Hulda (Die HULDA-Reihe 4)
- btb
- Erschienen: Mai 2025
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Anfang und Ende.
Ragnar Jónasson hat mit seiner „Hulda“-Reihe etwas Besonderes versucht: Er erzählt die Geschichte vom Ende bis zum Anfang. Im ersten Band „Dunkel“ steht Hulda Hermannsdóttir kurz vor der Frührente. Sie ermittelt noch in einem allerletzten Fall. Von da an geht es in „Insel“ und „Nebel“ immer weiter zurück in ihre Vergangenheit. „Hulda“ macht da keine Ausnahme. Wir begleiten eine schon erfahrene aber immer noch junge Hulda bei ihrem ersten Fall, den sie verantwortlich leitet. Man kann die Bücher in der Serien-Reihenfolge lesen oder aber sich von Band 4 zu Band 1 vorarbeiten, was vielleicht den Spannungsbogen noch erhöht, denn so bleibt es lange verborgen, was mit Hulda, ihrer Familie und ihrer Karriere weiterhin passiert.
Ein Säugling verschwindet
Huldas erster eigener Fall ist, wie ihr letzter es sein wird, ein Cold Case. Vor 20 Jahren verschwand am Heiligen Abend ein kleiner Junge aus dem Haus seiner Eltern in Reykjavík. Das Kind wurde nie gefunden. Jetzt, 1980, taucht plötzlich der Teddy des Säuglings im Norden von Island auf. Hulda fährt in das Tal in der Nähe von Blöduós, in dem das Kuscheltier gefunden wurde und trifft eine Gemeinschaft an, die nicht immer einer Meinung ist, aber zusammenhält. Hulda sieht diesen Fall als ihre Chance für eine fällige Beförderung. Die würde dann vielleicht zum Kauf ihres Traumhauses führen, was wiederum ihrer kriselnden Ehe guttun würde. Doch egal was kommt, Hulda will immer eine liebe- und hingebungsvolle Mutter für ihre 6-jährige Tochter Dimma sein.
Eine Handvoll Verdächtiger
Die Zahl der Verdächtigen im Fall des verschwundenen Babys ist überschaubar. Nur acht Menschen können eventuell etwas damit zu tun haben. Und dann wird der Älteste von ihnen tot aufgefunden. Natürlicher Tod oder nicht – die Frage steht im Raum. Das alles schürt die Spannung. Was relativ ruhig beginnt, steigert sich bis zum Schluss gewaltig. Jedoch stehen die Ermittlungen nicht im Vordergrund, sie sind das passende Beiwerk zur Person Hulda. Die Protagonistin kämpft an zwei Fronten: ihrer persönlichen, mit den Eheproblemen, und der beruflichen, mit der erhofften Beförderung. Wenn man weiß, wie es in beiden Bereichen für Hulda weitergeht, kann man die Geschichte als tragisch bezeichnen und Mitleid empfinden. Doch Jónasson verbindet die Ermittlungen und Huldas Lage so geschickt, dass es nie seicht und zu emotional wird.
Mensch und Natur
Wieder ist die Natur Islands ein maßgeblicher Teil des Krimis. Der einsame Norden mit einem noch einsameren Tal, die Dunkelheit, das Wetter, die Naturgewalten spielen abermals eine Rolle. Und das sehr gut! Mit seinem gewohnt ruhigen Stil, lässt Jónasson das Kopfkino auf Hochtouren laufen und nimmt uns u.a. mit in eine stürmische Nacht und ein altes Bauernhaus. Genauso eindringlich werden die Handelnden geschildert. Mit wenigen Worten entstehen Charaktere, die von brummig bis liebenswert alles sind. Sie wohnen in einer kleinen Gemeinschaft, abgelegen und von der Natur bestimmt. Die Dynamik zwischen diesen acht Menschen trägt, neben der Protagonistin Hulda, die Geschichte und macht die Suche nach dem Täter umso packender.
Und dann ist Schluss
Der Fall endet plötzlich und überraschend. Was keiner wirklich glaubte, ist tatsächlich vor 20 Jahren geschehen. Hier kommt ein echter Knaller zum Schluss. Und Schluss ist dann wirklich, denn wir sind am Anfang angelangt. Allerdings besteht dennoch Grund zu verhaltener Freude, denn die „Hulda“-Serie wird verfilmt. Bleibt nur noch zu hoffen, dass sie auch bei uns ausgestrahlt werden wird.
Fazit
Ragnar Jónasson ist am Anfang und Ende seiner „Hulda“-Reihe angekommen. Ein packender Cold Case, eine alles tragende Protagonistin und gut gezeichnete Figuren machen „Hulda“ zum Lesegenuss, auch wenn man schon weiß, wie es mit ihr weitergehen wird.

Ragnar Jónasson, btb




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