Tote morden nicht

  • Dryas
  • Erschienen: September 2022
Tote morden nicht
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Carola Krauße-Reim
58°

Krimi-Couch Rezension vonOkt 2022

Abschied vom Higher Barton Romantic Hotel

Um die buchungsschwachen Wintermonate zu überbrücken, hat sich Hotelinhaberin Sandra Flemming bereit erklärt das ganze Hotel einer Gruppe Geisterjägern zu überlassen. Die Legende um Evelyn Tremaine mit dazugehörigem Geist soll wissenschaftlich untersucht werden. Obwohl Sandra nicht an untote Mitbewohnerinnen glaubt, kann sie eine gewisse Faszination nicht leugnen. Als dann aber ein Teilnehmer an einem angeblichen übergroßen Schreck stirbt, ist ihr klar, dass hieran ein noch sehr lebendiges Wesen schuld sein muss. Sandra ermittelt und stößt auf überaus merkwürdige Dinge.

In Zukunft zurück in die Vergangenheit

Das alte Herrenhaus in Higher Barton ist schon seit einer geraumen Zeit Ort von Mord und Totschlag. Zuerst ließ die Autorin Mabel Clarence hier ermitteln, die nach 6 Bänden den Staffelstab an Sandra Flemming weitergab. Higher Barton wurde zum Romantic Hotel, blieb aber ein sehr gefährlicher Ort, wenn man die Fälle mit Todesfolge und die damit einhergehenden Ermittlungen betrachtet, die in abermals 6 Bänden erzählt werden. Jetzt heißt es Abschied nehmen vom idyllischen Hotel in Cornwall. Doch so ganz kann sich Rebecca Michéle nicht von diesem Ort trennen, denn sie kündigt für Herbst 2023 neue Krimis an, die abermals im alten Gemäuer von Higher Barton spielen werden, nur dieses Mal geht es mit Emmeline Tremaine zurück in die (mörderische) Vergangenheit.

Ein sehr gemächlicher Cozy-Krimi

Cozy-Krimis leben von der Atmosphäre eines guten alten Englands mit idyllischen Örtchen, dazugehörigen netten Teestuben und glanzvollen Herrenhäusern, die alle von mehr oder weniger exzentrischen Menschen bewohnt werden. Doch die Spannung sollte nicht zu kurz kommen, da die Bücher ja nun einmal Krimis sein sollen. Also passieren in der Idylle natürlich die meist sehr skurrilen Morde, die es von findigen Laien aufzuklären gilt.

So auch hier im beschaulichen Higher Barton. Geisterjäger in altem Gemäuer und ein Tod durch exzessiven Schock passen zum Genre. Dennoch bleibt die Spannung leider auf der Strecke, denn Sandra dreht sich oft genug um die eigene Achse ohne die Handlung voranzutreiben. So dümpeln wir mit ihr zwischen Kaffeeautomaten, Fischständen und verwaister Hotelküche hin und her, bevor etwas mehr Schwung in die sehr konstruierte Geschichte kommt, die dann mit einem zum Teil überraschenden und zum Teil unglaubwürdigen Schluss aufwartet.

Sprachlich ist das ganze natürlich auch keine Herausforderung, immerhin handelt es sich um Unterhaltungsliteratur. Wenn dann allerdings Stilblüten, wie „ …, denn der Major hatte mit seinen achtzig Jahren mehr erlebt und erfahren als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben“ kommen, wünscht man sich doch ein wenig mehr Glaubwürdigkeit von der Geschichte und Sorgfalt von der Autorin. Zudem erliegt Michéle der zeitgenössischen Gender-Manie, die Befürworter*innen bestimmt Genugtuung bereitet, allen anderen aber eher den ästhetischen Verfall der deutschen Sprache mit Begriffen wie „Gästin“ vor Augen halten könnte. Doch das liegt natürlich im ganz persönlichen Ermessen und hat auf Spannung und Handlungsverlauf keinen Einfluss.

Fazit

Ein wenig rühmlicher Abschied von Sandra Flemming und ihrem Higher Barton Romantic Hotel. Der konstruierte Plot mit wenig sprachlicher Raffinesse und kaum wahrnehmbarer Spannung ist selbst für einen Cozy-Krimi zu wenig und dürfte so nur Fans der Serie genügen. Bleibt zu hoffen, dass die angekündigten Fälle aus der Vergangenheit des alten Gemäuers inhaltlich besser aufbereitet werden und mehr Spannung bieten.

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