Der Mann aus dem Schatten

  • Heyne
  • Erschienen: März 2022

- Die Rekke-Vargas-Reihe 1

- Übersetzung: Susanne Dahmann

- Originaltitel: "Rekke 1"

- Hardcover

- 496 Seiten

Der Mann aus dem Schatten
Der Mann aus dem Schatten
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Thomas Gisbertz
85°

Krimi-Couch Rezension vonMär 2022

So müssen Schweden-Thriller sein

Stockholm 2003: Der Fußballschiedsrichter Jamal Kabir, der erst vor Kurzem vor der Taliban aus Afghanistan nach Schweden geflüchtet ist, wird nach einem Jugendspiel erschlagen aufgefunden. Der Täter scheint schnell gefunden: Giuseppe Costa, Vater des größten Jugendtalent des Vereins, war während des Spiels im alkoholisierten Zustand den Schiedsrichter aggressiv angegangen. Aus Sicht der Ermittler kommt daher nur der verrückte und narzisstische Italiener als Täter in Frage - doch es fehlen die Beweise. Martin Falkegren, der jüngste Polizeichef des Landes, holt daraufhin zwei Neue in das Ermittlungsteam: die junge Streifenpolizistin Micaela Vargas, die aus demselben Problemviertel wie der Verdächtige stammt, und den renommierten Psychologen Hans Rekke, ein brillanter Beobachter und Spezialist für Verhörtechniken.

Spur in die Vergangenheit

Aber Rekkes gibt bald nicht nur Vargas Rätsel auf. Die Ermittlungen scheinen zudem im Sande zu verlaufen. Als die junge Polizistin Vargas sich dann auch noch weigert, den Kollegen Informationen über ihren kriminellen Bruder Lucas zu liefern, fliegt sie aus dem Team der Mordermittlung und wird in die Abteilung für Jugendkriminalität versetzt. Doch als sie Monate später durch Zufall Hans Rekke wieder trifft und ihm sogar das Leben rettet, rollen beide gemeinsam den Fall wieder auf. Die engagierte Polizistin und der egozentrische Professor müssen bald erkennen, dass sie es mit weit mehr als einem einfachen Mord im Affekt zu tun haben. Die Spur führt sie nach Afghanistan und damit in die dunkle Vergangenheit des Opfers.

Neue Thrillerreihe

David Lagercrantz arbeitete bis 1993 als Kriminalreporter bei der Tageszeitung Expressen. Der schwedische Autor veröffentlichte bereits zahlreiche Romane und Sachbücher. Größere Bekanntheit erwarb Lagercrantz allerdings erst 2013, als er vom schwedischen Originalverlag und der Familie des verstorbenen Bestsellerautors der „Millenium-Triologie“, Stieg Larsson, ausgewählt wurde, die Folgeromane um den Journalisten Mikael Blomqvist und die extravagante Lisbeth Salander zu schreiben. Zuletzt erschien 2020 beim Heyne Verlag mit „Vernichtung“ der dritte Fortsetzungsroman der Reihe.

„Der Mann aus dem Schatten“ ist der Auftakt einer neuen Trilogie um den brillanten Psychologen Hans Rekke und die junge, ehrgeizige Polizistin Micaela Vargas. Aber auch diesmal orientiert sich David Lagercrantz mitunter an einem anderen großen Kriminalautor. Die Figur des exzentrischen Hans Rekke ist unübersehbar an den bekannten Detektiv Sherlock Holmes des Briten Arthur Conan Doyle angelegt. Was einige Leser/innen abschrecken dürfte, wird andere begeistern. Denn Langercratz gelingt es durchaus, dem „alten Sherlock“ neues Leben einzuhauchen.

Sherlock Holmes 2.0

Die Bezüge zur Welt des bekannten englischen Detektivs sind zahlreich: Der wohlhabende Rekke lebt mit seiner Haushälterin Frau Hansson zusammen (im Original die Vermieterin Mrs. Hudson) und pflegt ein ambivalentes Verhältnis zu seinem Bruder Magnus, der als Staatssekretär und engster Mitarbeiter des schwedischen Außenministers enge Kontakte zur schwedischen Regierung besitzt. Wer denkt da nicht direkt Holmes älteren Bruder Mycroft, den hochbegabten Politberater. Allerdings spielt der „schwedische Holmes “ nicht Geige, sondern war einst ein gefeierter Pianist, der dem Druck aber nicht standhielt; dabei war es eigentlich schon immer Rekkes Wunsch, Detektiv zu werden. Was beide Figuren gemeinsam haben: Sie arbeiten als Berater der Polizei, handeln in ihrer überheblichen, teilweise arroganten Art stets nach ihren eigenen Regeln, besitzen eine exzellente Beobachtungsgabe und leiden unter einer bipolaren Störung, die sie medikamenten- und drogenabhängig macht.

Den Part des getreuen Helfers Dr. Watson übernimmt die junge Polizistin Micaela Vargas. Die gebürtige Chilenin hat bereits früh ihren Vater verloren und ist die jüngere Schwester zweier Brüder, die beide ins kriminelle Milieu abgerutscht sind. Rekke erkennt schnell die Intelligenz der Polizistin und ihre Fähigkeit, analytisch zu denken. Im Gegensatz zu Watson ist sie ein durchaus selbstbewusster, autarker Charakter, der Rekke auch immer wieder in die Schranken zu weisen versteht. Gleichzeitig stellt sie ein belebendes Element für den oftmals lethargischen und lebensüberdrüssigen Professor dar.

Mehr als nur Kopie

Man tut David Lagercrantz Unrecht, wenn man ihn nur als den Autor sieht, „der die Millenium-Trilogie fortgesetzt hat“. Der Schwede versteht es nämlich zu schreiben. Der erste Band der Rekke-Vargas-Reihe hat alles, was einen typischen schwedischen Thriller auszeichnet: ungewöhnliche Figuren, einen politischen Hintergrund und jede Menge Sozial- bzw. Gesellschaftskritik. Darüber hinaus nimmt der Roman eine tiefer gehende Ebene ein, wenn die Spur bis zum Bürgerkrieg in Afghanistan in den 1990er-Jahren führt. Eine spannende Mischung, die vom Autor gekonnt umgesetzt wird.

Fazit

DavidLagercratz gelingt ein großartiger, hochexplosiver Thriller. Auch wenn der Autor zahlreiche Anleihen bei Autoren wie Stieg Larsson oder Conan Arthur Doyle nimmt, weiß er mit einer spannenden Erzählung sowie starken Figuren zu überzeugen.

Der Mann aus dem Schatten

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