Der Meister vom Goldenen Berg

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • London: Allison & Busby, 2000, Titel: 'The third messiah', Seiten: 253, Originalsprache
  • Berlin: Aufbau, 2004, Seiten: 282, Übersetzt: Frank Wolf

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Sabine Reiß
Ein Buch der leisen Töne, bei dem die Figuren im Vordergrund stehen

Buch-Rezension von Sabine Reiß Jul 2003

Julie, mit richtigem Namen Lin Xianghua, ist unglücklich, sie fühlt sich leer. Als sie bei einem Rendezvous versetzt wird, läuft sie ziellos durch die Straßen von Peking und wird von einem jungen Mann angesprochen, der ihr einen Zettel in die Hand drückt. Zunächst denkt sie, er sei von der Falunlong, einer Gruppierung, die bekämpft wird, da sie gegen alles Westliche ist, doch er erzählt ihr von seiner Kirche, der Kirche des Neuen Himmelreichs, und lädt sie zu einem Gottesdienst ein. Nein, das wäre nichts für sie, sie hatte schon immer mehr für Statussymbole übrig als für Glaubensfragen, aber am Sonntag entschließt sie sich doch, zu der angegebenen Adresse zu radeln. Als sie bei einem weiteren Treffen in einer Privatwohnung von einer Art Kommune auf dem Land hört, wo man zusammen arbeitet und betet und wo der sogenannte Goldene Meister lebt, reift in ihr der Entschluss, ihre Brücken hinter sich abzubrechen.

Ihr Verschwinden wird von ihrer Schwester Rosina und ihren Eltern nicht gerade freudestrahlend aufgenommen. Rosina mobilisiert ihren Mann Wang Anzhuang, der Kommissar bei der Pekinger Polizei ist. Er fährt nach Neu-Tianjing und ihm gelingt es, mit Julie zu sprechen, doch sie will nicht zurückkommen. Das entbehrungsreiche Leben und die gemeinsamen Andachten scheinen ihr das zu geben, was sie gesucht hat. Als Rosina und ihr Mann jedoch hören, dass der Goldene Meister unter mysteriösen Umständen das Zeitliche gesegnet hat, macht sich Wang erneut auf den Weg und dieses Mal wird er sich nicht so schnell abwimmeln lassen.

Von Neuen Meistern und chinesischen Kommissaren

Die Geschichte lebt von den Figuren, insbesondere von der Persönlichkeit Kommissar Wangs. Er ist einerseits ein schüchterner und unauffälliger Zeitgenosse, wenn man sein Privatleben betrachtet. Umarmungen und ähnliche Liebesbezeugungen scheinen jedenfalls in China selbst unter Ehepaaren nicht üblich zu sein, so lässt Christopher West seinen Protagonisten es immer wieder erwähnen. Und obwohl Wang sehr traditionell ist und genau weiß, wie er sich seinen Vorgesetzten gegenüber verhalten muss, damit keiner sein Gesicht verliert, beugt er die Vorschriften andererseits auch mehr als einmal spitzbübisch, damit er zum gewünschten Ergebnis kommt. Auch die Auflösung ist des Falles bildet hier keine Ausnahme.

Die Geschichte plätschert langsam dahin, liest sich leicht und bietet allerdings bis auf das Ende auch kaum Überraschungen. Der Meister vom goldenen Berg ist definitiv ein so ruhiges Buch, das zwar die Spannung nicht auf der Strecke bleibt, aber auch nicht im Vordergrund steht. Wichtig sind hier der die Beschreibungen der traditionellen Verhaltensweisen in China, die oftmals eine Barriere für die Gerechtigkeit darstellen können. So locker und modern wie Sujata Masseys Heldin Rei Shimura ist Wang allerdings nicht, dort wird dem Leser ein wenig mehr Action geboten. Wer leise Töne und keine knallharten oder blutigen Psychothriller bevorzugt, der kann sich aber von Kommissar Wang nach Peking entführen lassen und dieses fremde Land mit einem kleinen Schmunzeln auf den Lippen erkunden.

Der Meister vom Goldenen Berg

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Letzte Kommentare:
07.03.2011 13:16:16
tedesca

Mit dem vierten und leider letzten Teil der Kommissar-Wang-Reihe führt uns der Autor in die Welt der chinesischen Religionsanschauungen und Sekten, die gerade im großstädtischen Bereich von Molochen wie Peking viel fruchtbaren Boden finden. Gebeutelt zwischen Tradition, jüngster Doktrine und modernen Einflüssen aus dem Westen verlieren viele (nicht nur) junge Leute die Orientierung auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens. So auch die Schwägerin des uns bereits bekannten Kommissars Wang, der sich nur schwer mit den vielen Neuerungen anfreunden kann, die der wirtschaftliche Aufschwung in seinem Land mit sich bringt. Sogar seiner sonst so modernen Ehefrau Rosina sind viele Dinge nicht geheuer, so z.B. die unendliche Welt des WWW, in die sie auf der Suche nach ihrer Schwester von einer jungen Kollegin entführt wird.

Parteitreue, logisches Denken und der Sinn für Gerechtigkeit lassen sich für einen Kommissar der Pekinger Kriminalpolizei nicht immer unter einen Hut bringen, aber Wang schafft es trotzdem, das Geheimnis um das Verschwinden seiner Schwägerin zu lüften, ohne dass jemand sein Gesicht verliert. Ein nicht zu unterschätzender Faktor im Umgang mit chinesischen Bonzen und Geschäftsleuten!

"Der Meister des Goldenen Berges" ist eine weitere sensible Momentaufnahme dieses vielseitigen und sich ständig verändernden Landes, durchaus spannend, aber kein wilder Reisser, sondern eher die richtige Lektüre für Leser, die sich für mehr als blutige Details interessieren.



P.S. an Frau Reiss: Rei Shimura hat mit Kommissar Wang ungefähr so viel gemeinsam wie Sushi mit Jiao Zi (chinesischen Teigtaschen) ...