.In erster Linie, war es gar nicht mal die Geschichte sondern schon alleine WIE das Buch geschrieben war. Das Dinge drastisch und mit deftiger Sprache geschildert werden passt ja durchaus zu der Stimmung und dem Geschehen in 1974, aber dass es in dem ganzen Buch so gar keine Figur gibt, für die man so etwas wie Sympathie empfinden kann hat mir als Leser nicht gerade geholfen.
Auch dass Textpassagen zum Teil bis zum Erbrechen wiederholt werden, wie zum Beispiel bei der Verhörszene, kann ich stilistisch zwar irgendwie noch nachvollziehen, aber mich als Leser hat es irgendwann nur noch unfassbar genervt.
Ich fand es auch schwierig, dass, übertrieben gesagt, auf jeder zweiten Seite drei neue Charactere dazu kamen, die dann lange nicht erwähnt wurden und plötzlich in anderem Zusammenhang wieder auftauchten. Unterm Strich viel zu viele Personen und viel zu viele Handlungsstränge. Damit bin ich auch schon bei meinem nächsten Problem: die Kindermorde, die im Klappentext ja immerhin als Haupthandlung deklariert sind, verkommen neben den vielen Nebenhandlungen im Laufe des Geschehens auch irgendwie zur Nebensache. Auf den letzten zwanzig Seiten wird noch ein Täter präsentiert, der vorher im ganzen Buch nicht mit einem Wort erwähnt wurde. Das Motiv kann man sich bestenfalls selber dazu erfinden. Und dann ist der Protagonist auch schon wieder unterwegs um noch ein oder zwei Nebenhandlungsstränge ähnlich unzufiedenstellend zu Ende zu bringen.
Von mir keine Gradzahl an dieser Stelle, denn die würde für dieses Buch bestenfalls im Minusbereich zu finden sein.

26.06.2011 11:10:44
buschi64

Das Red-Riding-Quartett spaltet die Leser, keine Frage. Entweder man wirft den ersten Roman frustiert und abgestoßen in die Ecke, oder man taucht ab und wühlt sich durch einen 1800 Seiten langen Alptraum aus Wahnsinn, Gewalt, Korruption und Politik. So habe ich es gemacht, es hat mich kräftig durchgeschüttelt, zumal man als Leser ziemlich allein gelassen wird und vom Autor keinerlei "Hilfe" erwarten kann, doch nachher habe ich gemerkt, dass mich selten eine Krimireihe so lange beschäftigt hat wie diese. Der Stil von David Peace ist wirklich einzigartig, man muss sich darauf einlassen, klar, aber ich fand ihn absolut faszinierend. Auf seine Tokyo-Romane in ich jedenfalls schon sehr gespannt.

09.12.2010 20:18:32
Ponchman

Offensichtlich kennt die Gunst der Leserschaft bei diesem Werk nur schwarz oder weiß, aber kein grau. Für mich funktioniert dieses Buch auch nicht. Der abgehackte Stil kurzer Phrasen ist zwar ein interessantes Mittel, um die Gehetztheit der Hauptfigur greifbar zu machen, daher hat mich das gar nicht mal so sehr abgeschreckt.
Aber die Art und Weise, wie eine gar nicht mal schlechte Story verhunzt wurde durch lieblose, unrealitische Details, das ist schon eine Leistung für sich. Zum Beispiel wird der Hauptdarsteller mehrmals einigermaßen schwer verprügelt und verletzt. Egal, kurze Zeit später prügelt und verletzt er selber, als wäre ihm das nie passiert. Das hat schon etwas von Groschenroman - oder Supermannheft.
Hinzu kommt, daß man sich den Personen in diesem Buch nie annähert, sie bleiben seltsam fade, irgendwie distanziert, man baut nie eine Verbindung auf.
Meine Wertung: 40°C, nette Idee, leider schlecht umgesetzt. Weitere Jahreszahlen aus der Quatrologie werde ich mir sparen. Dann lieber einen guten Rankin lesen.

30.11.2010 11:51:36
Homicide187

Anfangs ist es mir doch schwer gefallen zu lesen, da es mal eine ganz andere Schreibweise ist und ich konnte auch immer nur 50 Seiten am Stück lesen. Aber dafür ist es "toll" geschrieben. Es wird nichts geschönt, sondern eher nochmal nachgetreten. Egal ob es um Gewalt oder Sex geht, es ist schon krass wie er das schreibt. Die Handlung ist dazu auch sehr spannend und bis zum Schluß fragt man sich wer es war und wie die ganzen Zusammenhänge sind.

07.09.2010 12:41:19
roland

Das Buch erfüllt nicht die Erwartungen von Sprüchen wie "in einer Reihe mit Ellroy". Auch Sprachgewalt kann ich nicht feststellen. Häufiger Gebrauch des Worts "Scheiße" macht noch kein Genre. Abgehackter Stil allein reicht nicht für Coolness und "noir"-Stimmung. Die Chemie im Buch ist simpel und die Charaktere eindimensional und fad. Sie entwickeln sich nicht. Allein die Story ist komplex und wird es durch das hinzufügen von neuen Personen und Namen.
Mir fehlt schlicht die Literatur in den Sätzen, das Gefühl für die Stimmung, etwas Gelebtes und Wahres, das der Autor einem mitgeben muss.

15.06.2010 23:10:24
Djan

eine sehr harte, ungeschönte und durchaus realistische sozialstudie über england in den 70ern.

unter der harmonischen, aalglatten oberfläche lauern tiefe menschliche abgründe.

eine korrupte, sadistische polizei, ein ermordetes kind und die kaltblütigkeit mit der die gesellschaft solche ereignisse aufnimmt.

beim lesen wurde einem kalt, habe dieses buch aber trotzdem/deswegen verschlungen.

90 grad

14.10.2009 19:29:22
Marcus

Ein gutes Stück Kunst ist dieses Buch auf jeden Fall. In meinen Augen ist es ein surrealer Krimi Noir der Extra Klasse. Die ganzen verlogenen Äußerungen in Richtung das Buch wäre ekelerregend, brutal und wiederwärtig kann man getrost vergessen. Um mit dem Protagonisten zu sprechen: "man soll bloß nicht so tun als wäre alles nicht passiert" sprich: man hält sich als leser für was besseres und macht die Augen lieber zu. Diese Haltung hat schon oft zu nichts gutem geführt. Soll man sich doch lieber an die eigene nase fassen und sehen ob man nicht selbst in seinen Phantasien und Vorstellungen einen Funken davon in sich trägt.

20.08.2009 11:58:00
Bibliophagos

Meinem Vorredner kann ich mich nur anschließen. Die Lobhudeleien über den Krimi: 1974 sind meines Erachtens doch ein wenig zu vollmundig und zu blumig formuliert.
Ohne Frage ist der Sprachstil durch seine Gebrochenheit reizvoll. Doch unbedingt besser wird der Inhalt mit dieser Darstellungsmethode aber auch nicht. Schade. Das Buch auszulesen erschien mir persönlich wenig erstrebenswert, nicht zuletzt wegen des gewählten Hauptdarstellers und seiner Eigenheiten.

12.07.2009 14:57:20
Kasia

"Die Zukunft des Kriminalromas!" (Ian Rankin) steht auf dem Cover des Buches.
Ich kann nur hoffen, dass die Zukunft des Kriminalromans nicht so aussehen wird! Denn "1974" ist ein Buch, das mir überhaupt nicht gefallen hat.
"Ein Buch, das man nicht aus der Hand legen mag"(Die Zeit) . Für mich galt das nicht, denn das Buch hat mich nicht gelockt.
Ich lese alle Bücher, die ich anfange, auch wenn sie mir nicht allzu sehr gefallen bis zum Ende, deswegen hab ich auch dieses Buch bis zum Ende gelesen. Wahrscheinlich in der Erwartung, dass irgendetwas passiert, dass mich mitreißt. Aber es passierte leider nichts.
Die kurzen, abgehakten Sätze sind überhaupt nicht mein Geschmack. Edward ist überhaupt nicht mein Typ und schon gar kein Symphatieträger.
Es tut mir leid, aber ich kenne keinen in meinem Bekanntenkreis, dem ich das Buch gerne empfehlen würde. So kann ich es auch diesmal nicht hier auf der Krimicouch machen.
Die Geschmäcker sind verschieden. Jeder soll sich eine eigene Meinung über das Buch, was er lesen möchte, machen.

20.04.2009 15:42:46
muckimuck666

Wenn etwas gewöhnungsbedüftig ist, dann sicher der Schreibstil von David Peace. Kürzeste Sätze und Dialoge, die man stellenweise 3mal lesen muss, um zu verstehen, wer was sagt.

Habe das Buch nach den ersten 20 Seiten weggelegt und erst weitergelesen, als ich mich darauf einlassen konnte. Dann: absolut harte Kost ohne irgendwelche Beschönigungen, keine Romanfigur, für die man so etwas wie Sympathie entwickeln kann. Sicherlich ein Buch, wie ich es bisher noch nicht gelesen habe.
Auch "1977" steht in meinem Bücherregal, werde es aber sicherlich erst lesen, wenn ich etwas "seichtere Kost" zu mir genommen habe.

17.04.2009 12:03:24
Nickname

Tip:
1974 ist nur die Einführung in die nächsten 4 Bücher - das letzte habe ich noch nicht gelesen - deswegen einfach die Namen aufschreiben und Verbindungen herstellen.
Dann wird es so packend, das man die alles auf einmal, am besten in einer Nacht durchlesen muss. Lohn sich!
Und warum soll ich jetzt 300 Zeichen eingeben? .

20.03.2009 19:22:39
marco

ein fragwürdiges buch. nicht leicht zu verstehen.
1.) das buch wird man wohl als sehr künstlerisch bezeichnen können. mit "künstlerisch" meine ich die sehr freizügige darstellung von sex und gewalt. künstler wollen ja mit ihren werken ein möglichst realistisches abbild der realität schaffen und dies strebt der autor offenbar an, indem er die welt oder zumindest "sein" yorkshire so zeichnet wie er es sieht. ob das unterhaltsam ist, steht auf einem anderen blatt. ich persönlich fand nur wenige szenen gelungen. der größte teil eben "künstlerisch" und nicht sonderlich unterhaltsam. es kommt eben drauf an, was man sucht.
2.) ich fand den roman sehr unverständlich und bin dem autor regelrecht böse, dass er sich nicht im geringsten bemüht, dem leser orientierungshilfen zu geben! eine menge von personen wird teilweise in nebensächlichen szenen eingeführt und tauchen später an zentraler stelle wieder auf, ohne das eine zuordnungshilfe gegeben wird. ich bin nun wirklich ein jahrelang geübter leser von krimis, aber hier stand ich oft ratlos da und habe nur wenig verstanden. es gibt wenig autoren, die mit ihren lesern so rücksichtslos umgehen wie peace in 1974.
"drive" auf mehr romane aus dieser reihe hat das buch bei mir nicht bewirkt!

02.12.2008 22:16:36
Stefan83

Hardboiled. Eine Genrebezeichnung mit der mittlerweile alles andere als sparsam umgegangen wird und die in Zeiten von Blutlinien, Kindersammlern und Belladonnen schon lange kein Maßstab für Qualität mehr ist. Wenn der Begriff allerdings je gepasst hat, dann sicherlich auf 1974, erster Teil des vier Bände umfassenden Red Riding Quartetts und Debüt des jungen englischen Autors David Peace.

Von der Presse als spektakulärster Neuling der letzten Jahre gefeiert und mit Preisen überhäuft, ist dies ein Krimi Noir, wie man ihn düsterer und beklemmender wohl kaum inszenieren könnte. Vergleiche mit einem James Ellroy drängen sich auf, obwohl man bei einer Gegenüberstellung beiden nicht gerecht werden würde.

1974 trumpft mit einer Sprachgewalt auf, die den Leser ab der ersten Seite einer Faust gleich ins Gesicht fliegt. Knappster Satzbau, Einwortsätze, Schlagzeilenstil, schlichteste, kahlste Gossenpoesie reinsten Wassers. Zwischendurch immer wieder eingestreute Songtitel, wiederholte Verse, Dadaismus in Krimi-Form. Hier ist an der Sprache nichts schön, nichts fließend, alles dreckig, kantig, eckig und unverdaulich. Wer schon zu Beginn im Namengewitter untergeht, welches einem vom Autor um die Ohren gehauen wird, könnte Schwierigkeiten haben, den Einstieg in die Story zu finden. Und diese ist schnell erzählt:

Dezember 1974. Der junge Gerichtsreporter Eddie Dunholt wittert die Story seines Lebens, als in Yorkshire die zehnjährige Clare Kemplay zunächst vermisst und einige Zeit ermordet und grausam zugerichtet aufgefunden wird. Dunford glaubt an einen Zusammenhang zwischen dem aktuellen Verbrechen und ähnlich gelagerten Vermisstenfällen in den Vorjahren. Seine elf Tage währende Recherche wird für ihn (und gleichzeitig auch für den Leser) zu einer albtraumartigen Reise in die Hölle.

Peace kreiert eine Atmosphäre, die so dicht und dick ist, dass man sie mit dem Messer schneiden könnte und treibt die Geschichte in einem achterbahngleichen Erzähltempo voran. Man liest die Seiten nicht, man frisst sie und man kann nicht umhin sich bei all der Korruption, dem Dreck, der Verdorbenheit, dem Hass, der Scheiße und dem Tod selbst ein wenig schmutzig zu fühlen. Die Suche nach den Guten hat man nach gut 30 Seiten aufgegeben. Hier gibt es keine. Moralische Grenzen sind fließend, selbst Edward Dunford ist kein strahlender Held. Was solls. Dafür hat man eh keine Zeit. Peace verlangt Konzentration vom Leser, der sonst zwischen all den unterschiedlichen Handlungsebenen den Faden zu verlieren droht. Die grausame Wahrheit, die Dunford schließlich zutage fördert, wird dann in einem Finale präsentiert, das dem Buch entsprechend verstörend und bluttriefend gerät. Ein Ende, so unverdaulich und sperrig wie das Werk selbst.

Insgesamt ist 1974 ein Krimi-Noir, an dem sich die Geister scheiden werden. Gut oder schlecht. Dazwischen wirds hier nichts geben. Sympathie bringe ich für beide Standpunkte auf, wobei ich jedoch zu ersterem tendiere, denn Peace Debüt ist wohl das einprägsamste Stück Literatur, das ich seit Jahren gelesen habe. Ein Buch, das im Gedächtnis bleibt, wenngleich die Hoffnung bleibt, dass es nicht stellvertretend für die Zukunft des Kriminalromans steht, wie es Ian Rankin auf dem Buchdeckel prophezeit. Soviel Düsternis wäre auf Dauer schwer zu ertragen.

28.09.2008 13:16:10
Kinsey

Ganz schön heftige Kost. Hart. Brutal. Düster. Abstoßend. Grauenhaft. Scheußlich. Widerwärtig. Ekelerregend. Obszön. Nichts für zartbesaitete Gemüter.
Eine ebenso harte Sprache. Gewöhnungsbedürftig. Schonungslos und direkt. Unvollständige Sätze. Einfach so hingeknallt. Kein überflüssiges Wort. Aber jedes ein Treffer. Was das Mitverfolgen der Geschichte nicht gerade leicht macht, weil es schnell passiert, daß man einen wichtigen Hinweis überliest.
Hat es mir gefallen? – Nein.
Aber das Buch hat mich ungemein gefesselt, so daß ich es kaum aus der Hand legen konnte. Und es läßt mich immer noch nicht los.
Trotzdem hoffe ich, daß die „Zukunft des Kriminalromans“ (Zitat Ian Rankin) nicht so aussieht – ab und zu möchte ich auch was zu Lachen haben.
Werde mir aber den Nachfolger auf jeden Fall auch noch reinziehen.

08.09.2008 20:58:27
Aveda

Ich frage mich auch 4 Wochen, nachdem ich das Buch gelesen habe, immer noch, was ich davon halten soll. Es ist spannend ja, aber es macht keinen Spaß, wenn man ständig durch menschlichen Schlamm waten muss.
Desahlb habe ich auch keine großen Lust auf die anderen Bücher von Peace.
Das Ende finde ich unglaubwürdig, teils unverständlich.
Aber durchgerast bin ich beim Lesen trotzdem, konnte das Buch nicht weglegen. Ein Genuss mit Zweifeln.

14.08.2008 12:43:13
Zodiak

Mir hat 1974 wirklich gut gefallen. Meiner Meinung nach hebt sich der Autor deutlich von den üblichen Krimis ab, denn gerade die Idee auch ein Stück Zeitgeschichte zu verarbeiten finde ich erfrischend anders.
Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen und kann es kaum erwarten die nachfolgenden Bücher zu lesen.
Allerdings ist der Schreibstil etwas gewöhnungsbedürftig, was in meinen Augen allerdings kein Nachteil ist.

08.08.2008 16:33:42
pescheg

Dem Roman «1974» konnte ich gar nichts abgewinnen. Ich war froh, als ich ihn endlich durch hatte (ich versuche in der Regel alle Bücher zu Ende zu lesen). Der Sprachstil gefiel mir nicht, es ist alles etwas zu gesucht schnoddrig und zu absichtlich unklar. Die beschriebene Gewalt hat mich nicht übermäßig schockiert, es fragt sich halt nur, was das Ganze soll.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die ganze Reihe von David Peace zu lesen, aber die Lust darauf ist mir vergangen. Eigentlich schade, denn die Romananlage mit den 3-Jahres-Sprüngen und die gewählte Szenerie sind vielversprechend.

01.07.2008 09:26:29
snorkfrau

kann das buch sehr empfehlen, zeigt einfach ungeschönt die realität u.zu welcher grausamkeit der mensch fähig ist. hier wird die gewalttätigkeit nicht mit lokalkolorit überdeckt sondern gezeigt wie sie sich für die betroffenen darstellt, obwohl ich zugeben muss, dass man sich als leser/in stets an der schmerzgrenze des erträglichen bewegen muss. ich schätze auch sehr die guten alten klassischen krimis, denke aber das stories im stile eines d.peace genauso wichtig sind für das genre allgemein.

30.06.2008 15:21:32
ERBELWUM

Also ich kann mich nur Sonny, Spotty, KurtMankell, Eva-Lotte usw anschliessen. Wer so einen Schwachs... schreibt gehört nicht in ein Krimiregal. Deswegen habe ich das Teil meinem Kaminofen übergeben und dabei auf die Uhr meines Vaters (Mann der Peace hat vielleicht Komplexe) geschaut. Schade um die Bäume die das Papier lieferten für solch einen degenerierten Schund. Und wenn das die Zukunft des Kriminalromans ist, sollte man/frau auf die guten "alten" Autoren zurückgreifen.

22.05.2008 15:00:59
Sonny

Ich denke mal, das wird mein erster und letzter Peace gewesen sein. Den bereits angesprochenen, extrem schnellen Stil, empfand ich als anstrengend. Und auch ich kann nicht wirklich behaupten, dass ich am Ende verstanden habe, wer wen warum umgebracht hat. Die Brutalität des Buches hat mich nicht geschockt. Es war in meinen Augen allerdings völlig falsch dosiert (fast ausschließlich in letzten Viertel).
1974 kann ich definitiv nicht empfehlen.

19.04.2008 23:06:24
Sonja

Ein fesselndes und zugleich abstossendes Stück Literatur. Die Handlung tritt neben dem grandiosen Schreibstil in den Hintergrund. Mich haben einzelnen Sätze und Passagen mehr gefesselt als der Kriminalfall, auch wenn es wirklich teilweise über die Schmerzgrenze hinaus geht. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf die anderen Romane des Autors, die ich bisher noch nicht kenne. Ich hoffe auf mehr!

12.03.2008 07:36:54
spotty

Völliges Unverständnis für die überwiegende postiven bis euphorischen Bewertung der so genannten oder selbst ernannten Experten ... wie man dafür einen deutschen Krimipreis vergeben kann, bleibt unklar.
Okay, vielleicht hätte ich fertig lesen sollen. Diese "unwiderstehliche sprachliche Qualität" ist doch nicht ist sicher nicht mit der gehäuften Verwendung üblicher Fäkalbegriffe erklärt, und auch die bildhafte Beschreibung des Geschehens in einem Toilettenbecken ist eher abstoßen als spannend.
Ich aber möchte beim Lesen Spaß haben und "interessiert" gemacht werden - davon war ich meilenweit entfernt und habe dieses Machwerk nach 75 Seiten ohne Interesse an weiteren Fortsetzungen zur Seite gelegt.
Einen positiven Aspekt gibt es dann doch noch: es war nur ausgeliehen .

21.01.2008 12:00:50
KurtMankell

Oh nein, kann nicht verstehen, warum viele dieses Buch so loben.
Der Sprachstil in Stakkotto-Form, das Wort "Scheiße" kommt ein wenig zu oft vor, dafür kommt die Spannung gar nicht erst auf.
Nun ja, jedem das seine!

11.10.2007 14:17:23
Eva-Lotte

Ich möchte nur mal wissen, was in diesem Autor so vorgeht...

Zuviel brutale Gewalt, zuviel Blut, Dreck, Fäkalien und Tränen für mich. Trotz flottem Stil und rasanter Handlung quälte ich mich durch die letzten Seiten, auch wegen der immer noch ansteigenden Brutalitäts-Rate, wenn man längst denkt, schlimmer kann es nicht mehr kommen.

Nicht mein Fall. Ich hoffe nicht, dass das die Zukunft des Kriminalromans ist.

21.09.2007 21:50:47
Bartensen

Puh ...

Ein Buch ,das ich ersteinmal sacken lassen muss ... es war spannend & fesselnd, aber auch abstossend & brutal ... an menschlicher Kälte wirklich erschreckend ... vielleicht an einigen Stellen zu schnell und wirr und nicht immer nachvollziehbar ... Eine abschliessende Bewertung kann ich noch nicht geben ...Lesenswert --> JA ...aber ...

25.07.2007 18:34:57
Olaf Sosath

Für mich wahr 1974 von David Peace einer der Besten Krimis die ich je gelesen habe.
Ich bin diesen Roman durchgeflogen als befände ich mich auf einer Verfolgungsjagd. Meine Frau hatte diesen Roman nach mir gelesen und war genauso begeistert wie ich.
Leider ist 1977 ein langweiliger Nachfolger.
Bewertung: 100 Grad

29.06.2007 16:11:25
Markus

An sich ist das Buch ganz gut aber mich hat die Formulierung tierisch aufgeregt. Irgendwann wird es lächerlich, wenn man tausendmal das Wort "Scheiße" und "Verdammt" wiederholt. Außerdem habe ich das Gefühl das dem Erzähler dauer übel ist, da er sich ständig übergeben muss. Auch wenn er bei seiner Mutter auf einen Tee vorbeischaut ;-)

19.06.2007 08:46:59
Krimifan

Ich war von diesem Roman - insbesondere nach der "Empfehlung" von Ian Rankin - sehr enttäuscht. Das ist eines der wenigen Bücher, die ich nicht nur nicht fertig gelesen, sondern nach knapp der Hälfte weggeworfen habe, weil ich mir nicht vorstellen kann, daß ich mal Lust darauf haben werde, es fertigzulesen. Den Vergleich mit James Ellroy - den ich sehr schätze - kann ich nicht wirklich nachvollziehen, zu platt und gewollt "dirty" erscheint mir Peace. Nach der x-ten Referenz zur "Uhr meines Vaters" mußte ich einfach aufgeben. Not my cup of tea ;-)

01.06.2007 14:32:22
Till

Das Buch hat mir ganz gut gefallen. Nur ein paar mehr Erklärungen wären schon ganz nett gewesen. Man kann sich zwar einiges zusammenreimen, aber so einige Sachen bleiben doch im Dunkeln. Zum Beispiel wie Eddie auf einmal den vermissten Rugby-Star findet.
Abgesehen davon lässt sich das Buch gut lesen, wenn man nicht zart beseitet ist. 1977 werde ich mir mit Sicherheit früher oder später auch zulegen.

22.05.2007 16:40:00
kissace

Die Zukunft des Kriminalromans? Wohl eher nicht.. Nicht falsch verstehen.. das Buch ist okay und ich habe es in einem Rutsch durchgelesen, aber man braucht doch etwas Geduld um sich an den Stil des Autors zu gewöhnen..
Die Sprache ist doch sehr direkt und hier und da kommt auch der typische britische Humor zum Ausdruck.
Bewertung: 60 Grad

18.04.2007 22:18:52
EddieDean

David Peace polarisiert, keine Frage. Ich habe "1974" innerhalb von zwei Tagen gelesen und selten hat ein Krimi bei mir so einen starken Eindruck hinterkassen, dass ich noch tagelang darüber nachgedacht habe. Wer sich auf David Peace´s Welt aus Gewalt, Korruption, Sex und Schmerz einlässt, den lässt dieses Buch nicht mehr los.

14.01.2007 17:28:04
Kay

Wenn dieses Buch die "Zukunft der Kriminalromans" (Ian Rankin) sein soll: na vielen Dank! Ich quäle mich seit Tagen durch die Seiten. Bis zur Spannung bin ich wahrscheinlich noch nicht durchgedrungen.
Die hochgelobte sprachliche Qualität besteht aus dem bevorzugten Gebrauch von 2 Wörtern : Scheiße und Verdammt. Vielleicht sollte man dieses Buch nicht im Anschluß der Bücher von Fred Vargas lesen... Bin sehr enttäuscht.

28.11.2006 10:04:56
Viciousvanessa

Ich lese ziemlich viel,aber dieser Krimi ist einer der schlechtesten Seit langem. Nicht nur,dass vorwiegend in der Fäkalsprache geschrieben ist. Die Handlung ist überaus verwirrend, die Namen sind einfach etwas zu viele und das Ende existiert eigentlich gar nicht.Man hat das Gefühl das Buch muss krampfhaft zu Ende gebracht werden und man zieht den Täter an den Haaren einfach herbei. Also ich werde mir den zweiten Teil gan sicher nicht kaufen. Mich störte auch,die bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Sexszenen. Wenn ich sowas lesen will dann kaufe ich mir einen Erotikroman und keinen Krimi.

12.10.2006 20:34:40
Markus

Ein sehr gut geschriebenes, düsteres Buch mit einer streckenweise sicherlich undurchsichtigen Handlung. Dennoch sehr spannend mit einem zwar nicht durchgehend sympathischen Protagonisten, aber einem mit vielen Ecken und Kanten.

24.09.2006 19:23:59
Moschi

Ich hatte auch meine Schwierigkeiten herauszufinden, wer was warum getan hat. Wieso man David Peace als Zukunft des Kriminalromans preist, bleibt mir ein Rätsel. Viel Brutalität, ein verworrener Handlungsstrang und ein Ende, das schwer zu verstehen ist, machen für mich keinen guten Krimi aus. Eine Empfehlung zum Lesen der anderen Bücher des Autors ist 1974 nicht.

28.04.2006 09:32:32
kue

Wenn Ian Rankin David Peace\'s "1974" als "Zukunft des Kriminalromans" preist, dann ist die Erwartungshaltung groß. Und in der Tat, enttäuscht bin ich in keinster Weise. Ein sehr guter Roman, brutal, tabulos, unverblümt - und dennoch durchaus anspruchsvoll erzählt.
Was aber bewegt einen anderen Autor, dieses Werk als "Zukunft des Kriminalromans" zu betiteln? Über weite Passagen weist 1974 doch eine enge Seelenverwandtschaft zum französischen Noir auf, düster, beklemmend, im Kampf gegen eine korrupte Staatsgewalt. Und ein Stehaufmännchen, das vor lauter Quetschungen und Prellungen eigentlich nicht mehr schmerzfrei mit den Ohren wackeln dürfte.
Nochmals, ein wirklich guter Roman, der mich als Leser voll in seinen Bann ziehen konnte und dessen Sprachgewalt regelrecht fesselnd ist. Aber wirklich "Neues" oder "Zukunftsweisendes" konnte ich nicht entdecken.

18.04.2006 09:58:20
Angelo

Der Mann heisst David und Peace und schreibt wie Goliath und Hell. Und das ist dann "ein gewaltiges Stück Literatur" (Die Welt)und "die Zukunft des Kriminalromans" (Ian Rankin)?
Trostlos, brutal, ekelerregend, in manisch-depressivem Rhythmus treibt Peace die Entwicklung voran, mal in hektischem rasenden Stakkato (145km/h !), mal in Absturz, Abgrund und Schlamm versinkend. Gleichgültig kann einen der Sog der Sprache und der gnadenlos konsequent niederschmetternde Inhalt kaum lassen.
Love it or leave it. Keine Strand- und Ferienlektüre, keine Entspannung für ein verregnetes Wochenende. Kein unterhaltendes Heilmittel; Risiken und Nebenwirkungen müssen der Leser und vor allem die Leserin verantworten.
Viele Namen und verschachtelte Schnitttechnik machen das Ganze auch nicht leichter verdaulich. Schwarz-weiss wird auf die Spitze getrieben: Ihr da oben mit euren schweinischen Spielchen, wir da unten die geprügelten Underdogs.
Für dieses Buch muss man nicht nur Zeit zum Lesen, sondern auch Zeit zum Verdauen!

14.04.2006 20:05:13
Lilith

Mich hat dieses Buch ziemlich enttäuscht, denn nachdem es mit dem Krimipreis ausgezeichnet worden ist, hatte ich mir etwas anderes vorgestellt. Ich habe ehrlich gesagt noch nicht viel aus dem Bereich "hardboiled" gelesen, ein bisschen Nestor Burma und einen Mickey Spillane, aber für mich ist diese Art von Krimi auch eher - ganz im Gegensatz zu Ian Rankins Zitat auf dem Taschenbuchcover: "Die Zukunft des britischen Kriminalromans" - eine überholte Gattung in Bezug auf die weltanschaulichen Grundlagen: Um es knapp zu sagen, geht es in dem Buch mehr ums trinken, prügeln und poppen als um die eigentliche Kriminalgeschichte, die zu meiner großen Enttäuschung am Ende noch ziemlich verworren geblieben ist. Am meisten hat mich das Frauenbild gestört: da ist die weinerliche Mutter, die nur dazu da ist, Edward die Hemden rauszulegen; die nicht näher vorgestellte Schwester, die sich durch ihre latente Aggressivität ihrem Bruder gegenüber auszeichnet; natürlich die Kollegin, die sich von Edward schwängern lässt und damit von der Bildfläche verschwindet, aber von ihm auch immer nur ausgenutzt worden ist (nur einmal wehrt sie sich und sagt: "Ich bin auch Journalistin und nicht deine Sekretärin, also mach deinen Scheiß allein."). Ist aber nicht schlimm, denn es finden sich noch genug andere hysterische Frauen, die traumatisiert genug sind, um sich von Edward ins Bett zerren zu lassen. Das soll die Zukunft des britischen Kriminalromans sein? Na dann werd ich wohl doch auf ein anderes Genre umsteigen müssen.

11.04.2006 11:33:34
SteveO

Ich habe das Buch in der englischen Originalfassung gelesen und kann dies jedem, der sich der Herausforderung gewachsen sieht, nur zur Nachahmung empfehlen. Nach einigen Seiten Eingewöhnung an den nordenglischen Idiom liest sich das Buch ungleich authentischer.
Der Leser begleitet Jung-Reporter Edward Dunford bei seinen Recherchen im Mordfall Clare Kemplay, er sitzt auf dem Beifahrersitz seines Wagens und sieht auf die Uhr von Dunfords kürzlich verstorbenem Vater. Die ständig einfließenden Songtitel und Nachrichten des vorweihnachtlichen 1974 runden den Zeitsprung ab. Nach und nach wird der Blickwinkel weiter, Zusammenhänge erschließen sich, und die Lokalprominenz weist düstere Verstrickungen auf.
Zimperlich ist der Autor in der Darstellung seiner Figuren beileibe nicht, vom Protagonisten bis zum Statisten – jeder hat seine Leichen im Keller. Der eine mehr, der andere weniger wörtlich. Korruption, Folter, Kindesmissbrauch, Vergewaltigung und Verstümmelung summieren sich zum Gewalt-Overkill, dem der Leser dringend mit einer gewissen Distanz folgen sollte – an einem nasskalten Winterabend liest man sich ansonsten sicherlich in eine Depression hinein. Sehr passend finde ich Lars „British Psycho“-Assoziation, denn eine derart explizite seitenlange Darstellung von Brutalität kannte ich zuvor nur aus Bret Easton Ellis’ „American Psycho“.
Meine Bewertung setze ich bei 80% an: Die Story lebt vom Schreibstil des Autors, der Plot ist nicht allzu komplex ausgearbeitet – Detektivspielen scheidet völlig aus. Dennoch habe ich das Gefühl, einen Meilenstein der Kategorie New British Crime gelesen zu haben.
Den zweiten Teil von Peace’s Tetralogie, „1977“, werde ich sicherlich ebenfalls lesen, allerdings brauche ich nun erst mal „leichter verdauliche Kost“.

01.04.2006 16:54:00
ingrida

Auch mich hat dieses Buch länger als drei Tage und Nächte beschäftigt. Allein der Schreibstil in seinen kurzen und sich häufig wörtlich wiederholenden Sätzen in der Schilderung extremer Situationen war für mich neu und sehr eindringlich. Die Darstellung des Karrieristenreporters, der sich selbst eher minderwertig als Gerichtsreporter für Nordenglang bezeichnet, ist ebenso gut gelungen. Je brutaler die Ereignisse auf ihn einschlagen, desto selbstzerstörender wird sein Handeln. Besonders die letzten Seiten sind so mitreißend, dass ich diese Art der Aufarbeitung entsetzlicher Verbrechen, die sicherlich nicht schöngeistig zu betrachten sind, verstehen kann. Aber "Sensibelchen" sollten noch nicht einmal die Jahreszahl lesen.

29.03.2006 10:54:17
MS

So ein wirres Durcheinander hab ich ja noch nie gelesen .......

Und zum Schluß weiß keiner so richtig, wer was warum getan hat!?!?!?!?

Ich werde jedenfalls in Zukunft auf Romane dieses Autors verzichten.

11.03.2006 17:50:03
phi99auc

Dieses Buch ist wirklich nichts für zarte Seelen. Mir - die ich durchaus hartgesotten bin - war es einfach zu widerlich.

Zum Anfang war es noch wirklich spannend, dann einfach nur unglaublich brutal - warum dies in der Geschichte so sein muss, erschliesst sich mir nicht so ganz. Irgendwie war ich mir dann irgendwann auch nicht mehr sicher, ob das nun Phantasien des Protagonisten waren oder nicht. Außerdem muss ich meinen Vorrednern zustimmen - zu viele Namen und Personen. Ich habe die Auflösung (gab es eine???:-) nicht 100%ig verstanden. War zwar mal eine Abwechslung zu Linley und Rebus - aber die Nachfolgeromane werde ich nicht lesen. Vielleicht sind das auch eher Männerbücher:-)...

04.03.2006 23:42:20
Hans

Eigentlich wollte ich mich gar nicht zu dem Buch äußern, aber mich bewegte doch sehr stark, wie David Peace die englische Polizei darstellt: grauenhaft. An mehreren Stellen des Buches hatte ich so das Gefühl, im falschen Film zu sein. sprich, nicht in England, sondern irgenwo in Lateinamerika, in Guantanamo oder sonstwo. Nichts mit Guten wie Linley,Wexford und wie sie alle heißen. Nein, richtige Sadisten, Rassisten, richtige Dunkelmänner. Ich hatte manchmal den Eindruck, als ob der Autor Fantasien des Edward Dunford darstellt.
Das Buch selbst ist wirklich eine Wucht, vor allem sprachlich. Ich bin echt gespannt auf 1977.
Lieber Lars, was ist Red-Riding-Quartett?

03.02.2006 20:46:38
Falcon

Sätze wie Maschinengewehrsalven, kurz, hart, konsequent bis zum geht nicht mehr. Unerträglich. Genial? Wahrscheinlich. Lesenswert? Nicht für Anfänger! Schwärzer gehts nicht mehr, schon fast depresiv.
Pendle zwischen Abscheu und Verehrung. 0 oder 100%.
Ein Lauf an den Klippen entlang.Mit sicherem Abstand lesen, sonst droht der Sturz ins absolute Nichts. Ein Kitzel der besonderen Art.

Vielleicht doch 100%

Falcon

19.09.2005 08:45:47
Pascal

Sehr interessanter Schreibstil, zwar literarisch nicht aussergewöhnlich, aber mal was anderes. Kurze Sätze mit sehr vielen Dialogen. Das Buch ist durch die vielen Namen (Personen, Strassen, Orte) nicht einfach zu verfolgen, denn auch die Story ist nicht durchsichtig. Der Leser weiss gerade soviel wie der Protagonist. Eine willkommene Abwechslung, aber Achtung. Die letzten 80 Seiten sind das härteste, das ich bisher gelesen habe. Abscheulich brutal, aber sehr realistisch geschildert.