Todland - Ein Fall für Juncker und Kristiansen

  • Blanvalet
  • Erschienen: Dezember 2021

- Übersetzung: Franziska Hüther

- Juncker & Kristiansen 2

- Originaltitel: "Satans Sommer (Juncker & Kristiansen 2)"

- Taschenbuch, Klappenbroschur

- 576 Seiten

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Thomas Gisbertz
70°

Krimi-Couch Rezension von Thomas Gisbertz Jan 2022

Schwächere Fortsetzung der dänischen Thrillerreihe

Es ist mittlerweile ein halbes Jahr seit dem verheerenden Terroranschlag auf einem Kopenhagener Weihnachtsmarkt vergangen, der tiefe Narben in der dänischen Bevölkerung hinterlassen hat. Polizeikommissar Martin Juncker wurde zusammen mit der Polizeiassistentin Nabiha Khalid inzwischen zur Abteilung für Gewaltkriminalität nach Næstved versetzt. Während beide dort im Fall des toten Anwalts Ragner Stephansen ermitteln, erhält Charlotte Junckersen, Journalistin und Ehefrau des Ermittlers, einen anonymen Hinweis: Der Terroranschlag am 23. Dezember, der zahlreiche Verletzte und 19 Todesopfer forderte, hätte angeblich verhindert werden können. Ausgerechnet der militärische Geheimdienst scheint ein großes Interesse daran zu haben, die Wahrheit zu verheimlichen – und auch Martin Juncker soll in die Vertuschung verwickelt gewesen sein.

Dunkle Machenschaften

Als Charlotte ihren Mann mit den Hinweisen konfrontiert, streitet dieser alles ab, um beide zu schützen. Juncker weiß nämlich aufgrund seiner Ermittlungen im Fall des Terroranschlags, dass mit den Hintermännern nicht zu spaßen ist. Unterstützung erhält die Journalistin von Junckers ehemaligen Kollegin Signe Kristiansen. Als Charlottes geheimnisvoller Informant brutal ermordet wird, gerät die Ermittlerin aber in einen schweren Konflikt, denn niemand darf von ihrem Kontakt zu Charlotte erfahren. Als sie sich deswegen alleine auf die Suche nach dem Täter macht, kommt die Kommissarin einer unglaublichen Verschwörung auf die Spur, die bis in die höchsten Kreise der dänischen Politik reicht und in die auch der getötete Anwalt Stephansen verwickelt war.

Bekanntes Journalistenpaar

Der aktuelle Roman „Todland“ ist nach „Winterland“ der zweite Band der Trilogie um das Ermittlerduo Signe Kristiansen und Martin Juncker. Die Romane stammen aus der Feder der Moderatorin und Kriminalreporterin Janni Pedersen und ihrem Ehemann Kim Faber, der als Architekt und darüber hinaus als Journalist bei der dänischen Tageszeitung Politiken arbeitet.

Für den 9. Mai 2022 ist die Veröffentlichung des dritten Teils der Reihe, „Blutland“, geplant. Die Filmrechte an der Serie sind bereits an die Produktionsfirma der Netflix-Serie „Die Brücke“ verkauft.

Schwächere Handlung

Der erste Teil „Winterland“ bot durchweg alles, was man von einem skandinavischen Thriller erwartet: eine packende, spannende Geschichte, eine komplexe Charakterzeichnung sowie ein aktuelles sozialkritisches bzw. politisches Thema. Der nun erschienene Folgeroman „Todland“ schwächelt dagegen etwas. So kann er vor allem die Spannung nicht von Anfang bis Ende halten. Besonders im Mittelteil zieht sich die Handlung bisweilen. Dies wäre aber im Gegensatz zur schwächeren Figurendarstellung noch zu verschmerzen. Denn Pedersen / Faber zeichnen hier ein Bild der dänischen Gesellschaft und der Polizei, das eindimensionaler kaum sein könnte.

Fast ausnahmslos jede Hauptfigur des Romans - egal ob Gut oder Böse - geht fremd, vergewaltigt, vergeht sich an Kindern oder hat ein schweres Alkoholproblem. Manchmal kommen sogar mehrere „Probleme“ zusammen. Auch mit Autoritäten und Regeln scheint sich der dänische Ermittler im Allgemeinen schwer zu tun. Dass dann Signe Kristiansen auch noch auf naive Art Beweise manipuliert und es niemanden auffällt, da keiner einen Blick in die Ermittlungsakten wirft, setzt dem Ganzen die Krone auf. Dies hat nur wenig mit schriftstellerischer Freiheit zu tun.

Da muss man als Leser auch damit Leben, dass das „Reinigungsteam“ des militärischen Geheimdienstes wie ein Relikt aus alten KGB-Zeiten erscheint und Geheimdienstmitarbeiter Daten immer noch auf USB-Sticks speichern.

Spannung und leise Töne

Wenn man aber über die genannten Schwächen hinwegzusehen vermag, dann ist die Lektüre - auch im Hinblick auf den dritten Band der Reihe - durchaus lohnenswert. Faber / Pedersen verstehen es nämlich, den Leser zum Schluss hin mit einem spannenden Plot und viel Tempo zu fesseln. Dies gilt in erster Linie für die Geschichte rund um Signe Kristiansen, während Martin Juncker gefühlt fast jeden Tag einmal die Frau des ersten Opfers verhört. Dies sorgt nicht gerade für Kurzweil.

Leider bleiben auch einige Besonderheiten des Falls bis zum Schluss unaufgeklärt und Handlungsfäden werden nicht konsequent genug zusammengeführt. So ist es am Ende eine Nebenhandlung, die am meisten überzeugt: Wenn Juncker gemeinsam mit seiner Tochter Karoline die Vergangenheit seines verstorbenen Vaters durchleuchtet und auf sehr leise Weise die schwierige Vater-Sohn-Beziehung reflektiert, wirken die Figuren sehr lebensnah und stimmen nachdenklich. Die Reihe dürfte ruhig mehr solcher Momente haben.

Fazit

Der zweite Band kann zwar nicht das hohe Niveau des ersten Teils halten, dennoch gelingt dem dänischen Autorenpaar ein zum Ende hin packender Thriller, der dann aber mehr mit Tempo und Action zu überzeugen weiß als mit einer tiefer gehenden Figurendarstellung. Dennoch darf man auf den dritten Band „Blutland“ gespannt sein.

Todland - Ein Fall für Juncker und Kristiansen

Janni Pedersen, Kim Faber, Blanvalet

Todland - Ein Fall für Juncker und Kristiansen

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