Sherlock & Watson – Neues aus der Baker Street: Die Wahrheit der Gloria Scott

Erschienen: März 2021

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Malte Stamer
Krimiklassiker meets Blogger

Buch-Rezension von Malte Stamer Aug 2021

„Die Wahrheit der Gloria Scott“ ist die Folge 10 in der 2. Staffel der verdienstvollen Reihe Sherlock & Watson - Neues aus der Baker Street des Deutschen Audio Verlages (DAV). Alle Fälle dieser Reihe spielen in der Gegenwart. Es kommen bekannte Gestalten mit aktuellen Themen und neuen Medien vor.

Die Story

Nach dem Tod von Sherlock Holmes vor 5 Jahren macht sich Watson auf die mühsame Suche nach den Anfängen von Sherlocks detektivischem Talent. In alten Unterlagen findet er tatsächlich Sherlocks 1. Fall und stellt ihn seinen Followern, Hören oder Lesern vor.

Edinburgh – 1990: Holmes studiert Chemie und geht fleißig seinen Experimenten nach. Anders als sein Mitbewohner Victor Trevor, den vor allem sein Privat-und Partyleben interessiert. Doch plötzlich ist Trevor verschwunden und Sherlock begibt sich auf Spurensuche. Er entdeckt, dass Trevor in das Dealen von Drogen verwickelt war und kommt dabei dem Drogenmixer, einem Chemieprofessor, ins Gehege. Das Lahmlegen dieser Drogenquelle macht ihn bei seinen Mitstudenten zunehmend unbeliebter. Doch Trevor bleibt verschwunden und Sherlock gerät mehr und mehr in die Unterwelt von Edinburgh.

Wie schon in den klassischen Kanon-Fällen weiß man eigentlich vorher, dass Holmes den Täter entlarven wird. Dennoch gelingt es der Autorin, viele Spuren zu legen, überraschende Wendungen einzubauen und damit immer wieder Spannung zu erzeugen. Das zugespitzte Ende wird kaum ein Hörer erwarten.

Die Macher

Die Idee der renommierten Hörspielautorin Viviane Koppelmann, die Holmes-Stories in die Gegenwart zu verlegen, funktioniert. Die alten Fälle verlieren dabei ihre Angestaubtheit und gewinnen an Aktualität. Tatsächlich hat dieser Fall nahezu gar nichts mit dem Kanon-Titel Gloria Scott zu tun. Lediglich die Namen der wichtigsten Personen und einige Charaktereigenschaften sind übernommen und erweitert worden. Holmes irrt sich, macht Fehler, braucht die Unterstützung anderer. Dies tut der Figur gut und ermöglicht es, die Handlung immer wieder spannungsgeladen voranzutreiben. Das Skript wirkt von den aktuellen Holmes – Verfilmungen wie z.B. mit Benedict Cumberbatch inspiriert.  Schön ist auch, dass die „üblichen Verdächtigen“ alle erscheinen: Lestrade, Moriarty, Mycroft und und. Dieser Ansatz ist sicher besser, als die x-te Wiederholung eines alten Stoffes.

Das ganze Team von artinhalt um Leonhard Koppelmann macht gewohnt gute Arbeit. Es lohnt sich, Musik und Ton zu genießen. Vielleicht spielt Holmes bei einer Fortsetzung auch mal Geige?

Die Machart

Das Hörspiel basiert auf drei Pfeilern. Watson studiert die alten e-mails von Sherlock und treibt als Erzähler im Monolog die Handlung voran.  Die Handlung selbst wird dann in den einzelnen Szenen „hörspielgerecht“ vertieft. Uns begegnen Hörsäle, Drogenlabore, Wohnwagen, Verfolgungsjagden und vieles mehr, das des Lauschens wert ist. Der dritte Pfeiler sind kurze Blöcke mit eingestreuten Blogger- oder Twitter-Kommentaren zu Holmes oder Watson. Das ist modern und witzig, trägt aber nicht zur Handlung oder Spannung bei und wird sicher von vielen als nervig empfunden.

Das Ende ist ein spannender, unerwarteter Shut-Down. Genial die Idee, endlich zu erfahren, wie Holmes zu seiner Haushälterin kommt! Etwas langatmig gerät das Ende, wenn die Hintergründe der letzten fünf Fälle dargelegt werden.

Die Münder

Der Erfolg dieser Serie basiert sicher auch auf den beiden Sprechern Johann von Bülow und Florian Lukas, die vor allem aus dem Fernsehen bekannt sind und entsprechend auf den Covern zu sehen sind. Sie machen einen exzellenten Job. Mir persönlich sind allerdings die Stimmen zu wenig charaktervoll. Auch alle anderen Sprecher bewältigen ihre vielseitigen Rollen (Studenten, Gangster, Inspektor etc.) mit Bravour. Ein Highlight ist es, Stefan Kaminski als Moriarty zu lauschen.  Er ist so extrem vielseitig, dass man ihn kaum wiedererkennt.

Das Marketing

Eine mit solchem Aufwand erstellte Hörspielreihe benötigt ein erfolgreiches Marketing. Dies ist dem Verlag offenbar gelungen und man kann auf weitere Folgen hoffen. Ein wenig mehr Information in den CD-Ausgaben wäre nett. Man muss dem Verlag dankbar sein, dass er eine Reihe von Videos bei Youtube veröffentlicht, die ein making-of darstellen: ausführliche Interviews mit den wichtigsten Akteuren.

Fazit

Die Wahrheit der Gloria Scott ist ein exzellent gemachtes Hörspiel. Diese moderne Holmes-Version macht Lust auf mehr ältere oder künftige Folgen. Es braucht aber Geduld für zwei Stunden und die Bereitschaft, die eine oder andere Schwäche zu akzeptieren. Schön, dass ein Verlag den Mut hat, solche aufwändigen Produktionen zu wagen.

Sherlock & Watson – Neues aus der Baker Street: Die Wahrheit der Gloria Scott

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