Blutregen (Alexander Blix und Emma Ramm 6)

  • Blanvalet
  • Erschienen: März 2026
  • 1
Blutregen (Alexander Blix und Emma Ramm 6)
Blutregen (Alexander Blix und Emma Ramm 6)
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Thomas Gisbertz
76°1001

Krimi-Couch Rezension vonMai 2026

Schwächerer Teil einer ansonsten spannenden Thrillerreihe.

Oslo im Juli: Eine tropisch warme Hitzeglocke liegt über der norwegischen Hauptstadt. Während sich die Bewohner nach einer Abkühlung sehnen, verfolgt ein Heckenschütze seine ganz eigenen Pläne. Bereits zum zweiten Mal innerhalb einer Woche schlägt er scheinbar wahllos in der Sommerhitze zu. Diesmal ist sein Ziel der Stortorvet, der große Marktplatz neben dem Dom, über den plötzlich Schüsse peitschen. Voller Schrecken muss die ehemalige Journalistin Emma Ramm feststellen, dass auch ihre Schwester unter den Opfern des Anschlags befindet. Während diese schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht wird, verfolgt Alexander Blix einen Verdächtigen. Kurz bevor er diesen stellen kann, wird er aber von ihm niedergeschlagen. Während die Polizei bei der Suche nach dem Täter kaum vorankommt, ermittelt der Ex-Cop Brix auf eigene Faust. Während die Temperaturen immer höher klettern, schlägt der Heckenschütze erneut zu. Mittlerweile sind drei Todesopfer zu beklagen. Doch warum tötet der Täter einen Kurierfahrer, einen Rentner und eine junge Anwältin, während die anderen Opfer allesamt nur angeschossen werden? Brix hat hierzu seine ganz eigene Theorie, der er zusammen mit Ramm nachgeht. Doch der Täter weiß geschickt falsche Spuren zu legen und ist den Ermittlern immer einen Schritt voraus.

6. Band der Reihe

2020 erschien mit „Blutzahl“ der erste Band der Blix-Ramm-Reihe des norwegischen Autorenduos Jørn Lier Horst und Thomas Enger in Deutschland. Die Zusammenarbeit zwischen beiden funktionierte von Band zu Band besser und die Serie ist auch aufgrund der gut angelegten Figurenentwicklung und der cleveren Plots äußerst lesenswert. Die Romane wirken – wie man es auch von Jørn Liers Horsts „Wisting“-Reihe kennt – nicht ganz so düster wie andere skandinavische Serien und legen mehr Wert auf die Protagonisten. Das Autorenpaar hat die Messlatte vor allem mit den letzten beiden Romanen „Blutnacht“ und „Blutstunde“ extrem hochgelegt. Der nun erschienene sechste Band „Blutregen“ erreicht dieses Niveau leider nicht ganz, auch wenn er ein grundsolider Thriller ist. Diesmal fehlt es aber etwas am Besonderen.

Schwächen und Stärken

Ein Heckenschütze, der diesmal Oslo in Angst und Schrecken versetzt, ist zwar keine literarische Sensation (zuletzt auch in Jo Nesbøs „Minnesota“ zu lesen), aber durchaus ein interessanter Einstieg. Allerdings kommt dem Motiv des Täters eine wichtige Rolle zu und dies weiß diesmal leider nicht ganz zu überzeugen. Der Mörder hätte deutlich einfachere, weniger aufwendige „Lösungen“ für sein Problem finden können. Stattdessen geht er mit den zahlreichen Anschlägen ein hohes Risiko ein und bringt sich durch das Legen falscher Spuren zusätzlich in Gefahr. Dass die Osloer Polizei ohne Alexander Blix, der inzwischen zusammen mit Emma Ramm als Privatdetektiv ermittelt, anscheinend vollkommen an Kompetenz eingebüßt hat und schon dankbar für die Hinweise des Ex-Cops sein muss, trägt zum etwas unrunden Bild des Romans bei. Auch das ständige „Darf-ich-nicht-sagen“-Gerede der ehemaligen Kollegen, die dann letztendlich doch genügend Blix gegenüber preisgeben, nervt etwas. Da sich Emma Ramm zudem um ihre verletzte Schwester Irene und deren Tochter Martine kümmern muss, ermittelt Blix über weite Strecken alleine. Die Parallelhandlung rund um die Familie Ramm, bei der auch Martines Erzeuger plötzlich in Erscheinung tritt, bremst das Tempo des Romans leider immer wieder aus.

Zwei Aspekte fallen aber deutlich positiv auf. Bei der Suche nach dem Täter geht Blix gewohnt kleinschrittig und gründlich vor. Zwar gibt es die ein oder andere Überraschung, dennoch wirkt seine Arbeit äußerst authentisch und glaubwürdig. Hinzu kommt: Auch wenn das Motiv des Täters wenig überzeugt, ist dessen Darstellung umso gelungener. Die Autoren zeichnen das präzise Bild eines tief verletzten Mörders, der alles verloren hat. Er genießt es, dass Oslo sich durch ihn verändert, Angst vor ihm hat und sich nun wie ein verwundetes Tier krümmt. Obwohl er die Anschläge und sein Handeln lange Zeit plante, funktioniert nicht alles reibungslos, weil plötzlich der Faktor Mensch eine Rolle spielt. Der Täter verliert zunehmend seine Ruhe und schwankt zwischen Verunsicherung und Wut. Zudem wirkt es äußerst verstörend, wenn er bei seinen Taten minutenlang nach den Opfern sucht und wir als Leser an seinen Gedanken teilhaben. Die Darstellung des Mörders überzeugt restlos und hätte durchaus noch umfangreicher sein können.

Fazit

Jørn Lier Horst und Thomas Enger sind erfahrene Autoren und verstehen ihr Handwerk. Auch wenn der aktuelle Band „Blutregen“ nicht der beste der Reihe ist, gelingt ihnen erneut ein grundsolider Thriller, der trotz kleinerer Schwächen packend bis zum Schluss bleibt.

Blutregen (Alexander Blix und Emma Ramm 6)

Thomas Enger, Jørn Lier Horst, Blanvalet

Blutregen (Alexander Blix und Emma Ramm 6)

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