Nebelbeute (Gruppe 4 ermittelt 3)
- dtv
- Erschienen: Mai 2026
- 10


Die Reihe wird mit jedem Buch noch besser.
Mila Weiss, Leiterin der Gruppe 4, nimmt sich nach dem letzten spektakulären Fall der Sondereinheit für Serientäter eine Auszeit in den Bergen. Zumindest ist dies die offizielle Verlautbarung. In Wahrheit macht sie mit Rückendeckung ihres Kollegen Jakob Krogh Jagd auf ein Phantom: Johannes Toblach soll sich hier in den Wäldern fernab jeder Öffentlichkeit wie ein Geist zurückgezogen haben. Der Mann, der einst die beiden Mädchen Romy und Mathilda vor Milas Augen entführte und von denen seitdem jede Spur fehlt. Doch nun erhält die Ermittlerin einen Hinweis, wo sich der Verbrecher aufhält. Unverzüglich macht Mila sich auf die Suche nach dem Gespenst, das sie nicht nur in den Nächten immer wieder aufsucht und das jeden Winkel ihrer Seele einnimmt. Doch Toblach erwartet Mila bereits. Und nun ist sie in seinem Revier.
Kurz nach Milas Ankunft in einem abgelegenen Bergdorf, von dem aus sie die Suche nach ihrem Widersacher starten will, wird ein Wanderer grausam ermordet und zur Schau gestellt. Will Toblach ihr damit ein Zeichen geben? Ist Mila wirklich die Jägerin oder wird sie selbst zur Gejagten? Während der Geschäftsführer eines Sägewerks ebenfalls auf grausame Weise getötet und öffentlich inszeniert wird, scheint Mila Toblach immer näher zu kommen – bis sie plötzlich spurlos verschwindet.
Als Jakob Krogh und die Gruppe 4 davon erfahren, machen sie sich auf den Weg in die verschneiten Wälder, um ihre Kollegin zu finden. Als sich der Nebel immer mehr um das Bergdorf zuzieht, wird die Suche nach Mila zunehmend schwieriger und gefährlicher. Der Täter scheint dem Team immer einen Schritt voraus zu sein – doch er hat nicht mit dessen Hartnäckigkeit gerechnet.
Gute Täterdarstellung
Mit „Nebelbeute“ legt der Journalist und Autor Benjamin Cors den dritten Band seiner Reihe im dtv vor. Die Serie um die Sondereinheit der Gruppe 4, die Jagd auf Serientäter macht, war vom ersten Band an ein Erfolgsgarant. Cors schreibt sich mit seinen Romanen in einen regelrechten Rausch und nimmt dabei seine Leser mit in die Abgründe der menschlichen Seele. Die Täter sind aber nicht nur Monster – auch wenn ihre Taten das nahelegen. Cors zeichnet stets ein differenziertes Bild von ihnen. Sie leiden ebenso und werden durch ihre Eigenarten oder auch den Einfluss anderer selbst zu Opfern. Sie sind Menschen, für die in dieser Welt kein Platz zu sein scheint, obwohl sie Teil der Gesellschaft sind. Genau daraus entwickelt sich die Spannung der Romane, denn das Grauen lebt mitten unter uns. Auf diese Weise entsteht ein Sog, dem man sich nicht zu entziehen vermag. Dass der Täter – trotz aller Nähe – auch diesmal für die Ermittler kaum greifbar erscheint, macht die Suche nach ihm so besonders.
Mikrokosmos Bergwelt
Mit dem winterlichen, abgelegenen Schauplatz, der düsteren Stimmung und der kompromisslosen Darstellung der Verbrechen erinnert der Roman in vielen Bereichen an einen Thriller des Nordic Noir. Besonders die faszinierende und gleichzeitig unheimliche Wildnis rund um das Bergdorf sorgt für eine ganz eigene Atmosphäre. Darüber hinaus weiß Cors aktueller Thriller mit einem starken Plot zu überzeugen. Abwechselnd rücken dabei Milas Jagd auf den Kindesentführer Toblach und die Suche nach dem vermissten Polizistin in den Vordergrund, bist alles in einem grandiosen Finale mündet. Obwohl die Zahl der Dorfbewohner und damit der Verdächtigen überschaubar ist, rätselt man lange, wer der Täter sein könnte und welches Motiv hinter seinem Handeln steckt. Dabei setzt jedes Mitglied der Gruppe 4 seine ganz eigenen individuellen Fähigkeiten ein, um zusammen mit dem Ermittlerteam vor Ort möglichst schnell die vermisste Kollegin zu finden. So unterschiedlich und heterogen die Mitglieder der Sondereinheit auch sein mögen: Sie sind keine Superhelden, sondern machen gute Ermittlungsarbeit, wobei sie sich bestens ergänzen. Am Ende trägt jeder von ihnen zur Ergreifung des Täters bei.
Überzeugender Erzählstil
Cors hält sich nicht lange mit ausführlichen Beschreibungen der Protagonisten auf, sondern lässt diese sich selbst durch ihr Handeln und Auftreten charakterisieren. Zusammen mit den häufigen Perspektivwechseln bekommt der Thriller dadurch ein enormes Tempo. Cors gönnt seinen Lesern wie seinen Figuren kaum eine Atempause. Dabei sorgt die ein oder andere Überraschung dafür, dass man auf der Suche nach dem Täter lange Zeit buchstäblich im Nebel stochert. Wenn man meint, den Autor durchschaut zu haben: Trauen sie Benjamin Cors nicht, denn am Ende hat dieser immer noch einen Twist in der Hinterhand.
Fazit
Die gesamte Reihe um die Sondereinheit der Gruppe 4 ist ein absolutes Highlight der Spannungsliteratur. Benjamin Cors katapultiert sich spätestens mit Band 3 an die aktuelle Spitze deutschsprachiger Thrillerautoren. Atmosphärisch dicht wie ein skandinavischer Kriminalroman und temporeich wie amerikanische Thriller ist „Nebelbeute“ einfach beste Thrillerunterhaltung!

Benjamin Cors, dtv



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