Blutland - Ein Fall für Juncker und Kristiansen

  • Blanvalet
  • Erschienen: Mai 2022

- Übersetzung: Franziska Hüther

- Juncker & Kristiansen 3

- Originaltitel: "KVÆLER (Juncker & Kristiansen 3)"

- Taschenbuch, Klappenbroschur

- 560 Seiten

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Thomas Gisbertz
80°

Krimi-Couch Rezension von Thomas Gisbertz Mai 2022

Cleveres Katz- und Mausspiel

Im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Rechtsradikalen einerseits sowie autonomen Gruppen und Bandenmitgliedern andererseits. Dabei wird der Neonazi Per Justesen erstochen. Signe Kristiansen, die nach einem Jahr Strafversetzung zur Schutzpolizei zurück in der Abteilung für Gewaltkriminalität ist, übernimmt die Untersuchung des Mordes. Dank eines Zeugen, der die Tat mit dem Handy aufnahm, hat die Polizei schnell einen Verdächtigen: Jamaal Rashad, der gewaltbereite Captain einer berüchtigten Bande.

Neues, altes Ermittlerduo

Kurz darauf wird die Leiche einer Frau in einem Naturschutzgebiet gefunden: erdrosselt und sexuell missbraucht. Die Ermittlung übernimmt Martin Juncker, der sich erst langsam von einer schweren Operation erholt. Bald stellt sich heraus, dass die Ermordete im Rahmen eines Opferschutzprogramms unter einem neuen Namen lebte, weil ihre Familie drohte, sie umzubringen. Sie hatte sich geweigert, eine arrangierte Ehe einzugehen. Ihr Familienname lautete ursprünglich Jamila Rashad - und sie war die Schwester des verdächtigten Neonazi-Mörders Jamaal. Juncker und Kristiansen arbeiten nach langer Zeit wieder zusammen, denn sie vermuten, dass für beide Morde das Bandenmitglied verantwortlich ist.Doch während Jamaal noch in Untersuchungshaft sitzt, wird eine weitere Frau brutal missbraucht und ermordet. Das Ermittlerteam bekommt es mit einem eiskalten Killer zu tun, der es versteht, auch die erfahrensten Polizisten auf eine falsche Fährte zu locken.

Erfolgreiche Nordic-Crime-Autoren

Nach „Winterland“ und „Todland“ erscheint nun mit „Blutland“der dritte Band um das Ermittlerduo Signe Kristiansen und Martin Juncker. Alle drei Titel stürmten nicht nur in Dänemark die Bestsellerlisten. „Winterland“ wurde u.a. mit dem Preis der Dänischen Kriminalakademie für den besten Debütroman ausgezeichnet. Die Romane stammen aus der Feder des Nordic-Crime-Autorenpärchens Faber/Perdersen, das weit mehr als nur der berufliche Erfolg verbindet: Moderatorin und Kriminalreporterin Janni Pedersen und Kim Faber, der als Architekt und darüber hinaus als Journalist bei der dänischen Tageszeitung Politiken arbeitet, sind auch privat ein Paar.

Der alte Mann und die Rebellin

Nachdem der zweiten Band der Reihe, „Todland“, in der sprachlichen und erzählerischen Qualität, besonders was die Figurendarstellung betrifft, deutlichere Schwächen aufwies, findet das Duo Faber/Pedersen wieder zur Stärke des ersten Teils „Winterland“ zurück. Dies liegt vor allem daran, dass die Suche nach dem Täter stärker in den Vordergrund rückt. Die Geschichte über den psychopathischen Killer wird durchweg spannend und packend erzählt. Die Suche nach dem Täter wird dabei geschickt mit der Vergangenheit von Kristiansen und Juncker verknüpft, so dass es eigentlich kaum eine wirkliche Nebenhandlung gibt. Dadurch hält der Roman fast durchweg den Spannungsbogen bis zum Schluss, der zwar spektakulär, aber durchaus glaubhaft erzählt wird.

Es fällt erneut auf, dass die Darstellung des alternden Mordermittlers Martin Juncker deutlich authentischer wirkt als die seiner Kollegin Kristiansen. Juncker lebt von seiner Frau getrennt, hat mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und droht zunehmend zu vereinsamen, so dass er sich regelrecht in die Arbeit stürzt. Signe Kristiansen dagegen wird weniger differenziert dargestellt und wirkt zunehmend farblos, obwohl man versucht, ihr das Image einer rebellischen Ermittlerin zu verpassen, die mit ihren inneren Dämonen zu kämpfen hat. Bei ihr dreht sich alles um die Vergewaltigung durch ihren Kollegen Troels Mikkelsen vor mehreren Jahren. Für Signe wird dies aber tagtäglich zum Thema, da sie weiterhin mit Mikkelsen, der ironischerweise für die Sexualdelikte zuständig ist, zusammenarbeiten muss. Da verwundert es auch nicht, dass bei der Suche nach dem Täter auch der sexuelle Missbrauch durch den Kollegen zunehmend thematisch in den Fokus rückt.

Gewohnte Schwächen

Es überrascht etwas, dass erneut - wie schon im zweiten Band - Handlungsfäden einfach fallengelassen werden. So interessiert sich zum Beispiel irgendwann niemand mehr für den Mord am Neonazi und man erfährt auch nicht, wer nun der Täter war. Ebenso legt der gesuchte Killer so versteckt Spuren für die Ermittler, dass diese verständlicherweise übersehen werden. Wer sucht beispielsweise auf der Rückseite eines Kühlschrankmagneten nach Hinweisen, die dann so nichtssagend sind, dass man die Lösung erst erfährt, als man sie nicht mehr braucht. Die Folge ist - und dies erkennt auch der Täter zum Schluss - dass mehrfach der Zufall den Ermittlern in die Karten spielt.

Fazit

Ein typischer Nordic-Crime-Roman und eine insgesamt unterhaltsame Fortsetzung der Juncker-Kristiansen-Reihe, die durch einen spannenden Plot und eine überraschende Auflösung zu überzeugen weiß.

Blutland - Ein Fall für Juncker und Kristiansen

Janni Pedersen, Kim Faber, Blanvalet

Blutland - Ein Fall für Juncker und Kristiansen

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