Winterland - Ein Fall für Juncker und Kristiansen

Erschienen: Oktober 2021

Bibliographische Angaben

- Übersetzung: Franziska Hüther

- Juncker & Kristiansen 1

- Originaltitel: "Vinterland (Juncker & Kristiansen 1)"

- Taschenbuch, Klappenbroschur

- 624 Seiten

Couch-Wertung:

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Thomas Gisbertz
Gelungener Auftakt einer neuen dänischen Thrillerserie

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Okt 2021

23. Dezember: Auf einem Weihnachtsmarkt in der Kopenhagener Innenstadt explodiert eine Bombe. Die Folgen sind verheerend: Zahlreiche Verletzte und 19 Todesopfer sind zu beklagen, darunter auch kleine Kinder. Ganz Dänemark steht unter Schock. Da es sich nach ersten Einschätzungen um einen Terroranschlag handelt, ermittelt nicht nur die Kopenhagener Polizei, sondern auch die dänischen Geheimdienste werden hinzugezogen. Signe Kristiansen von der Abteilung für Gewaltkriminalität und ihre Kollegen ermitteln ebenfalls mit Hochdruck. Doch sämtliche Spuren verlaufen zunächst im Sande - bis sich ein Unbekannter bei ihr meldet und die Ermittlungen in eine völlig neue Richtung lenkt.

Mord in der dänischen Provinz

Nahezu zeitgleich geschieht in einer verschlafenen Provinzstadt ein brutaler Mord. Nur kurze Zeit zuvor wurde Martin Juncker, einer der besten Mordermittler Dänemarks, wegen eines verhängnisvollen Fehlers aus Kopenhagen hierher nach Sandsted versetzt. Dort leitet er die kleine Polizeistation und kümmert sich darüber hinaus noch um seinen dementen Vater. Doch dann entdeckt er den schrecklich zugerichteten Leichnam eines jungen Mannes. Bent Larsen wurde in einem abgelegenen Haus brutal erschlagen, seine Ehefrau ist verschwunden. Der Fall erscheint mehr als rätselhaft. Der Tatort wurde akribisch gesäubert; es gibt keinerlei Spuren. Gemeinsam mit der jungen Polizeiassistentin Nabiha Khalid und Polizeianwärter Kristoffer Kirch nimmt Juncker die Ermittlungen auf - nichts ahnend, dass er sich damit in tödliche Gefahr begibt.

Bekanntes Journalistenpaar

Der Thriller Winterlandist der Debütroman des Ehepaars Janni Pedersen und Kim Faber. Pedersen ist Moderatorin und Kriminalreporterin bei TV2, einem der meistgesehenen Fernsehsender Dänemarks. 2018 wurde sie als beste Nachrichtensprecherin des Jahres ausgezeichnet. Faber ist Architekt und darüber hinaus Journalist bei Politiken,einer der größten dänischen Tageszeitungen.

Das Erstlingswerk des Autorenehepaars ist der Auftakt einer Reihe um das Ermittlerduo Signe Kristiansen und Martin Juncker. Der Roman hielt sich nicht nur 46 Wochen in den Top 10 der dänischen Bestsellerliste, sondern wurde als bestes Debüt von der dänischen Krimi-Akademie ausgezeichnet.

Bereits Ende Dezember erscheint mit Todland in Deutschland der zweite Band der Reihe. Für Mai 2022 ist die Veröffentlichung des dritten Teils, Blutland, geplant. Die Filmrechte an der Serie sind bereits an die Produktionsfirma der Netflix-Serie „Die Brücke“ verkauft.

Etwas schmunzeln muss man beim Cover des Romans. Hier hat sich Blanvalet offensichtlich derselben Vorlage wie schon der Piper Verlag bei Wisting und der See des Vergessens(4. Band der Cold-Case-Reihe) bedient, auch wenn es farblich leicht angepasst wurde.

Klassischer Thriller aus Dänemark

Der erste Roman von Faber / Pedersen bietet eigentlich alles, was man von einem skandinavischen Thriller erwartet: eine packende, mehr als spannende Geschichte, eine komplexe Charakterzeichnung, die auch die Nebenfiguren miteinschließt, sowie ein aktuelles sozialkritisches bzw. politisches Thema. Dies alles vor der Kulisse eines verschneiten und kalten Dänemarks.

Der Roman zeichnet vor allem das Bild einer zerrissenen Gesellschaft, die immer stärker polarisiert. Neonazis und rechtsradikale Widerstandsbewegungen sind präsenter, die Bedrohung durch Terrorgruppierungen des islamischen Staats nimmt zu. Erst im Frühjahr ließ in Dänemark die sozialdemokratische Regierungschefin Mette Frederiksen aufhorchen, weil sie den Anteil der Bewohner „nicht-westlicher“ Herkunft in Stadtvierteln auf 30 Prozent begrenzen wolle, um „Parallelgesellschaften“ in Dänemark zu vermeiden. Zudem verfolgt das Land eine strikte Zuwanderungspolitik, die vom Großteil der Bevölkerung befürwortet wird. Besonders das Thema Einwanderer und Asylbewerber rückt verstärkt in den Fokus des aktuellen Thrillers von Faber / Pedersen. Hier wird eine tiefsitzende Angst vor Überfremdung in der Bevölkerung deutlich.

Private Probleme

Gleichzeitig thematisiert der Roman auf feinfühlige Weise auch die Angst vor dem Älterwerden und die Einsamkeit im Alter. Verdeutlicht wird dies anhand einer angespannten Vater-Sohn-Beziehung. Während Martin Juncker nach einem Fehltritt zumindest vorübergehend von seiner Frau Charlotte getrennt lebt, muss er sich um seinen unter zunehmender Demenz leidenden Vater kümmern, zu dem er schon seit seiner Kindheit ein mehr als distanziertes Verhältnis pflegt. Eigentlich hasst Juncker diesen dominanten, gefühlskalten Mann. Aber wenn er mitbekommt, wie sein Vater sich immer weniger im Haus zurechtfindet, mit nackten Füßen orientierungslos durch den Schnee tappst oder sich einnässt, empfindet er doch Mitleid mit ihm.

Signe Kristiansen dagegen verbirgt vor ihrem Mann und der Familie ein dunkles Geheimnis. Sie wurde nach einer Weihnachtsfeier von ihrem Kollegen Troels Mikkelsen brutal vergewaltigt. Statt ihn anzuzeigen, verschweigt sie den Übergriff. Während ihrer fast täglichen Arbeit mit Mikkelsen kommen in ihr aber immer wieder die Erinnerungen und vor allem der Abscheu diesem Mann gegenüber hoch.

Kleinere Schwächen

Sämtliche Themen werden verpackt in eine kurzweilige, sehr spannende Erzählung. Da ist es zu verschmerzen, dass die Dialoge manchmal etwas banal und hölzern wirken. Dies gilt insbesondere für den Schluss des Romans. Hier gibt es dann auch die ein oder andere Stelle, bei der man an der professionellen Ausbildung eines dänischen Killers etwas zweifeln muss.

Andererseits fasst man keinen Täter, wenn dieser nicht Fehler begeht. Zu guter Letzt findet das Autorenpärchen Faber / Pedersen einen Schluss, bei dem der Fall gelöst wird und dennoch genügend Spannung für die Folgebände vorhanden bleibt. Man darf sich also schon auf den Folgeband Totland freuen.

Fazit:

Janni Pedersen und Kim Faber verlassen zwar mit dem Start ihrer Juncker-Kristiansen-Reihe nicht die bekannten Pfade skandinavischer Spannungsliteratur, dennoch oder vielleicht gerade deswegen unterhalten sie mit Winterland bestens. Dänemark hat ein neues vielversprechendes Thrillerduo, das aufhorchen lässt.

Winterland - Ein Fall für Juncker und Kristiansen

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