In den Fängen der Verräter (Leo-Koski-Reihe 3)
- Lübbe
- Erschienen: Juni 2026
- 3


Abschluss der Leo-Kolski-Reihe.
Die finnische Spannungsliteratur sorgte in den letzten Jahren für mächtig Furore. Max Seeck, Arttu Tuominen und nicht zuletzt Tuomas Oskari stehen regelmäßig auf den Bestsellerlisten und wurden vielfach preisgekrönt. Der Kölner Lübbe Verlag besitzt ein ausgezeichnetes Gespür für packende skandinavische Thriller und deren Autoren. Der Politik- und Wirtschaftsjournalist Tuomas Niskakangas, der sich hinter dem Pseudonym Tuomas Oskari verbirgt, war viele Jahre als Auslandskorrespondent in den USA tätig. Nach seinem viel beachteten und preisgekrönten Romandebüt „Tage voller Zorn“ und dem dystopischen Politthriller „Im Sturm der Macht“ bildet „In den Fängen der Verräter“ drei Jahre nach Erscheinen des zweiten Bandes den Abschluss seiner Leo-Koski-Reihe, in deren Mittelpunkt ein ehemaliger finnischer Ministerpräsident steht.
Anschlag auf den US-Präsidenten
Nachdem Koskis Ehefrau Emma in Helsinki erschossen worden war, kehrte das ehemalige Staatsoberhaupt zusammen mit seiner Tochter vor einigen Jahren Finnland den Rücken und verließ seine Heimat in Richtung USA. Aber auch hier findet er seitdem keine Ruhe. Eine ständige Angst um seine Tochter bestimmt seinen Alltag. Und tatsächlich soll Koski mit seiner Sorge Recht behalten. Während er eher widerwillig einer spontanen Einladung des US-Präsidenten ins Weiße Haus folgt, wird seine Tochter Daniela von russischen FSB-Agenten entführt. Der Forderung ist unmissverständlich: Koski soll dafür sorgen, dass die USA unverzüglich aus der NATO austreten. Der Grund: Die Presse berichtete am Vortrag überraschender Weise, dass Präsident Chester Tyler dem Austritt aus dem Verteidigungsbündnis trotz Beschlusses des Senats nun doch nicht zustimmen würde. Beim Treffen Koskis mit Tyler überschlagen sich dann die Ereignisse. Nach einem perfiden Giftanschlag kämpft der US-Präsident mit einem Mal um sein Leben und der ehemalige finnische Ministerpräsident befindet sich zusammen mit der Journalistin Ashley Pegula auf der Flucht vor dem gesamten Sicherheitsapparat des Landes. Gemeinsam müssen beide schnell die Verräter im Weißen Haus finden, um Koskis Tochter noch zu retten.
Nah an der Realität
Soziale Ungerechtigkeiten, gesellschaftliche Spannungen, Flüchtlingskrise, aufstrebenden rechtspopulistische Kräfte und nun die Bedrohung des NATO-Bündnisses durch Russland. Oskaris Themen könnten aktueller nicht sein. Auch dass in Amerika ein Präsident an der Macht ist, der seine eigenen Interessen verfolgt, vor Hybris nur so strotzt und selbst im engsten Regierungskreisen nach einer anfänglichen Begeisterung mehr als unerwünscht ist, überrascht den Leser nicht wirklich. Autor Tuomas Oskari beweist sich hier auch aufgrund seiner Tätigkeit als US-Korrespondent als Fachmann. Wie bereits in den Vorgängerbänden weiß der Finne auch diesmal mit fundiertem Hintergrundwissen zu Sicherheitsdiensten, lokalen Besonderheiten und politischen Abläufen zu überzeugen.
Viele Verdächtige und noch mehr Spuren
Obwohl die Anzahl der Verdächtigen zunächst vermeintlich überschaubar erscheint, entwickelt sich eine wilde Jagd durch Washington, an der neben Koski und Pegula Agenten des Secret Service, der US-Bundespolizei FBI, des zentralen Nachrichtendienstes CIA sowie Mitarbeiter des Weißen Hauses, u.a. Stabschef Weasley, beteiligt sind. Dass Personen aus diesem Kreis auch für den Anschlag auf den Präsidenten verantwortlich sind, wird schnell deutlich. So gerät beinahe jeder einmal unter Verdacht und wird dann ebenso schnell als Täter wieder ausgeschlossen. Der ehemalige finnische Ministerpräsident scheint dabei Spuren konsequenter zu verfolgen als die diversen Nachrichtendienste. Gleichzeitig verwundet es, dass Koski nicht verstärkt nach seiner Tochter sucht, zumal er die Entführer persönlich kennt und am Ende, als die Zeit drängt, innerhalb weniger Minuten den Aufenthaltsort Danielas ermitteln kann.
Fazit
Autor Tuomas Oskari beweist einmal mehr sein Gespür für die politisch und gesellschaftlich relevanten Themen. Anders als die beiden Vorgängerbände entwickelt er diesmal aber weniger ein dystopisches Schreckensszenario, sondern ist deutlich näher an der Realität. Die Handlung ist gewohnt temporeich, allerdings phasenweise etwas zu wild. Insgesamt bildet der Roman aber einen runden Abschluss der Leo-Koski-Reihe.

Tuomas Oskari, Lübbe



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