Nebel

Erschienen: September 2020

Bibliographische Angaben

- OT: Mistur

- aus dem Isländischen von Andreas Jäger

- Bd. 3/3

- Broschur, 352 Seiten

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Carola Krauße-Reim
Am Anfang angekommen

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Okt 2020

Jetzt liegt er vor – der dritte Band der Hulda-Trilogie vom isländischen Autor Ragnar Jónasson! Nach Dunkel und Insel schließt Nebel die Reihe ab - und führt den Leser gleichzeitig an den Beginn der Geschichte, denn die drei Bände bewegen sich chronologisch rückwärts.

Eine private Katastrophe trifft Hulda

Hulda Hermannsdóttir muss Weihnachten 1987 mit einem extrem tragischen Todesfall in der eigenen Familie zurechtkommen. Emotional völlig am Boden, wird die Kommissarin der Polizei Reykjavík im Februar 1988 an den Schauplatz eines Verbrechens gerufen, der eine Tragödie offenbart: In einem einsam gelegenen Bauernhaus im Osten Islands sind mehrere Leichen gefunden worden. Hulda kämpft mit ihrem Trauma, ihrer vermeintlichen Schuld, dem Winter in Island und der Frage, was in diesem Bauernhaus geschah. Wer die ersten beiden Bände der Trilogie gelesen hat, weiß, was Hulda erleiden muss, denn diese spielen jeweils Jahre nach den Geschehnissen dieses dritten Bandes. Aber anders als in Dunkel und Insel lernt der Leser für kurze Zeit eine andere Hulda kennen - eine, die eine Familie und ein wirkliches Zuhause hat; die kämpft, aber noch voller Hoffnung ist. Aber die Katastrophe liegt schon in der Luft und Hulda wird schnell wieder zu der gewohnt tragischen Figur, die der Leser schon kennt und die in ihrer (wenn auch sehr verständlichen) Trauer entnervend monoton ist.

Nichts Neues für Kenner der Trilogie

Ragnar Jónasson verlässt sich auch in Nebel auf Altbewährtes: die Einteilung des Plots in einen privaten Handlungsstrang sowie einen zweiten, in dem ein Mordfall aufgeklärt werden muss. Dabei nimmt auch dieses Mal die Schilderung der privaten Ereignisse weniger Raum ein als die Geschichte rund um die Morde. Lange Strecken begleitet der Leser das Ehepaar Erla und Einar, die alleine auf einem - selbst für isländische Verhältnisse - sehr einsam gelegenen Hof wohnen. Jetzt, im Winter, sind sie völlig von der Außenwelt abgeschnitten und ganz auf sich gestellt. Als am Tag vor Heiligabend plötzlich ein fremder Mann vor ihrer Tür steht, spürt Erla, dass Gefahr droht. Von diesem Augenblick an nimmt die Geschichte an Fahrt auf und hält diese bis zum Schluss aufrecht. Obwohl der Leser an den weiteren Geschehnissen im Bauernhaus teilnimmt, bleibt die Frage nach dem Warum lange Zeit im Dunkeln. Was anfangs als relative familiäre Idylle geschildert wird, entpuppt sich langsam und Stück für Stück als Desaster für Erla, die ihre persönliche Situation dem Leser immer mehr offenbart und ihn in den Bann zieht. Auch dieses Mal punktet Jónasson mit der atmosphärisch dichten Darstellung der isländischen Natur: Die Einsamkeit auf dem Bauernhof, gerade in der ganztägigen Dunkelheit während des Winters, ist durch die geschilderten Gedanken Erlas spürbar, genauso wie die Kälte, das Pfeifen des Sturmes und der sich auftürmende Schnee, der jedes Entkommen unmöglich macht. Und der Leser lernt einmal mehr etwas über die Isländer: Weihnachten werden Bücher geschenkt, die dann an Heiligabend bis spät in die Nacht gelesen werden.

Es menschelt in der Trilogie

Die menschliche Psyche scheint dem Autor sehr am Herzen zu liegen: Schon Hulda Hermansdóttir ist als Protagonistin eine tragische Figur, die privat und beruflich leidet und in diesem Leid feststeckt. Aber auch die anderen Figuren sind durch Schicksalsschläge gezeichnet, die sie in ihrem Handeln beeinflussen. Familie, Freundschaft und Verzweiflung sind die Zutaten, mit denen Jónasson seine Morde würzt; dabei verzichtet er weitgehend auf Brutalität und ausgeklügelte Actionszenen – hier läuft viel subtil ab, ganz im Sinne eines guten Nordic-Noir. Dennoch gehört seine Hulda-Trilogie für mich nicht zu den Highlights dieses Genres, und die zahlreich geäußerten Lobeshymnen kann ich nicht ganz nachvollziehen. Die Kriminalfälle sind stets gleich aufgebaut, die Lösung kommt nur durch ein plötzlich auftauchendes und unvorhergesehenes Moment zustande und die chronologische Orientierung in die Vergangenheit lässt eine Entwicklung der Protagonistin, die diese Figur wesentlich interessanter und vielschichtiger gemacht hätte, nicht zu.

Fazit

Nebel ist zwar der letzte Band der Hulda-Trilogie, doch ich würde jedem empfehlen, mit diesem in das Geschehen einzusteigen. Wenn man sich von Nebel über Insel bis zu Dunkel (im wahrsten Sinne) vorarbeitet, hat man jedes Mal die Lektüre eines spannenden Thrillers und eine Kommissarin, die eine Zukunft hat und nicht nur eine Vergangenheit durchlebt - was mir wesentlich interessanter erscheint.

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