Todesmuster

  • Goldmann
  • Erschienen: Januar 2005
  • München: Goldmann, 2005, Seiten: 288, Originalsprache
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Jörg Kijanski
70°

Krimi-Couch Rezension vonMai 2005

Etwas anders geschrieben

Kriminalhauptkommissar Konstantin Kirchenberg trifft es gleich doppelt hart. Nicht nur das sein mehrwöchiger Urlaub zu Ende geht, muss er auch gleich zu der Beerdigung eines überraschend verstorbenen Kollegen. Bei der späteren Durchsicht der von ihm bearbeiteten Fälle stößt Kirchenberg unter anderem auf einen Vorgang, der nach schlichter Routine aussieht. Ein Pilzsammler hatte gemeldet, dass er vor dem Eingang einer stillgelegten Erzmine in der Nähe des Ortes Ingsen Blutspuren entdeckt habe.

Doch was nach einer Kleinigkeit aussieht, entpuppt sich schnell als großer Fall, denn Kirchenberg entdeckt in der Mine einen versteckten Raum in dem offensichtlich über mehrere Tage ein Mensch gefangen gehalten und brutal misshandelt wurde. Aufgrund der großen Blutmengen muss der harmlos wirkende Vorgang nunmehr als Mordfall eingestuft werden, wobei die Frage nach Täter und Motiv ebenso viel Kopfzerbrechen bereiten wie die Suche nach der Leiche. Die Ermittlungen der fünfköpfigen Mordkommission kommen nur langsam voran, da insbesondere die Befragungen der Bewohner Ingsens keine brauchbaren Hinweise liefern. Erst ein anonymes Schreiben verspricht eine erste erfolgversprechende Spur zu sein...

 

Rebecca grüßt über die Schulter. Hübsch. Und fraulich. Selbstbewusste Nase. Irgendwem sieht sie ähnlich, irgendwem Bekanntes. Carmen könnte ich mal anrufen. Aber heute Abend noch nicht, morgen vielleicht. Telefon. "KK 11, Kirchenberg."

 

Der Leser liest wie in dem vorstehenden Beispiel exemplarisch dargestellt das Buch so, wie sein Hauptprotagonist Kirchenberg denkt. Selten finden sich Sätze, die über drei oder gar noch mehr Zeilen gehen. Stattdessen oft nur einzelne Worte oder abgehackte Satzstücke. Dies mag modern sein, ist aber zumindest zu Beginn sehr gewöhnungsbedürftig. Ebenso gewöhnungsbedürftig wie außergewöhnlich ist ferner die Tatsache, dass man bis zum Ende des Buches vergeblich auf das Auffinden einer Leiche wartet, wenngleich der Mord (Täter, Motiv) - natürlich - aufgeklärt wird.

Die bereits in der Rezension des preisgekrönten Debütromans Leichensache angesprochenen Stärken (Hauptfigur Kirchenberg, Sprache) und Schwächen (z. B. völlig konturlose und beliebig austauschbare Nebenfiguren) wurden im zweiten Roman konsequent beibehalten, wobei man bezüglich der häufigen Verwendung polizeiinterner Abkürzungen (KBA, KHK, KH etc.) sicher darüber streiten kann, ob dies in erster Linie der Authenzität der Story dient oder das hierdurch erforderlich werdende häufige Nachschlagen im beigefügten Glossar eher den Lesefluss stört (nicht jeder Leser ist ja bei der Polizei beschäftigt).

Inhaltlich bietet der Roman eher Magerkost, da die Ermittlungen lange Zeit auf der Stelle treten. Der mitunter monotone Alltag der Polizei, das Verfolgen zahlreicher Spuren, von denen sich die meisten als völlig unbrauchbar erweisen, nimmt somit einen nicht geringen Platz der gesamten Story ein ebenso wie das Privatleben des KHK Kirchenberg, der nicht nur wegen seines Jobs unfähig zu sein scheint, eine feste Bindung einzugehen. Warum auch, wenn er - grob geschätzt - mit jeder zweiten Frau, die in dem Buch vorkommt, "was laufen hat".

Wer sich für eine Laufbahn bei der Polizei interessiert, erhält mit dem vorliegenden Roman einen fundierten Einblick wie der Berufsalltag aussehen könnte. Alle übrigen Leser müssen entscheiden, ob sie an einer Ermittlung, welche insgesamt elf Tage andauern wird, teilnehmen und sich auf einen etwas anders geschriebenen Krimi einlassen möchten. Einen interessanten deutschen Krimiautor lernt der Leser auf jeden Fall kennen und Hauptfigur Kirchenberg hat das Zeug zur Serienfigur. Bliebe der Wunsch, dass der Autor auch die übrigen Figuren endlich zum Leben erweckt.

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